Brokkoli (Brassica oleracea var. it
Thema
Haarpflege mit PflanzenölenRosmarin, Rizinus, Kokos
Haarwachstum
ca. 1 cm pro Monatdaran ändert kein Öl etwas
Beste Studienlage
Rosmarinöleine Vergleichsstudie gegen Minoxidil 2 %
Belegt bei Kokosöl
weniger Proteinverlustgemessen, nicht behauptet
Rizinusöl
keine Wachstumsstudientrotz des Rufs im Netz
Regel
Ätherisch immer verdünnennie pur auf die Kopfhaut
HerkunftHaaröl ist älter als Shampoo
In Indien ist das Einölen der Kopfhaut kein Beauty-Trend, sondern eine Alltagsroutine seit Jahrtausenden.
Lange bevor es Shampoo gab, war Öl das Haarpflegemittel der Menschheit. Im alten Ägypten wurden Rizinus- und Moringaöl verwendet, in Griechenland und Rom Olivenöl, im Mittelmeerraum Mandelöl. Am lebendigsten hat sich die Praxis aber in Südasien gehalten: Das champi, die ölende Kopfmassage, ist in Indien eine wöchentliche Selbstverständlichkeit, oft über Generationen weitergegeben - und das englische Wort shampoo kommt genau daher, vom Hindi chāmpo.
Die traditionellen indischen Haaröle basieren auf Kokos- oder Sesamöl, in das Pflanzen eingelegt wurden: Bhringraj, Amla - die indische Stachelbeere –, Brahmi und Curryblatt. Das ist derselbe Auszugsgedanke, der auch hinter europäischen Ölauszügen mit Johanniskraut oder Ringelblume steht.
Was sich im Vergleich zu früher geändert hat, ist vor allem die Erwartung. Historisch ging es um Pflege, Glanz, Kopfhautmassage und ein Ritual. Heute wird dasselbe Öl im Netz oft als Mittel gegen Haarausfall verkauft - und an dieser Stelle klaffen Überlieferung und Beleglage auseinander. Deshalb trennt diese Seite beides sauber: erst, was belegt ist, dann, was Tradition ist.
NutzenWas für die drei Öle tatsächlich spricht
Beim Rosmarinöl gibt es die mit Abstand beste Studie dieser Seite. 2015 verglich eine iranische Arbeitsgruppe um Panahi Rosmarinöl mit Minoxidil in 2-prozentiger Lösung bei Männern mit androgenetischer Alopezie, über sechs Monate. Nach einem halben Jahr war die Haardichte in beiden Gruppen ähnlich gestiegen, und in der Rosmarin-Gruppe wurde weniger Kopfhautjucken berichtet. Das ist ein bemerkenswerter Befund - mit Einschränkungen: Die Studie war klein, sie lief ohne echte Placebogruppe, und Minoxidil 2 % ist die schwächere der beiden üblichen Konzentrationen. Es ist ein guter Hinweis, kein Beweis.
Beim Kokosöl geht es um etwas ganz anderes, das aber ebenfalls gemessen wurde. Eine viel zitierte Untersuchung von Rele und Mohile aus dem Jahr 2003 verglich Kokos-, Sonnenblumen- und Mineralöl und fand, dass allein Kokosöl den Proteinverlust des Haares deutlich reduziert - vor wie nach dem Waschen. Der Grund liegt in der Molekülstruktur: Laurinsäure ist gerade, klein und hat eine hohe Affinität zu Haarproteinen, sodass sie in den Haarschaft eindringen kann statt nur aufzuliegen. Das ist keine Wachstumswirkung, sondern Schadensbegrenzung - aber es ist eine echte, physikalisch messbare.
Beim Rizinusöl muss man ehrlich sein: Es gibt keine klinische Studie, die Haar- oder Wimpernwachstum durch Rizinusöl belegt. Sein Ruf beruht auf Tradition, auf Vorher-Nachher-Bildern und darauf, dass es sehr dickflüssig ist und Haare dadurch optisch voller und glänzender aussehen lässt. Die enthaltene Ricinolsäure ist pharmakologisch interessant, aber am Haar nicht untersucht. Wer es benutzt, benutzt ein gutes, schweres Pflegeöl - nichts weiter.
