Gerste (Hordeum vulgare)
HerkunftDas Korn der ersten Bauern

Das Wort „Graupe“ kommt aus dem Slawischen und bedeutet schlicht „geschältes Korn“.
Gerste wurde vor mehr als 10.000 Jahren im Fruchtbaren Halbmond domestiziert, zur selben Zeit wie Emmer und Einkorn. In Mesopotamien war sie Brot, Bier und sogar Zahlungsmittel, und römische Gladiatoren wurden als „hordearii“ - Gerstenesser - verspottet, weil sie so viel davon aßen. Gerste ist genügsam, reift schnell und wächst von Tibet bis Skandinavien.
In Deutschland war Gerstenbrei lange ein Alltagsessen, bevor Kartoffeln und Weizen ihn verdrängten. Heute wird der größte Teil als Futter und als Braugerste genutzt. In der Küche begegnet sie uns vor allem als Graupen: geschälte und rund geschliffene Körner, die in Eintöpfen und Suppen stecken - ein bescheidenes Lebensmittel, das gerade wiederentdeckt wird.
NutzenWas Gerste für dich tut
Gerste enthält je nach Sorte rund 3 bis 6 g Beta-Glucan pro 100 g, in Vollkorn und Graupen insgesamt etwa 15 g Ballaststoffe. Dazu kommen Magnesium, Eisen, Zink, Selen und B-Vitamine. Beta-Glucan bildet im Darm eine zähe Lösung, bindet Gallensäuren und bremst die Aufnahme von Zucker.
Für Gersten-Beta-Glucan hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Wirkung geprüft und bestätigt: 3 g Beta-Glucan am Tag tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels bei und können das LDL-Cholesterin senken. Das entspricht etwa 60 bis 80 g Graupen oder Gerstenflocken. Studien zeigen außerdem, dass Gerstenmahlzeiten den Blutzucker langsamer ansteigen lassen und lange satt machen.
Gerste enthält das Klebereiweiß Hordein und ist bei Zöliakie nicht geeignet. Auch Malzextrakt, Malzkaffee und Bier auf Gerstenbasis enthalten Gluten. Wer einen empfindlichen Darm hat, sollte die Menge langsam steigern - lösliche Ballaststoffe können anfangs Blähungen machen.
InhaltsstoffeDas steckt in der Gerste
Gerste enthält Stärke, Eiweiß (einschließlich des Klebereiweißes Hordein), lösliche Ballaststoffe (vor allem Beta-Glucan), unlösliche Ballaststoffe wie Arabinoxylane, Tocotrienole, Lignane, Phenolsäuren sowie Magnesium, Eisen, Zink, Selen, Mangan und die Vitamine B1, B3 und B6.
Anders als bei Weizen sitzt das Beta-Glucan nicht nur in der Schale, sondern im ganzen Korn. Deshalb liefern auch geschliffene Graupen noch reichlich davon - feine Perlgraupen etwas weniger als grobe Graupen oder Gerstenvollkorn.
Verstärkte KombinationenWas Gerste stärker macht
Gerste ist ein Eintopf-Getreide - sie mag Zeit, Brühe und Gemüse.
Karotte, Sellerie, Lauch - die klassische Graupensuppe.
Mehr Eiweiß, noch mehr Ballaststoffe.
Frische und Würze.
Im Müsli, mit Hafer gemischt.
Als Graupen-Risotto.
Hilft beim Eisen.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Enthält Gluten.
Malzextrakt und Bier enthalten Gluten.
Langsam steigern, sonst Blähungen.
Ballaststoffe brauchen Wasser.
Graupen vorher abspülen.
Das Beta-Glucan steckt im Korn, nicht im Glas.
In der KücheWo sie hingehört
- GraupensuppeMit Wurzelgemüse und Lauch.
- Graupen-RisottoAuch „Orzotto“ genannt.
- GerstensalatMit Tomate, Gurke und Kräutern.
- Gerstenflocken-MüsliMit Apfel und Nüssen.
- Gefüllte PaprikaMit Graupen statt Reis.
- Linsen-Graupen-EintopfDeftig und sättigend.
- Scotch BrothSchottische Gerstensuppe.
- GerstenbreiMit Obst und Zimt.
- Graupen-PfanneMit Pilzen und Spinat.
- MalzkaffeeAus gerösteter Gerste.
Als HausmittelGerstenwasser und Graupenschleim
Gerstenwasser
- 50 g Graupen oder Gerstenkörner in einem Sieb gründlich abspülen.
- Mit 1 Liter Wasser aufkochen und zugedeckt bei kleiner Hitze 30 bis 45 Minuten köcheln lassen.
- Für Gerstenwasser abseihen und die Flüssigkeit trinken; für Graupenschleim die weichen Graupen fein pürieren.
- Nach Geschmack mit etwas Zitronensaft oder einer Prise Salz abschmecken und lauwarm genießen.
Ein altes Hausmittel für Genesende und bei gereiztem Magen oder leichtem Durchfall: mild, schleimig, leicht verdaulich. Gerstenwasser wird traditionell auch als milder Durstlöscher empfohlen.
Über den Tag verteilt ein bis zwei Tassen. Nicht bei Zöliakie. Bei anhaltenden Beschwerden, Fieber oder Durchfall länger als zwei bis drei Tage ärztlichen Rat einholen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Im Ayurveda ist Gerste (Yava) eines der wichtigsten Getreide. Sie gilt als kühlend, trocknend und leicht - ideal zum Ausgleich von Kapha und Pitta. Gerstenwasser wird traditionell bei Harnwegsbeschwerden und zur Entwässerung empfohlen.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM gilt Gerste (Da Mai) als süß, salzig und kühl und stärkt Milz und Magen. Gekeimte Gerste (Mai Ya) wird bei Völlegefühl und Verdauungsschwäche nach zu schwerem Essen eingesetzt.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Zöliakie: Gerste enthält Gluten - auch Graupen, Malz und Malzextrakt.
- Verdauung: Beta-Glucan kann anfangs blähen; Menge langsam steigern und viel trinken.
- Medikamente: ballaststoffreiche Mahlzeiten mit etwas Abstand zur Einnahme von Arzneimitteln.
- Allergie: Kreuzreaktionen mit Weizen und Gräserpollen möglich.
- Gekeimte Gerste: in der Stillzeit nicht in großen Mengen - sie soll die Milchbildung dämpfen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies. Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to barley beta-glucans and lowering of blood cholesterol and reduced risk of (coronary) heart disease. EFSA Journal 2011; 9(12): 2470.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel (Beta-Glucane).
- AbuMweis SS, Jew S, Ames NP. β-glucan from barley and its lipid-lowering capacity: a meta-analysis of randomized, controlled trials. European Journal of Clinical Nutrition 2010; 64(12): 1472–1480.
- Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG): Welche Lebensmittel enthalten Gluten?
- USDA FoodData Central: Barley, pearled, raw und Barley, hulled.



