Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)

Botanischer Name
Arctostaphylos uva-ursiHeidekrautgewächs (Ericaceae)
Verwendeter Teil
Blätterledrig, klein, immergrün
Leitstoff
Arbutinwird im Körper zu Hydrochinon
Einstufung
Traditional use (EMA)leichte Blasenbeschwerden bei Frauen
Anwendungsdauer
Höchstens 1 Wocheund höchstens fünfmal im Jahr
Standort
Magere Heidenin Deutschland streng geschützt

HerkunftDie Traube, die kein Bär frisst

Bärentraube rote Beeren mit Blättern

Im Deutschen wie im Lateinischen heißt sie „Bärentraube“ - und in beiden Fällen ist die Namensgebung eine Vermutung geblieben.

Arctostaphylos uva-ursi ist ein niederliegender, immergrüner Zwergstrauch mit kleinen, dicken, ledrigen Blättern und roten, mehligen Beeren. Sie wächst zirkumpolar - in Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika - auf mageren, sauren Böden in Heiden, lichten Kiefernwäldern und im Gebirge. In Deutschland ist sie selten und nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt; die Drogenware stammt aus Spanien, Italien und Osteuropa.

Der Name ist doppelt gemoppelt: Arctostaphylos ist griechisch für Bärentraube, uva-ursi lateinisch für dasselbe. Warum der Bär, ist nicht sicher - die Beeren sind mehlig und fade, und dass Bären sie bevorzugt fressen, ist eher Legende als Beobachtung. Für Menschen sind sie essbar, aber langweilig; in nordischen Ländern wurden sie in Notzeiten getrocknet und gemahlen.

Arzneilich verwendet werden die Blätter, und zwar seit dem Mittelalter. In walisischen Arzneibüchern des 13. Jahrhunderts ist die Bärentraube bei Harnwegsbeschwerden beschrieben, und diese Zuordnung hat sich unverändert bis heute gehalten - ein bemerkenswert stabiles Anwendungsgebiet. Verwechselt wird die Pflanze gelegentlich mit der Preiselbeere Vaccinium vitis-idaea, die ähnlich aussieht und am gleichen Standort wächst. Der Unterschied liegt auf der Blattunterseite: Die Preiselbeere hat dort dunkle Drüsenpunkte und einen umgerollten Rand, die Bärentraube ist unterseits glatt und netzartig geädert.

NutzenEin echtes Harnwegsantiseptikum - mit engen Grenzen

Die Bärentraube nimmt unter den heimischen Harnwegspflanzen eine Sonderstellung ein. Goldrute, Liebstöckel und Birke spülen durch - sie erhöhen das Harnvolumen. Die Bärentraube wirkt zusätzlich antibakteriell im Harn selbst. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt sie als traditional use zur Linderung leichter, wiederkehrender Beschwerden beim Wasserlassen bei Frauen, wenn ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Die Kommission E hatte 1994 eine positive Monographie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege ausgestellt.

Der Weg des Wirkstoffs ist gut beschrieben. Arbutin ist ein Glykosid und als solches unwirksam. Es wird im Darm und in der Leber gespalten und als Hydrochinon-Konjugat über die Niere ausgeschieden. Im Harn wird das Konjugat wieder gespalten, und das freigesetzte Hydrochinon wirkt antibakteriell auf die Keime in der Blase. Die Pflanze liefert ihren Wirkstoff also gezielt dorthin, wo er gebraucht wird - ein eleganter Mechanismus, den nicht viele Drogen haben.

Dasselbe Hydrochinon ist aber auch der Grund für die strengsten Anwendungsbeschränkungen, die eine EMA-Monographie enthält: höchstens eine Woche am Stück und höchstens fünfmal im Jahr. Hydrochinon ist in Tierversuchen in hohen Dosen als potenziell erbgutschädigend und krebserregend aufgefallen. Ob die Mengen, die aus einer normalen Bärentraubenanwendung entstehen, beim Menschen relevant sind, ist nicht geklärt - und genau deshalb hat die EMA vorsorglich begrenzt. Wir halten das für die richtige Entscheidung, und wir halten es für wichtig, diese Grenze nicht als Formalie zu behandeln.

