Gänseblümchen (Bellis perennis)

Familie
KorbblütlerBellis perennis - das „ausdauernd Schöne“
Verwendet wird
Blüte, Knospe und Blattalles essbar, am besten frisch aus ungedüngtem Rasen
Geschmack
Nussig und leicht herbdie Knospen am kräftigsten, die Blätter am bittersten
Herkunft
Europaauf jeder Wiese, jedem Rasen, praktisch das ganze Jahr
Wichtig
Keine Monographiees gibt keine anerkannte arzneiliche Anwendung
Küche
Falsche Kaperndie geschlossenen Knospen in Essig eingelegt

HerkunftDas Tausendschön vor der Haustür

Gänseblümchen weiße Blüten

Bellis perennis heißt „das ausdauernd Schöne“ - und tatsächlich blüht es an milden Standorten das ganze Jahr, sogar im Januar.

Das Gänseblümchen wächst auf jeder kurz gehaltenen Wiese, jedem Rasen, jedem Sportplatz - es verträgt Tritt und häufigen Schnitt besser als fast jede andere Blütenpflanze und setzt sich genau dort durch, wo höhere Konkurrenten abgemäht werden. Es bildet eine flache Blattrosette und einzelne Blütenköpfchen auf blattlosen Stielen. Was wie eine Blüte aussieht, ist botanisch ein Körbchen aus vielen Einzelblüten: außen die weißen Zungenblüten, innen die gelben Röhrenblüten.

Die Volksnamen sind zahlreich und zärtlich: Tausendschön, Maßliebchen, Margritli, Marienblümchen, Monatsröserl. Im Englischen heißt es daisy - von day’s eye, Tagesauge, weil sich die Körbchen abends und bei Regen schließen und morgens wieder öffnen. Diese Bewegung ist echte Pflanzenphysiologie: Die Zungenblüten reagieren auf Licht und Temperatur.

In der Volksmedizin hatte es einen festen, aber immer bescheidenen Platz: als Hustenkraut, als „blutreinigendes“ Frühjahrskraut, als Wundmittel und vor allem bei Prellungen und Blutergüssen - daher der Beiname „kleine Arnika“. In der Homöopathie ist Bellis perennis bis heute ein bekanntes Mittel für stumpfe Verletzungen, besonders im Bauch- und Beckenraum. Und es ist eine der Pflanzen, mit denen Kinder als Erstes in Berührung kommen - Kränze binden, Blätter zählen, Blüten essen.

NutzenWas das Gänseblümchen für dich tut

Hier braucht es keine Umwege: Für das Gänseblümchen gibt es keine anerkannte arzneiliche Anwendung. Weder die Kommission E noch die europäische Arzneimittelagentur führen eine Monographie, und klinische Studien existieren praktisch nicht. Was überliefert ist - Husten, Wundheilung, Prellungen, Frühjahrskur - beruht auf Erfahrung und auf der Ähnlichkeit zu anderen Korbblütlern, nicht auf Untersuchungen. Das sagen wir deutlich, weil im Netz gern das Gegenteil behauptet wird.

Was chemisch drinsteckt, macht die Tradition immerhin plausibel: Saponine, die auf Schleimhäuten schleimlösend und leicht reizend wirken - das ist die Grundlage der Hustenanwendung –, dazu Gerbstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl in Spuren, organische Säuren und reichlich Vitamin C. Für ein Blattgemüse ist der Nährstoffgehalt ordentlich, und als Wildkraut im zeitigen Frühjahr ist es eine der ersten verfügbaren Frischpflanzen überhaupt.

Der ehrlichste Nutzen liegt woanders, und er ist nicht klein: Das Gänseblümchen ist ein vollständig essbares, das ganze Jahr verfügbares, kostenloses Wildgemüse direkt vor der Haustür. Die Knospen eingelegt ersetzen Kapern, die Blüten machen jeden Salat schöner, die jungen Blätter sind ein nussig-herbes Salatgrün. Und es ist die Pflanze, mit der man Kindern beibringen kann, dass Essbares auch im Rasen wächst. Dafür braucht es keine Studienlage.

