HerkunftDer Baum, dessen Holz Bögen ergab

„Pau d’arco“ heißt Bogenholz - das Holz war so hart und elastisch, dass indigene Völker daraus Jagdbögen fertigten.
Der Lapachobaum - heute botanisch Handroanthus impetiginosus, früher Tabebuia impetiginosa - ist ein bis zu dreißig Meter hoher Baum der südamerikanischen Trockenwälder, verbreitet von Mexiko bis Nordargentinien. Er wirft in der Trockenzeit die Blätter ab und blüht dann in überwältigenden rosa-violetten Massen, was ihn zu einem der auffälligsten Bäume Südamerikas macht; in Brasilien ist der verwandte gelbblühende Ipê-Amarelo Nationalbaum.
Sein Holz ist extrem hart, dicht und witterungsbeständig - daher der portugiesische Name pau d’arco, Bogenholz. Indigene Völker fertigten daraus Jagdbögen; heute wird es als Terrassen- und Konstruktionsholz unter dem Handelsnamen Ipê exportiert, was zu erheblichem Druck auf die Bestände geführt hat. Mehrere Handroanthus-Arten stehen inzwischen auf Schutzlisten.
Medizinisch verwendet wird die innere Rinde, die Schicht zwischen der äußeren Borke und dem Holz. In der traditionellen Medizin der Guaraní und anderer Gruppen wird sie als Abkochung bei Fieber, Hautkrankheiten, Entzündungen und Infektionen eingesetzt. Bekannt wurde Lapacho im Westen in den 1960er und 70er Jahren, als brasilianische Presseberichte über angebliche Krebsheilungen eine internationale Nachfrage auslösten. Diese Berichte waren der Anlass für die Untersuchungen, von denen der nächste Abschnitt handelt - und ihr Ergebnis ist der Grund, warum wir hier so deutlich werden.
NutzenWas die Forschung tatsächlich ergeben hat
Für Lapacho gibt es keine Monographie der EMA und keine Bewertung der Kommission E. Es gibt auch keine kontrollierte klinische Studie am Menschen, die eine Anwendung stützen würde. Das ist der Ausgangspunkt, und er unterscheidet sich deutlich von dem Bild, das die Vermarktung zeichnet.
Es gab allerdings eine ernsthafte klinische Erprobung, und ihr Ausgang ist lehrreich. In den 1970er Jahren untersuchte das amerikanische National Cancer Institute Lapachol, den Hauptinhaltsstoff, in einer Phase-I-Studie bei Krebspatienten. Die Studie wurde abgebrochen. Der Grund: In den Dosen, die nötig gewesen wären, um im Blut wirksame Spiegel zu erreichen, traten erhebliche Nebenwirkungen auf - Übelkeit, Erbrechen und vor allem eine Verlängerung der Gerinnungszeit. Lapachol wirkt als Antivitamin K, ähnlich wie ein Gerinnungshemmer. Die therapeutische Breite erwies sich als zu eng.
Aus dieser Geschichte folgen zwei Dinge. Erstens: Lapacho als Krebsmittel ist keine offene Frage, sondern eine untersuchte und negativ beantwortete. Wer es heute als solches angeboten bekommt, sollte das Angebot ablehnen - und wer eine Krebstherapie erhält, sollte es wegen der Gerinnungswirkung ohnehin nicht nehmen. Zweitens: Die Antivitamin-K-Wirkung ist die konkreteste bekannte Eigenschaft dieser Droge, und sie ist ein Risiko, kein Nutzen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Gerinnungshemmern oder vor Operationen ist Lapacho zu meiden.
Bleibt der Rest: Laborbefunde. β-Lapachon und Lapachol zeigen in Zellversuchen antimikrobielle, antiparasitäre und zytotoxische Effekte, und β-Lapachon ist als Ausgangspunkt für Wirkstoffentwicklung untersucht worden. Das ist Grundlagenforschung. Ein ironisches Detail zum Schluss: Analysen von Handelsware haben wiederholt gezeigt, dass viele Lapacho-Tees und -Präparate kaum messbares Lapachol enthalten - entweder weil die falsche Rindenschicht oder die falsche Art verwendet wurde. Man kann das als Qualitätsmangel sehen oder als den Grund, warum kaum Nebenwirkungen berichtet werden.
InhaltsstoffeNaphthochinone - und die Frage, ob sie überhaupt drin sind
Die charakteristischen Inhaltsstoffe der Lapachorinde sind Naphthochinone, allen voran Lapachol und β-Lapachon, dazu Anthrachinone, Flavonoide und Gerbstoffe. Chinone sind reaktive Moleküle - dieselbe Stoffklasse, zu der auch das Thymochinon des Schwarzkümmels und das Hydrochinon der Bärentraube gehören. Ihre Reaktivität ist der Grund für die beobachteten Laboreffekte und zugleich für die Toxizität in höheren Dosen.
