Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)

Familie
KapuzinerkressengewächseTropaeolum majus - nicht mit der Brunnenkresse verwandt
Verwendet wird
Das ganze KrautBlätter, Blüten, Knospen und unreife Samen - alles essbar
Geschmack
Scharf und pfeffrigwie Kresse, mit einer blumigen Note in den Blüten
Herkunft
Andenaus Peru und Bolivien, im 17. Jahrhundert nach Europa gekommen
Anerkannt für
Harn- und Atemwegein Kombination mit Meerrettich als zugelassenes Arzneimittel
Wirkstoff
Benzylsenfölentsteht erst beim Zerkleinern der Blätter

HerkunftDie Andenblume mit der Kapuze

Kapuzinerkresse orange Blüte

Der Name kommt vom Sporn der Blüte, der wie die Kapuze einer Mönchskutte aussieht - botanisch heißt sie Tropaeolum, nach dem Tropaion, dem antiken Siegesmal, weil Blatt und Blüte an Schild und Helm erinnern.

Die Große Kapuzinerkresse stammt aus den Anden, aus dem Gebiet des heutigen Peru und Bolivien, wo sie als Gemüse- und Heilpflanze genutzt wurde. Mit den spanischen Schiffen kam sie im 16. Jahrhundert nach Europa und verbreitete sich im 17. Jahrhundert rasch in den Gärten - zunächst als Zierpflanze, wegen der leuchtend orangeroten Blüten und der ungewöhnlichen runden Schildblätter. Dass sie auch essbar und arzneilich nutzbar ist, setzte sich erst später durch.

Botanisch ist sie eine Überraschung: Trotz des Namens ist sie nicht mit der Brunnenkresse verwandt und auch nicht mit den Kreuzblütlern im engeren Sinn - sie bildet mit ihren Verwandten eine eigene Familie, die Tropaeolaceae. Was sie mit Kresse, Senf und Meerrettich teilt, ist die Chemie: Sie bildet Senfölglykoside, und daher kommt die Schärfe. Diese Konvergenz ist der Grund für die Namensverwandtschaft.

Im Garten ist sie eine der dankbarsten Pflanzen überhaupt: Sie keimt zuverlässig aus großen Samen, wächst auf magerem Boden besser als auf gedüngtem, rankt oder kriecht, blüht von Juni bis zum ersten Frost und sät sich selbst aus. Gärtner setzen sie gern als „Opferpflanze“ neben Gemüse, weil Schwarze Blattläuse sie bevorzugen. Und es ist wirklich alles verwendbar: die runden Blätter als scharfe Salatzutat, die Blüten als essbare Dekoration mit blumig-scharfem Geschmack, die Knospen und unreifen Samen eingelegt als „falsche Kapern“.

NutzenWas die Kapuzinerkresse für dich tut

Die Kapuzinerkresse hat einen Weg genommen, den nur wenige Gartenpflanzen gehen: vom Zierblümchen zum Bestandteil eines zugelassenen Arzneimittels. In Kombination mit Meerrettichwurzel ist sie in Deutschland als Fertigarzneimittel bei akuten entzündlichen Erkrankungen der Bronchien, der Nasennebenhöhlen und der ableitenden Harnwege zugelassen; für diese Kombination gibt es klinische Studien, unter anderem zur Rückfallprophylaxe bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten. Die Kommission E hat für das Kraut selbst keine eigene Monographie erstellt, sondern eine positive Stoffcharakteristik - weil es damals ohnehin nur Kombipräparate gab.

Der Wirkstoff ist ein Senföl, und der Mechanismus ist elegant. In der intakten Pflanze liegt Glucotropaeolin vor, ein geruchloses Speicherglykosid. Wird das Gewebe verletzt - beim Kauen, Schneiden, Zerreiben –, trifft es auf das Enzym Myrosinase und es entsteht Benzylsenföl (Benzylisothiocyanat). Dieses Senföl wirkt im Labor gegen ein breites Spektrum von Bakterien und auch gegen einige Pilze und Viren. Entscheidend für die Anwendung: Senföle werden im Darm aufgenommen und größtenteils über die Nieren und die Atemwege wieder ausgeschieden - sie kommen also genau dort an, wo sie gebraucht werden.

Ehrlich eingeordnet: Das ist keine Alternative zum Antibiotikum bei einer ernsten Infektion, und so ist es auch nicht gedacht. Es ist eine Option für leichtere, wiederkehrende Beschwerden und für die Zeit nach einem Infekt - und eine, die im Gegensatz zu vielem anderen im Regal tatsächlich Studien hinter sich hat. Was die Kapuzinerkresse daneben unschlagbar macht, ist etwas ganz Praktisches: Sie steht im Garten, kostet nichts und schmeckt gut.

