Emmer (Triticum dicoccum)
HerkunftDas Korn der ersten Bauern

Der deutsche Beiname „Zweikorn“ kommt daher, dass in jedem Ährchen meist zwei Körner sitzen.
Emmer wurde im Fruchtbaren Halbmond aus dem wilden Emmer domestiziert, zur selben Zeit wie Einkorn und Gerste. Im Alten Ägypten war er das wichtigste Getreide: Aus ihm wurden Brot und Bier gemacht, und Emmerkörner fanden sich als Grabbeigaben. Mit den ersten Bauern der Jungsteinzeit kam er über den Balkan nach Mitteleuropa und blieb hier über Jahrtausende ein Grundnahrungsmittel.
Ab der Bronzezeit wurde Emmer nach und nach von Dinkel, Nacktweizen und Roggen verdrängt, weil seine Körner fest in den Spelzen sitzen und erst mühsam entspelzt werden müssen. Überlebt hat er in Bergregionen, etwa in der toskanischen Garfagnana, wo der „Farro della Garfagnana“ heute eine geschützte Herkunftsbezeichnung trägt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird Emmer seit einigen Jahren wieder angebaut - auf kleinen Flächen, oft ökologisch, aus Sorten, die aus Genbanken neu gezüchtet wurden.
NutzenWas Emmer für dich tut
Emmervollkorn liefert je nach Sorte und Standort rund 12 bis 16 g Eiweiß pro 100 g und etwa 8 bis 11 g Ballaststoffe. Übersichtsarbeiten beschreiben im Vergleich zu modernem Weizen meist etwas höhere Gehalte an Mineralstoffen wie Eisen, Zink und Magnesium sowie an Carotinoiden, Phenolsäuren und Resistenter Stärke. Die Unterschiede sind real, hängen aber stark von Boden und Sorte ab.
Weil Emmer fast immer als Vollkorn, Schrot oder ganzes Korn gegessen wird, sättigt er lange und lässt den Blutzucker langsamer steigen als Weißmehlprodukte. Laborstudien und kleine Untersuchungen deuten auf einen eher niedrigen glykämischen Index von Emmer-Nudeln und -Brot hin. Wie bei allen Vollkorngetreiden verbinden große Beobachtungsstudien einen hohen Verzehr mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes - eine eigene Heilwirkung von Emmer ist damit aber nicht belegt.
Wichtig: Emmer ist ein Weizen und enthält Gluten. Der Klebergehalt ist sogar höher als bei Weichweizen, nur ist der Kleber weicher und weniger elastisch. Für Menschen mit Zöliakie oder Weizenallergie ist Emmer deshalb nicht geeignet, auch wenn er manchmal als „bekömmlicheres Urgetreide“ beworben wird.
InhaltsstoffeDas steckt im Emmer
Emmer enthält Stärke (mit vergleichsweise viel Resistenter Stärke), Eiweiß einschließlich der Klebereiweiße Gliadin und Glutenin, Ballaststoffe wie Arabinoxylane, Carotinoide (vor allem Lutein), Phenolsäuren wie Ferulasäure, Tocole, Phytosterine sowie Eisen, Zink, Magnesium, Phosphor, Selen und die Vitamine B1 und B3.
Viele dieser Stoffe sitzen in der Randschicht und im Keimling. Perlfarro, also geschliffene Emmerkörner, gart schneller, hat aber weniger Ballaststoffe als ganzer Emmer oder Emmervollkornmehl.
Verstärkte KombinationenWas Emmer stärker macht
Emmer ist ein Korn für Suppen, Salate und lange Teigführung - er mag Zeit und Gemüse.
Ergänzt das Eiweiß - wie in der Minestra di farro.
Hilft beim Eisen aus dem Korn.
Für ein herbstliches Emmer-Risotto.
Die toskanische Würze.
Macht Mineralstoffe besser verfügbar.
Verkürzt die Garzeit deutlich.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Emmer enthält Gluten.
