Karotte (Daucus carota subsp. sativus)

Botanischer Name
Daucus carota subsp. sativusDoldenblütler (Apiaceae)
Auch genannt
Möhre, Mohrrübe, Wurzelregional sehr verschieden
Geschmack
Süß, erdigjung zarter, Lagerware kräftiger
Herkunft
Afghanistan und Persienursprünglich violett und gelb
Bekannt für
Beta-Carotingekocht mit Fett am besten verfügbar
Hausmittel
Moro’sche Karottensuppebei Durchfall, seit 1908

HerkunftViolett, bevor sie orange wurde

Frische Karotten mit Grün auf rustikalem Holz

Die ersten Kulturkarotten waren violett und gelb - die orange Möhre ist eine niederländische Züchtung des 17. Jahrhunderts.

Die Wilde Möhre wächst in ganz Europa an Wegrändern, ihre Wurzel ist dünn, weiß und holzig. Die Kulturkarotte entstand vor etwa tausend Jahren in Afghanistan und Persien; diese frühen Formen waren violett durch Anthocyane oder gelb. Über die Araber kamen sie nach Spanien und im späten Mittelalter nach Mitteleuropa.

Die orange Karotte, wie wir sie kennen, setzte sich im 17. Jahrhundert in den Niederlanden durch. Die schöne Geschichte, sie sei dem Haus Oranien zu Ehren gezüchtet worden, ist allerdings nicht belegt. Heute gehört die Möhre zu den wichtigsten Gemüsen Deutschlands; alte Sorten in Violett, Gelb und Weiß kommen über Wochenmärkte und Gemüsekisten zurück.

NutzenWas die Karotte für dich tut

Karotten sind die wichtigste Beta-Carotin-Quelle in der mitteleuropäischen Ernährung. Der Körper wandelt Beta-Carotin nach Bedarf in Vitamin A um - wichtig für die Augen, die Haut, die Schleimhäute und das Immunsystem. Eine mittelgroße Karotte deckt rechnerisch mehr als den Tagesbedarf an Vitamin A. Dazu kommen Ballaststoffe, Kalium und Vitamin K.

Entscheidend ist die Zubereitung: Beta-Carotin ist fettlöslich und sitzt fest in den Zellwänden. Gekocht, püriert und mit etwas Fett nimmt der Körper ein Vielfaches mehr auf als aus roher, grob geraspelter Karotte. Die Karottensuppe mit Butter ist also nährstoffmäßig besser als der Rohkostsalat ohne Öl.

Die Geschichte, Karotten verbesserten die Nachtsicht, stammt aus dem Zweiten Weltkrieg: Die Royal Air Force erklärte die Treffsicherheit ihrer Nachtjäger mit Karotten - um das neue Radar geheim zu halten. Wahr ist nur: Echter Vitamin-A-Mangel verursacht Nachtblindheit. Wer ausreichend versorgt ist, sieht durch mehr Karotten nicht besser.

ca. 8 mgBeta-Carotin pro 100 g roher Karotte
1908veröffentlichte Ernst Moro seine Karottensuppe
mehrfachbessere Carotin-Aufnahme - gekocht, püriert, mit Fett
17. Jh.setzte sich die orange Karotte durch

InhaltsstoffeDas steckt in der Karotte

Karotten enthalten Wasser, Zucker (vor allem Saccharose), lösliche und unlösliche Ballaststoffe - darunter viel Pektin –, Beta- und Alpha-Carotin, Kalium, Vitamin K und B-Vitamine. Violette Sorten enthalten zusätzlich Anthocyane, gelbe Lutein, rote Lycopin.

Die Polyacetylene, etwa Falcarinol, sorgen für den leicht bitteren Geschmack mancher Karotten und werden als pflanzliche Abwehrstoffe erforscht. Beim langen Kochen zerfallen die Pektine zu kurzkettigen Oligosacchariden - genau das ist das Prinzip der Moro’schen Karottensuppe.

Verstärkte KombinationenWas die Karotte stärker macht

Die Karotte braucht Fett, damit ihr Carotin ankommt - und Säure oder Würze, damit sie nicht nur süß schmeckt.

Gesundheit

mit Butter & Öl

Beta-Carotin ist fettlöslich: Karotten immer mit etwas Fett essen, im Rohkostsalat mit Öl, im Gemüse mit Butter.

Technik

gekocht & püriert

Kochen bricht die Zellwände auf - Karottensuppe und Püree liefern mehr Carotin als rohe Stifte.

Geschmack

mit Ingwer & Orange

Karotten-Ingwer-Suppe mit Orangenabrieb: süß, scharf, frisch.

Gewürze

mit Kreuzkümmel & Koriander

Geröstete Möhren mit Kreuzkümmel, Joghurt und Koriander - orientalisch und einfach.

Rohkost

mit Apfel & Zitrone

Karotten-Apfel-Salat mit Zitrone und Leinöl - der Klassiker für Kinder.

Hülsenfrüchte

mit Linsen

Möhren, Linsen, Zwiebel - Eintopf und Suppe, die satt machen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Allergie

nicht roh bei Birkenpollenallergie

Das Karottenallergen ähnelt dem Birkenpollen-Allergen. Gekocht wird es meist vertragen.