Und über allem steht eine Zahl, die jedes Versprechen relativiert: Haar wächst rund einen Zentimeter pro Monat, und diese Rate ist genetisch und hormonell festgelegt. Kein Öl beschleunigt sie. Was Öle können, ist die Kopfhaut pflegen, Haarbruch verringern und - im Fall von Rosmarin - möglicherweise die Durchblutung anregen. Was sie nicht können: eine androgenetische Alopezie aufhalten oder kreisrunden Haarausfall behandeln. Beides gehört in dermatologische Hände.
6 MonateDauer der Rosmarinöl-Studie von 2015
2 %Minoxidil-Konzentration in der Vergleichsgruppe
ca. 1 cmHaarwachstum pro Monat - unveränderlich
max. 2 %Verdünnung ätherischer Öle für die Kopfhaut
InhaltsstoffeÄtherisch oder fett - der Unterschied, der alles entscheidet
Der häufigste Fehler bei Haarölen ist eine Verwechslung. Rosmarinöl im Sinne der Studien ist ein ätherisches Öl: hochkonzentriert, flüchtig, aus Hunderten Einzelsubstanzen, und in unverdünnter Form reizend. Kokosöl und Rizinusöl sind fette Öle: pflanzliche Fette, die man esslöffelweise verwenden kann. Das eine wird tropfenweise dosiert, das andere in Löffeln - wer das vertauscht, verbrennt sich die Kopfhaut.
Ätherisches Rosmarinöl besteht überwiegend aus 1,8-Cineol, Campher und α-Pinen. Für die Kopfhaut wird es auf höchstens zwei Prozent verdünnt, also etwa zehn bis zwölf Tropfen auf fünfzig Milliliter Trägeröl. Das ist keine Vorsichtsformel für Ängstliche, sondern die übliche Obergrenze der Aromatherapie-Fachliteratur für Anwendungen auf der Haut. Camphorhaltige Öle gehören außerdem nicht an Säuglinge und Kleinkinder, und Rosmarinöl wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
Kokosöl ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt bei etwa vierundzwanzig Grad - in der Hand also von selbst. Sein Anteil an Laurinsäure liegt bei rund der Hälfte, und genau diese kurze, gerade Fettsäure ist der Grund für die Eindringtiefe. Für feines Haar kann es allerdings zu schwer sein und den Ansatz beschweren; dann ist es das falsche Öl.
Rizinusöl besteht zu etwa neunzig Prozent aus Ricinolsäure, einer ungewöhnlichen hydroxylierten Fettsäure, die für die extreme Viskosität sorgt. Es ist so dick, dass es sich pur kaum verteilen lässt und sich schwer auswaschen lässt. Und es gibt eine seltene, aber gut dokumentierte Nebenwirkung: die akute Haarverfilzung, im Englischen hair felting - die gesamte Haarmasse verklebt binnen Stunden zu einem einzigen unentwirrbaren Filz. In der dermatologischen Literatur sind mehrere Fälle nach Rizinusöl-Anwendung beschrieben, und der einzige Ausweg war jedes Mal das Abschneiden. Deshalb: Rizinusöl immer im Verhältnis eins zu eins oder stärker mit einem leichten Öl verdünnen, nie pur und nie großflächig.
Verstärkte KombinationenWas zusammenpasst
Fette Öle sind die Träger, ätherische Öle die Wirkstoffe. Alles Folgende ergibt sich aus diesem Verhältnis.
Basis
Rosmarinöl + Jojobaöl
Jojoba ist chemisch ein Wachs und dem Hauttalg sehr ähnlich, zieht schnell ein und beschwert nicht. Der beste Träger für die Kopfhaut.
Basis
Rosmarinöl + Kokosöl
Für trockenes, kräftiges Haar: Kokosöl bringt zusätzlich den Proteinschutz mit.
Verdünnen
Rizinusöl + Jojoba- oder Mandelöl
Eins zu eins. Pur ist Rizinusöl zu zäh, schwer auswaschbar und in seltenen Fällen ein Verfilzungsrisiko.
