Hallimasch (Armillaria mellea)

Wissenschaftlich
Armillaria melleaHallimaschverwandte (Physalacriaceae)
Rolle im Wald
Baumtötereiner der bedeutendsten Forstschädlinge
Rekord
Größtes Lebewesen der Weltein Verwandter in Oregon, über 9 km²
Besonderheit
Leuchtet im Dunkelndas Myzel ist biolumineszent
Sehr wichtig
Roh giftignur jung, gut gegart, Erstwasser weggießen
Verträglichkeit
Individuellmanche Menschen vertragen ihn nie

HerkunftDas größte Lebewesen der Welt

Hallimasch

In Oregon erstreckt sich ein einziger Hallimasch über neun Quadratkilometer und ist vermutlich mehrere tausend Jahre alt.

Hallimasche der Gattung Armillaria wachsen in dichten Büscheln an Stämmen, Stümpfen und Wurzeln von Laub- und Nadelbäumen. Ihre Hüte sind honiggelb bis bräunlich, fein schuppig, die Lamellen weißlich und später bräunlich fleckig, und der Stiel trägt einen weißlichen, wattigen Ring. Der deutsche Name spielt auf die abführende Wirkung ungenügend zubereiteter Exemplare an - „Hall im Arsch“ ist die verbreitete, wenn auch nicht gesicherte Deutung.

Er ist ein aggressiver Parasit. Sein Myzel bildet schwarze, schnurartige Stränge - die Rhizomorphen –, die sich unter der Rinde und durch den Boden ausbreiten und neue Bäume erreichen. Ein befallener Baum stirbt langsam ab; im Forst ist der Hallimasch einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger überhaupt. Unter der Rinde eines befallenen Stammes findet man das weiße, fächerartige Myzel und die schwarzen Schnüre.

Und er hält einen Rekord. In den Blue Mountains in Oregon wurde ein einzelner Klon von Armillaria ostoyae kartiert, der sich über mehr als neun Quadratkilometer erstreckt - das größte bekannte zusammenhängende Lebewesen der Erde, mit einem geschätzten Alter von mehreren tausend Jahren. Dazu kommt eine zweite Kuriosität: Sein Myzel ist biolumineszent. Befallenes Holz leuchtet im Dunkeln grünlich - das Phänomen ist seit der Antike als Foxfire beschrieben und wurde im Ersten Weltkrieg von Soldaten genutzt, um in Schützengräben Karten lesen zu können.

NutzenEssbar - unter strengen Bedingungen

Der Hallimasch ist ein Speisepilz ohne arzneiliche Ansprüche, und er ist derjenige mit den striktesten Zubereitungsregeln in diesem Archiv. Roh oder ungenügend gegart ist er giftig: Er verursacht heftige Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen und Durchfall, die einige Stunden anhalten. Die verantwortlichen Stoffe sind hitzelabil, aber nicht restlos identifiziert.

Die Regeln, die sich in der Pilzliteratur durchgesetzt haben, sind drei. Erstens: nur junge Exemplare, und nur die Hüte - die Stiele sind zäh und schlechter verträglich. Zweitens: gut durchgaren, mindestens fünfzehn bis zwanzig Minuten. Drittens: vorher abbrühen und das Kochwasser wegschütten. Dieser dritte Schritt ist der, den viele weglassen und der die meisten Beschwerden verhindert.

Aber selbst damit bleibt eine Einschränkung: Ein Teil der Menschen verträgt Hallimasch grundsätzlich nicht, auch korrekt zubereitet. Die Reaktion ist individuell und nicht vorhersagbar. Deshalb gilt für den ersten Versuch: eine kleine Menge essen und abwarten, und keinen Alkohol dazu - es gibt Berichte über verstärkte Unverträglichkeitsreaktionen bei gleichzeitigem Alkoholkonsum, ähnlich wie beim Faltentintling.

Warum isst man ihn dann überhaupt? Weil er in Massen auftritt, weil er in Osteuropa und im Alpenraum ein traditioneller Herbstpilz ist, und weil er sauer eingelegt oder als Mischpilz in kleinen Mengen tatsächlich gut schmeckt. Unsere Einschätzung: Für Einsteiger ist er nicht der richtige Pilz. Wer erfahren ist und die Regeln einhält, kann ihn nutzen - mit dem Wissen, dass er sich beim ersten Mal auch als unverträglich erweisen kann.

über 9 km²Ausdehnung des größten bekannten Exemplars in Oregon
15 - 20 minMindestgarzeit
Erstwasser wegder Schritt, der am häufigsten fehlt
Aug. - Nov.Saison, oft in Massen

InhaltsstoffeDie drei Regeln - und warum sie gelten

Regel eins: nur junge Hüte. Junge Hallimasche haben noch geschlossene oder halb geöffnete Hüte und feste Lamellen. Die Stiele sind schon in diesem Stadium faserig-zäh und werden auch beim Garen nicht weich; sie gelten zudem als schlechter verträglich. Sie werden abgeschnitten und weggeworfen. Ältere, aufgeschirmte Exemplare mit bräunlich fleckigen Lamellen sind schlechter verträglich und geschmacklich uninteressant.