Zugelassenes Arzneimittelzusammen mit Meerrettich bei Harn- und Atemwegsinfekten
Alles essbarBlätter, Blüten, Knospen und unreife Samen
Benzylsenfölentsteht erst beim Zerkleinern - vorher ist nichts da
Unter 12 Jahrenwird das Kraut arzneilich nicht angewendet

InhaltsstoffeDas steckt in der Kapuzinerkresse

Der zentrale Inhaltsstoff ist Glucotropaeolin, ein Senfölglykosid, das in allen Pflanzenteilen vorkommt und in den Samen am höchsten konzentriert ist. Für sich genommen ist es geruchlos und wirkungsarm. Erst wenn die Zellstruktur zerstört wird, spaltet das Enzym Myrosinase es auf, und es entsteht Benzylisothiocyanat - das Benzylsenföl, das für Schärfe, Geruch und Wirkung verantwortlich ist. Das ist dasselbe Prinzip wie bei Meerrettich, Senf und Knoblauch: Der Wirkstoff ist ein Notfallsystem der Pflanze gegen Fraßfeinde und entsteht erst im Moment der Verletzung.

Daneben enthält die Pflanze bemerkenswert viel Vitamin C - frische Blätter gehören zu den vitaminreichsten Blattgemüsen überhaupt –, dazu Carotinoide (sie geben den Blüten ihr Orange), Flavonoide, Oxalsäure und Spurenelemente. Die Blüten enthalten deutlich weniger Senfölglykoside als die Blätter, deshalb schmecken sie milder und blumiger.

Für die Anwendung folgt daraus: Frisch und zerkleinert. Trocknen zerstört das System, weil die Myrosinase dabei inaktiviert wird und die Senföle flüchtig sind - getrocknete Kapuzinerkresse ist weitgehend wirkungslos, und deshalb arbeiten die Fertigarzneimittel mit besonderen Verfahren. Wer die Pflanze selbst nutzt, nimmt frische Blätter aus dem Garten, hackt sie und verwendet sie sofort.

Verstärkte KombinationenWas die Kapuzinerkresse stärker macht

Ein Kraut für roh und frisch. Alles, was Hitze und Trocknung bedeutet, nimmt ihr die Wirkung.

Klassiker

mit Meerrettich

Die geprüfte Kombination: zwei Senfölpflanzen, deren Wirkstoffe sich in Harn- und Atemwegen ergänzen.

Harnwege

mit viel Wasser

Senföle werden über die Nieren ausgeschieden - ohne ausreichende Trinkmenge kommt zu wenig unten an.

Küche

mit Frischkäse & Brot

Fein gehackte Blätter in Frischkäse oder Quark - die Schärfe braucht Fett als Gegenspieler.

Salat

mit mildem Blattsalat

Ein paar Blätter und Blüten in Kopf- oder Feldsalat: Farbe und Schärfe in einem Handgriff.

Vorrat

als falsche Kapern

Grüne Knospen und unreife Samen in Essig eingelegt - sie behalten Schärfe und Biss monatelang.

Vitamin C

mit frischer Zubereitung

Roh verwenden: Vitamin C und Senföle gehen beide bei Hitze verloren.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Technik

nicht mitkochen

Hitze zerstört Myrosinase und vertreibt die Senföle - gekochte Kapuzinerkresse ist ein mildes, unspezifisches Blattgemüse.

Vorrat

nicht trocknen

Getrocknetes Kraut verliert das Wirksystem fast vollständig; für Tee taugt es kaum.

Magen

nicht bei Magen- und Darmgeschwüren

Senföle reizen die Schleimhaut - bei bestehenden Geschwüren ist das die falsche Pflanze.

Nieren

nicht bei Nierenerkrankungen

Bei eingeschränkter Nierenfunktion oder Nierenentzündung wird arzneilich nicht angewendet.

Kinder

nicht bei Kindern unter zwölf Jahren

Für die arzneiliche Anwendung gilt diese Grenze; ein Blatt im Salat ist etwas anderes als eine Kur.

Menge

nicht handvollweise roh

Größere Mengen reizen Magen und Schleimhäute spürbar - ein paar Blätter sind die richtige Küchenmenge.

Zu welchem GerichtWo sie hingehört

  • KräuterquarkFeingehackte Blätter in Quark mit Schnittlauch - scharf, frisch, ohne Pfeffer.
  • BlütensalatGanze Blüten über Blattsalat: essbar, leuchtend und angenehm scharf.
  • Falsche KapernGrüne Knospen in Essig mit Salz, Lorbeer und Pfeffer - nach vier Wochen fertig.
  • Kapuzinerkressen-ButterBlätter fein gehackt in weiche Butter, dazu Zitronenabrieb - auf Brot und zu Fisch.
  • Gefüllte BlütenBlüten mit Frischkäse und Kräutern gefüllt - die Vorspeise, die immer Eindruck macht.
  • BrotaufstrichBlätter, Sonnenblumenkerne, Öl und Salz im Mixer - ein scharfes Pesto ohne Basilikum.
  • SalatdressingGehackte Blätter in die Vinaigrette - ersetzt Senf und Pfeffer zugleich.
  • SuppengarniturBlüten und Blätter erst auf den Teller, nie in den Topf.
  • KräuteressigBlätter und Blüten in Weißweinessig - bekommt eine rosige Farbe und eine scharfe Note.
  • FrischsaftBlätter mit Apfel und Gurke entsaftet - traditionell als Kur, in kleiner Menge.
Faustregel: Immer roh, immer frisch, immer zerkleinert - das ist bei dieser Pflanze keine Geschmacksfrage, sondern der Unterschied zwischen wirksam und wirkungslos. Im Garten auf magerem Boden aussäen, nicht düngen: Auf fettem Boden gibt es viele Blätter und kaum Blüten. Und eine Handvoll Blätter ist Küche, eine Kur ist etwas anderes.

