Rhabarber (Rheum rhabarbarum)
HerkunftDie Wurzel aus dem Osten

Der Name kommt vom lateinischen rha barbarum - die „fremde Wurzel“ von jenseits der Wolga, die die Griechen Rha nannten.
Rhabarber stammt aus den Bergregionen Zentralasiens. Jahrhundertelang kannte Europa nur die getrocknete Wurzel des chinesischen Medizinalrhabarbers, die über die Seidenstraße kam und so teuer war wie Opium. Sie wurde als Abführmittel gehandelt.
Erst im 18. Jahrhundert begannen Engländer, die Stiele des Gartenrhabarbers zu essen - als der Zucker billig wurde, der die Säure zähmt. In Deutschland ist er seit dem 19. Jahrhundert verbreitet. Geerntet wird wie beim Spargel bis Johanni am 24. Juni: Danach steigt der Oxalsäuregehalt, und die Pflanze braucht ihre Blätter, um Kraft für das nächste Jahr zu sammeln.
NutzenWas Rhabarber für dich tut
100 g Rhabarberstiele haben nur rund 20 kcal und liefern etwa 2 g Ballaststoffe, rund 290 mg Kalium, knapp 30 µg Vitamin K und etwas Vitamin C. Calcium ist zwar reichlich enthalten, aber zum großen Teil an Oxalsäure gebunden und kaum verfügbar. Rotstielige Sorten enthalten zusätzlich Anthocyane.
Der saure Geschmack stammt aus Äpfelsäure und Oxalsäure. Rhabarberstiele enthalten etwa 0,2 bis 0,8 g Oxalsäure pro 100 g - mehr als die meisten Obstsorten, aber weniger als Spinat oder Mangold. In üblichen Mengen ist das für Gesunde unproblematisch; wer zu Nierensteinen aus Calciumoxalat neigt, sollte aber zurückhaltend sein.
Rhabarberkompott regt bei manchen Menschen die Verdauung an - durch die Ballaststoffe, die Fruchtsäuren und die Flüssigkeit. Die Stiele enthalten zwar Spuren von Anthranoiden, aber nur einen Bruchteil dessen, was in der Wurzel des medizinischen Rhabarbers steckt. Eine abführende Wirkung wie beim Arzneimittel ist daher nicht zu erwarten.
InhaltsstoffeDas steckt im Rhabarber
Rhabarberstiele enthalten Wasser, Äpfelsäure, Oxalsäure und Zitronensäure, Ballaststoffe (Pektin), Kalium, Calcium (überwiegend als Calciumoxalat gebunden), Magnesium, Vitamin K, Vitamin C, Polyphenole wie Anthocyane in roten Sorten, Stilbene wie Rhaponticin sowie Spuren von Anthranoiden.
In den Blättern ist der Oxalsäuregehalt deutlich höher, dazu kommen weitere reizende Stoffe. Sie gehören auf den Kompost, nicht in den Topf.
Verstärkte KombinationenWas Rhabarber besser macht
Rhabarber braucht Süße, Calcium - und Partner, die seine Säure abrunden.
Bindet Oxalsäure schon im Darm.
Weniger Zucker nötig.
Rundet die Säure ab.
Für Kompott und Chutney.
Als Rhabarber-Porridge.
Senkt die Säure etwas.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Viel Oxalsäure, giftig.
Gegart ist er bekömmlicher.
Nur wenig und mit Milchprodukten.
Oxalsäure steigt an.
Säure löst Metall.
Säure macht den Zahnschmelz weich - 30 Minuten warten.
In der KücheWo er hingehört
- RhabarberkompottMit Vanille.
- RhabarberkuchenMit Baiser oder Streuseln.
- Rhabarber-CrumbleMit Haferflocken.
- Rhabarber-Erdbeer-MarmeladeDer Frühsommer im Glas.
- RhabarberschorleAus dem Sirup.
- Rhabarber-ChutneyMit Ingwer, zu Käse.
- Rote GrützeMit Beeren.
- Rhabarber-PorridgeMit Joghurt.
- OfenrhabarberMit Honig und Orange.
- Rhabarber-TiramisuMit Quark statt Mascarpone.
Als HausmittelRhabarberkompott bei träger Verdauung
Rhabarberkompott
- 500 g Rhabarberstiele waschen, dicke Stiele abziehen und in 2 cm große Stücke schneiden.
- Mit 3 Esslöffeln Wasser, 2 bis 3 Esslöffeln Honig oder Zucker und etwas Vanille in einen Topf geben.
- Zugedeckt 5 bis 8 Minuten bei kleiner Hitze dünsten, bis die Stücke weich sind.
- Abkühlen lassen und mit Naturjoghurt oder Quark essen.
Als leichte Nachspeise bei träger Verdauung. Ballaststoffe, Fruchtsäuren und Flüssigkeit können den Darm sanft anregen. Joghurt oder Quark binden dabei einen Teil der Oxalsäure. Ein Abführmittel ersetzt das Kompott nicht.
Eine Schale (etwa 150 g) am Tag. Bei Nierensteinen in der Vorgeschichte nur gelegentlich. Wer länger als zwei Wochen Verstopfung hat, sollte die Ursache ärztlich klären lassen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Gartenrhabarber ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Die Wurzel des Medizinalrhabarbers (Revandchini) wird als bitter und kühlend bei Verstopfung eingesetzt. Die sauren Stiele würden nach heutiger Einordnung Pitta erhöhen.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM ist Da Huang, die Wurzel von Rheum palmatum, eines der stärksten ausleitenden Mittel: bitter und kalt, es leitet Hitze über den Darm aus. Die Stiele des Gartenrhabarbers spielen dort keine Rolle.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Blätter: nicht essen - sie enthalten viel Oxalsäure und können Übelkeit, Erbrechen und Nierenschäden auslösen.
- Nierensteine: bei Calciumoxalatsteinen oder Nierenerkrankungen nur wenig und immer mit Milchprodukten.
- Nicht verwechseln: medizinischer Rhabarber (Rheum palmatum, Rheum officinale) ist ein anthranoidhaltiges Abführmittel - nicht länger als 1 bis 2 Wochen, nicht in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren.
- Kinder: wegen der Oxalsäure nur kleine Portionen gegart.
- Rheuma und Gicht: wer auf Oxalsäure achten soll, Rhabarber nur selten essen.
- Kochgeschirr: nicht in Aluminiumtöpfen garen oder aufbewahren.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), EMA: Community herbal monograph on Rheum palmatum L. and Rheum officinale Baillon, radix. EMEA/HMPC/189624/2007.
- Noonan SC, Savage GP. Oxalate content of foods and its effect on humans. Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition 1999; 8(1): 64–74.
- Mitchell T et al. Dietary oxalate and kidney stone formation. American Journal of Physiology - Renal Physiology 2019; 316(3): F409–F413.
- USDA FoodData Central: Rhubarb, raw.
- Verbraucherzentrale Bayern: Ist die Oxalsäure im Rhabarber schädlich?