Regel zwei: mindestens fünfzehn bis zwanzig Minuten garen. Kurzes Anbraten reicht nicht. Die problematischen Stoffe sind hitzeempfindlich, brauchen aber Zeit. Wer Hallimasch wie Champignons drei Minuten in die Pfanne wirft, hat mit einiger Wahrscheinlichkeit einen unangenehmen Abend.

Regel drei: abbrühen und das Kochwasser wegschütten. Die Hüte werden fünf bis zehn Minuten in sprudelndem Wasser blanchiert, abgegossen, und das Wasser kommt weg. Erst danach folgt die eigentliche Zubereitung. Dieser Schritt entfernt einen Teil der wasserlöslichen Reizstoffe und ist der wirksamste Einzelbeitrag zur Verträglichkeit.

Zur Bestimmung: Der Hallimasch ist an seinem büscheligen Wuchs an Holz, den honiggelben, fein schuppigen Hüten, dem wattigen Ring am Stiel und dem weißen Sporenpulver gut kenntlich. Die gefährlichste Verwechslung ist der Gifthäubling Galerina marginata, der ebenfalls büschelig an Holz wächst, einen Ring hat und tödliche Amatoxine enthält - dieselben Gifte wie der Knollenblätterpilz. Er ist kleiner, hat rostbraunes statt weißes Sporenpulver und braune Lamellen. Wer Hallimasch sammelt, macht einen Sporenabdruck oder lässt bestimmen.

Verstärkte KombinationenWenn Hallimasch, dann richtig

Er ist ein Pilz für Erfahrene, und die Vorbereitung ist wichtiger als die Zubereitung.

Vorbereitung

Hallimasch + abbrühen und Wasser weg

Der wirksamste Schritt für die Verträglichkeit. Fünf bis zehn Minuten blanchieren, abgießen, Wasser wegschütten.

Auswahl

Hallimasch + nur junge Hüte

Stiele abschneiden und wegwerfen, ältere aufgeschirmte Exemplare stehen lassen.

Garzeit

Hallimasch + mindestens 15 Minuten

Nach dem Blanchieren ausreichend lange braten oder schmoren.

Einlegen

Hallimasch + Essig-Öl

In Osteuropa die verbreitetste Verwendung: blanchiert und sauer eingelegt.

Mischen

Hallimasch + andere Pilze

In kleiner Menge in einer Mischpilzpfanne ist er gut - als Alleinzutat in Masse eher nicht.

Erstversuch

Hallimasch + kleine Portion

Beim ersten Mal wenig essen und abwarten. Die Verträglichkeit ist individuell.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Roh

Hallimasch + roh oder kurz gebraten

Er ist roh giftig und verursacht heftige Magen-Darm-Beschwerden. Kurzes Anbraten reicht nicht.

Gifthäubling

Hallimasch + büschelige Pilze mit braunen Lamellen

Der Gifthäubling wächst ebenfalls büschelig an Holz und enthält tödliche Amatoxine. Sporenabdruck machen: weiß beim Hallimasch, rostbraun beim Gifthäubling.

Alkohol

Hallimasch + Alkohol zum Essen

Es gibt Berichte über verstärkte Unverträglichkeitsreaktionen. Beim ersten Versuch keinen Alkohol dazu.

Stiele

Hallimasch + Stiele mitessen

Zäh und schlechter verträglich. Sie werden abgeschnitten.

Menge

Hallimasch + große Portionen

Auch korrekt zubereitet ist er für manche schwer verträglich. In Maßen essen.

Anfänger

Hallimasch + erster Sammelpilz

Für Einsteiger ist er wegen der Verwechslungsgefahr und der Zubereitungsregeln nicht geeignet.

In der KücheVerwendung mit Vorbereitung

  • BlanchierenFünf bis zehn Minuten, Kochwasser wegschütten - der erste und wichtigste Schritt.
  • EingelegtBlanchiert und sauer eingelegt - die osteuropäische Standardverwendung.
  • GebratenNach dem Blanchieren mindestens fünfzehn Minuten mit Zwiebeln und Speck.
  • MischpilzeIn kleiner Menge in einer Pfanne mit Maronen und Semmelstoppelpilzen.
  • GulaschMit Paprika und saurer Sahne, lange geschmort.
  • SuppeAls Einlage, nach dem Blanchieren.
  • Nur HüteDie Stiele sind zäh und schlechter verträglich.
  • Nur jungeÄltere aufgeschirmte Exemplare stehen lassen.
  • SporenabdruckWeiß beim Hallimasch, rostbraun beim tödlichen Gifthäubling.
  • Erstversuch kleinDie Verträglichkeit ist individuell und nicht vorhersagbar.
Faustregel: Der Schritt, den die meisten weglassen und der den größten Unterschied macht: abbrühen und das Kochwasser wegschütten. Fünf bis zehn Minuten in sprudelndem Wasser, abgießen, Wasser weg - erst danach beginnt die eigentliche Zubereitung. Das ist bei diesem Pilz keine Feinheit, sondern die Grundlage.