Wärme
Ölkur + warmes Handtuch
Wärme öffnet die Schuppenschicht und verbessert die Aufnahme. Handtuch anfeuchten, in der Mikrowelle erwärmen, um den Kopf wickeln.
Massage
Ölkur + fünf Minuten Kopfhautmassage
Die Massage selbst regt die Durchblutung an - in Untersuchungen zur Skalpmassage ein eigenständiger Faktor, unabhängig vom Öl.
Auswaschen
Ölkur + Shampoo vor dem Wasser
Shampoo auf das trockene, ölige Haar geben und erst dann Wasser dazu. Sonst perlt das Wasser am Öl ab und man wäscht dreimal.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Pur
Ätherisches Rosmarinöl + unverdünnt auf die Kopfhaut
Reizungen und Kontaktekzeme sind die Folge. Maximal zwei Prozent, also rund zehn Tropfen auf fünfzig Milliliter Trägeröl.
Kinder
Camphorhaltige Öle + Säuglinge und Kleinkinder
Campher und Cineol können bei kleinen Kindern Atemprobleme auslösen. Nicht im Gesicht- und Kopfbereich anwenden.
Schwangerschaft
Rosmarinöl + Schwangerschaft
Wird in der Aromatherapie-Literatur nicht empfohlen. In dieser Zeit lieber bei reinen Trägerölen bleiben.
Feines Haar
Kokosöl + sehr feines Haar
Es beschwert und lässt den Ansatz platt wirken. Dann Jojoba- oder Arganöl nehmen.
Pur
Rizinusöl + unverdünnt und großflächig
Schwer auswaschbar, und in seltenen dokumentierten Fällen Ursache akuter Haarverfilzung.
Erwartung
Ölkur + echter Haarausfall
Kreisrunder, diffuser oder vernarbender Haarausfall gehört in die dermatologische Praxis. Öl ist dort keine Behandlung und kostet nur Zeit.
AnwendungWie man es anwendet
- ÖlkurEin- bis zweimal pro Woche, 30 bis 60 Minuten einwirken.
- Über NachtMöglich, aber ein altes Handtuch aufs Kissen legen.
- Nur KopfhautBei fettigem Ansatz nur in die Längen und Spitzen.
- Nur SpitzenEin Tropfen Arganöl ins handtuchtrockene Haar, ohne Ausspülen.
- MassageFünf Minuten mit den Fingerkuppen, nicht mit den Nägeln.
- Vor dem WaschenKokosöl 15 Minuten vorher - reduziert den Proteinverlust.
- Warmes HandtuchVerbessert die Aufnahme deutlich, kostet nichts.
- AuswaschenShampoo zuerst, Wasser danach - sonst dreimal waschen.
- DosierungEin bis zwei Esslöffel Trägeröl genügen für einen ganzen Kopf.
- GeduldMindestens drei Monate, bevor man ein Urteil fällt.
Faustregel: Gib das Shampoo auf das trockene, eingeölte Haar und erst danach Wasser dazu. Das ist der eine Handgriff, an dem die meisten Ölkuren scheitern - wer Wasser zuerst nimmt, kämpft anschließend dreimal mit dem Schaum und schwört dem Hausmittel ab.
Als HausmittelDie Kombi-Kur aus allen drei Ölen
So geht’s
Ein Fläschchen für sechs bis acht Anwendungen
- Ein sauberes, dunkles Glasfläschchen mit 50 Millilitern bereitstellen. Dunkles Glas schützt die Öle vor Licht; eine Pipette macht die Anwendung deutlich einfacher.
- 30 Milliliter Jojobaöl als Basis einfüllen. Jojoba ist dem Hauttalg chemisch sehr ähnlich, zieht gut ein und beschwert nicht - für die Kopfhaut die beste Grundlage.
- 10 Milliliter Kokosöl dazugeben, vorher im Wasserbad oder in der Hand verflüssigt. Es bringt den Proteinschutz mit, der in der Untersuchung von 2003 gemessen wurde.
- 10 Milliliter Rizinusöl hinzufügen. Mehr nicht - es ist sehr zäh und macht die Mischung sonst schwer auswaschbar.
