Chicorée (Cichorium intybus var. foliosum)

Botanischer Name
Cichorium intybus var. foliosumKorbblütler (Asteraceae), eine Zuchtform der Wegwarte
Verwendet wird
Die gebleichten Sprosseroh als Salat, gedünstet, überbacken oder geschmort
Geschmack
Knackig, leicht bitterinnen mild, am Strunk am bittersten
Herkunft
Belgien„Witloof“ - flämisch für „weißes Blatt“
Bekannt für
Wachstum im DunkelnBitterstoffe und Inulin
Saison
Oktober bis Aprilheimisch aus der Wurzel-Treiberei

HerkunftDas weiße Blatt aus dem Keller

Chicorée-Kolben auf einem Holzbrett

Chicorée ist eine Entdeckung aus dem Dunkeln: Der Legende nach trieben vergessene Zichorienwurzeln in einem Brüsseler Keller um 1850 zarte, weiße Sprosse aus.

Chicorée stammt von der Wegwarte ab, die bei uns an Wegrändern blau blüht. Aus ihr wurden zwei Kulturformen gezüchtet: die Wurzelzichorie, deren geröstete Wurzel lange als Kaffee-Ersatz diente, und die Salatzichorie mit Blattformen wie Radicchio, Zuckerhut und eben Chicorée.

Der Anbau läuft bis heute in zwei Stufen: Im Frühjahr wird gesät, im Herbst werden die fleischigen Rüben gerodet und ohne Laub kühl eingelagert - laut Bundeszentrum für Ernährung bis zu acht Monate. Nach Bedarf kommen sie in dunkle Treibräume, meist in Wasserkultur, und bilden dort in etwa drei Wochen die festen, weißen Köpfe mit gelben Spitzen. Heimische Ware gibt es von Oktober bis ins Frühjahr hinein.

NutzenWas Chicorée für dich tut

Chicorée besteht zu rund 95 Prozent aus Wasser und liefert laut USDA nur etwa 17 kcal pro 100 g. Dafür bringt er gut 3 g Ballaststoffe, rund 210 mg Kalium und etwa 37 µg Folat.

Seinen Charakter verdankt er den Bitterstoffen: Sesquiterpenlactone wie Lactucin und Lactucopikrin (früher Intybin genannt), dazu Chicorée- und Chlorogensäure. Bitterstoffe regen über die Geschmacksrezeptoren den Speichel- und Magensaftfluss an. Die Kommission E hat die verwandte Wegwarte traditionell bei Appetitlosigkeit und leichten Verdauungsbeschwerden positiv bewertet - für Chicorée als Gemüse gibt es dazu aber keine klinischen Studien.

Chicorée gehört zu den Pflanzen, die Inulin bilden - einen löslichen Ballaststoff, der im Dickdarm Bifidobakterien füttert. Das meiste Inulin steckt allerdings in der Wurzel, aus der es industriell gewonnen wird; die EFSA hat für mindestens 12 g natives Zichorien-Inulin am Tag eine häufigere Darmentleerung bestätigt. Solche Mengen erreicht man mit den Blättern nicht.

ca. 17 kcalpro 100 g
ca. 3 gBallaststoffe pro 100 g
ca. 21 Tagedauert die Treiberei im Dunkeln
bis 8 Monatekönnen die Wurzeln kühl lagern

InhaltsstoffeDas steckt im Chicorée

Chicorée enthält Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone (Lactucin, 8-Desoxylactucin, Lactucopikrin), Phenolsäuren wie Chicoréesäure (Dicaffeoylweinsäure), Chlorogensäure und Kaffeesäure, Flavonoide wie Kaempferol- und Quercetin-Glykoside, Ballaststoffe einschließlich kleinerer Mengen Inulin sowie Kalium, Folat, Calcium, Provitamin A und etwas Vitamin C.

Die Bitterstoffe sitzen vor allem im Strunk und im unteren, festen Teil der Blätter. Licht lässt die Köpfe ergrünen und bitterer werden - Chicorée gehört deshalb in Papier eingeschlagen oder im Gemüsefach dunkel gelagert.

Verstärkte KombinationenWas Chicorée stärker macht

Bitter liebt süß, sauer und fett - so wird aus Chicorée ein runder Wintersalat.

Süße

mit Orange oder Mandarine

Mildert die Bitterkeit, bringt Vitamin C.

Obst

mit Apfel & Birne

Fruchtig-frisch im Salat.

Nüsse

mit Walnüssen

Omega-3 und Biss.

Käse

mit Blauschimmel oder Ziegenkäse

Der Klassiker aus Belgien.

Fett

mit Olivenöl oder Butter

Rundet ab, trägt die Carotinoide.