Als HausmittelDie korrekte Zubereitung

So geht’s

Hallimasch richtig verarbeiten

  1. Bestimmung sichern: büscheliger Wuchs an Holz, honiggelbe fein schuppige Hüte, wattiger Ring am Stiel. Im Zweifel einen Sporenabdruck machen - der Hallimasch wirft weiß ab, der tödliche Gifthäubling rostbraun.
  2. Nur junge Exemplare mit noch geschlossenen oder halb geöffneten Hüten verwenden. Die Stiele am Hutansatz abschneiden und wegwerfen - sie sind zäh und schlechter verträglich.
  3. Die Hüte putzen und in reichlich sprudelndem Wasser fünf bis zehn Minuten blanchieren.
  4. Abgießen und das Kochwasser wegschütten. Nicht weiterverwenden - darin sind die wasserlöslichen Reizstoffe.
  5. Erst jetzt die eigentliche Zubereitung: mindestens fünfzehn Minuten braten oder schmoren, mit Zwiebeln, Speck oder in einer Sauce.
  6. Beim ersten Mal nur eine kleine Portion essen, keinen Alkohol dazu trinken und abwarten. Ein Teil der Menschen verträgt Hallimasch grundsätzlich nicht - auch korrekt zubereitet.
Wofür

Als traditioneller Herbstpilz in Osteuropa und im Alpenraum, vor allem sauer eingelegt oder als Bestandteil einer Mischpilzpfanne. Für Einsteiger ist er nicht geeignet.

Menge

In Maßen. Auch korrekt zubereitet ist er für manche Menschen schwer verträglich. Beim ersten Versuch eine kleine Portion und keinen Alkohol dazu.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Hallimasch ist im Ayurveda nicht vertreten. Er ist ein weltweit verbreiteter Waldpilz, dessen Nutzung überall dieselbe Ambivalenz zeigt: geschätzt als Massenpilz, gefürchtet wegen der Unverträglichkeit.

Traditionelle Chinesische Medizin

In China ist der Hallimasch als Mi Huan Jun bekannt und wird gegessen; bedeutender ist dort allerdings eine indirekte Verbindung: Tian Ma, die Knolle der Orchidee Gastrodia elata, ist eine wichtige chinesische Arzneidroge - und diese Orchidee besitzt kein Chlorophyll und lebt vollständig von einem Hallimasch-Myzel, das sie parasitiert. Der kommerzielle Anbau von Tian Ma setzt deshalb den gezielten Anbau von Hallimasch voraus. Ein ungewöhnlicher Fall, in dem ein Forstschädling zur Voraussetzung für eine Heilpflanze wird.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Roh giftig: Er verursacht heftige Magen-Darm-Beschwerden. Mindestens fünfzehn bis zwanzig Minuten garen - kurzes Anbraten reicht nicht.
  • Abbrühen und Kochwasser wegschütten: Der wichtigste Einzelschritt für die Verträglichkeit.
  • Gifthäubling: Wächst ebenfalls büschelig an Holz und enthält tödliche Amatoxine. Sporenabdruck: weiß beim Hallimasch, rostbraun beim Gifthäubling.
  • Individuelle Unverträglichkeit: Ein Teil der Menschen verträgt Hallimasch auch korrekt zubereitet nicht. Beim ersten Mal kleine Portion.
  • Kein Alkohol dazu: Es gibt Berichte über verstärkte Unverträglichkeitsreaktionen.
  • Nicht für Einsteiger: Verwechslungsgefahr und Zubereitungsregeln machen ihn zu einem Pilz für Erfahrene.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Merkblatt zu Armillaria - Zubereitung und Unverträglichkeit.
  2. Giftinformationszentren: Vergiftungsfälle nach ungenügend gegartem Hallimasch.
  3. Ferguson B.A. et al.: Coarse-scale population structure of pathogenic Armillaria species in a mixed-conifer forest. Canadian Journal of Forest Research 2003 - der Oregon-Klon.
  4. Mihail J.D., Bruhn J.N.: Foraging behaviour of Armillaria rhizomorph systems und Biolumineszenz. Mycological Research.
  5. Bensky D. et al.: Chinese Herbal Medicine - Materia Medica, Eintrag Tian Ma.