Karotte (Daucus carota subsp. sativus)
HerkunftViolett, bevor sie orange wurde

Die ersten Kulturkarotten waren violett und gelb - die orange Möhre ist eine niederländische Züchtung des 17. Jahrhunderts.
Die Wilde Möhre wächst in ganz Europa an Wegrändern, ihre Wurzel ist dünn, weiß und holzig. Die Kulturkarotte entstand vor etwa tausend Jahren in Afghanistan und Persien; diese frühen Formen waren violett durch Anthocyane oder gelb. Über die Araber kamen sie nach Spanien und im späten Mittelalter nach Mitteleuropa.
Die orange Karotte, wie wir sie kennen, setzte sich im 17. Jahrhundert in den Niederlanden durch. Die schöne Geschichte, sie sei dem Haus Oranien zu Ehren gezüchtet worden, ist allerdings nicht belegt. Heute gehört die Möhre zu den wichtigsten Gemüsen Deutschlands; alte Sorten in Violett, Gelb und Weiß kommen über Wochenmärkte und Gemüsekisten zurück.
NutzenWas die Karotte für dich tut
Karotten sind die wichtigste Beta-Carotin-Quelle in der mitteleuropäischen Ernährung. Der Körper wandelt Beta-Carotin nach Bedarf in Vitamin A um - wichtig für die Augen, die Haut, die Schleimhäute und das Immunsystem. Eine mittelgroße Karotte deckt rechnerisch mehr als den Tagesbedarf an Vitamin A. Dazu kommen Ballaststoffe, Kalium und Vitamin K.
Entscheidend ist die Zubereitung: Beta-Carotin ist fettlöslich und sitzt fest in den Zellwänden. Gekocht, püriert und mit etwas Fett nimmt der Körper ein Vielfaches mehr auf als aus roher, grob geraspelter Karotte. Die Karottensuppe mit Butter ist also nährstoffmäßig besser als der Rohkostsalat ohne Öl.
Die Geschichte, Karotten verbesserten die Nachtsicht, stammt aus dem Zweiten Weltkrieg: Die Royal Air Force erklärte die Treffsicherheit ihrer Nachtjäger mit Karotten - um das neue Radar geheim zu halten. Wahr ist nur: Echter Vitamin-A-Mangel verursacht Nachtblindheit. Wer ausreichend versorgt ist, sieht durch mehr Karotten nicht besser.
InhaltsstoffeDas steckt in der Karotte
Karotten enthalten Wasser, Zucker (vor allem Saccharose), lösliche und unlösliche Ballaststoffe - darunter viel Pektin –, Beta- und Alpha-Carotin, Kalium, Vitamin K und B-Vitamine. Violette Sorten enthalten zusätzlich Anthocyane, gelbe Lutein, rote Lycopin.
Die Polyacetylene, etwa Falcarinol, sorgen für den leicht bitteren Geschmack mancher Karotten und werden als pflanzliche Abwehrstoffe erforscht. Beim langen Kochen zerfallen die Pektine zu kurzkettigen Oligosacchariden - genau das ist das Prinzip der Moro’schen Karottensuppe.
Verstärkte KombinationenWas die Karotte stärker macht
Die Karotte braucht Fett, damit ihr Carotin ankommt - und Säure oder Würze, damit sie nicht nur süß schmeckt.
Beta-Carotin ist fettlöslich: Karotten immer mit etwas Fett essen, im Rohkostsalat mit Öl, im Gemüse mit Butter.
Kochen bricht die Zellwände auf - Karottensuppe und Püree liefern mehr Carotin als rohe Stifte.
Karotten-Ingwer-Suppe mit Orangenabrieb: süß, scharf, frisch.
Geröstete Möhren mit Kreuzkümmel, Joghurt und Koriander - orientalisch und einfach.
Karotten-Apfel-Salat mit Zitrone und Leinöl - der Klassiker für Kinder.
Möhren, Linsen, Zwiebel - Eintopf und Suppe, die satt machen.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Das Karottenallergen ähnelt dem Birkenpollen-Allergen. Gekocht wird es meist vertragen.
Carotin ohne Fett wird kaum aufgenommen - ein paar Tropfen Öl reichen.
Große Mengen färben die Haut gelb-orange (Carotinämie). Harmlos, aber auffällig - besonders bei Säuglingen.