- Zum Schluss 10 bis 12 Tropfen ätherisches Rosmarinöl. Das entspricht knapp zwei Prozent und ist die Obergrenze für Anwendungen auf der Kopfhaut. Nicht großzügiger dosieren - mehr bringt nichts und reizt.
- Gut schütteln, vor jeder Anwendung erneut schütteln. Kühl und dunkel gelagert hält die Mischung etwa sechs Monate. Anwendung: ein- bis zweimal pro Woche einige Pipetten auf die Kopfhaut, fünf Minuten einmassieren, mindestens dreißig Minuten einwirken lassen, dann auswaschen.
Wofür
Für trockene, gereizte Kopfhaut, für strapaziertes Haar und als Pflegeritual. Nicht als Behandlung von Haarausfall - dafür ist es nicht gedacht und dafür reicht die Beleglage nicht.
Menge
Ein- bis zweimal wöchentlich. Vor der ersten Anwendung einen Tropfen in die Armbeuge geben und 24 Stunden abwarten - ätherische Öle sind eine häufige Ursache von Kontaktallergien. Nicht bei Kleinkindern, nicht in der Schwangerschaft, nicht auf verletzter oder entzündeter Kopfhaut.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Im Ayurveda gehört die Kopfölung - shiro abhyanga - zur täglichen Selbstpflege, der dinacharya. Die klassischen Haaröle sind Auszüge aus Bhringraj (Eclipta alba), Amla (indische Stachelbeere) und Brahmi in Kokos- oder Sesamöl. Gesundes Haar gilt dort als Nebenprodukt von asthi dhatu, dem Knochengewebe, und wird über die Verdauung mitgedacht, nicht nur über das, was man aufträgt. Vorzeitiges Ergrauen wird traditionell einem Überschuss an pitta zugeordnet - daher kühlende Öle und Amla.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der chinesischen Medizin hängt der Zustand der Haare eng mit der Niere zusammen: Das Haar gilt als „Blüte der Nierenessenz“ (Jing) und zusätzlich als abhängig von der Blutfülle der Leber. Frühes Ergrauen und dünner werdendes Haar werden deshalb als Zeichen erschöpfter Nierenessenz gelesen und traditionell von innen behandelt - bekannt vor allem mit He Shou Wu (Polygonum multiflorum). Bei dieser Pflanze ist allerdings Vorsicht geboten: Für He-Shou-Wu-Präparate gibt es zahlreiche dokumentierte Fälle von Leberschädigung, und mehrere Länder haben Warnungen dazu herausgegeben. Äußerliche Ölungen spielen in der TCM eine kleinere Rolle als im Ayurveda.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Ätherische Öle immer verdünnen: Höchstens zwei Prozent für die Kopfhaut, also rund zehn Tropfen auf fünfzig Milliliter Trägeröl. Pur aufgetragen sind Reizungen und Kontaktekzeme die Regel, nicht die Ausnahme.
- Nicht bei Säuglingen und Kleinkindern: Campher und 1,8-Cineol können bei kleinen Kindern zu Atemproblemen bis zum Stimmritzenkrampf führen. Nicht im Kopf- und Gesichtsbereich anwenden.
- Nicht in der Schwangerschaft: Rosmarinöl wird in der Aromatherapie-Fachliteratur für diese Zeit nicht empfohlen. Reine Trägeröle sind unproblematisch.
- Rizinusöl nie pur und großflächig: Es gibt dokumentierte Fälle akuter Haarverfilzung nach Rizinusöl-Anwendung, bei denen nur noch Abschneiden half. Immer mindestens eins zu eins verdünnen.
- Vorher testen: Ein Tropfen in die Armbeuge, 24 Stunden abwarten. Ätherische Öle gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien.
