Chili (Capsicum annuum)

Familie
NachtschattengewächseSolanaceae - wie Tomate, Kartoffel, Paprika
Verwendet wird
Die Fruchtfrisch, getrocknet, gemahlen, fermentiert
Geschmack
Scharf - und fruchtigdie Schärfe ist Schmerz, kein Geschmack
Herkunft
Mittel- und Südamerikaseit 7.000 Jahren kultiviert
Schärfe
Scoville-SkalaPaprika 0, Jalapeño 5.000, Habanero 300.000
Nicht verwechseln
Chili mit Chilipulverdas Pulver ist oft eine Mischung mit Kreuzkümmel

HerkunftDie Frucht, die wehtut - und alle wollen sie

Rote Chilischoten frisch

Kolumbus suchte Pfeffer und fand Chili. Innerhalb von fünfzig Jahren war die Pflanze in Indien, China und Ungarn - so schnell hat sich noch nie ein Gewürz verbreitet.

Chili stammt aus dem Amazonasgebiet und Mexiko, wo Menschen die Früchte seit rund 7.000 Jahren nutzen - lange vor Mais und Bohnen. Die Azteken kannten Dutzende Sorten und würzten damit Kakao. 1493 brachte Kolumbus die ersten Schoten nach Spanien; portugiesische Händler trugen sie nach Afrika und Indien, von dort kamen sie nach Thailand, China und Korea. Heute kann man sich die indische, thailändische oder ungarische Küche ohne Chili nicht vorstellen - dabei ist er dort keine 500 Jahre alt.

Alle Chilis gehören zur Gattung Capsicum: von der milden Gemüsepaprika über Jalapeño, Cayenne und Thai-Chili bis zu Habanero und den Züchtungen jenseits einer Million Scoville. Die Schärfe ist ein Abwehrstoff gegen Säugetiere - Vögel spüren sie nicht und verbreiten die Samen. Wir sind das einzige Tier, das die Schärfe freiwillig sucht.

NutzenWas Chili für dich tut

Chili ist ein Schmerzmittel, das erst schmerzt. Capsaicin, der Scharfstoff, reizt die Wärme- und Schmerzrezeptoren - der Körper reagiert mit Endorphinen, Schweiß und besserer Durchblutung. Genau darauf beruht die äußerliche Anwendung: Capsaicin-Pflaster und -Salben sind zugelassene Mittel bei Nervenschmerzen, Rheuma und Muskelverspannungen, weil sie die Schmerznerven erst reizen und dann für Stunden erschöpfen.

Im Essen regt Chili Speichel, Magensaft und Darmbewegung an und erhöht kurzzeitig den Energieumsatz - der Effekt auf das Gewicht ist messbar, aber klein. Anders als lange geglaubt schadet Chili dem gesunden Magen nicht; er schützt die Schleimhaut sogar, indem er die Durchblutung steigert. Große Beobachtungsstudien fanden bei regelmäßigen Chili-Essern eine niedrigere Sterblichkeit - ein Zusammenhang, kein Beweis.

Und Chili ist eine der besten Vitamin-C-Quellen überhaupt: Eine frische rote Schote enthält mehr davon als eine Orange. Ehrlich gesagt ist der größte Nutzen der einfachste: Wer scharf isst, braucht weniger Salz und Fett, damit Essen nach etwas schmeckt.

16 Mio.Scoville hat reines Capsaicin - Tabasco liegt bei 2.500
143 mgVitamin C in 100 g frischer roter Chili - dreimal Orange
0Geschmacksknospen für Schärfe: Capsaicin trifft Schmerzrezeptoren
7.000 JahreNutzung in Mexiko - älter als der Maisanbau

InhaltsstoffeDas steckt in der Schote

Capsaicin und seine Verwandten (Capsaicinoide) sitzen in der Plazenta - den weißen Scheidewänden, an denen die Kerne hängen. Die Kerne selbst sind kaum scharf; wer sie entfernt und die Wände lässt, hat nichts gewonnen. Capsaicin ist fettlöslich und in Wasser fast unlöslich - deshalb löscht Milch und nicht Wasser.

