Champignon (Agaricus bisporus)

Wissenschaftlich
Agaricus bisporusChampignonverwandte (Agaricaceae)
Sorten
Weiß, braun, Portobelloalle dieselbe Art, nur andere Reife
Produktion
Platz 1 weltweitder meistproduzierte Zuchtpilz
Vitamin D
Durch UV-LichtErgosterol wird zu Vitamin D2
Sehr wichtig
VerwechslungsgefahrWiesenchampignon und Knollenblätterpilz
Agaritin
Sinkt beim GarenRisiko bei üblichem Verzehr gering

HerkunftVon den Pariser Katakomben in die ganze Welt

Champignon

Im 19. Jahrhundert wuchsen Champignons in den stillgelegten Steinbrüchen unter Paris - daher der Name Pariser Champignon.

Agaricus bisporus ist ein Egerling, der wild auf nährstoffreichen, gedüngten Böden wächst - auf Weiden, in Parks und an Wegrändern. Der Artname bisporus verweist auf eine Besonderheit: Die meisten Egerlinge bilden vier Sporen pro Basidie, diese Art nur zwei. Das hat Folgen für die Genetik und war ein Grund, warum die Züchtung lange schwierig war.

Die Kultivierung begann im 17. Jahrhundert in Frankreich, wo man entdeckte, dass Champignons auf Pferdemistkompost wachsen. Im 19. Jahrhundert verlagerte sich der Anbau in die stillgelegten Kalksteinbrüche unter Paris, wo gleichbleibende Temperatur und Feuchtigkeit ideale Bedingungen boten. Zeitweise produzierten diese unterirdischen Anlagen Tausende Tonnen jährlich - daher die Bezeichnung Pariser Champignon, die sich bis heute gehalten hat.

Eine Klarstellung, die überraschend oft nötig ist: Weiße Champignons, braune Champignons (Cremini) und Portobellos sind dieselbe Art. Der Unterschied liegt in der Sorte und im Erntezeitpunkt - braune sind eine pigmentierte Sortengruppe, Portobellos sind ausgewachsene braune Champignons mit geöffnetem Hut. Geschmacklich sind die braunen etwas kräftiger, was vor allem am geringeren Wassergehalt liegt. Heute ist Agaricus bisporus mit Abstand der meistproduzierte Pilz der Welt.

NutzenEin solides Lebensmittel - und die Vitamin-D-Frage

Der Champignon ist ein Lebensmittel ohne arzneiliche Ansprüche, und das ist völlig in Ordnung. Ernährungsphysiologisch bietet er Protein, Ballaststoffe, B-Vitamine - besonders Riboflavin, Niacin und Pantothensäure –, Kalium, Selen und Kupfer, bei sehr niedriger Energiedichte. Für eine pflanzliche Zutat ist das ein gutes Profil.

Am interessantesten ist die Vitamin-D-Frage. Pilze enthalten Ergosterol, eine Vorstufe, die unter UV-Licht in Vitamin D2 umgewandelt wird - genau wie in unserer Haut Cholesterin zu Vitamin D3 wird. Im Dunkeln gezogene Zuchtchampignons enthalten praktisch kein Vitamin D. Werden sie nach der Ernte UV-Licht ausgesetzt, steigt der Gehalt drastisch - Untersuchungen zeigen Werte, die den Tagesbedarf mit einer Portion decken können. Einige Hersteller verkaufen inzwischen gezielt UV-behandelte Champignons.

Man kann das zu Hause nachmachen: Champignons mit den Lamellen nach oben für ein bis zwei Stunden in die Mittagssonne legen. Der Effekt ist messbar, allerdings jahreszeitabhängig - im deutschen Winter steht die Sonne zu tief für die nötige UV-B-Strahlung. Vitamin D2 wird vom Körper verwertet, gilt aber als etwas weniger wirksam als D3 aus tierischen Quellen oder Supplementen.

Zum Agaritin: Champignons enthalten dieses Hydrazin-Derivat natürlich, und es ist in Tierversuchen als potenziell genotoxisch aufgefallen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat das bewertet und kam zu dem Schluss, dass das Risiko bei üblichem Verzehr gering ist - der Gehalt sinkt beim Lagern deutlich und beim Garen noch einmal erheblich. Daraus folgt eine simple Küchenregel, die ohnehin gelten sollte: Champignons werden gegart, nicht roh in den Salat geschnitten.

Platz 1meistproduzierter Zuchtpilz der Welt
1 - 2 StundenUV-Exposition für nennenswertes Vitamin D2
2 Sporenpro Basidie - daher der Artname
dieselbe Artweiß, braun und Portobello

InhaltsstoffeDie drei Merkmale, die Leben retten

Der Zuchtchampignon ist harmlos. Der Wiesenchampignon aus freier Natur ist es auch - wenn man ihn richtig bestimmt. Das Problem ist der Grüne Knollenblätterpilz Amanita phalloides und seine weißen Verwandten, die für die überwiegende Mehrheit tödlicher Pilzvergiftungen in Europa verantwortlich sind. Ein junger, noch geschlossener Champignon und ein junger Knollenblätterpilz sehen einander ähnlich genug, dass es regelmäßig zu Verwechslungen kommt.

