Parasol (Macrolepiota procera)

Wissenschaftlich
Macrolepiota proceraChampignonverwandte (Agaricaceae)
Deutscher Name
Parasolauch Riesenschirmling
Größe
Hut bis 40 cmder größte Lamellenpilz Mitteleuropas
Merkmal
Verschiebbarer Ringund genatterter Stiel
Wichtig
Nie mit geschlossenem Hutdann ist Verwechslung möglich
Klassiker
Paniert gebratendas Parasolschnitzel

HerkunftDer Schirm auf der Wiese

Parasol

Ein Parasol mit vierzig Zentimetern Hutdurchmesser ist keine Seltenheit - er ist der größte Lamellenpilz, den wir haben.

Macrolepiota procera wächst auf Wiesen, Weiden, an Waldrändern und auf lichten Waldwegen. Jung ist er ein paukenschlägelförmiges Gebilde auf einem langen Stiel; ausgewachsen schirmt der Hut vollständig auf und erreicht zwanzig bis vierzig Zentimeter Durchmesser. Er ist beigebraun und dicht mit dunkleren Schuppen besetzt, mit einem deutlichen Buckel in der Mitte. Die Lamellen sind weiß und stehen frei, berühren den Stiel also nicht.

Der Stiel ist lang, schlank und hohl, und er trägt zwei charakteristische Merkmale. Erstens die Natterung: ein feines braunes Zickzackmuster auf hellem Grund, das aussieht wie eine Schlangenhaut. Zweitens den Ring - eine breite, häutige Manschette, die sich mit den Fingern am Stiel auf und ab schieben lässt wie ein Gummiband. Dieser verschiebbare Ring ist das verlässlichste Einzelmerkmal des Parasols.

Der Stiel selbst ist zäh und faserig und wird nicht mitgegessen; er kann aber getrocknet und gemahlen als Würzpulver verwendet werden. Verarbeitet wird nur der Hut. Die Saison reicht von Juli bis in den Oktober, und gute Parasolstellen tragen über Jahre - wer eine Wiese kennt, geht dort jedes Jahr hin.

NutzenEin Speisepilz mit einer klaren Sammelregel

Der Parasol ist ein Speisepilz ohne arzneiliche Ansprüche. Ernährungsphysiologisch ist er ein typischer Pilz: viel Wasser, Ballaststoffe, etwas Protein, B-Vitamine, Kalium. Sein Wert liegt in Geschmack und Größe - ein einziger ausgewachsener Hut ergibt eine Portion.

Die Bestimmung ist sicher, wenn man drei Dinge zusammen prüft: den verschiebbaren Ring, den genatterten Stiel und die freien weißen Lamellen. Kommt dazu, dass das Fleisch beim Anschneiden weiß bleibt und sich nicht rötet, ist die Sache klar.

Die wichtigste Regel lautet, ihn nur mit vollständig aufgeschirmtem Hut zu sammeln. Junge, noch geschlossene Exemplare im Paukenschlägel-Stadium lassen sich schlechter beurteilen - die Lamellenfarbe ist verdeckt, der Ring noch nicht frei, und in diesem Zustand besteht eine gewisse Verwechslungsgefahr mit anderen weißlamelligen Pilzen. Ein aufgeschirmter Parasol ist dagegen praktisch unverwechselbar.

Zu den Doppelgängern: Die Safranschirmlinge der Gattung Chlorophyllum sehen ähnlich aus, haben aber einen glatten, nicht genatterten Stiel, und ihr Fleisch verfärbt sich beim Anschneiden deutlich rötlich bis safranorange. Der Garten-Safranschirmling Chlorophyllum brunneum, der oft auf Kompost und in Gärten wächst, wird von vielen Menschen schlecht vertragen und verursacht Magen-Darm-Beschwerden. Die Faustregel: Rötendes Fleisch plus glatter Stiel bedeutet stehen lassen.

bis 40 cmHutdurchmesser
Juli - Okt.Saison in Mitteleuropa
verschiebbarder Ring - das sicherste Einzelmerkmal
nur der Hutwird gegessen; der Stiel ist zäh

InhaltsstoffeDrei Merkmale, die zusammen eindeutig sind

Erstens der Ring. Beim Parasol ist er breit, häutig, doppelt und lässt sich am Stiel frei verschieben - man kann ihn mit zwei Fingern hoch- und runterschieben, ohne dass er reißt. Kein anderer Pilz dieser Größenordnung in Mitteleuropa hat das. Wer diesen Test macht, hat die Bestimmung praktisch abgeschlossen.

