Radicchio (Cichorium intybus var. foliosum)

Botanischer Name
Cichorium intybus var. foliosumKorbblütler (Asteraceae), eine Kulturform der Wegwarte
Verwendet wird
Die Blätterroh, gegrillt, geschmort
Geschmack
Herb-bitter, leicht süßlichgegart milder und nussig
Herkunft
Venetien, NorditalienTreviso, Chioggia, Castelfranco
Bekannt für
Bitterstoffe und AnthocyaneLactucopicrin und rote Farbe
Saison
Herbst und WinterTreviso Tardivo ab November

HerkunftDie rote Zichorie aus dem Veneto

Halbierter und ganzer Radicchio in Nahaufnahme

Der Name kommt vom lateinischen radix, Wurzel - auch die Wegwarte wurde lange vor allem wegen ihrer Wurzel angebaut.

Alle Radicchio-Sorten stammen von der Wegwarte (Cichorium intybus) ab, die mit ihren himmelblauen Blüten an unseren Wegrändern wächst. Aus ihr wurden Wurzelzichorie, Chicorée und Blattzichorien wie Radicchio gezüchtet.

Die Heimat des roten Radicchio ist Venetien. Der runde Chioggia ist heute der häufigste Radicchio im deutschen Handel, der längliche Treviso gilt als Edelform. Beim Treviso Tardivo werden die Pflanzen nach den ersten Frösten geerntet und mit den Wurzeln in Becken mit fließendem Quellwasser gestellt. Im Dunkeln treiben sie neue, bleiche Blätter mit leuchtend weißen Rippen und weinroten Spitzen. Die Technik soll im 19. Jahrhundert ein belgischer Gartenarchitekt nach Treviso gebracht haben. Treviso und Castelfranco sind heute als geschützte geografische Angaben (g.g.A.) geschützt.

NutzenWas Radicchio für dich tut

100 g Radicchio haben laut USDA nur 23 kcal, liefern aber rund 255 µg Vitamin K - ein Vielfaches des Tagesbedarfs –, dazu etwa 60 µg Folat, 300 mg Kalium, gut 2 mg Vitamin E und etwas Vitamin C. Ballaststoffe hat er mit knapp 1 g eher wenig.

Charakteristisch sind seine Bitterstoffe: Sesquiterpenlactone wie Lactucin und Lactucopicrin (in älterer Literatur auch Intybin genannt). Bitterer Geschmack regt reflektorisch Speichel-, Magensaft- und Gallefluss an; deshalb setzt die Pflanzenheilkunde Bitterpflanzen seit jeher bei Appetitlosigkeit und Völlegefühl ein. Die Kommission E hat die verwandte Wegwarte für diese Anwendung positiv bewertet. Für Radicchio als Gemüse gibt es dazu keine klinischen Studien - als bitterer Auftakt zu einer Mahlzeit passt er aber genau in diese Tradition.

Die rote Farbe stammt von Anthocyanen, vor allem Cyanidin-Glykosiden, dazu kommen Chlorogensäure und Chicoréesäure. Und das Inulin? Das ist vor allem in der Wurzel der Zichorie angereichert; in den Blättern steckt nur wenig. Radicchio ist also keine nennenswerte Inulin-Quelle.

ca. 255 µgVitamin K pro 100 g
ca. 60 µgFolat pro 100 g
ca. 300 mgKalium pro 100 g
23 kcalpro 100 g

InhaltsstoffeDas steckt im Radicchio

Radicchio enthält Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone (Lactucin, 8-Desoxylactucin, Lactucopicrin), Anthocyane wie Cyanidin-3-O-(6-malonyl)-glucosid, Phenolsäuren wie Chlorogensäure und Chicoréesäure, Flavonoide wie Quercetin- und Kaempferol-Glykoside, wenig Inulin sowie Vitamin K, Folat, Vitamin E, Vitamin C, Kalium und Carotinoide wie Lutein.

Die Bitterstoffe sitzen vor allem in den Blattrippen und im Strunk. Die Anthocyane werden durch Säure leuchtender, durch Hitze eher bräunlich.

Verstärkte KombinationenWas Radicchio stärker macht

Bitter braucht Gegenspieler: Süße, Fett und Salz machen Radicchio rund.

Süße

mit Birne, Orange oder Honig

Balanciert die Bitterkeit.

Fett

mit Olivenöl & Walnüssen

Für Vitamin K und E.

Käse

mit Parmesan oder Gorgonzola

Salz und Umami gegen Bitter.

Säure

mit Balsamico

Macht die Farbe leuchtend.

Salat

mit Eisberg oder Kopfsalat

Mild trifft herb.