Ganzjährigan milden Standorten blüht es sogar im Januar
Alles essbarBlüten, Knospen und junge Blätter
Keine Monographiees gibt keine anerkannte arzneiliche Anwendung
Day’s eyedie Körbchen schließen sich abends und öffnen sich morgens

InhaltsstoffeDas steckt im Blümchen

Die wichtigste Stoffgruppe sind die Saponine - Triterpensaponine vom Bellidiosid- und Bellissaponin-Typ. Saponine setzen die Oberflächenspannung herab und wirken auf den Atemwegsschleimhäuten leicht reizend, was reflektorisch die Bronchialsekretion anregt. Das ist derselbe Mechanismus wie bei Schlüsselblume und Efeu und die nachvollziehbare Grundlage der alten Hustenanwendung - nur in deutlich schwächerer Ausprägung.

Dazu kommen Gerbstoffe (die den leicht herben Geschmack und die adstringierende Wirkung auf Wunden erklären), Flavonoide wie Apigenin und Quercetin, Polyacetylene, organische Säuren, Schleimstoffe und Inulin. Der Vitamin-C-Gehalt ist für ein Wildkraut beachtlich, was das Gänseblümchen zu einem sinnvollen Bestandteil der klassischen Frühjahrskur macht.

Für die Küche ein praktischer Hinweis: Der Geschmack ist je nach Pflanzenteil deutlich verschieden. Die Blütenköpfchen sind mild und leicht nussig, die geschlossenen Knospen am kräftigsten und würzigsten - deshalb funktionieren sie als falsche Kapern so gut –, die Blätter sind am bittersten und werden mit dem Alter zäh. Für den Salat nimmt man die jungen, hellen Blätter aus der Mitte der Rosette.

Verstärkte KombinationenWas das Gänseblümchen stärker macht

Ein Kraut für die kalte Küche und für den eigenen, ungespritzten Rasen.

Standort

vom ungedüngten Rasen

Nicht von Hundewiesen, Straßenrändern oder gedüngten Flächen - es wird roh gegessen.

Salat

mit mildem Blattsalat

Blüten und junge Blätter unter Kopfsalat oder Feldsalat - Farbe und eine nussige Note.

Vorrat

als falsche Kapern

Die geschlossenen Knospen in Essig - die beste Verwendung überhaupt.

Fett

mit Butter & Frischkäse

Die leichte Bitterkeit braucht Fett als Gegenspieler.

Frühjahr

mit Brennnessel & Löwenzahn

Die klassische Wildkräuterkur im März - drei Pflanzen, die überall wachsen.

Kinder

als erste Wildpflanze

Sie ist unverwechselbar, unbedenklich und überall - der beste Einstieg ins Wildkräutersammeln.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Standort

nicht vom Hundeweg oder Straßenrand

Blüten und Blätter werden roh gegessen; die Fläche muss sauber sein.

Erwartung

nicht als Heilmittel

Es gibt keine anerkannte arzneiliche Anwendung und praktisch keine Studien.

Menge

nicht in großen Mengen

Die Saponine können in größerer Menge Magen und Schleimhaut reizen.

Allergie

nicht bei Korbblütler-Allergie

Wie alle Korbblütler kann es bei Empfindlichen Reaktionen auslösen.

Blätter

nicht die alten, zähen Blätter

Mit dem Alter werden sie bitter und faserig - nur die jungen aus der Rosettenmitte.

Technik

nicht mitkochen

Die Blüten verlieren Farbe und Form sofort - sie gehören auf den fertigen Teller.

Zu welchem GerichtWo es hingehört

  • BlütensalatGanze Blütenköpfchen über Blattsalat - essbar und hübsch.
  • Falsche KapernGeschlossene Knospen in Salz ziehen lassen, dann in Essig mit Lorbeer einlegen.
  • KräuterquarkJunge Blätter und Blüten fein gehackt in Quark mit Schnittlauch.
  • WildkräutersalatMit Löwenzahn, Brennnessel, Vogelmiere und Sauerampfer im Frühjahr.
  • ButterbrotBlüten auf gebutterte Brotscheibe - die einfachste und beste Variante.
  • KräuterbutterFeingehackt mit Zitronenabrieb in weiche Butter.
  • SuppengarniturBlüten erst auf den fertigen Teller, nie in den Topf.
  • Essbare TortendekoBlüten in Eiweiß und feinem Zucker kandiert.
  • FrühjahrskurÜber zwei bis drei Wochen täglich eine Handvoll ins Essen - die alte Wildkräuteranwendung.
  • KranzbindenDie eigentlich wichtigste Verwendung, wenn Kinder dabei sind.
Faustregel: Vom eigenen, ungedüngten und ungespritzten Rasen ernten - nicht vom Weg, wo Hunde laufen. Die geschlossenen Knospen sind das Beste an der Pflanze: eingelegt ersetzen sie Kapern vollständig. Blüten immer auf den fertigen Teller, nie in den Topf. Und ehrlich bleiben: Das ist ein gutes Wildgemüse, kein Heilmittel.