Erstes Merkmal: die Lamellen. Bei jedem Champignon sind sie anfangs rosa und werden mit der Reife braun bis schwarzbraun. Sie sind niemals dauerhaft weiß. Beim Knollenblätterpilz bleiben die Lamellen weiß, ein Leben lang. Wer einen weißlamelligen Pilz für einen Champignon hält, hat den Fehler bereits gemacht - und weil sehr junge Champignons noch blasse Lamellen haben können, gilt: Pilze mit noch geschlossenem Hut nicht sammeln.

Zweites Merkmal: die Stielbasis. Der Knollenblätterpilz hat eine deutliche, häutige Scheide um eine knollige Basis - die Volva. Sie steckt oft im Boden, weshalb man den Pilz immer vollständig herausdrehen und die Basis ansehen muss. Champignons haben keine Volva. Drittes Merkmal: der Geruch. Champignons riechen angenehm pilzig oder anisartig. Ein Pilz, der nach Tinte, Karbol oder Chemie riecht, ist kein Speisechampignon - das ist der Karbol-Egerling, der Magen-Darm-Beschwerden auslöst und beim Anschneiden an der Stielbasis chromgelb anläuft.

Unsere Empfehlung: Wer Champignons sammeln will, geht einmal mit einem Pilzsachverständigen mit. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie führt eine Liste; in vielen Städten gibt es kostenlose Pilzberatungen. Eine Vergiftung mit Knollenblätterpilz beginnt oft erst nach acht bis zwölf Stunden mit Beschwerden - wenn das Gift die Leber bereits erreicht hat.

Verstärkte KombinationenKüchenpraxis und Sammelregeln

Beim Zuchtchampignon geht es um Technik, beim Wiesenchampignon um Sicherheit.

Braten

Champignon + heiße Pfanne, viel Platz

Sie geben viel Wasser ab. In einer zu vollen Pfanne kochen sie, statt zu bräunen - lieber in zwei Durchgängen.

Salz

Champignon + spät salzen

Salz zieht Wasser. Erst salzen, wenn die Flüssigkeit verdampft ist.

Vitamin D

Champignon + Mittagssonne

Ein bis zwei Stunden mit den Lamellen nach oben, von Frühjahr bis Herbst. Der Effekt ist messbar.

Portobello

Champignon + gefüllt und überbacken

Die großen, ausgereiften Hüte eignen sich als Gefäß - mit Kräuterbutter, Käse oder Hackfleisch.

Suppe

Champignon + Rahmsuppe

Der Klassiker; braune Champignons geben mehr Geschmack als weiße.

Sammeln

Wiesenchampignon + Pilzberatung

Einmal mit einem Sachverständigen mitgehen ist die beste Investition, die man beim Pilzesammeln machen kann.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Verwechslung

Champignon + weiße Lamellen

Champignonlamellen sind rosa bis braun, niemals dauerhaft weiß. Weiße Lamellen bedeuten Lebensgefahr - Knollenblätterpilz.

Verwechslung

Champignon + geschlossener Hut

Ganz junge Exemplare lassen sich nicht sicher bestimmen, weil die Lamellenfarbe noch nicht ausgeprägt ist. Nicht sammeln.

Verwechslung

Champignon + Stielbasis im Boden gelassen

Die Volva des Knollenblätterpilzes steckt oft im Boden. Pilze immer vollständig herausdrehen und die Basis ansehen.

Karbolegerling

Champignon + Chemiegeruch

Riecht er nach Tinte oder Karbol und läuft die Stielbasis beim Anschneiden chromgelb an, ist es der Karbol-Egerling - Magen-Darm-Beschwerden.

Roh

Champignon + roher Salat

Agaritin sinkt beim Garen deutlich. Champignons gehören gegart, auch wenn roher Verzehr üblich ist.

Waschen

Champignon + im Wasser gebadet

Sie saugen Wasser und bräunen dann nicht. Abbürsten oder kurz abwischen.

In der KücheWas mit ihnen geht

  • GebratenIn heißer Pfanne mit viel Platz, Knoblauch und Petersilie.
  • RahmchampignonsMit Sahne und Zwiebeln zu Semmelknödeln oder Spätzle.
  • Portobello gefülltGroße Hüte mit Kräuterbutter oder Käse überbacken.
  • DuxellesSehr fein gehackt und mit Schalotten eingekocht - die französische Pilzpaste.
  • SuppeCremige Champignonsuppe, klassisch mit braunen Champignons.
  • RisottoAm Ende untergehoben.
  • GegrilltPortobellos als Burgerpatty gegrillt.
  • EingelegtIn Essig-Öl-Marinade als Antipasto.
  • SonnenVor dem Garen in die Mittagssonne legen für Vitamin D2.
  • Nicht rohGaren senkt den Agaritingehalt deutlich.
Faustregel: Leg deine Champignons für ein bis zwei Stunden mit den Lamellen nach oben auf die sonnige Fensterbank, bevor du sie verarbeitest. Das Ergosterol wird dabei zu Vitamin D2 - ein messbarer Effekt, der nichts kostet und den kaum jemand kennt. Im Winter funktioniert es allerdings nicht, dafür steht die Sonne bei uns zu tief.