Zweitens die Natterung. Der Stiel zeigt ein feines, braunes Zickzack- oder Schlangenhautmuster auf hellerem Grund. Bei den Safranschirmlingen fehlt es - deren Stiel ist glatt oder nur fein faserig. Das Merkmal ist bei jungen Exemplaren manchmal schwach ausgeprägt und wird mit dem Alter deutlicher.

Drittens das Fleisch. Beim Parasol bleibt es beim Anschneiden weiß oder verfärbt sich allenfalls minimal. Safranschirmlinge röten deutlich - von blassrosa bis kräftig safranorange. Das ist ein sekundenschneller Test, den man bei jedem Fund machen sollte.

Der Vollständigkeit halber: Es gibt einen wirklich giftigen Verwandten, den Grünsporigen Gift-Riesenschirmling Chlorophyllum molybdites. Er verursacht heftige, aber nicht tödliche Magen-Darm-Beschwerden und ist in Nordamerika und den Subtropen häufig; in Mitteleuropa kommt er bislang nur vereinzelt vor, breitet sich aber mit dem Klimawandel nach Norden aus. Sein Merkmal ist ein grünlicher Sporenabwurf und grünlich verfärbende Lamellen bei älteren Exemplaren - ein Grund mehr, nur Pilze mit sauber weißen Lamellen zu nehmen.

Verstärkte KombinationenDer Schnitzelpilz

Beim Parasol gibt es eine dominierende Zubereitung, und sie ist nicht ohne Grund so beliebt.

Panieren

Parasol + Panade und Butterschmalz

Der ganze Hut paniert und gebraten - das Parasolschnitzel. Eine der besten Zubereitungen, die die Pilzküche zu bieten hat.

Größe

Parasol + ein Hut pro Portion

Ein ausgewachsener Hut füllt die Pfanne und ergibt eine Portion. Praktisch wie kaum ein anderer Pilz.

Stiel

Parasol + getrocknetes Würzpulver

Der zähe Stiel wird nicht mitgegessen, lässt sich aber trocknen und mahlen - ein hervorragendes Pilzwürzpulver.

Grillen

Parasol + Grillrost

Große Hüte mit Öl bestreichen und grillen, dann mit Kräuterbutter.

Bestimmung

Parasol + Ringtest

Ring verschieben, Stielnatterung prüfen, Fleisch anschneiden. Drei Sekunden für Sicherheit.

Aufgeschirmt

Parasol + voll geöffneter Hut

Nur so sammeln. Junge, geschlossene Exemplare lassen sich schlechter beurteilen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Geschlossen

Parasol + Paukenschlägel-Stadium

Junge, geschlossene Exemplare sind schwerer zu bestimmen. Warten, bis der Hut aufgeschirmt ist.

Safranschirmling

Parasol + rötendes Fleisch und glatter Stiel

Der Garten-Safranschirmling wird von vielen schlecht vertragen. Rötendes Fleisch plus glatter Stiel bedeutet stehen lassen.

Lamellen

Parasol + grünlich verfärbte Lamellen

Der Grünsporige Gift-Riesenschirmling verursacht heftige Magen-Darm-Beschwerden. Nur Pilze mit sauber weißen Lamellen nehmen.

Stiel

Parasol + Stiel mitessen

Er ist zäh und faserig und wird auch beim Garen nicht weich.

Waschen

Parasol + Wasser

Die schuppige Huthaut saugt Wasser. Abbürsten oder abwischen.

Roh

Parasol + roh gegessen

Wie alle Pilze gehört er gegart.