Entscheidend ist die verwendete Rindenschicht. Die Wirkstoffe sitzen in der inneren Rinde, dem Bastteil zwischen Borke und Holz. Handelsware, die aus der äußeren Borke oder aus Holzanteilen besteht, enthält entsprechend wenig bis nichts. Dazu kommt die Artenfrage: Mehrere Handroanthus– und Tabebuia-Arten werden als Lapacho gehandelt, und sie unterscheiden sich im Gehalt erheblich.
Marktanalysen aus mehreren Ländern haben das wiederholt bestätigt: Ein großer Teil der als Lapacho verkauften Ware enthält kein oder kaum messbares Lapachol. Für den Verbraucher ergibt sich daraus eine merkwürdige Lage. Wer ein wirkstoffarmes Produkt kauft, zahlt für einen herben Rindentee ohne pharmakologische Wirkung - unangenehm für den Geldbeutel, aber harmlos. Wer ein wirkstoffreiches Produkt erwischt, bekommt eine Substanz mit Antivitamin-K-Wirkung, deren klinische Erprobung abgebrochen wurde. Beides spricht nicht für den Kauf.
Ein weiterer Punkt betrifft die Nachhaltigkeit. Die Rindenernte schädigt den Baum erheblich; bei vollständiger Ringelung stirbt er. Zusammen mit dem Druck durch den Holzexport hat das dazu geführt, dass mehrere Arten als gefährdet eingestuft sind. Wer Lapacho kauft, sollte wissen, dass hinter dem Produkt in der Regel ein beschädigter oder gefällter Baum steht.
Verstärkte KombinationenWas zu beachten ist
Bei einer Droge ohne Monographie, ohne Humanstudien und mit einer bekannten Gerinnungswirkung geht es nicht um Kombinationen, sondern um Abgrenzungen.
Wer den Tee des Geschmacks wegen trinkt - er ist herb, holzig und leicht süßlich –, kann ihn mit Gewürzen aufwerten. Das ist die ehrlichste Verwendung dieser Droge.
Er enthält kein Koffein und ist damit als warmes Abendgetränk unproblematisch, sofern keine Gerinnungshemmung besteht.
Wenn schon, dann ein Produkt mit botanischer Artangabe und dem Hinweis auf innere Rinde. Alles andere ist nicht einmal als Tee definiert.
Die Rindenernte schädigt den Baum. Herkunftsnachweise sind hier ein echtes Kriterium, kein Marketing.
Wer Entzündung, Infektabwehr oder Hautprobleme angehen will, findet in diesem Archiv Pflanzen mit Monographie und Datenlage. Die sind die bessere Wahl.
Als angenehm herber, koffeinfreier Tee ist er unproblematisch. Als Heilmittel ist er nicht belegt.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Lapachol wirkt als Antivitamin K. Bei Gerinnungshemmung ist Lapacho zu meiden, ebenso vor geplanten Operationen.
Die klinische Erprobung wurde wegen Toxizität abgebrochen. Es gibt keine Evidenz für einen Nutzen, aber ein Risiko durch die Gerinnungswirkung und mögliche Wechselwirkungen mit einer Therapie.
In Tierversuchen zeigte Lapachol embryotoxische Effekte. In dieser Zeit strikt zu meiden.
Übelkeit und Erbrechen waren die dosislimitierenden Nebenwirkungen in der klinischen Erprobung. Es gibt keine geprüfte Dosierungsempfehlung.
Keine Daten, keine Dosierungsempfehlung, bekannte Toxizität in höheren Dosen. Für Kinder nicht geeignet.
Er wird gegen Krebs, Candida, Borreliose und Autoimmunerkrankungen beworben. Für keine dieser Anwendungen gibt es Evidenz.
AnwendungWas mit der Rinde möglich ist
- Abkochung1 bis 2 Teelöffel Rinde in 500 ml Wasser 10 bis 15 Minuten köcheln - die traditionelle Zubereitung.
- GeschmackHerb, holzig, leicht süßlich mit einem vanilleartigen Ton - als Tee durchaus angenehm.
- Mit GewürzenZimtstange und Orangenschale mitkochen; das rundet den holzigen Ton ab.
- KoffeinfreiAls warmes Abendgetränk unproblematisch, sofern keine Gerinnungshemmung besteht.
- KaltAbgekühlt mit Zitrone ein interessanter Eistee.
- ArtangabeAuf dem Etikett sollte eine botanische Art stehen, nicht nur „Lapacho“.
- Innere RindeNur die innere Rinde enthält die Wirkstoffe - Ware aus Borke oder Holz ist wertlos.