Als HausmittelFalsche Kapern

So geht’s

Eingelegte Kapuzinerkressen-Knospen

  1. Grüne, feste Blütenknospen und unreife Samen an einem trockenen Tag ernten, kurz abspülen und gut abtrocknen.
  2. In eine Schüssel geben, mit einem Esslöffel Salz bestreuen und über Nacht ziehen lassen - das zieht Wasser heraus und macht sie fest.
  3. Am nächsten Tag abspülen, in ein sauberes Schraubglas füllen, ein Lorbeerblatt und ein paar Pfefferkörner zugeben.
  4. Mit erhitztem, nicht kochendem Weißweinessig übergießen, bis alles bedeckt ist, verschließen und vier Wochen kühl und dunkel durchziehen lassen.
Wofür

Für alles, wofür man sonst Kapern nimmt: Vitello tonnato, Sauce gribiche, Pasta mit Zitrone, Kartoffelsalat, Fischgerichte. Das ist ein reines Küchenrezept ohne Heilanspruch - Essig und Salz sind hier die Konservierung, und ein Teil der Senföle geht dabei verloren. Wer die antibakterielle Seite der Pflanze nutzen will, braucht frische Blätter oder das geprüfte Fertigarzneimittel.

Menge

In der Küche nach Belieben, wie Kapern. Kühl und dunkel gelagert halten sie mindestens ein Jahr; nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und immer mit einem sauberen Löffel entnehmen. Nicht für Kinder unter zwölf Jahren in größeren Mengen und nicht bei Magen- oder Darmgeschwüren.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Kapuzinerkresse ist eine amerikanische Pflanze und kommt in der klassischen ayurvedischen Literatur nicht vor. Nach ihren Eigenschaften eingeordnet wäre sie scharf (Katu), leicht und erhitzend: Kapha senkend, Vata in Maßen verträglich, Pitta deutlich erhöhend - also ein Kraut für träge, feuchte, verschleimte Zustände und nicht für hitzige. Eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der chinesischen Materia Medica fehlt sie. Nach ihrem Charakter - scharf, warm, aromatisch - stünde sie bei den Kräutern, die die Oberfläche öffnen, Kälte zerstreuen und Schleim umwandeln, also in der Nachbarschaft von Senf und Rettich. In der südamerikanischen Volksmedizin ihrer Heimat dagegen hat sie eine echte Tradition: dort als Mittel gegen Infekte, bei Husten und äußerlich auf schlecht heilenden Wunden.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Magen und Darm: Senföle reizen die Schleimhaut - bei Magen- oder Darmgeschwüren nicht anwenden.
  • Nieren: bei Nierenentzündung oder eingeschränkter Nierenfunktion ist die arzneiliche Anwendung nicht geeignet.
  • Kinder: arzneilich erst ab zwölf Jahren; ein paar Blätter im Salat sind davon nicht gemeint.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: es fehlen ausreichende Daten - auf Kuren und Fertigpräparate verzichten.
  • Schilddrüse: große Mengen Senfölglykoside können die Jodaufnahme beeinflussen; bei Schilddrüsenerkrankungen zurückhaltend.
  • Kein Antibiotikum-Ersatz: Fieber, Flankenschmerz, Blut im Urin oder eine sich verschlechternde Infektion gehören sofort ärztlich abgeklärt.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Kommission E: positive Stoffcharakteristik Tropaeoli majoris herba (Kapuzinerkressenkraut) - unterstützend bei Infekten der ableitenden Harnwege und Katarrhen der Luftwege, in Kombination.
  2. Albrecht U, Goos KH, Schneider B. A randomised, double-blind, placebo-controlled trial of a herbal medicinal product containing Tropaeoli majoris herba and Armoraciae rusticanae radix in acute bacterial bronchitis, sinusitis and urinary tract infection. Current Medical Research and Opinion 2007; 23(10): 2415–2422.
  3. Goos KH, Albrecht U, Schneider B. Wirksamkeit und Verträglichkeit eines pflanzlichen Arzneimittels mit Kapuzinerkressenkraut und Meerrettich bei akuter Sinusitis, Bronchitis und Harnwegsinfektion. Arzneimittelforschung 2006; 56(3): 249–257.
  4. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Tropaeoli herba.
  5. Arzneipflanzenlexikon: Kapuzinerkresse - Tropaeolum majus L. - Inhaltsstoffe, Dosierung und Gegenanzeigen.