HerkunftDas Kraut mit dem Tautropfen

Alchemisten sammelten morgens den Tropfen aus der Blattmitte, weil sie ihn für Himmelswasser hielten - daher der Name Alchemilla.
Frauenmantel wächst auf Wiesen, an Waldrändern und Bachufern in ganz Europa, vom Flachland bis über 2.000 Meter. Seine gefalteten, fächerförmigen Blätter fangen Tau und Regen in der Mitte auf - ein Tropfen, der bis in den Vormittag steht und die Alchemisten des Mittelalters faszinierte. Sie glaubten, aus diesem „Himmelstau“ den Stein der Weisen gewinnen zu können.
Der deutsche Name kommt von den Blättern, die an einen gefältelten Umhang erinnern - und von der Verwendung: Seit dem Mittelalter ist Frauenmantel das Kraut der Hebammen, gegen Weißfluss, für die Zeit nach der Geburt, bei Regelschmerzen. Gesammelt wird das blühende Kraut von Mai bis Juli; die unscheinbaren gelbgrünen Blüten sieht man erst beim zweiten Hinschauen.
NutzenWas Frauenmantel für dich tut
Frauenmantel ist ein Gerbstoffkraut. Bis zu acht Prozent Tannine ziehen Schleimhäute zusammen, dichten sie ab und nehmen Keimen den Nährboden - das ist die Grundlage für alles, was die Pflanze kann: Sie stoppt leichten Durchfall, beruhigt entzündetes Zahnfleisch beim Gurgeln und hilft kleinen Wunden und nässenden Hautstellen beim Trocknen.
Genau dafür ist er auch offiziell anerkannt: Die europäische Arzneimittelbehörde führt Frauenmantelkraut als traditionelles Mittel bei leichtem Durchfall und bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Das ist keine große Medizin, aber verlässliche Hausapotheke.
Und die Frauenheilkunde? Der Ruf bei Regelschmerzen, Wechseljahren und nach der Geburt ist Jahrhunderte alt und wird von vielen Hebammen weitergegeben. Belegt ist er nicht - die Studienlage ist dünn, und die Wirkung erklärt sich am ehesten über die Gerbstoffe und die Wärme des Tees. Wir schreiben das so, wie es ist: eine Tradition, die viele Frauen schätzen, kein nachgewiesenes Hormonkraut.
InhaltsstoffeDas steckt im Kraut
Die Gerbstoffe (Ellagitannine wie Agrimoniin und Pedunculagin) machen sechs bis acht Prozent der Trockenmasse aus - sie sorgen für den herben Geschmack und die zusammenziehende Wirkung. Dazu kommen Flavonoide (Quercetin-Glykoside), etwas Bitterstoff und Spuren von Salicylsäure.
Was Frauenmantel nicht enthält: Pflanzenhormone in nennenswerter Menge. Die alte Zuschreibung als „Progesteronpflanze“ stammt aus der Volksmedizin, nicht aus der Analyse.
Verstärkte KombinationenWas Frauenmantel stärker macht
Als Gerbstoffkraut ist Frauenmantel ein Verstärker für andere - und braucht selbst Partner, die seinen herben Ton mildern.
Drei Gerbstoffpflanzen, drei Stärkegrade. Bei leichtem Durchfall ergänzen sie sich - Heidelbeere mild für Kinder, Blutwurz stark für Erwachsene.
Salbei bringt ätherisches Öl gegen Keime, Frauenmantel die Gerbstoffe - zusammen die klassische Gurgellösung bei gereiztem Zahnfleisch.
Die traditionelle Mischung bei Regelbeschwerden: Schafgarbe krampflösend, Melisse beruhigend, Frauenmantel zusammenziehend. Ehrlich: Tradition, keine Studie - aber gut verträglich.
Als Waschung oder Umschlag: Kamille entzündungshemmend, Ringelblume wundheilend, Frauenmantel trocknend. Für nässende Stellen und Ekzeme.
Himbeerblatt macht den Tee runder, Minze frischer - so trinkt man Frauenmantel auch gern über mehrere Tage.
Die Gerbstoffe lösen sich in heißem Wasser deutlich besser. Zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann wirkt er.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Gerbstoffe binden Eisen. Wer Eisen nimmt, trinkt den Tee mindestens zwei Stunden versetzt.
Tannine können die Aufnahme vieler Wirkstoffe bremsen - Frauenmantel nie zusammen mit Tabletten einnehmen.
Gerbstoffe reizen auf Dauer den Magen. Bei Durchfall zwei, drei Tage - dann Pause, und bei Beschwerden über drei Tage zum Arzt.