- Echter Haarausfall gehört zum Arzt: Kreisrunder, diffuser, plötzlicher oder vernarbender Haarausfall braucht eine dermatologische Abklärung. Öle sind dort keine Behandlung - und jeder Monat, den man damit abwartet, ist verloren.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen
ArchivRosmarinDie Pflanze hinter dem ätherischen Öl - mit eigener Monographie.ArchivRizinusölDas Öl im Detail: Herkunft, Ricin und die Grenzen des Rufs.ArchivKokosölWarum Laurinsäure in den Haarschaft eindringt.ShopJojobaölDer leichteste Träger - dem Hauttalg chemisch sehr ähnlich.ShopArganölFür die Spitzen, wenn Kokosöl zu schwer ist.ShopKokosöl nativDie Basis für die Kur - und für den Proteinschutz.
Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.
QuellenWorauf sich das stützt
- Panahi Y. et al.: Rosemary oil vs minoxidil 2 % for the treatment of androgenetic alopecia - a randomized comparative trial. SKINmed 2015.
- Rele A.S., Mohile R.B.: Effect of mineral oil, sunflower oil, and coconut oil on prevention of hair damage. Journal of Cosmetic Science 2003.
- Tisserand R., Young R.: Essential Oil Safety, 2. Auflage - Verdünnungsempfehlungen und Kontraindikationen für Rosmarinöl.
- Fallberichte zur akuten Haarverfilzung (hair felting / plica neuropathica) nach Anwendung von Rizinusöl, dermatologische Fachliteratur.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Hinweise zu ätherischen Ölen bei Säuglingen und Kleinkindern.
HerkunftHaaröl ist älter als Shampoo
In Indien ist das Einölen der Kopfhaut kein Beauty-Trend, sondern eine Alltagsroutine seit Jahrtausenden.
Lange bevor es Shampoo gab, war Öl das Haarpflegemittel der Menschheit. Im alten Ägypten wurden Rizinus- und Moringaöl verwendet, in Griechenland und Rom Olivenöl, im Mittelmeerraum Mandelöl. Am lebendigsten hat sich die Praxis aber in Südasien gehalten: Das champi, die ölende Kopfmassage, ist in Indien eine wöchentliche Selbstverständlichkeit, oft über Generationen weitergegeben - und das englische Wort shampoo kommt genau daher, vom Hindi chāmpo.
Die traditionellen indischen Haaröle basieren auf Kokos- oder Sesamöl, in das Pflanzen eingelegt wurden: Bhringraj, Amla - die indische Stachelbeere –, Brahmi und Curryblatt. Das ist derselbe Auszugsgedanke, der auch hinter europäischen Ölauszügen mit Johanniskraut oder Ringelblume steht.
Was sich im Vergleich zu früher geändert hat, ist vor allem die Erwartung. Historisch ging es um Pflege, Glanz, Kopfhautmassage und ein Ritual. Heute wird dasselbe Öl im Netz oft als Mittel gegen Haarausfall verkauft - und an dieser Stelle klaffen Überlieferung und Beleglage auseinander. Deshalb trennt diese Seite beides sauber: erst, was belegt ist, dann, was Tradition ist.
NutzenWas für die drei Öle tatsächlich spricht
Beim Rosmarinöl gibt es die mit Abstand beste Studie dieser Seite. 2015 verglich eine iranische Arbeitsgruppe um Panahi Rosmarinöl mit Minoxidil in 2-prozentiger Lösung bei Männern mit androgenetischer Alopezie, über sechs Monate. Nach einem halben Jahr war die Haardichte in beiden Gruppen ähnlich gestiegen, und in der Rosmarin-Gruppe wurde weniger Kopfhautjucken berichtet. Das ist ein bemerkenswerter Befund - mit Einschränkungen: Die Studie war klein, sie lief ohne echte Placebogruppe, und Minoxidil 2 % ist die schwächere der beiden üblichen Konzentrationen. Es ist ein guter Hinweis, kein Beweis.
Beim Kokosöl geht es um etwas ganz anderes, das aber ebenfalls gemessen wurde. Eine viel zitierte Untersuchung von Rele und Mohile aus dem Jahr 2003 verglich Kokos-, Sonnenblumen- und Mineralöl und fand, dass allein Kokosöl den Proteinverlust des Haares deutlich reduziert - vor wie nach dem Waschen. Der Grund liegt in der Molekülstruktur: Laurinsäure ist gerade, klein und hat eine hohe Affinität zu Haarproteinen, sodass sie in den Haarschaft eindringen kann statt nur aufzuliegen. Das ist keine Wachstumswirkung, sondern Schadensbegrenzung - aber es ist eine echte, physikalisch messbare.