Dazu Capsanthin und andere Carotinoide (die rote Farbe, in Paprika als Provitamin A), viel Vitamin C, Vitamin B6, Kalium und Flavonoide. Beim Trocknen konzentriert sich alles außer dem Vitamin C; beim Räuchern (Chipotle) und Fermentieren (Sriracha, Gochujang) entstehen neue Aromen um die Schärfe herum.

Verstärkte KombinationenWas Chili stärker macht

Chili ist ein Verstärker - er macht alles intensiver. Die Kunst ist, ihn so einzubetten, dass die Schärfe trägt statt zu dominieren.

Fett

in Öl, Kokosmilch, Sahne

Capsaicin löst sich in Fett und verteilt sich gleichmäßig. Chiliöl, rotes Curry, Arrabbiata: Das Fett macht die Schärfe rund statt stechend.

Säure

mit Limette & Essig

Säure hebt die Frucht des Chili und kürzt die Schärfe. Salsa, Ceviche, Sriracha - nie ohne Säure.

Süße

mit Zucker, Honig, Mango

Sweet Chili, Mango-Chutney, Chili-Schokolade: Süße nimmt die Spitze und lässt das Fruchtaroma durch.

Aufnahme

mit Kurkuma & schwarzem Pfeffer

Chili und Pfeffer wirken auf dieselben Rezeptoren; mit Kurkuma und Fett ergibt sich die Basis fast jedes Currys - und Piperin verbessert die Curcumin-Aufnahme.

Knoblauch

mit Knoblauch & Ingwer

Die asiatische Grundlage: Knoblauch, Ingwer, Chili in heißem Öl - Sambal, Sichuan, Szechuan. Drei Schärfen, die sich ergänzen.

Rauch

als Chipotle mit Kreuzkümmel

Geräucherte Jalapeños und geröstete Kreuzkümmelsamen: das mexikanische Grundaroma für Chili con Carne, Tacos, Bohnen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Technik

nicht mit Wasser löschen

Capsaicin ist fettlöslich. Wasser verteilt die Schärfe nur. Milch, Joghurt, Brot, Zucker - das hilft.

Technik

nicht zu lange in heißem Öl

Verbrannter Chili wird bitter und beißend. Getrocknete Chilis nur 20 Sekunden ins heiße Öl.

Geschmack

nicht in feiner Butterküche

Sahnesaucen, zarter Fisch, Spargel - Chili überfährt alles Leise. Dort höchstens ein Hauch.

Gesundheit

nicht bei Reizmagen, Sodbrennen, Hämorrhoiden

Was oben brennt, brennt unten. Bei Gastritis, Reflux und Hämorrhoiden sparsam - der Körper sagt es einem.

Gesundheit

nicht an Augen und Schleimhäute

Nach dem Schneiden Hände mit Öl oder Spülmittel waschen, nicht mit Wasser. Kontaktlinsen erst nach Stunden.

Gesundheit

nicht als Wettbewerb

Chili-Wettessen mit Superhots führen regelmäßig ins Krankenhaus: Erbrechen, Krämpfe, in Einzelfällen Gefäßkrämpfe im Gehirn. Schärfe hat eine Dosis.

Zu welchem GerichtWo er hingehört

  • Chili con CarneGetrocknete Ancho- und Chipotle-Chilis einweichen, pürieren - mit Kreuzkümmel und Oregano die Basis.
  • ArrabbiataKnoblauch und Chiliflocken in Olivenöl, Tomaten dazu, 20 Minuten - die einfachste scharfe Pasta.
  • ChiliölGetrocknete Chilis, Knoblauch, Sichuanpfeffer in warmem Öl ziehen lassen - über Nudeln, Eier, Dumplings.
  • SalsaTomate, Zwiebel, Koriander, Jalapeño, Limette, Salz - roh, in fünf Minuten.
  • Thai-CurryRote Currypaste aus frischen Chilis, Zitronengras, Galgant, Knoblauch - in Kokosmilch.
  • Sambal OelekFrische rote Chilis mit Salz und Essig zerstoßen - die indonesische Grundwürze.
  • HarissaGetrocknete Chilis, Kreuzkümmel, Koriander, Knoblauch, Olivenöl - für Couscous und Tajine.
  • Chili-SchokoladeEine Prise Cayenne in heiße Schokolade - so tranken die Azteken ihren Kakao.
  • GochujangFermentierte koreanische Chilipaste - für Bibimbap und Eintöpfe.
  • Eingelegte JalapeñosIn Essig, Wasser, Salz und Zucker - für Tacos, Burger, Nachos.
Faustregel: Handschuhe beim Schneiden, Scheidewände entfernen für weniger Schärfe, Kerne sind egal. Getrocknete Chilis vor dem Verwenden kurz rösten und einweichen - dann schmecken sie nach Frucht, nicht nur nach Feuer.