Milcheiweiß bindet die Gerbstoffe und nimmt dem Tee die Wirkung. Pur oder mit Honig.
Was den Darm zusammenzieht, bremst ihn auch. Bei träger Verdauung das falsche Kraut.
Frauenmantel ersetzt keine Behandlung bei Zyklusstörungen oder in den Wechseljahren. Wer dort etwas ändern will, spricht mit Frauenärztin oder -arzt.
In der KücheWo er hingehört
- WildkräutersalatJunge Blätter im Frühjahr, fein geschnitten, mit Löwenzahn und Gänseblümchen - herb, nussig, nur ein paar Blätter.
- KräuterquarkMit Schnittlauch, Petersilie und etwas Frauenmantel - die Gerbstoffe geben eine leichte Bitternote.
- SmoothieZwei, drei Blätter zu Apfel, Gurke und Zitrone - mehr nicht, sonst wird es pelzig.
- FrauenmantelteeDas eigentliche „Gericht“: 2 TL getrocknetes Kraut auf 250 ml, 10 Minuten ziehen.
- GurgellösungStärker aufgebrüht, abgekühlt - für Zahnfleisch und Hals.
- KräuterbutterFrisch gehackt in Butter, zu Kartoffeln und Brot - dezent, aber eigen.
- SuppenEine Handvoll Blätter in eine Kräuter- oder Kartoffelsuppe, kurz vor dem Servieren.
- SitzbadEin starker Aufguss ins Badewasser - die Hebammentradition nach der Geburt.
- GesichtswasserKalter Tee als Tonikum für fettige, unreine Haut - zieht die Poren zusammen.
- KräutersalzGetrocknet und fein gemörsert mit Meersalz - das Wiesenaroma für den Winter.
Als HausmittelFrauenmanteltee bei leichtem Durchfall
Frauenmanteltee
- 2 Teelöffel getrocknetes Kraut mit 250 ml kochendem Wasser übergießen.
- 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen - länger als bei anderen Tees, damit die Gerbstoffe herauskommen.
- Abseihen und warm trinken, ungesüßt oder mit etwas Honig.
- Bis zu drei Tassen am Tag, über zwei bis drei Tage. Zum Gurgeln denselben Tee doppelt stark ansetzen.
Leichter, unspezifischer Durchfall, gereiztes Zahnfleisch, Halskratzen. Als Umschlag bei kleinen nässenden Wunden und Ekzemen. Die traditionellen Anwendungen bei Regelbeschwerden gelten als gut verträglich, aber nicht als belegt.
Zwei bis drei Tassen am Tag, nicht länger als eine Woche am Stück. Bei Durchfall über drei Tage, mit Fieber oder Blut, sofort ärztlich abklären - dann ist es kein Fall für Tee.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Frauenmantel ist eine europäische Pflanze und im klassischen Ayurveda nicht bekannt. Von der Wirkung her würde man ihn als kühlend, zusammenziehend und Pitta-Kapha-senkend einordnen - wie andere Gerbstoffpflanzen.
Traditionelle Chinesische Medizin
Kein Teil der chinesischen Materia Medica. In Europa hat die Pflanze dafür eine eigene Tradition, die bis zu Hildegard von Bingen zurückreicht: als Wundkraut und Frauenkraut in Klostergärten und bei Hebammen.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Eisen und Medikamente: Gerbstoffe binden beides. Tee immer mit zwei Stunden Abstand zu Tabletten und Eisenpräparaten.
- Magen: bei empfindlichem Magen kann der Tee Übelkeit auslösen - dann schwächer aufbrühen und nach dem Essen trinken.
- Dauer: nicht länger als eine Woche täglich. Durchfall, der länger als drei Tage anhält, gehört zum Arzt.
- Schwangerschaft: traditionell in der Hebammenkunde verwendet, aber nicht systematisch untersucht - nur nach Rücksprache.
- Kinder: Tee ab dem Schulalter in halber Dosis; bei Durchfall von Kleinkindern zählt Flüssigkeit, nicht Kraut.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC: Community herbal monograph on Alchemilla vulgaris L., herba, 2010 - traditionelle Anwendung bei leichtem Durchfall und leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
- Kommission E: Monographie Alchemillae herba (Frauenmantelkraut), Bundesanzeiger 1986 - leichte unspezifische Durchfallerkrankungen.
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2016, Eintrag Alchemillae herba.
- Schilcher H, Kammerer S, Wegener T: Leitfaden Phytotherapie. 5. Auflage, Elsevier 2016.