- HerkunftRindenernte schädigt den Baum; Herkunftsnachweise sind ein echtes Kriterium.
- Keine KurEs gibt keine geprüfte Dosierung und keinen Grund für eine langfristige Einnahme.
- MedikationslisteVor der ersten Tasse die eigene Medikation prüfen - vor allem auf Gerinnungshemmer.
Als HausmittelDer Tee - und was vorher zu klären ist
Lapacho-Abkochung
- Zuerst die Medikationsfrage: Nimmst du Gerinnungshemmer - Marcumar, ein DOAK, dauerhaft ASS? Dann lass Lapacho weg. Lapachol wirkt als Antivitamin K. Dasselbe gilt vor geplanten Operationen.
- Zweite Frage: Bist du schwanger oder stillst du? Dann nicht - in Tierversuchen zeigte Lapachol embryotoxische Effekte.
- Wenn beides geklärt ist: 1 bis 2 Teelöffel geschnittene Rinde mit 500 ml kaltem Wasser ansetzen.
- Aufkochen und zehn bis fünfzehn Minuten zugedeckt leise köcheln lassen. Die harte Rinde gibt nur beim Kochen etwas ab.
- Abseihen und trinken. Der Geschmack ist herb-holzig mit einem leicht vanilligen Ton; Zimt oder Orangenschale passen gut dazu.
- Als gelegentliches Getränk unproblematisch. Es gibt keinen belegten Grund für eine Kur oder eine dauerhafte Einnahme - und keine geprüfte Dosierungsempfehlung, an der man sich orientieren könnte.
Traditionell in Südamerika bei Fieber, Entzündungen und Hautbeschwerden. In Europa ohne anerkanntes Anwendungsgebiet. Als herber, koffeinfreier Tee ein angenehmes Getränk - mehr lässt sich ehrlicherweise nicht sagen.
Es existiert keine behördlich geprüfte Dosierungsempfehlung. Üblich sind ein bis zwei Teelöffel Rinde auf einen halben Liter. Nicht bei Gerinnungshemmung, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht für Kinder, nicht während einer Krebstherapie.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Lapacho ist eine südamerikanische Pflanze und im Ayurveda nicht vertreten. Für die Anwendungsbereiche, die ihm traditionell zugeschrieben werden - Fieber, Hautkrankheiten, Infektabwehr –, stehen dort Neem, Guduchi und Manjistha im Vordergrund. Der Vergleich ist insofern interessant, als auch diese Pflanzen breite traditionelle Anwendungsspektren haben, deren moderne Belege begrenzt sind.
Traditionelle Chinesische Medizin
Auch in der chinesischen Materia medica fehlt Handroanthus. Die Beschreibung, die die südamerikanische Tradition gibt - bitter, kühlend, gegen „Hitze“ und Infektionen –, entspräche in der TCM der Gruppe der Drogen, die „Hitze klären und Toxine ausleiten“, zu der etwa Jin Yin Hua und Lian Qiao gehören. Das ist eine Parallele im Denkmuster, nicht in der Pflanze.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Antivitamin-K-Wirkung: Lapachol verlängert die Gerinnungszeit. Bei Marcumar, DOAK, dauerhafter ASS-Einnahme oder vor Operationen ist Lapacho zu meiden.
- Kein Krebsmittel: Die klinische Erprobung von Lapachol wurde in den 1970er Jahren wegen Toxizität abgebrochen. Es gibt keine Evidenz für einen Nutzen.
- Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit: In Tierversuchen zeigte Lapachol embryotoxische Effekte.
- Keine geprüfte Dosierung: Es existiert keine Monographie und keine behördliche Dosierungsempfehlung.
- Qualität stark schwankend: Viele Handelsprodukte enthalten kaum messbares Lapachol - aus der falschen Rindenschicht oder der falschen Art.
- Nachhaltigkeit: Die Rindenernte schädigt den Baum erheblich; mehrere Arten gelten als gefährdet.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Block J.B. et al.: Early clinical studies with lapachol (NSC-11905). Cancer Chemotherapy Reports 1974 - Abbruch der Phase-I-Studie.
- Memorial Sloan Kettering Cancer Center, About Herbs: Pau d’Arco - Monographie mit Wechselwirkungsübersicht.
- Gómez Castellanos J.R. et al.: Red Lapacho (Tabebuia impetiginosa) - a global ethnopharmacological commodity? Journal of Ethnopharmacology 2009.
- Awang D.V.C.: Commercial taheebo lacks active ingredient. Canadian Pharmaceutical Journal 1988 - Marktanalyse zum Lapacholgehalt.
- IUCN Red List: Bewertungen zu Handroanthus-Arten und zum Ipê-Holzhandel.


