Hagebutte (Rosa canina)

Familie
RosengewächseRosa canina - die Hundsrose, unsere häufigste Wildrose
Verwendet wird
Die Schale ohne Kerneals Tee, Mark oder Pulver; die Kerne werden entfernt
Geschmack
Fruchtig-säuerlichmild und rund - die typische Teeröte kommt oft nicht von ihr
Herkunft
EuropaHecken, Waldränder, Böschungen - eine der häufigsten Wildsträucher
Bekannt für
Vitamin Ceiner der höchsten Gehalte unserer heimischen Früchte
Neuer Ansatz
Galaktolipid GOPOin Studien zu Arthrose mit kleiner, aber messbarer Wirkung

HerkunftDie Frucht, die nach dem Frost am besten ist

Hagebutten rot am Strauch

Juckpulver und Vitaminbombe in einem: Die Härchen um die Kerne haben Generationen von Schulhöfen beschäftigt - die Schale drumherum ist eine der wertvollsten Wildfrüchte, die wir haben.

Die Hagebutte ist botanisch keine Beere, sondern eine Sammelnussfrucht: Was wir als Frucht essen, ist der fleischig gewordene Blütenboden, und die vermeintlichen Kerne darin sind die eigentlichen Früchtchen, jedes mit einem Samen. Zwischen ihnen sitzen feine, widerhakige Härchen - das legendäre Juckpulver, das bei Hautkontakt starken Juckreiz auslöst und beim Verzehr die Darmschleimhaut reizen kann. Deshalb wird arzneilich und kulinarisch nur die Schale ohne Kerne verwendet.

Der Strauch - meist die Hundsrose, Rosa canina, aber auch andere Wildrosen liefern brauchbare Hagebutten - wächst in Hecken, an Waldrändern, auf Böschungen und Brachflächen in ganz Europa. Er ist eine der wichtigsten Wildsträucher überhaupt: Die Blüten sind im Juni eine große Bienentracht, die Früchte hängen bis in den Winter und ernähren Vögel, wenn sonst nichts mehr da ist. Der Beiname canina geht auf die antike Vorstellung zurück, die Wurzel helfe gegen Tollwut von Hundebissen - eine Wirkung, die es nicht gibt, aber einen Namen, der geblieben ist.

Geerntet wird ab September, und die Faustregel der alten Sammler stimmt: nach dem ersten Frost schmecken Hagebutten deutlich besser, weil Fruchtsäuren abgebaut werden und die Schale weich wird. Wer nicht warten will, legt sie über Nacht ins Gefrierfach. Aus den Schalen wird Hiffenmark gekocht - das Mark, das in Franken traditionell in Krapfen kommt –, Marmelade, Sirup, Likör und Tee.

NutzenWas die Hagebutte für dich tut

Der berühmteste Punkt zuerst, und mit der nötigen Einschränkung: Die Hagebutte gehört mit 400 bis 1.500 Milligramm Vitamin C pro hundert Gramm zu den vitamin-C-reichsten Früchten überhaupt - das Zwanzig- bis Fünfzigfache einer Zitrone. Allerdings ist Vitamin C hitzeempfindlich und lichtempfindlich. In getrocknetem, lange gelagertem Teematerial ist der größte Teil davon verschwunden, und beim Aufbrühen geht weiter etwas verloren. Ein Hagebuttentee ist also kein Vitaminpräparat. Wer das Vitamin will, nimmt frisches oder schonend getrocknetes Fruchtmark oder Pulver.

Dazu kommt eine Beobachtung, die viele überrascht: Die kräftig rote Farbe vieler Hagebuttentees im Handel stammt oft gar nicht von der Hagebutte, sondern von Hibiskus, der als Mischungspartner zugesetzt wird. Hagebuttenschale allein ergibt einen eher blassen, milden Aufguss. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich.

Der wissenschaftlich interessanteste Teil ist ein anderer. In Hagebutten wurde ein Galaktolipid identifiziert, meist als GOPO abgekürzt, das im Labor die Einwanderung weißer Blutkörperchen in entzündetes Gewebe hemmt. Für standardisiertes Hagebuttenpulver gibt es mehrere placebokontrollierte Studien bei Arthrose, und eine Meta-Analyse kam zu dem Ergebnis, dass die Schmerzen im Mittel etwas stärker abnahmen als unter Placebo. Ehrlich eingeordnet: Der Effekt ist klein, die Studienzahl überschaubar, und ein Teil der Arbeiten stammt aus dem Umfeld der Hersteller. Aber es ist mehr als bei den meisten Nahrungsergänzungen - und das Sicherheitsprofil ist ausgezeichnet.

Traditionell galt die Hagebutte außerdem als mild harntreibend und wurde bei Erkältungen und in der Rekonvaleszenz gegeben. Dafür gibt es keine belastbaren Studien; die europäische Arzneimittelagentur hat für Hagebuttenschale keine Monographie erstellt. Was bleibt, ist eine ausgezeichnete, säurearme und gut verträgliche Wildfrucht, die praktisch jeder verträgt.