Getreide

im Risotto

Klassisch aus Treviso.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Menge

nicht pur in großen Mengen

Zu bitter für Einsteiger.

Garzeit

nicht zu lange kochen

Wird matschig und grau.

Wässern

nicht stundenlang einweichen

Kostet Vitamine - 10 Minuten reichen.

Blutverdünner

nicht unregelmäßig in großen Mengen

Viel Vitamin K.

Magen

nicht bei akuter Gastritis

Bitterstoffe regen Magensaft an.

Lagerung

nicht ungekühlt

Im Gemüsefach eine Woche frisch.

In der KücheWo er hingehört

  • Radicchio-RisottoMit Rotwein und Parmesan.
  • Gegrillter TrevisoLängs geviertelt mit Olivenöl.
  • Geschmorter RadicchioMit Balsamico und Honig.
  • WintersalatMit Birne und Walnüssen.
  • PastaMit Radicchio, Speck oder Pinienkernen.
  • OrangensalatMit Radicchio und Fenchel.
  • OfengemüseMit Kürbis und roten Zwiebeln.
  • Pizza biancaNach dem Backen belegt.
  • Gemischter SalatEin paar rote Blätter reichen.
  • Radicchio-SchiffchenBlätter mit Frischkäse gefüllt.
Faustregel: Radicchio für den Salat in feine Streifen schneiden und 10 Minuten in lauwarmes Wasser legen - das nimmt einen Teil der Bitterkeit. Zum Grillen den Kopf mit Strunk längs vierteln, damit er zusammenhält, mit Öl bestreichen und 2 bis 3 Minuten pro Seite grillen.

Als HausmittelBitterer Vorspeisensalat vor schweren Mahlzeiten

So geht’s

Radicchio-Vorspeise

  1. Einige Blätter Radicchio waschen, trocknen und in feine Streifen schneiden.
  2. Eine halbe Birne oder Orange in Stücke schneiden und dazugeben.
  3. Mit 1 Esslöffel Olivenöl, einem Spritzer Balsamico und einer Prise Salz anmachen.
  4. Langsam und gründlich kauen, als kleine Portion vor dem Hauptgang essen.
Wofür

Nach altem Prinzip der Bittermittel: bitterer Geschmack vor dem Essen soll Appetit und Verdauungssäfte anregen und Völlegefühl nach fettreichen Mahlzeiten vorbeugen. Die Anwendung beruht auf Tradition und der positiven Bewertung der Wegwarte durch die Kommission E, nicht auf Studien mit Radicchio.

Menge

Eine kleine Schale vor dem Hauptgericht. Bei Magengeschwüren oder Sodbrennen besser weglassen, bei Gallensteinen vorher ärztlich abklären lassen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Radicchio ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt er als bitter, kühlend und leicht - ausgleichend für Pitta und Kapha, für Vata besser gegart mit etwas Öl.

Traditionelle Chinesische Medizin

Die Wegwarte wird in der chinesischen Kräuterheilkunde als bitter und kühl beschrieben, sie soll Hitze klären und Leber und Galle unterstützen. Die westliche TCM-Ernährungslehre ordnet Radicchio ebenso ein.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Blutgerinnung: Radicchio ist sehr reich an Vitamin K. Wer Cumarin-Blutverdünner wie Phenprocoumon nimmt, sollte ihn regelmäßig in gleichbleibenden Mengen essen und größere Umstellungen ärztlich besprechen.
  • Galle: Bitterstoffe regen den Gallefluss an; bei Gallensteinen oder Verschluss der Gallenwege Bittermittel nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Magen: bei akuter Magenschleimhautentzündung oder Magengeschwüren können Bitterstoffe reizen.
  • Allergie: Korbblütler-Allergiker können auf Zichorien reagieren; auch Kontaktekzeme beim Putzen größerer Mengen sind beschrieben.
  • Keime: wie alle Blattsalate vor dem Rohverzehr gründlich waschen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. USDA FoodData Central: Radicchio, raw.
  2. Innocenti M et al. Evaluation of the phenolic content in the aerial parts of different varieties of Cichorium intybus L. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2005; 53(16): 6497–6502.
  3. Street RA, Sidana J, Prinsloo G. Cichorium intybus: traditional uses, phytochemistry, pharmacology, and toxicology. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2013; 2013: 579319.
  4. Wesołowska A et al. Analgesic and sedative activities of lactucin and some lactucin-like guaianolides in mice. Journal of Ethnopharmacology 2006; 107(2): 254–258.
  5. Kommission E: Monographie Cichorium intybus (Wegwarte).
  6. Consorzio di Tutela Radicchio Rosso di Treviso e Variegato di Castelfranco IGP: Il tardivo.