Flohsamen (Plantago ovata)

Botanischer Name
Plantago ovataWegerichgewächse (Plantaginaceae), Indischer Flohsamen
Verwendet wird
Vor allem die Samenschalenals Flohsamenschalen, ganz oder gemahlen
Geschmack
Neutralquellen zu einem farblosen Gel
Herkunft
Indien, Pakistan, IranHauptanbau im indischen Gujarat
Bekannt für
Quellstoff für den Darmbindet ein Vielfaches an Wasser
Saison
Ganzjähriggetrocknet, fast nur Import

HerkunftVom persischen „Pferdeohr“ zum Hausmittel

Flohsamenschalen im Holzlöffel

Der indische Name Isabgol geht auf das Persische zurück und bedeutet so viel wie „Pferdeohr“ - wegen der Form der Samen.

Der Indische Wegerich ist ein unscheinbares, einjähriges Kraut aus trockenen Regionen zwischen Mittelmeer, Arabien und Indien. Die winzigen, glänzenden Samen erinnern an Flöhe, daher der deutsche Name. Persische und indische Heilkundige nutzten sie seit Jahrhunderten bei Darmbeschwerden.

Heute kommt der größte Teil der Weltproduktion aus dem Bundesstaat Gujarat in Indien. Verwendet werden meist nicht die ganzen Samen, sondern die abgetrennten Schalen: Sie enthalten den Großteil des Schleims und quellen stärker. In Deutschland bewertete schon die Kommission E Flohsamenschalen positiv, heute beschreibt die Europäische Arzneimittel-Agentur ihre Anwendung in einer eigenen Monographie.

NutzenWas Flohsamenschalen für dich tun

Flohsamenschalen bestehen zu rund 80 bis 85 Prozent aus Ballaststoffen, vor allem aus einem gelbildenden Arabinoxylan. Das Gel bindet Wasser, macht harten Stuhl weicher und festen Stuhl geschmeidiger - und dickt dünnen Stuhl bei Durchfall etwas an.

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA (HMPC) stuft sie als well-established use ein, also als Anwendung mit wissenschaftlich gut belegter Wirkung: bei gewohnheitsmäßiger Verstopfung, wenn ein weicher Stuhl erwünscht ist (etwa bei Hämorrhoiden oder Analfissuren), zur Ergänzung der Ballaststoffzufuhr beim Reizdarm mit Verstopfung und begleitend zur Diät bei erhöhtem Cholesterin. Eine Meta-Analyse zum Reizdarm fand einen Nutzen nur für lösliche Ballaststoffe wie Flohsamen, nicht für Kleie.

Beim Cholesterin senkten Flohsamenschalen in 28 Studien das LDL im Mittel um etwa 0,33 mmol/l, bei rund 10 g am Tag. Die US-Behörde FDA erlaubt seit 1998 einen Hinweis auf ein geringeres Herzrisiko ab 7 g löslichen Ballaststoffen aus Flohsamenschalen täglich. Das ist ein messbarer, aber begrenzter Effekt - er ergänzt eine gute Ernährung und ersetzt keine verordneten Medikamente.

ca. 80 gBallaststoffe pro 100 g Flohsamenschalen
ca. 0,33 mmol/lLDL-Senkung im Mittel (Meta-Analyse)
7 glösliche Ballaststoffe pro Tag - Schwelle der US-Behörde FDA
150 mlFlüssigkeit mindestens pro 5 g

InhaltsstoffeDas steckt in Flohsamenschalen

Flohsamenschalen enthalten fast nur Schleimstoffe, vor allem ein hoch verzweigtes Arabinoxylan aus Xylose und Arabinose, dazu wenig Eiweiß, kaum Fett und kaum verwertbare Kohlenhydrate. Die ganzen Samen enthalten zusätzlich fettes Öl, mehr Eiweiß und etwas Stärke.

Vitamine und Mineralstoffe spielen kaum eine Rolle - ihr Wert liegt im Quellvermögen.

Verstärkte KombinationenWas Flohsamen stärker macht

Flohsamenschalen brauchen vor allem eines: genug Flüssigkeit - und einen festen Platz im Alltag.

Flüssigkeit

mit viel Wasser

Mindestens 150 ml auf einen Teelöffel, danach nachtrinken.

Frühstück

mit Haferflocken

Zwei lösliche Ballaststoffe zusammen.

Joghurt

mit Naturjoghurt

Kurz einrühren und sofort essen.

Backen

im glutenfreien Brot

Bindet den Teig wie Kleber.

Heimisch

im Wechsel mit Leinsamen

Ähnliche Wirkung, mehr Omega-3.

Geduld

mit langsamer Steigerung

Mit einem halben Teelöffel beginnen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Trocken

nicht trocken schlucken

Quillt in Speiseröhre oder Darm - Verschlussgefahr.