Eine alte Empfehlung sollte man kennen, weil sie noch überall zu lesen ist: Man solle den Harn alkalisieren, etwa mit Natron, damit das Arbutin besser wirke. Neuere Untersuchungen haben das nicht bestätigt - die Spaltung im Harn findet auch im sauren Milieu statt, und eine Alkalisierung kann bei bakteriellen Infekten sogar ungünstig sein. Diese Empfehlung ist überholt und steht in aktuellen Monographien nicht mehr.

6 - 10 %Arbutin in den getrockneten Blättern
400 - 840 mgArbutin täglich nach EMA-Monographie
Max. 1 WocheAnwendungsdauer am Stück
Max. 5 ×pro Jahr

InhaltsstoffeArbutin, Gerbstoffe und der richtige Kaltansatz

Der Hauptinhaltsstoff ist Arbutin mit sechs bis zehn Prozent, begleitet von Methylarbutin. Daneben enthalten die Blätter fifteen bis zwanzig Prozent Gerbstoffe vom Gallotannin-Typ, dazu Flavonoide und Iridoide. Die Gerbstoffe sind aus zwei Gründen wichtig: Sie machen einen heiß zubereiteten Tee sehr herb und schwer trinkbar, und sie reizen den Magen - Übelkeit ist die häufigste Nebenwirkung der Bärentraube und geht fast immer auf die Gerbstoffe zurück.

Daraus folgt der wichtigste Zubereitungshinweis: Bärentraubenblätter werden kalt angesetzt, nicht aufgebrüht. Arbutin ist kalt gut löslich, Gerbstoffe gehen deutlich langsamer in Lösung. Ein Kaltauszug über zwölf Stunden holt also das Arbutin heraus und lässt einen großen Teil der Gerbstoffe im Blatt. Der Tee wird dadurch heller, milder und deutlich besser verträglich - bei gleichem Wirkstoffgehalt. Das ist einer der Fälle, in denen die Zubereitungsart über die Verträglichkeit entscheidet.

Für die Qualität ist der Arbutingehalt der Maßstab; das Europäische Arzneibuch verlangt einen Mindestgehalt. Bei Fertigpräparaten sollte die Arbutinmenge deklariert sein - die Monographiedosis liegt bei 400 bis 840 Milligramm Arbutin täglich, und daran lässt sich ein Produkt messen. Eine praktische Beobachtung am Rande: Der Harn kann sich unter Bärentraube grünlich-braun verfärben. Das ist harmlos und ein Zeichen, dass die Wirkstoffe ankommen.

Zur Pflanze selbst: Sie ist in Deutschland besonders geschützt und darf nicht gesammelt werden. Die Bestände sind durch Nährstoffeintrag und den Verlust magerer Heideflächen stark zurückgegangen. Wer Bärentraubenblätter braucht, kauft sie - die Drogenware stammt aus Kultur und Wildsammlung in Südeuropa. Zur Abgrenzung von der Preiselbeere: Bärentraubenblätter sind unterseits netzartig geädert und ohne Drüsenpunkte, Preiselbeerblätter haben dunkle Punkte und einen nach unten umgerollten Rand.

Verstärkte KombinationenWann die Bärentraube die richtige Wahl ist

Sie ist die Pflanze für den beginnenden, unkomplizierten Blaseninfekt - kurz, gezielt, und nicht öfter als fünfmal im Jahr.

Blase

Bärentraube + früher Beginn

Sie wirkt am ehesten, wenn sie beim ersten Brennen genommen wird, nicht am dritten Tag. Ein bis zwei Tage Verzögerung kosten meist den Nutzen.

Zubereitung

Bärentraube + Kaltansatz

Zwölf Stunden kalt ziehen lassen, dann kurz erwärmen. Das holt das Arbutin und lässt die magenreizenden Gerbstoffe weitgehend im Blatt.