400–1.500 mgVitamin C pro 100 g - das Zwanzig- bis Fünfzigfache einer Zitrone
Hitzeempfindlichim lange gelagerten Tee ist vom Vitamin C kaum noch etwas übrig
GOPOdas Galaktolipid mit der Arthrose-Studienlage
Nach dem Frostdann sind die Früchte weich und deutlich milder

InhaltsstoffeDas steckt in der Frucht

Neben dem Vitamin C enthält die Hagebuttenschale reichlich Carotinoide - vor allem Lycopin und β-Carotin, die für die tiefrote Farbe verantwortlich sind –, dazu Vitamin E, B-Vitamine, Flavonoide, Gerbstoffe, Pektine und Fruchtsäuren. Der Pektingehalt ist hoch genug, dass Hagebuttenmarmelade praktisch ohne Zusatz von Geliermittel fest wird.

Der Stoff, um den es in der modernen Forschung geht, ist das Galaktolipid GOPO (chemisch ein Galaktosyl-Diacylglycerol). Es sitzt vor allem in Schale und Kernen und ist relativ hitzestabil, weshalb Hagebuttenpulver - aus der ganzen getrockneten Frucht schonend gemahlen - die untersuchte Form ist. Im Labor hemmt es die Chemotaxis von Leukozyten, also die Einwanderung von Entzündungszellen ins Gewebe; das ist der plausibelste Erklärungsansatz für die Ergebnisse der Arthrosestudien.

Und dann sind da die Härchen. Sie bestehen aus feinen, widerhakigen Zellfortsätzen und sitzen dicht an dicht zwischen den Kernen. Auf der Haut lösen sie mechanisch starken Juckreiz aus, im Darm können sie die Schleimhaut reizen. Deshalb heißt die arzneiliche Droge Cynosbati fructus sine semine - Hagebuttenschalen ohne Samen. Wer selbst verarbeitet, halbiert die Früchte und kratzt Kerne und Härchen mit einem kleinen Löffel gründlich heraus, oder passiert das gekochte Mark durch ein feines Sieb.

Verstärkte KombinationenWas die Hagebutte stärker macht

Eine Frucht, bei der Zeitpunkt und Verarbeitung mehr ausmachen als jede Kombination.

Zeitpunkt

nach dem ersten Frost

Dann sind die Früchte weich, milder und aromatischer - oder eine Nacht ins Gefrierfach legen.

Vitamin C

mit schonender Verarbeitung

Frisches Mark und schonend getrocknetes Pulver behalten deutlich mehr als lang gelagerter Tee.

Arthrose

als standardisiertes Pulver

Die Studien betreffen Pulver aus der ganzen Frucht, nicht den Aufguss.

Fett

mit etwas Öl oder Sahne

Die Carotinoide sind fettlöslich - im Quark oder Joghurt kommt mehr davon an.

Geliert

mit eigenem Pektin

Hagebuttenmarmelade wird ohne Geliermittel fest - der Pektingehalt reicht aus.

Tee

mit Blick auf die Zutatenliste

Wenn der Tee tiefrot ist, steckt meist Hibiskus drin - das ist kein Fehler, aber gut zu wissen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Härchen

nicht mit Kernen verarbeiten

Die widerhakigen Härchen reizen Haut und Darmschleimhaut - Kerne und Härchen gründlich entfernen.

Vitamin

nicht als Vitamin-C-Quelle im Teebeutel

Vitamin C ist hitze- und lichtempfindlich; im lange gelagerten Tee ist kaum noch etwas davon übrig.

Erwartung

nicht als Arthrosetherapie

Der Effekt ist klein und ersetzt weder Bewegung noch ärztliche Behandlung.

Ernte

nicht an Straßenrändern

Hecken an vielbefahrenen Straßen sind belastet - lieber Feldhecken und Waldränder.

Menge

nicht kernhaltiges Pulver in Mengen

Bei manchen Menschen reizen Reste der Härchen den Magen - auf gute Verarbeitung achten.

Zeitpunkt

nicht zu früh ernten

Vor dem Frost sind die Früchte hart und deutlich saurer.

Zu welchem GerichtWo sie hingehört

  • HiffenmarkDas fränkische Hagebuttenmark - passiert, gezuckert, in Krapfen und auf Brot.
  • HagebuttenmarmeladeSchalen weich kochen, passieren, mit Zucker aufkochen - geliert von selbst.
  • HagebuttenteeZwei Teelöffel Schalen auf 250 ml, zehn Minuten ziehen - mild und blass, das ist richtig so.
  • HagebuttenpulverÜber Müsli, Joghurt oder Smoothie - die Form mit der Arthrose-Studienlage.
  • HagebuttensirupMit Zitrone und Zucker - für Limonade und über Desserts.
  • HagebuttenlikörFrüchte in Obstbrand ansetzen, zwei Monate ziehen lassen.
  • WildfruchtchutneyMit Zwiebel, Essig und Gewürzen - zu Wild und Käse.
  • HagebuttensuppeIn Skandinavien ein Klassiker: süße Fruchtsuppe mit Sahnehaube.
  • Im MüsliGetrocknete, kernfreie Schalenstückchen als fruchtige Komponente.
  • Vogelfutter am StrauchWas hängenbleibt, ernährt im Winter Amseln, Drosseln und Rotkehlchen.
Faustregel: Nach dem ersten Frost ernten oder eine Nacht einfrieren - dann sind die Früchte weich und mild. Kerne und Härchen immer gründlich entfernen. Und wenn es um Vitamin C geht: frisches Mark oder schonend getrocknetes Pulver, nicht der Teebeutel aus dem Vorratsschrank.