Säure

mit Senf-Honig-Dressing

Hält die Balance.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Licht

nicht offen im Hellen lagern

Wird grün und bitter.

Wasser

nicht lange wässern

Wird schlaff, verliert Nährstoffe.

Strunk

nicht ganz mitessen, wenn es mild sein soll

Bitterkern keilförmig heraus.

Messer

nicht stundenlang vorschneiden

Schnittkanten werden braun.

Allergie

nicht bei Korbblütler-Allergie

Kreuzreaktionen möglich.

Erwartung

nicht als Inulin-Kur

Das Inulin steckt vor allem in der Wurzel.

In der KücheWo er hingehört

  • Chicorée-Orangen-SalatMit Walnüssen und Honig-Senf-Dressing.
  • Überbackener ChicoréeBelgisch mit Schinken und Käsesoße.
  • Chicorée-SchiffchenEinzelne Blätter mit Frischkäse gefüllt.
  • Geschmorter ChicoréeIn Butter mit etwas Zucker karamellisiert.
  • WintersalatMit Feldsalat, Apfel und Radicchio.
  • Chicorée vom GrillHalbiert, mit Olivenöl.
  • Chicorée-GratinMit Kartoffeln.
  • Rohkost-PlatteBlätter als Dip-Löffel.
  • Chicorée mit BirneUnd Blauschimmelkäse.
  • PastaMit Chicorée, Zitrone und Parmesan.
Faustregel: Den Strunk unten kegelförmig herausschneiden - so ist der Bitterkern entfernt und die Blätter lösen sich leicht. Für Salat erst kurz vor dem Essen schneiden und mit Zitronensaft beträufeln, damit die Schnittflächen hell bleiben.

Als HausmittelBittere Vorspeise für den Appetit

So geht’s

Chicorée-Orangen-Vorspeise

  1. 1 Kopf Chicorée waschen, den Bitterkern nur zur Hälfte herausschneiden - ein wenig Bitterkeit ist hier erwünscht.
  2. Die Blätter in Streifen schneiden und mit den Filets einer Orange mischen.
  3. 1 Teelöffel Olivenöl, etwas Zitronensaft und eine Prise Salz darübergeben.
  4. Etwa 15 Minuten vor dem Hauptgericht langsam essen und gut kauen.
Wofür

Traditionell als bittere Vorspeise bei wenig Appetit und Völlegefühl nach schweren Wintermahlzeiten. Bitterstoffe regen über die Zunge den Speichel- und Magensaftfluss an. Die Anwendung beruht auf Erfahrungswissen, klinische Studien zu Chicorée gibt es nicht.

Menge

Eine kleine Portion vor der Hauptmahlzeit. Bei Gallensteinen, Magengeschwüren oder Sodbrennen lieber milde Varianten ohne Strunk wählen und anhaltende Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Chicorée ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben, die verwandte Wegwarte (Kasni) aber schon: Sie gilt als bitter und kühlend. Nach heutiger Einordnung beruhigt Chicorée Pitta und Kapha; für Vata besser gedünstet oder mit Öl und etwas Süßem.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der klassischen TCM spielt Chicorée keine Rolle. Die westliche TCM-Ernährungslehre ordnet ihn als bitter und kühl ein: Er soll Hitze aus Leber und Gallenblase klären und Feuchtigkeit ausleiten. Bei Kälte im Magen besser warm, geschmort oder überbacken.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Allergie: Chicorée ist ein Korbblütler - bei Allergie gegen Beifuß, Kamille oder Arnika sind Kreuzreaktionen möglich.
  • Galle: Bitterstoffe regen den Gallenfluss an; bei Gallensteinen nur in üblichen Küchenmengen und bei Beschwerden ärztlich abklären.
  • Reizdarm: Fruktane wie Inulin können blähen - mit kleinen Mengen beginnen.
  • Hautkontakt: wer beruflich viel Chicorée putzt, kann selten ein Kontaktekzem entwickeln - Handschuhe helfen.
  • Lagerung: grüne, weiche oder braunfleckige Köpfe sind alt und schmecken deutlich bitterer.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. USDA FoodData Central: Chicory, witloof, raw.
  2. Street RA, Sidana J, Prinsloo G. Cichorium intybus: Traditional Uses, Phytochemistry, Pharmacology, and Toxicology. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2013; 2013: 579319.
  3. Roberfroid MB. Inulin-type fructans: functional food ingredients. Journal of Nutrition 2007; 137(11 Suppl): 2493S–2502S.
  4. EFSA NDA Panel. Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to „native chicory inulin“ and maintenance of normal defecation by increasing stool frequency. EFSA Journal 2015; 13(1): 3951.
  5. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Chicorée - gesunde Nährstoffe aus der Dunkelkammer. Pressemeldung, 2025.