In der KücheWas mit dem Schirm geht

  • ParasolschnitzelDer ganze Hut paniert und in Butterschmalz gebraten - der Klassiker.
  • GegrilltMit Öl bestrichen auf den Grill, dann Kräuterbutter.
  • ÜberbackenMit Tomate, Schinken und Käse im Ofen.
  • GefülltZwei Hüte mit Füllung dazwischen, zusammen paniert - der „Parasol Cordon bleu“.
  • In StreifenKleinere Hüte in Streifen geschnitten und gebraten.
  • PilzpulverDie zähen Stiele trocknen und mahlen - ein hervorragendes Würzpulver.
  • EingefrorenPaniert und vorgebraten einfrieren.
  • RingtestDer Ring muss sich am Stiel verschieben lassen.
  • Natterung prüfenBraunes Zickzackmuster am Stiel - bei Safranschirmlingen fehlt es.
  • Fleisch anschneidenBleibt weiß beim Parasol; Safranschirmlinge röten.
Faustregel: Wirf die Stiele nicht weg, auch wenn sie zäh sind. In Scheiben geschnitten, getrocknet und gemahlen ergeben sie ein Pilzwürzpulver, das jeder Sauce Tiefe gibt - und du bekommst aus einem Fund zwei Dinge statt einem.

Als HausmittelDas Parasolschnitzel

So geht’s

Panierter Riesenschirmling

  1. Nur vollständig aufgeschirmte Hüte verwenden. Vorher die drei Merkmale prüfen: Der Ring muss sich am Stiel verschieben lassen, der Stiel muss braun genattert sein, und das Fleisch darf beim Anschneiden nicht röten.
  2. Den Stiel am Hutansatz abdrehen - er wird nicht mitgegessen. Zum Trocknen und Mahlen beiseitelegen.
  3. Den Hut nicht waschen. Mit einem Pinsel oder einem feuchten Tuch säubern; die dunklen Schuppen bleiben dran, sie gehören dazu.
  4. Den Hut leicht salzen und pfeffern und klassisch panieren: durch Mehl ziehen, dann durch verquirltes Ei, dann durch Semmelbrösel. Gut andrücken.
  5. In reichlich Butterschmalz bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten - etwa drei bis vier Minuten pro Seite. Der Hut ist dünn und gart schnell durch.
  6. Mit Zitrone servieren. Ein ausgewachsener Hut ist eine Portion; bei sehr großen Exemplaren reicht einer für zwei.
Wofür

Als hervorragender Speisepilz mit einer Zubereitung, die kaum ein anderer Pilz erlaubt. Der Parasol hat keine arzneiliche Bedeutung.

Menge

Als Lebensmittel nach Belieben, gut durchgegart. Für die Wildsammlung gilt die Eigenbedarfsregel - üblicherweise etwa ein Kilogramm pro Person und Tag.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Parasol ist im Ayurveda nicht vertreten. Er ist ein europäisch-nordamerikanischer Wiesenpilz ohne Platz in den klassischen indischen Texten.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der chinesischen Materia medica hat Macrolepiota procera keine Rolle. In Yunnan wird er wie viele andere Wildpilze gesammelt und gegessen, ohne arzneiliche Zuordnung. Er gehört zu der großen Gruppe von Speisepilzen, die überall geschätzt und nirgends als Arznei geführt werden.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Nur aufgeschirmte Hüte sammeln: Junge, geschlossene Exemplare im Paukenschlägel-Stadium lassen sich schlechter beurteilen.
  • Drei Merkmale prüfen: Verschiebbarer Ring, genatterter Stiel, nicht rötendes Fleisch. Alle drei zusammen machen die Bestimmung sicher.
  • Safranschirmlinge: Glatter Stiel und rötendes Fleisch. Der Garten-Safranschirmling wird von vielen Menschen schlecht vertragen.
  • Grünsporiger Gift-Riesenschirmling: Breitet sich nach Norden aus und verursacht heftige Magen-Darm-Beschwerden. Grünlich verfärbte Lamellen sind das Warnzeichen.
  • Stiel nicht mitessen: Er ist zäh und wird auch beim Garen nicht weich.
  • Im Zweifel Pilzberatung: Kostenlose Beratungen gibt es in vielen Städten.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Bestimmungsmerkmale von Macrolepiota und Chlorophyllum.
  2. Giftinformationszentren: Vergiftungen durch Chlorophyllum-Arten.
  3. Gerhardt E.: Der große BLV Pilzführer für unterwegs.
  4. Vellinga E.C.: Ecology and distribution of Lepiotaceous fungi - zur Ausbreitung von Chlorophyllum molybdites.
  5. Bundesnaturschutzgesetz § 39 - Regelungen zur Entnahme für den Eigenbedarf.