Emmer ist selbst ein Weizen.
Bei Reizdarm individuell testen.
Weicher Kleber - weniger kneten, mehr ruhen lassen.
Ganzes Korn hat mehr Ballaststoffe.
Spülen, einweichen, ausreichend garen.
In der KücheWo er hingehört
- Emmer-Risotto„Farrotto“ mit Pilzen und Parmesan.
- Minestra di farroToskanische Suppe mit Bohnen.
- EmmersalatMit Tomate, Gurke und Kräutern.
- EmmerbrotMit Sauerteig und Vollkornmehl.
- EmmernudelnNussig, gut mit Gemüsesoße.
- Emmer-BowlMit Ofengemüse und Kichererbsen.
- Gefülltes GemüsePaprika oder Zucchini mit Emmer.
- Emmerflocken-MüsliMit Apfel und Nüssen.
- Emmer-BratlingeAus Schrot, Zwiebel und Kräutern.
- EmmerbierObergäriges Bier aus Emmermalz.
Als HausmittelWärmender Emmer-Frühstücksbrei
Emmer-Schrotbrei
- 50 g Emmerschrot oder grob gemahlenen Emmer am Vorabend mit 250 ml Wasser verrühren und abgedeckt stehen lassen.
- Am Morgen mit einer Prise Salz aufkochen und bei kleiner Hitze unter Rühren 10 bis 15 Minuten quellen lassen.
- Mit etwas Milch oder Pflanzendrink cremig rühren.
- Mit geriebenem Apfel, Zimt und ein paar gehackten Nüssen servieren.
Als sättigendes, warmes Frühstück für kalte Tage und für alle, die Vollkorn gut vertragen. Das Einweichen macht den Brei milder und leichter verdaulich; das Obst bringt Vitamin C für das Eisen aus dem Korn.
Eine Schale als Mahlzeit. Nicht bei Zöliakie oder Weizenallergie. Wer wenig Vollkorn gewohnt ist, beginnt mit kleinen Portionen und trinkt ausreichend.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Emmer ist im klassischen Ayurveda als eigene Art kaum beschrieben, gehört aber zur Weizenfamilie (Godhuma). Nach dieser Einordnung gilt er als süß, schwer und nährend - ausgleichend für Vata und Pitta, bei Kapha eher sparsam und gut gewürzt.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM wird Emmer nicht eigens behandelt. Wie Weizen gilt er als süß und kühl, soll das Herz nähren und den Geist beruhigen; als ganzes, gekochtes Korn wird er in der westlichen TCM-Ernährungslehre als stärkend für die Mitte beschrieben.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Zöliakie: Emmer enthält Gluten - nicht geeignet, auch nicht als „Urgetreide“.
- Weizenallergie: Emmer ist ein Weizen; Kreuzreaktionen sind zu erwarten.
- Reizdarm: Vollkorn und Fruktane können blähen; lang geführtes Sauerteigbrot testen.
- Allergie: Kreuzreaktionen mit Gräserpollen und anderen Getreiden möglich.
- Etikett: „Farro“ kann in Italien auch Einkorn oder Dinkel bedeuten - auf Triticum dicoccum achten.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Zaharieva M, Ayana NG, Al Hakimi A, Misra SC, Monneveux P. Cultivated emmer wheat (Triticum dicoccon Schrank), an old crop with promising future: a review. Genetic Resources and Crop Evolution 2010; 57: 937–962.
- Dhanavath S, Rao UJSP. Nutritional and nutraceutical properties of Triticum dicoccum wheat and its health benefits: an overview. Journal of Food Science 2017.
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Getreide-ABC: Einkorn und Emmer. 2024.
- Aune D et al. Whole grain consumption and risk of cardiovascular disease, cancer, and all cause and cause specific mortality: systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. BMJ 2016; 353: i2716.
- Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG): Welche Lebensmittel enthalten Gluten?


