Chicorée (Cichorium intybus var. foliosum)
HerkunftDas weiße Blatt aus dem Keller

Chicorée ist eine Entdeckung aus dem Dunkeln: Der Legende nach trieben vergessene Zichorienwurzeln in einem Brüsseler Keller um 1850 zarte, weiße Sprosse aus.
Chicorée stammt von der Wegwarte ab, die bei uns an Wegrändern blau blüht. Aus ihr wurden zwei Kulturformen gezüchtet: die Wurzelzichorie, deren geröstete Wurzel lange als Kaffee-Ersatz diente, und die Salatzichorie mit Blattformen wie Radicchio, Zuckerhut und eben Chicorée.
Der Anbau läuft bis heute in zwei Stufen: Im Frühjahr wird gesät, im Herbst werden die fleischigen Rüben gerodet und ohne Laub kühl eingelagert - laut Bundeszentrum für Ernährung bis zu acht Monate. Nach Bedarf kommen sie in dunkle Treibräume, meist in Wasserkultur, und bilden dort in etwa drei Wochen die festen, weißen Köpfe mit gelben Spitzen. Heimische Ware gibt es von Oktober bis ins Frühjahr hinein.
NutzenWas Chicorée für dich tut
Chicorée besteht zu rund 95 Prozent aus Wasser und liefert laut USDA nur etwa 17 kcal pro 100 g. Dafür bringt er gut 3 g Ballaststoffe, rund 210 mg Kalium und etwa 37 µg Folat.
Seinen Charakter verdankt er den Bitterstoffen: Sesquiterpenlactone wie Lactucin und Lactucopikrin (früher Intybin genannt), dazu Chicorée- und Chlorogensäure. Bitterstoffe regen über die Geschmacksrezeptoren den Speichel- und Magensaftfluss an. Die Kommission E hat die verwandte Wegwarte traditionell bei Appetitlosigkeit und leichten Verdauungsbeschwerden positiv bewertet - für Chicorée als Gemüse gibt es dazu aber keine klinischen Studien.
Chicorée gehört zu den Pflanzen, die Inulin bilden - einen löslichen Ballaststoff, der im Dickdarm Bifidobakterien füttert. Das meiste Inulin steckt allerdings in der Wurzel, aus der es industriell gewonnen wird; die EFSA hat für mindestens 12 g natives Zichorien-Inulin am Tag eine häufigere Darmentleerung bestätigt. Solche Mengen erreicht man mit den Blättern nicht.
InhaltsstoffeDas steckt im Chicorée
Chicorée enthält Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone (Lactucin, 8-Desoxylactucin, Lactucopikrin), Phenolsäuren wie Chicoréesäure (Dicaffeoylweinsäure), Chlorogensäure und Kaffeesäure, Flavonoide wie Kaempferol- und Quercetin-Glykoside, Ballaststoffe einschließlich kleinerer Mengen Inulin sowie Kalium, Folat, Calcium, Provitamin A und etwas Vitamin C.
Die Bitterstoffe sitzen vor allem im Strunk und im unteren, festen Teil der Blätter. Licht lässt die Köpfe ergrünen und bitterer werden - Chicorée gehört deshalb in Papier eingeschlagen oder im Gemüsefach dunkel gelagert.
Verstärkte KombinationenWas Chicorée stärker macht
Bitter liebt süß, sauer und fett - so wird aus Chicorée ein runder Wintersalat.
Mildert die Bitterkeit, bringt Vitamin C.
Fruchtig-frisch im Salat.
Omega-3 und Biss.
Der Klassiker aus Belgien.
Rundet ab, trägt die Carotinoide.
Hält die Balance.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Wird grün und bitter.
Wird schlaff, verliert Nährstoffe.
Bitterkern keilförmig heraus.
Schnittkanten werden braun.
Kreuzreaktionen möglich.
Das Inulin steckt vor allem in der Wurzel.
In der KücheWo er hingehört
- Chicorée-Orangen-SalatMit Walnüssen und Honig-Senf-Dressing.
- Überbackener ChicoréeBelgisch mit Schinken und Käsesoße.
- Chicorée-SchiffchenEinzelne Blätter mit Frischkäse gefüllt.
- Geschmorter ChicoréeIn Butter mit etwas Zucker karamellisiert.
- WintersalatMit Feldsalat, Apfel und Radicchio.
- Chicorée vom GrillHalbiert, mit Olivenöl.
- Chicorée-GratinMit Kartoffeln.
- Rohkost-PlatteBlätter als Dip-Löffel.
- Chicorée mit BirneUnd Blauschimmelkäse.
- PastaMit Chicorée, Zitrone und Parmesan.
Als HausmittelBittere Vorspeise für den Appetit
Chicorée-Orangen-Vorspeise
- 1 Kopf Chicorée waschen, den Bitterkern nur zur Hälfte herausschneiden - ein wenig Bitterkeit ist hier erwünscht.
- Die Blätter in Streifen schneiden und mit den Filets einer Orange mischen.
- 1 Teelöffel Olivenöl, etwas Zitronensaft und eine Prise Salz darübergeben.
- Etwa 15 Minuten vor dem Hauptgericht langsam essen und gut kauen.
Traditionell als bittere Vorspeise bei wenig Appetit und Völlegefühl nach schweren Wintermahlzeiten. Bitterstoffe regen über die Zunge den Speichel- und Magensaftfluss an. Die Anwendung beruht auf Erfahrungswissen, klinische Studien zu Chicorée gibt es nicht.
Eine kleine Portion vor der Hauptmahlzeit. Bei Gallensteinen, Magengeschwüren oder Sodbrennen lieber milde Varianten ohne Strunk wählen und anhaltende Beschwerden ärztlich abklären lassen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Chicorée ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben, die verwandte Wegwarte (Kasni) aber schon: Sie gilt als bitter und kühlend. Nach heutiger Einordnung beruhigt Chicorée Pitta und Kapha; für Vata besser gedünstet oder mit Öl und etwas Süßem.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der klassischen TCM spielt Chicorée keine Rolle. Die westliche TCM-Ernährungslehre ordnet ihn als bitter und kühl ein: Er soll Hitze aus Leber und Gallenblase klären und Feuchtigkeit ausleiten. Bei Kälte im Magen besser warm, geschmort oder überbacken.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Allergie: Chicorée ist ein Korbblütler - bei Allergie gegen Beifuß, Kamille oder Arnika sind Kreuzreaktionen möglich.
- Galle: Bitterstoffe regen den Gallenfluss an; bei Gallensteinen nur in üblichen Küchenmengen und bei Beschwerden ärztlich abklären.
- Reizdarm: Fruktane wie Inulin können blähen - mit kleinen Mengen beginnen.
- Hautkontakt: wer beruflich viel Chicorée putzt, kann selten ein Kontaktekzem entwickeln - Handschuhe helfen.
- Lagerung: grüne, weiche oder braunfleckige Köpfe sind alt und schmecken deutlich bitterer.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- USDA FoodData Central: Chicory, witloof, raw.
- Street RA, Sidana J, Prinsloo G. Cichorium intybus: Traditional Uses, Phytochemistry, Pharmacology, and Toxicology. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2013; 2013: 579319.
- Roberfroid MB. Inulin-type fructans: functional food ingredients. Journal of Nutrition 2007; 137(11 Suppl): 2493S–2502S.
- EFSA NDA Panel. Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to „native chicory inulin“ and maintenance of normal defecation by increasing stool frequency. EFSA Journal 2015; 13(1): 3951.
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Chicorée - gesunde Nährstoffe aus der Dunkelkammer. Pressemeldung, 2025.