Blase

Bärentraube + Trinkmenge

Auch hier gilt: reichlich trinken. Die antibakterielle Wirkung ersetzt die Spülung nicht, sie ergänzt sie.

Wärme

Bärentraube + Wärmflasche und Ruhe

Wärme auf dem Unterbauch lindert den Krampf und ist bei Blasenbeschwerden eine der wirksamsten einfachen Maßnahmen.

Vorbeugung

Bärentraube + Goldrute im Wechsel

Für die Zeit nach dem Infekt: Die Bärentraube ist auf eine Woche begrenzt, die Goldrute nicht. Die Durchspülung kann als Nachbehandlung weiterlaufen.

Qualität

Bärentraube + Arbutin-Deklaration

400 bis 840 mg Arbutin täglich ist die Monographiedosis. Präparate ohne Gehaltsangabe sind nicht dosierbar.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Dauer

Bärentraube + längere Anwendung

Höchstens eine Woche am Stück und höchstens fünfmal im Jahr. Diese Grenze steht wegen des Hydrochinons in der Monographie und ist keine Formsache.

Fieber

Bärentraube + fieberhafter Harnwegsinfekt

Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerz oder Blut im Urin bedeuten, dass die Infektion die Blase verlassen hat. Dann sofort ärztlich - hier hilft keine Pflanze.

Kinder

Bärentraube + Kinder und Jugendliche

Für unter 18-Jährige ist die Anwendung nicht vorgesehen. Harnwegsinfekte im Kindesalter gehören ohnehin abgeklärt.

Schwangerschaft

Bärentraube + Schwangerschaft und Stillzeit

Kontraindiziert. Harnwegsinfekte in der Schwangerschaft sind zudem ein eigenes Risiko und gehören immer ärztlich behandelt.

Zubereitung

Bärentraube + heißer Aufguss

Heiß zubereitet löst der Tee viel Gerbstoff und reizt den Magen. Übelkeit ist die häufigste Nebenwirkung - und meist eine der Zubereitung.

Überholt

Bärentraube + Natron zur Alkalisierung

Die alte Empfehlung, den Harn zu alkalisieren, ist durch neuere Untersuchungen nicht bestätigt und steht nicht mehr in den Monographien.

AnwendungZubereitung und Grenzen

  • Kaltauszug3 g Blätter in 150 ml kaltem Wasser, zwölf Stunden ziehen lassen, abseihen, kurz erwärmen.
  • DosierungBis zu vier Portionen täglich - entsprechend etwa 10 g Blätter.
  • FertigpräparatDragees oder Kapseln mit deklariertem Arbutingehalt; die dosierungssichere Form.
  • TinkturWeniger gebräuchlich; Kaltauszug und Fertigpräparat sind die üblichen Formen.
  • Eine WocheDie harte Obergrenze für eine Anwendungsperiode.
  • Fünfmal im JahrDie zweite Obergrenze - öfter bedeutet: Ursache suchen, nicht weiterbehandeln.
  • HarnverfärbungGrünlich-brauner Urin ist harmlos und zeigt, dass die Wirkstoffe ankommen.
  • Preiselbeere unterscheidenBärentraube: unterseits netzartig, ohne Punkte. Preiselbeere: dunkle Drüsenpunkte, umgerollter Rand.
  • Nicht sammelnIn Deutschland besonders geschützt - Drogenware kaufen.
  • Danach GoldruteFür die Nachbehandlung, weil die Bärentraube zeitlich begrenzt ist.
Faustregel: Kalt ansetzen ist bei dieser Pflanze der ganze Unterschied. Zwölf Stunden in kaltem Wasser holen das Arbutin heraus und lassen die Gerbstoffe weitgehend im Blatt - der Tee ist milder, magenfreundlicher und genauso wirksam wie ein heißer Aufguss.