Beim Rizinusöl muss man ehrlich sein: Es gibt keine klinische Studie, die Haar- oder Wimpernwachstum durch Rizinusöl belegt. Sein Ruf beruht auf Tradition, auf Vorher-Nachher-Bildern und darauf, dass es sehr dickflüssig ist und Haare dadurch optisch voller und glänzender aussehen lässt. Die enthaltene Ricinolsäure ist pharmakologisch interessant, aber am Haar nicht untersucht. Wer es benutzt, benutzt ein gutes, schweres Pflegeöl - nichts weiter.
Und über allem steht eine Zahl, die jedes Versprechen relativiert: Haar wächst rund einen Zentimeter pro Monat, und diese Rate ist genetisch und hormonell festgelegt. Kein Öl beschleunigt sie. Was Öle können, ist die Kopfhaut pflegen, Haarbruch verringern und - im Fall von Rosmarin - möglicherweise die Durchblutung anregen. Was sie nicht können: eine androgenetische Alopezie aufhalten oder kreisrunden Haarausfall behandeln. Beides gehört in dermatologische Hände.
InhaltsstoffeÄtherisch oder fett - der Unterschied, der alles entscheidet
Der häufigste Fehler bei Haarölen ist eine Verwechslung. Rosmarinöl im Sinne der Studien ist ein ätherisches Öl: hochkonzentriert, flüchtig, aus Hunderten Einzelsubstanzen, und in unverdünnter Form reizend. Kokosöl und Rizinusöl sind fette Öle: pflanzliche Fette, die man esslöffelweise verwenden kann. Das eine wird tropfenweise dosiert, das andere in Löffeln - wer das vertauscht, verbrennt sich die Kopfhaut.
Ätherisches Rosmarinöl besteht überwiegend aus 1,8-Cineol, Campher und α-Pinen. Für die Kopfhaut wird es auf höchstens zwei Prozent verdünnt, also etwa zehn bis zwölf Tropfen auf fünfzig Milliliter Trägeröl. Das ist keine Vorsichtsformel für Ängstliche, sondern die übliche Obergrenze der Aromatherapie-Fachliteratur für Anwendungen auf der Haut. Camphorhaltige Öle gehören außerdem nicht an Säuglinge und Kleinkinder, und Rosmarinöl wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
Kokosöl ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt bei etwa vierundzwanzig Grad - in der Hand also von selbst. Sein Anteil an Laurinsäure liegt bei rund der Hälfte, und genau diese kurze, gerade Fettsäure ist der Grund für die Eindringtiefe. Für feines Haar kann es allerdings zu schwer sein und den Ansatz beschweren; dann ist es das falsche Öl.
Rizinusöl besteht zu etwa neunzig Prozent aus Ricinolsäure, einer ungewöhnlichen hydroxylierten Fettsäure, die für die extreme Viskosität sorgt. Es ist so dick, dass es sich pur kaum verteilen lässt und sich schwer auswaschen lässt. Und es gibt eine seltene, aber gut dokumentierte Nebenwirkung: die akute Haarverfilzung, im Englischen hair felting - die gesamte Haarmasse verklebt binnen Stunden zu einem einzigen unentwirrbaren Filz. In der dermatologischen Literatur sind mehrere Fälle nach Rizinusöl-Anwendung beschrieben, und der einzige Ausweg war jedes Mal das Abschneiden. Deshalb: Rizinusöl immer im Verhältnis eins zu eins oder stärker mit einem leichten Öl verdünnen, nie pur und nie großflächig.
Verstärkte KombinationenWas zusammenpasst
Fette Öle sind die Träger, ätherische Öle die Wirkstoffe. Alles Folgende ergibt sich aus diesem Verhältnis.
Jojoba ist chemisch ein Wachs und dem Hauttalg sehr ähnlich, zieht schnell ein und beschwert nicht. Der beste Träger für die Kopfhaut.