Als HausmittelDie sichere Champignonbestimmung

So geht’s

Drei Merkmale, die man kennen muss

  1. Grundregel: Sammle nur Champignons mit bereits geöffnetem Hut. Bei ganz jungen, geschlossenen Exemplaren sind die Lamellen noch nicht ausgefärbt, und genau dann ist die Verwechslung mit dem Knollenblätterpilz möglich.
  2. Merkmal eins - die Lamellen: Sie müssen rosa, braun oder schwarzbraun sein. Bei jedem Champignon färben sie sich mit der Reife. Weiße Lamellen, die weiß bleiben, bedeuten Knollenblätterpilz - Lebensgefahr.
  3. Merkmal zwei - die Stielbasis: Den Pilz vollständig aus dem Boden drehen, nicht abschneiden. Der Knollenblätterpilz hat eine knollige Basis mit häutiger Scheide, der Volva. Champignons haben keine.
  4. Merkmal drei - der Geruch: Champignons riechen angenehm pilzig oder anisartig. Ein Geruch nach Tinte, Karbol oder Chemie deutet auf den Karbol-Egerling hin, der Magen-Darm-Beschwerden verursacht.
  5. Zusatzprobe: Die Stielbasis anschneiden. Läuft sie chromgelb an, ist es der Karbol-Egerling. Ein echter Champignon verfärbt sich höchstens leicht rötlich oder gar nicht.
  6. Und die wichtigste Maßnahme: Geh einmal mit einer Pilzberatung oder einem Sachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie mit. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sofort den Giftnotruf anrufen - Knollenblätterpilzvergiftungen beginnen erst nach acht bis zwölf Stunden.
Wofür

Für alle, die Wiesenchampignons sammeln wollen. Zuchtchampignons aus dem Handel sind davon nicht betroffen und völlig unbedenklich.

Menge

Als Lebensmittel nach Belieben, gegart. Für die Wildsammlung gilt in Deutschland die Handstraußregel: geringe Mengen für den Eigenbedarf, üblicherweise als etwa ein Kilogramm pro Person und Tag ausgelegt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Champignon ist im Ayurveda nicht vertreten; Pilze gelten dort traditionell als schwer verdaulich und werden zurückhaltend beurteilt. In der modernen indischen Küche ist er dagegen weit verbreitet und wird in großem Umfang angebaut.

Traditionelle Chinesische Medizin

In China ist Agaricus bisporus als Shuang Bao Gu - „Zweisporenpilz“ - vor allem ein Nahrungsmittel. In der Diätetik wird er als süß und kühl beschrieben, mit Bezug zu Magen und Darm, und gilt als verdauungsfördernd und appetitanregend. Eine arzneiliche Rolle hat er nicht; die medizinisch bedeutenden Pilze der chinesischen Tradition sind Reishi, Poria und die Schmetterlingstramete.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Verwechslung mit dem Knollenblätterpilz: Die häufigste tödliche Pilzvergiftung in Europa. Champignonlamellen sind rosa bis braun, niemals dauerhaft weiß. Keine Pilze mit geschlossenem Hut sammeln.
  • Stielbasis immer ansehen: Den Pilz vollständig herausdrehen. Eine häutige Scheide an knolliger Basis bedeutet Knollenblätterpilz.
  • Karbol-Egerling: Riecht nach Tinte oder Karbol und läuft an der Stielbasis chromgelb an - verursacht Magen-Darm-Beschwerden.
  • Nicht roh essen: Garen senkt den Agaritingehalt deutlich.
  • Bei Verdacht auf Vergiftung sofort Giftnotruf: Knollenblätterpilzvergiftungen beginnen erst nach acht bis zwölf Stunden - ein beschwerdefreies Intervall ist kein Entwarnungszeichen.
  • Pilzberatung nutzen: Kostenlose Beratungen gibt es in vielen Städten; die Deutsche Gesellschaft für Mykologie führt eine Liste von Sachverständigen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung: Agaritin in Zuchtchampignons - gesundheitliche Bewertung.
  2. Cardwell G. et al.: A review of mushrooms as a potential source of dietary vitamin D. Nutrients 2018.
  3. Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Pilzsachverständigen-Liste und Vergiftungsstatistiken.
  4. Giftinformationszentren der Länder: Jahresberichte zu Pilzvergiftungen, Anteil Amanita phalloides.
  5. Kalaras M.D. et al.: Effects of postharvest pulsed UV light treatment on vitamin D2 content in mushrooms. Food Chemistry 2012.