Als HausmittelFalsche Kapern

So geht’s

Eingelegte Gänseblümchenknospen

  1. An einem trockenen Vormittag geschlossene, feste Blütenknospen sammeln - eine kleine Schüssel voll reicht für ein Glas.
  2. Kurz abspülen, gut abtrocknen, in eine Schüssel geben und mit einem Esslöffel Salz bestreuen. Über Nacht ziehen lassen; das zieht Wasser heraus und macht sie fest.
  3. Am nächsten Tag abspülen, in ein sauberes Schraubglas füllen, ein Lorbeerblatt, ein paar Pfefferkörner und nach Wunsch eine Scheibe Zwiebel zugeben.
  4. Mit erhitztem, nicht kochendem Weißweinessig übergießen, bis alles bedeckt ist. Verschließen und vier Wochen kühl und dunkel durchziehen lassen.
Wofür

Für alles, wofür man sonst Kapern nimmt: Vitello tonnato, Sauce gribiche, Kartoffelsalat, Pasta mit Zitrone, Fischgerichte. Das ist ein reines Küchenrezept - ein Heilmittel ist es nicht, und wir behaupten das auch nicht. Was es wirklich leistet: Es macht aus einer Pflanze, an der die meisten Menschen täglich vorbeilaufen, eine Zutat, die man vermissen würde.

Menge

In der Küche nach Belieben, wie Kapern. Kühl und dunkel gelagert halten sie mindestens ein Jahr; nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und immer mit einem sauberen Löffel entnehmen. Nur von Flächen ernten, die nicht gedüngt, nicht gespritzt und keine Hundewiese sind. Bei Korbblütler-Allergie - Beifuß, Kamille, Ambrosia - erst eine kleine Menge testen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Das Gänseblümchen ist im Ayurveda nicht vertreten. Nach seinen Eigenschaften eingeordnet wäre es leicht bitter, herb und kühlend: Pitta und Kapha senkend, Vata in größeren Mengen erhöhend. Als frisches Frühjahrskraut nach dem schweren Winter - der ayurvedischen Kapha-Zeit - würde es gut passen. Eine Einordnung nach Prinzip, keine Überlieferung.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der chinesischen Materia Medica fehlt es. Nach seinem Charakter wäre es ein süß-bitteres, kühles Kraut, das Hitze klärt und Toxine ausleitet - in der Nachbarschaft von Pu Gong Ying, dem Löwenzahn, der dort genau diese Rolle hat und ebenfalls ein Korbblütler vom Wegrand ist. Interessant ist, dass die europäische und die chinesische Tradition bei diesen kleinen Wegrandpflanzen zu sehr ähnlichen Zuschreibungen kommen.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Keine anerkannte Anwendung: es gibt keine positive Monographie und praktisch keine klinischen Studien.
  • Sammelstellen: nur von ungedüngten, ungespritzten Flächen abseits von Hundewiesen und Straßen - es wird roh gegessen.
  • Korbblütler-Allergie: wie bei allen Korbblütlern sind Reaktionen möglich - erst in kleiner Menge testen.
  • Menge: die enthaltenen Saponine können in größeren Mengen Magen und Schleimhaut reizen.
  • Schwangerschaft: als Salatzutat unproblematisch, auf konzentrierte Auszüge und Teekuren verzichten.
  • Kein Ersatz: bei Husten, Wunden oder Prellungen, die nicht besser werden, gehört eine Abklärung dazu.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Gattung Bellis - Inhaltsstoffe und Bewertung der traditionellen Anwendung.
  2. Fleischhauer SG, Guthmann J, Spiegelberger R: Enzyklopädie essbare Wildpflanzen. AT Verlag - Bellis perennis.
  3. Hehner J et al. Saponins from Bellis perennis - Charakterisierung der Bellissaponine (phytochemische Arbeiten).
  4. Paulsen E. Contact sensitization from Compositae-containing herbal remedies and cosmetics. Contact Dermatitis 2002; 47(4): 189–198.
  5. USDA FoodData Central und Bundeslebensmittelschlüssel - Vitamin-C-Gehalt von Wildkräutern im Vergleich.