Als HausmittelHagebuttenmark selbst gemacht

So geht’s

Hiffenmark aus Wildhagebutten

  1. Hagebutten nach dem ersten Frost ernten, waschen, Stiel- und Blütenansatz abschneiden. Feldhecken und Waldränder sind bessere Sammelstellen als Straßenränder.
  2. Die ganzen Früchte mit wenig Wasser in einem Topf weich kochen - je nach Reife zwanzig bis vierzig Minuten, bis sie zerfallen.
  3. Durch ein feines Sieb oder eine Flotte Lotte passieren, sodass Kerne und Härchen vollständig zurückbleiben. Das ist der wichtigste Schritt: In der Masse darf kein Härchen mehr sein.
  4. Das Mark nach Geschmack mit Zucker oder Honig abschmecken, noch einmal kurz aufkochen und heiß in saubere Gläser füllen. Im Kühlschrank hält es mehrere Wochen, eingekocht deutlich länger.
Wofür

Als Brotaufstrich, als Füllung, über Quark und Joghurt - und als gute Möglichkeit, eine Wildfrucht mit hohem Vitamin- und Carotinoidgehalt in den Winter zu retten. Ehrlich dazu: Durch das Kochen geht ein erheblicher Teil des Vitamin C verloren. Was bleibt, sind die Carotinoide, die hitzestabiler sind, die Pektine und der Geschmack. Wer es auf das Vitamin C abgesehen hat, verarbeitet einen Teil der Ernte roh zu Püree und friert es ein.

Menge

Nach Belieben, wie jede Marmelade - mit Blick auf den Zuckergehalt. Entscheidend ist das saubere Passieren: Reste der Härchen reizen Magen und Darmschleimhaut. Für die Anwendung bei Arthrose ist dieses Mark nicht die richtige Form; dafür gibt es standardisiertes Pulver aus der ganzen Frucht, und auch dort sind die Effekte klein. Gelenkschmerzen, die zunehmen oder die Beweglichkeit einschränken, gehören ärztlich abgeklärt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Hagebutte ist im Ayurveda nicht klassisch vertreten, Rosenarten dagegen sehr wohl - vor allem Rosa damascena als Shatapatri, deren Blüten als kühlend und Pitta-senkend gelten und in Gulkand, dem Rosenblütenkonfit, verarbeitet werden. Die Hagebutte selbst wäre nach ihren Eigenschaften süß-sauer, leicht und kühlend - Vata und Pitta besänftigend. Eine Einordnung nach Prinzip.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch hier gibt es eine echte Entsprechung mit einer anderen Art: Jin Ying Zi, die Frucht von Rosa laevigata, ist in der chinesischen Materia Medica als süß-saure, adstringierende Droge geführt und wird eingesetzt, um „das Entweichen zu stoppen“ - bei häufigem Wasserlassen und chronischem Durchfall. Dieselbe Gattung, dieselbe Fruchtform, eine ganz andere Anwendung als bei uns.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Härchen: die widerhakigen Härchen zwischen den Kernen reizen Haut und Darmschleimhaut - nur kernfrei verarbeitete Ware verwenden.
  • Vitamin C: hitze- und lichtempfindlich - lang gelagerter Hagebuttentee ist keine relevante Vitaminquelle.
  • Arthrose: die Effekte von Hagebuttenpulver sind klein und ersetzen weder Bewegung noch ärztliche Behandlung.
  • Sammelstellen: Hecken an vielbefahrenen Straßen meiden; Feldhecken und Waldränder sind besser.
  • Blutverdünner: hochdosierte Vitamin-C-Präparate und Hagebuttenpulver mit Blutverdünnern besprechen.
  • Nierensteine: bei Neigung zu Oxalatsteinen sind sehr hohe Vitamin-C-Mengen ungünstig - für die Frucht gilt das nicht, für Hochdosispräparate schon.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Christensen R et al. Does the hip powder of Rosa canina (rosehip) reduce pain in osteoarthritis patients? A meta-analysis of randomized controlled trials. Osteoarthritis and Cartilage 2008; 16(9): 965–972.
  2. Larsen E et al. An antiinflammatory galactolipid from rose hip (Rosa canina) that inhibits chemotaxis of human peripheral blood neutrophils in vitro. Journal of Natural Products 2003; 66(7): 994–995.
  3. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Cynosbati fructus.
  4. Bundeslebensmittelschlüssel und USDA FoodData Central: Vitamin-C-Gehalt von Rosa canina im Vergleich zu Zitrusfrüchten.
  5. Leitsätze für Tee, teeähnliche Erzeugnisse und Extrakte, Deutsches Lebensmittelbuch - zur Zusammensetzung von Hagebuttentee-Mischungen.