Technik

nicht ohne Fett

Carotin ohne Fett wird kaum aufgenommen - ein paar Tropfen Öl reichen.

Haut

nicht literweise Saft

Große Mengen färben die Haut gelb-orange (Carotinämie). Harmlos, aber auffällig - besonders bei Säuglingen.

Nitrat

nicht aufgewärmten Brei für Säuglinge

Wie bei allen nitrathaltigen Gemüsen: Säuglingsbrei frisch zubereiten, nicht lange warm halten.

Lagerung

nicht neben Äpfeln

Das Ethylen der Äpfel macht Karotten bitter.

Grün

nicht das Grün dranlassen

Das Kraut zieht Wasser aus der Rübe - vor dem Lagern abschneiden, das Grün lässt sich als Pesto nutzen.

In der KücheWo sie hingehört

  • Karotten-Ingwer-SuppeMit Kokosmilch oder Sahne püriert.
  • Glasierte MöhrenIn Butter mit etwas Honig und Thymian.
  • OfenmöhrenGanz mit Kreuzkümmel und Olivenöl geröstet, mit Joghurt.
  • Karotten-Apfel-RohkostFein gerieben, Zitrone, Leinöl.
  • MöhreneintopfMit Kartoffeln, Petersilie und Mettwurst oder Linsen.
  • KarottenkuchenMit Walnüssen und Frischkäse-Creme.
  • Karottengrün-PestoMit Nüssen, Parmesan, Olivenöl.
  • Karotten-HummusGeröstete Karotten mit Kichererbsen püriert.
  • SoffrittoMöhre, Zwiebel, Sellerie - die Basis der italienischen Sauce.
  • BabybreiDie klassische erste Beikost, mit einem Teelöffel Öl.
Faustregel: Junge Bundmöhren nur abbürsten, Lagermöhren dünn schälen. Karotten ohne Grün im Gemüsefach, eingeschlagen in ein feuchtes Tuch, bleiben zwei Wochen knackig.

Als HausmittelDie Moro’sche Karottensuppe

So geht’s

Karottensuppe nach Moro

  1. 500 g geschälte Karotten in einem Liter Wasser mindestens 90 Minuten kochen - die lange Kochzeit ist entscheidend.
  2. Pürieren und mit abgekochtem Wasser wieder auf einen Liter auffüllen.
  3. 3 g Salz (einen gestrichenen Teelöffel) einrühren.
  4. Lauwarm in kleinen Portionen über den Tag trinken oder löffeln.
Wofür

Durchfall bei Kindern und Erwachsenen. Der Heidelberger Kinderarzt Ernst Moro setzte die Suppe 1908 bei Säuglingen mit Durchfall ein; die Sterblichkeit in seiner Klinik sank deutlich. Später fand man eine Erklärung: Beim langen Kochen entstehen Oligosaccharide, die das Andocken bestimmter Darmbakterien an die Darmwand hemmen. Dazu ersetzt die Suppe Wasser und Salz.

Menge

Nach Bedarf über den Tag verteilt. Die Suppe ergänzt, ersetzt aber keine Elektrolytlösung und keinen Arzt: Bei Säuglingen, Fieber, Blut im Stuhl, Teilnahmslosigkeit oder wenn kaum getrunken wird, sofort zum Kinderarzt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Karotte (Garjara) gilt im Ayurveda als süß, leicht bitter und erwärmend. Sie beruhigt Vata und Kapha und wird bei Verdauungsschwäche und für die Augen empfohlen; bekannt ist das Dessert Gajar ka Halwa aus Karotten, Milch, Ghee und Kardamom.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM ist die Karotte (Hu Luo Bo) süß und neutral. Sie soll die Milz stärken, Nahrungsstagnation lösen, die Leber nähren und die Augen klären - traditionell bei Verdauungsschwäche und trockenen Augen.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Allergie: bei Birkenpollenallergie roh oft unverträglich, gekocht meist gut.
  • Carotinämie: sehr große Mengen färben die Haut gelblich - harmlos und rückläufig.
  • Säuglinge: Karottenbrei frisch zubereiten und nicht mehrfach aufwärmen (Nitrat).
  • Blutzucker: gekochte Karotten haben einen höheren glykämischen Index als rohe - in üblichen Mengen unbedenklich.
  • Durchfall: die Karottensuppe ersetzt keine ärztliche Abklärung bei Säuglingen und schweren Verläufen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen

Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.

QuellenWorauf sich das stützt

  1. Moro E. Karottensuppe bei Ernährungsstörungen der Säuglinge. Münchener Medizinische Wochenschrift 1908; 55: 1637–1640.
  2. Guggenbichler JP et al. Acidic oligosaccharides from natural sources block adherence of Escherichia coli on uroepithelial cells. Pharmaceutical and Pharmacological Letters 1997; 7: 35–38.
  3. van het Hof KH et al. Dietary factors that affect the bioavailability of carotenoids. Journal of Nutrition 2000; 130(3): 503–506.
  4. Banga O. Origin of the European cultivated carrot. Euphytica 1957; 6: 54–63.
  5. USDA FoodData Central: Carrots, raw.