Für trockenes, kräftiges Haar: Kokosöl bringt zusätzlich den Proteinschutz mit.
Eins zu eins. Pur ist Rizinusöl zu zäh, schwer auswaschbar und in seltenen Fällen ein Verfilzungsrisiko.
Wärme öffnet die Schuppenschicht und verbessert die Aufnahme. Handtuch anfeuchten, in der Mikrowelle erwärmen, um den Kopf wickeln.
Die Massage selbst regt die Durchblutung an - in Untersuchungen zur Skalpmassage ein eigenständiger Faktor, unabhängig vom Öl.
Shampoo auf das trockene, ölige Haar geben und erst dann Wasser dazu. Sonst perlt das Wasser am Öl ab und man wäscht dreimal.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Reizungen und Kontaktekzeme sind die Folge. Maximal zwei Prozent, also rund zehn Tropfen auf fünfzig Milliliter Trägeröl.
Campher und Cineol können bei kleinen Kindern Atemprobleme auslösen. Nicht im Gesicht- und Kopfbereich anwenden.
Wird in der Aromatherapie-Literatur nicht empfohlen. In dieser Zeit lieber bei reinen Trägerölen bleiben.
Es beschwert und lässt den Ansatz platt wirken. Dann Jojoba- oder Arganöl nehmen.
Schwer auswaschbar, und in seltenen dokumentierten Fällen Ursache akuter Haarverfilzung.
Kreisrunder, diffuser oder vernarbender Haarausfall gehört in die dermatologische Praxis. Öl ist dort keine Behandlung und kostet nur Zeit.
AnwendungWie man es anwendet
- ÖlkurEin- bis zweimal pro Woche, 30 bis 60 Minuten einwirken.
- Über NachtMöglich, aber ein altes Handtuch aufs Kissen legen.
- Nur KopfhautBei fettigem Ansatz nur in die Längen und Spitzen.
- Nur SpitzenEin Tropfen Arganöl ins handtuchtrockene Haar, ohne Ausspülen.
- MassageFünf Minuten mit den Fingerkuppen, nicht mit den Nägeln.
- Vor dem WaschenKokosöl 15 Minuten vorher - reduziert den Proteinverlust.
- Warmes HandtuchVerbessert die Aufnahme deutlich, kostet nichts.
- AuswaschenShampoo zuerst, Wasser danach - sonst dreimal waschen.
- DosierungEin bis zwei Esslöffel Trägeröl genügen für einen ganzen Kopf.
- GeduldMindestens drei Monate, bevor man ein Urteil fällt.
Als HausmittelDie Kombi-Kur aus allen drei Ölen
Ein Fläschchen für sechs bis acht Anwendungen
- Ein sauberes, dunkles Glasfläschchen mit 50 Millilitern bereitstellen. Dunkles Glas schützt die Öle vor Licht; eine Pipette macht die Anwendung deutlich einfacher.
- 30 Milliliter Jojobaöl als Basis einfüllen. Jojoba ist dem Hauttalg chemisch sehr ähnlich, zieht gut ein und beschwert nicht - für die Kopfhaut die beste Grundlage.
- 10 Milliliter Kokosöl dazugeben, vorher im Wasserbad oder in der Hand verflüssigt. Es bringt den Proteinschutz mit, der in der Untersuchung von 2003 gemessen wurde.
- 10 Milliliter Rizinusöl hinzufügen. Mehr nicht - es ist sehr zäh und macht die Mischung sonst schwer auswaschbar.
- Zum Schluss 10 bis 12 Tropfen ätherisches Rosmarinöl. Das entspricht knapp zwei Prozent und ist die Obergrenze für Anwendungen auf der Kopfhaut. Nicht großzügiger dosieren - mehr bringt nichts und reizt.
- Gut schütteln, vor jeder Anwendung erneut schütteln. Kühl und dunkel gelagert hält die Mischung etwa sechs Monate. Anwendung: ein- bis zweimal pro Woche einige Pipetten auf die Kopfhaut, fünf Minuten einmassieren, mindestens dreißig Minuten einwirken lassen, dann auswaschen.