Als HausmittelChili äußerlich gegen Muskel- und Gelenkschmerz

So geht’s

Wärmendes Chili-Öl

  1. 2 Teelöffel Cayennepulver in 100 ml Olivenöl oder Kokosöl einrühren.
  2. Im Wasserbad 30 Minuten sanft erwärmen, nicht kochen, dann durch ein Tuch abseihen.
  3. Eine kleine Menge auf verspannte Muskeln oder schmerzende Gelenke einmassieren - vorher an einer kleinen Stelle testen.
  4. Hände danach gründlich mit Spülmittel waschen. Nicht auf Schleimhäute, Wunden oder ins Gesicht.
Wofür

Verspannte Muskeln, Rückenschmerzen, rheumatische Gelenkschmerzen. Das Capsaicin wärmt tief, erhöht die Durchblutung und dämpft nach dem ersten Brennen die Schmerznerven - dasselbe Prinzip wie bei zugelassenen Wärmepflastern.

Menge

Ein- bis zweimal täglich dünn auftragen, nicht länger als zwei Wochen am Stück. Brennen gehört dazu, Blasen nicht. Bei Nervenschmerzen sind standardisierte Capsaicin-Präparate aus der Apotheke die sicherere Wahl.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Als Marichi (wie der Pfeffer) ein scharfes, heißes Gewürz, das Kapha und Vata senkt, Pitta aber stark erhöht - deshalb im Ayurveda mit Vorsicht: gut bei Kälte und Trägheit, schlecht bei Hitze, Entzündung und Sodbrennen. Erst seit der portugiesischen Zeit in Indien.

Traditionelle Chinesische Medizin

La Jiao wärmt nach der TCM Magen und Milz, vertreibt Kälte und Feuchtigkeit und bewegt das Blut - deshalb ist Sichuan, die feuchteste Provinz Chinas, die schärfste. Bei Hitze-Mustern (rote Zunge, Entzündung) wird davon abgeraten.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Magen und Darm: bei Gastritis, Reflux, Reizdarm und Hämorrhoiden sparsam - Chili verstärkt die Beschwerden.
  • Haut und Augen: Capsaicin haftet an den Händen. Nach dem Schneiden mit Öl oder Spülmittel waschen; nie ins Auge fassen.
  • Kinder: Kleinkinder vertragen Schärfe schlecht - Chili erst langsam und mild einführen.
  • Extremschärfe: Superhot-Chilis (ab 500.000 Scoville) können Erbrechen, Kreislaufprobleme und in seltenen Fällen Gefäßkrämpfe auslösen.
  • Medikamente: Capsaicin kann die Aufnahme mancher Wirkstoffe verändern und wirkt leicht gerinnungshemmend - bei Blutverdünnern in Küchenmengen unkritisch.
  • Schwangerschaft: Chili im Essen unbedenklich, Sodbrennen aber häufiger - auf den Körper hören.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC: Community herbal monograph on Capsicum annuum L. var. minimum and small fruited varieties, fructus, 2015 - äußerlich bei Muskelschmerzen.
  2. Kommission E: Monographie Capsici fructus (Paprika/Cayennepfeffer), Bundesanzeiger 1990.
  3. Lv J et al. Consumption of spicy foods and total and cause specific mortality: population based cohort study. BMJ 2015; 351: h3942.
  4. USDA FoodData Central: Peppers, hot chili, red, raw - Vitamin C.
  5. Bosland PW, Votava EJ: Peppers: Vegetable and Spice Capsicums. 2. Auflage, CABI 2012.