Als HausmittelDer Kaltauszug beim ersten Brennen

So geht’s

Bärentraubenblätter, kalt angesetzt

  1. Zuerst die Grenze prüfen: keine Schwangerschaft, keine Stillzeit, nicht unter 18 Jahren, kein Fieber, kein Flankenschmerz, kein Blut im Urin, keine Nierenerkrankung. Und: Hast du dieses Jahr schon fünfmal Bärentraube genommen? Dann nicht noch einmal.
  2. 3 g getrocknete Bärentraubenblätter - etwa ein gehäufter Teelöffel - mit 150 ml kaltem Wasser übergießen.
  3. Zugedeckt zwölf Stunden bei Raumtemperatur ziehen lassen, gelegentlich umrühren. Über Nacht ansetzen ist am praktischsten.
  4. Abseihen und kurz auf Trinktemperatur erwärmen - nicht kochen.
  5. Bis zu viermal täglich eine Portion, zusätzlich reichlich Wasser trinken. Eine Wärmflasche auf dem Unterbauch hilft gegen den Krampf.
  6. Nach spätestens einer Woche beenden - auch wenn es nicht besser geworden ist. Ist es das nicht, gehört der Infekt behandelt, und zwar ärztlich.
Wofür

Bei beginnenden, leichten und unkomplizierten Blasenbeschwerden bei Frauen - Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang - wenn ernsthafte Ursachen ausgeschlossen sind. Am wirksamsten, wenn früh begonnen.

Menge

400 bis 840 mg Arbutin täglich nach EMA-Monographie, entsprechend etwa 10 g Blätter. Höchstens eine Woche am Stück, höchstens fünfmal im Jahr. Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht unter 18 Jahren, nicht bei Nierenerkrankung.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Bärentraube ist eine nordische Pflanze und im Ayurveda nicht vertreten. Für Harnwegsbeschwerden - Mutrakrichra - stehen dort Gokshura (Tribulus terrestris), Punarnava und Chandana, das Sandelholz, im Vordergrund, die alle als kühlend und harntreibend beschrieben werden. Ein antibakterielles Prinzip, das gezielt über den Harn zugestellt wird, kennt die ayurvedische Systematik in dieser Form nicht.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der chinesischen Materia medica fehlt Arctostaphylos. Die entsprechende Kategorie sind dort die Drogen, die „Feuchte-Hitze im unteren Erwärmer klären“ - etwa Che Qian Zi, Bian Xu und Qu Mai –, die bei brennendem, schmerzhaftem Wasserlassen eingesetzt werden. Die Beschreibung der Beschwerden deckt sich verblüffend genau mit dem, was wir Zystitis nennen; die Mittel sind andere.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Höchstens eine Woche, höchstens fünfmal im Jahr: Diese Grenze steht wegen des Hydrochinons in der EMA-Monographie. Sie ist keine Formalie und sollte nicht überschritten werden.
  • Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit: Kontraindiziert. Harnwegsinfekte in der Schwangerschaft gehören immer ärztlich behandelt.
  • Nicht unter 18 Jahren: Für Kinder und Jugendliche ist die Anwendung nicht vorgesehen.
  • Fieber ist die Grenze: Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerz oder Blut im Urin bedeuten eine Infektion jenseits der Blase - sofort ärztlich abklären.
  • Magenreizung: Übelkeit ist die häufigste Nebenwirkung und geht meist auf die Gerbstoffe zurück. Der Kaltauszug ist deutlich besser verträglich.
  • Wiederkehrende Infekte abklären: Wer die Bärentraube mehrmals im Jahr brauchen würde, hat ein Problem, das gesucht gehört - nicht wiederholt behandelt.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. European Medicines Agency, HMPC: European Union herbal monograph on Arctostaphylos uva-ursi (L.) Spreng., folium - traditional use.
  2. Kommission E, Monographie „Uvae ursi folium“, BAnz Nr. 109 vom 15.06.1994.
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Bewertungen zu Hydrochinon und Arbutin-haltigen Zubereitungen.
  4. Schindler G. et al.: Urinary excretion and metabolism of arbutin after oral administration of Arctostaphylos uvae ursi extract. Journal of Clinical Pharmacology 2002.
  5. Blaschek W. (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka, Kapitel Uvae ursi folium.