Für trockene, gereizte Kopfhaut, für strapaziertes Haar und als Pflegeritual. Nicht als Behandlung von Haarausfall - dafür ist es nicht gedacht und dafür reicht die Beleglage nicht.
Ein- bis zweimal wöchentlich. Vor der ersten Anwendung einen Tropfen in die Armbeuge geben und 24 Stunden abwarten - ätherische Öle sind eine häufige Ursache von Kontaktallergien. Nicht bei Kleinkindern, nicht in der Schwangerschaft, nicht auf verletzter oder entzündeter Kopfhaut.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Im Ayurveda gehört die Kopfölung - shiro abhyanga - zur täglichen Selbstpflege, der dinacharya. Die klassischen Haaröle sind Auszüge aus Bhringraj (Eclipta alba), Amla (indische Stachelbeere) und Brahmi in Kokos- oder Sesamöl. Gesundes Haar gilt dort als Nebenprodukt von asthi dhatu, dem Knochengewebe, und wird über die Verdauung mitgedacht, nicht nur über das, was man aufträgt. Vorzeitiges Ergrauen wird traditionell einem Überschuss an pitta zugeordnet - daher kühlende Öle und Amla.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der chinesischen Medizin hängt der Zustand der Haare eng mit der Niere zusammen: Das Haar gilt als „Blüte der Nierenessenz“ (Jing) und zusätzlich als abhängig von der Blutfülle der Leber. Frühes Ergrauen und dünner werdendes Haar werden deshalb als Zeichen erschöpfter Nierenessenz gelesen und traditionell von innen behandelt - bekannt vor allem mit He Shou Wu (Polygonum multiflorum). Bei dieser Pflanze ist allerdings Vorsicht geboten: Für He-Shou-Wu-Präparate gibt es zahlreiche dokumentierte Fälle von Leberschädigung, und mehrere Länder haben Warnungen dazu herausgegeben. Äußerliche Ölungen spielen in der TCM eine kleinere Rolle als im Ayurveda.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Ätherische Öle immer verdünnen: Höchstens zwei Prozent für die Kopfhaut, also rund zehn Tropfen auf fünfzig Milliliter Trägeröl. Pur aufgetragen sind Reizungen und Kontaktekzeme die Regel, nicht die Ausnahme.
- Nicht bei Säuglingen und Kleinkindern: Campher und 1,8-Cineol können bei kleinen Kindern zu Atemproblemen bis zum Stimmritzenkrampf führen. Nicht im Kopf- und Gesichtsbereich anwenden.
- Nicht in der Schwangerschaft: Rosmarinöl wird in der Aromatherapie-Fachliteratur für diese Zeit nicht empfohlen. Reine Trägeröle sind unproblematisch.
- Rizinusöl nie pur und großflächig: Es gibt dokumentierte Fälle akuter Haarverfilzung nach Rizinusöl-Anwendung, bei denen nur noch Abschneiden half. Immer mindestens eins zu eins verdünnen.
- Vorher testen: Ein Tropfen in die Armbeuge, 24 Stunden abwarten. Ätherische Öle gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien.
- Echter Haarausfall gehört zum Arzt: Kreisrunder, diffuser, plötzlicher oder vernarbender Haarausfall braucht eine dermatologische Abklärung. Öle sind dort keine Behandlung - und jeder Monat, den man damit abwartet, ist verloren.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen
Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.
QuellenWorauf sich das stützt
- Panahi Y. et al.: Rosemary oil vs minoxidil 2 % for the treatment of androgenetic alopecia - a randomized comparative trial. SKINmed 2015.
- Rele A.S., Mohile R.B.: Effect of mineral oil, sunflower oil, and coconut oil on prevention of hair damage. Journal of Cosmetic Science 2003.
- Tisserand R., Young R.: Essential Oil Safety, 2. Auflage - Verdünnungsempfehlungen und Kontraindikationen für Rosmarinöl.
- Fallberichte zur akuten Haarverfilzung (hair felting / plica neuropathica) nach Anwendung von Rizinusöl, dermatologische Fachliteratur.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Hinweise zu ätherischen Ölen bei Säuglingen und Kleinkindern.