Medikamente

nicht zeitgleich einnehmen

Mindestens eine halbe bis eine Stunde Abstand.

Abend

nicht direkt vor dem Schlafen

So rät es die EMA.

Staub

nicht das Pulver einatmen

Kann eine Allergie auslösen.

Darm

nicht bei Darmverengung

Auch nicht bei Schluckbeschwerden.

Diabetes

nicht ohne Rücksprache

Insulin muss eventuell angepasst werden.

In der KücheWo sie hingehören

  • Wasserglas am MorgenEin Teelöffel eingerührt.
  • Overnight OatsMit Hafer und Beeren.
  • Joghurt-SchaleMit Obst und Nüssen.
  • Glutenfreies BrotFlohsamen als Bindemittel.
  • Low-Carb-BrötchenMit Mandelmehl.
  • SmoothieKurz vor dem Trinken einrühren.
  • PfannkuchenEtwas Flohsamen im Teig.
  • Ei-ErsatzMit Wasser angerührt.
  • Suppe andickenEine Prise statt Mehl.
  • EnergiekugelnMit Datteln und Kakao.
Faustregel: Flohsamenschalen in das Getränk einrühren und sofort trinken, bevor es zu dick wird - danach noch ein großes Glas Wasser.

Als HausmittelFlohsamen-Wasser für eine geregelte Verdauung

So geht’s

Flohsamen-Wasser

  1. 1 Teelöffel Flohsamenschalen (etwa 3 bis 5 g) in ein Glas geben.
  2. Mindestens 150 ml Wasser, Saft oder Tee darübergießen und kräftig umrühren.
  3. Sofort trinken, bevor die Mischung geliert.
  4. Ein weiteres Glas Wasser nachtrinken und über den Tag verteilt genug Flüssigkeit aufnehmen.
Wofür

Bei gewohnheitsmäßiger Verstopfung, bei Hämorrhoiden, wenn ein weicher Stuhl erwünscht ist, und beim Reizdarm mit Neigung zu Verstopfung.

Menge

Ein- bis dreimal täglich, langsam steigern. Arzneimittel mindestens eine halbe bis eine Stunde vorher oder nachher einnehmen. Bessert sich die Verstopfung nach drei Tagen nicht, ärztlich abklären lassen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Im Ayurveda heißt der Flohsamen Isabgol. Er gilt als kühlend, schwer und schleimig und wird traditionell bei Hitze im Darm, bei Verstopfung und bei Durchfall gegeben - beruhigend für Pitta und Vata, bei Kapha sparsam.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der klassischen TCM spielt der Indische Flohsamen keine Rolle. Verwandt ist aber Che Qian Zi, der Samen des Großen Wegerichs: Er gilt als süß und kühl und soll Feuchtigkeit und Hitze ausleiten.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Flüssigkeit: immer mit mindestens 150 ml pro Portion und viel Nachtrinken - sonst droht Verstopfung bis zum Darmverschluss.
  • Medikamente: mit einer halben bis einer Stunde Abstand einnehmen, weil Quellstoffe die Aufnahme verzögern. Bei Diabetes kann eine Anpassung des Insulins nötig sein.
  • Allergie: der Staub der Schalen kann beim Einatmen sensibilisieren; bekannt sind Asthma und Allergien bis zum Schock, etwa bei Pflegekräften, die das Pulver oft anrühren.
  • Darm: nicht bei Darmverengung, Darmlähmung, Schluckbeschwerden oder unklaren Blutungen aus dem Darm.
  • Warnzeichen: plötzliche Veränderungen der Verdauung über mehr als zwei Wochen, Bauchschmerzen oder ausbleibender Stuhl gehören ärztlich abgeklärt.
  • Kinder: als Arzneimittel bei Verstopfung erst ab 6 Jahren, zur Ergänzung der Ballaststoffe erst ab 12 Jahren.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. European Medicines Agency, HMPC: Community herbal monograph on Plantago ovata Forssk., seminis tegumentum. Revision 1, 2013.
  2. European Medicines Agency, HMPC: Assessment report on Plantago ovata Forssk., seminis tegumentum.
  3. Moayyedi P et al. The effect of fiber supplementation on irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis. American Journal of Gastroenterology 2014; 109(9): 1367–1374.
  4. Jovanovski E et al. Effect of psyllium (Plantago ovata) fiber on LDL cholesterol and alternative lipid targets, non-HDL cholesterol and apolipoprotein B: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. American Journal of Clinical Nutrition 2018; 108: 922–932.
  5. U.S. Food and Drug Administration: Food Labeling: Health Claims; Soluble Fiber From Certain Foods and Coronary Heart Disease. Federal Register 1998; 63(32).