Wie bei allen nitrathaltigen Gemüsen: Säuglingsbrei frisch zubereiten, nicht lange warm halten.
Das Ethylen der Äpfel macht Karotten bitter.
Das Kraut zieht Wasser aus der Rübe - vor dem Lagern abschneiden, das Grün lässt sich als Pesto nutzen.
In der KücheWo sie hingehört
- Karotten-Ingwer-SuppeMit Kokosmilch oder Sahne püriert.
- Glasierte MöhrenIn Butter mit etwas Honig und Thymian.
- OfenmöhrenGanz mit Kreuzkümmel und Olivenöl geröstet, mit Joghurt.
- Karotten-Apfel-RohkostFein gerieben, Zitrone, Leinöl.
- MöhreneintopfMit Kartoffeln, Petersilie und Mettwurst oder Linsen.
- KarottenkuchenMit Walnüssen und Frischkäse-Creme.
- Karottengrün-PestoMit Nüssen, Parmesan, Olivenöl.
- Karotten-HummusGeröstete Karotten mit Kichererbsen püriert.
- SoffrittoMöhre, Zwiebel, Sellerie - die Basis der italienischen Sauce.
- BabybreiDie klassische erste Beikost, mit einem Teelöffel Öl.
Als HausmittelDie Moro’sche Karottensuppe
Karottensuppe nach Moro
- 500 g geschälte Karotten in einem Liter Wasser mindestens 90 Minuten kochen - die lange Kochzeit ist entscheidend.
- Pürieren und mit abgekochtem Wasser wieder auf einen Liter auffüllen.
- 3 g Salz (einen gestrichenen Teelöffel) einrühren.
- Lauwarm in kleinen Portionen über den Tag trinken oder löffeln.
Durchfall bei Kindern und Erwachsenen. Der Heidelberger Kinderarzt Ernst Moro setzte die Suppe 1908 bei Säuglingen mit Durchfall ein; die Sterblichkeit in seiner Klinik sank deutlich. Später fand man eine Erklärung: Beim langen Kochen entstehen Oligosaccharide, die das Andocken bestimmter Darmbakterien an die Darmwand hemmen. Dazu ersetzt die Suppe Wasser und Salz.
Nach Bedarf über den Tag verteilt. Die Suppe ergänzt, ersetzt aber keine Elektrolytlösung und keinen Arzt: Bei Säuglingen, Fieber, Blut im Stuhl, Teilnahmslosigkeit oder wenn kaum getrunken wird, sofort zum Kinderarzt.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Karotte (Garjara) gilt im Ayurveda als süß, leicht bitter und erwärmend. Sie beruhigt Vata und Kapha und wird bei Verdauungsschwäche und für die Augen empfohlen; bekannt ist das Dessert Gajar ka Halwa aus Karotten, Milch, Ghee und Kardamom.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM ist die Karotte (Hu Luo Bo) süß und neutral. Sie soll die Milz stärken, Nahrungsstagnation lösen, die Leber nähren und die Augen klären - traditionell bei Verdauungsschwäche und trockenen Augen.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Allergie: bei Birkenpollenallergie roh oft unverträglich, gekocht meist gut.
- Carotinämie: sehr große Mengen färben die Haut gelblich - harmlos und rückläufig.
- Säuglinge: Karottenbrei frisch zubereiten und nicht mehrfach aufwärmen (Nitrat).
- Blutzucker: gekochte Karotten haben einen höheren glykämischen Index als rohe - in üblichen Mengen unbedenklich.
- Durchfall: die Karottensuppe ersetzt keine ärztliche Abklärung bei Säuglingen und schweren Verläufen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Moro E. Karottensuppe bei Ernährungsstörungen der Säuglinge. Münchener Medizinische Wochenschrift 1908; 55: 1637–1640.
- Guggenbichler JP et al. Acidic oligosaccharides from natural sources block adherence of Escherichia coli on uroepithelial cells. Pharmaceutical and Pharmacological Letters 1997; 7: 35–38.
- van het Hof KH et al. Dietary factors that affect the bioavailability of carotenoids. Journal of Nutrition 2000; 130(3): 503–506.
- Banga O. Origin of the European cultivated carrot. Euphytica 1957; 6: 54–63.
- USDA FoodData Central: Carrots, raw.


