Abnehmen
Ein Körper mit zwölf Jahren, mit dreißig, mit fünfzig und mit siebzig folgt vier verschiedenen Regeln. Deshalb steht hier nicht ein Ratschlag für alle, sondern ein gemeinsamer Grund und darauf dein eigener Abschnitt. Wähl gleich darunter aus, für wen du liest, und das ganze Inhaltsverzeichnis stellt sich um.
Gut zu wissen
Bei Kindern und Jugendlichen gehört jeder Schritt zum Gewicht in die Hand der Kinderärztin oder des Kinderarztes. Diese Seite ersetzt das nicht, sie bereitet das Gespräch vor.
Gut zu wissen
Wenn du Medikamente nimmst, schwanger bist oder stillst, sprich größere Änderungen vorher ab. Alles auf dieser Seite ist Wissen, keine Behandlung.
Gut zu wissen
Steigt das Gewicht ohne erkennbaren Grund und lässt die Kraft nach, lass einmal Schilddrüse, Blutzucker und Blutdruck bestimmen, bevor du am Essen drehst.
Gut zu wissen
Ab etwa 65 gehört die Frage, ob überhaupt abgenommen werden soll, ärztlich besprochen. Ungewollter Gewichtsverlust ist im Alter ein Warnzeichen und kein Erfolg.
Warum dein Körper das Gewicht verteidigt
Dein Körper hat sich an dein jetziges Gewicht gewöhnt und verteidigt es. Er tut das nicht aus Bosheit, sondern weil er über sehr lange Zeit gelernt hat, dass Gewichtsverlust Gefahr bedeutet. Sinkt das Gewicht, sinkt auch Leptin, das Sättigungssignal aus dem Fettgewebe. Ghrelin aus dem Magen wird gleichzeitig lauter. Und ganz nebenbei wird jede Bewegung ein wenig sparsamer, du greifst etwas weniger aus, stehst etwas seltener auf, zappelst weniger. Diesen Teil bemerkst du gar nicht, und er macht in Summe mehr aus als die meisten denken.
Das ist der Grund, warum die dritte Woche schwerer ist als die erste und warum das Halten schwerer ist als das Abnehmen. Es ist kein Charakterproblem und kein fehlender Wille. Es ist ein Regelkreis, der deine Vorfahren durch Winter gebracht hat, in denen es nichts gab.
Wer das weiß, plant anders. Nicht schneller, sondern langsamer. Mit Pausen, in denen das Gewicht bewusst nur gehalten wird. Und mit einem Plan für die Zeit danach, der schon steht, bevor der erste Tag beginnt. Ein Ziel ohne Plan für das Danach ist nur die Hälfte eines Ziels.
Was daraus für dich folgt
- Setz dir eine Strecke, keine Zahl: acht bis zwölf Wochen, dann vier Wochen halten.
- Miss den Fortschritt an vier Wochen, nie an einem Tag.
- Schreib auf, was du behalten willst, wenn das Ziel erreicht ist. Genau das ist der Plan.
Für dich: Kind und Jugend
Bei Kindern arbeitet dieser Regelkreis für euch. Wenn das Gewicht steht und die Länge weiter wächst, löst sich vieles ganz von allein, ohne dass irgendjemand verzichten muss.
Für dich: 20 bis 40 Jahre
Je schneller du drückst, desto lauter wird die Gegenwehr. In diesen Jahren gewinnt fast immer die ruhigere Gangart, weil sie die einzige ist, die man drei Jahre lang durchhält.
Für dich: 40 bis 60 Jahre
In der Lebensmitte kommt zur Gegenwehr der Muskelverlust dazu. Deshalb steht hier Erhalten vor Abnehmen, und Krafttraining vor jeder Regel am Teller.
Für dich: 60 Jahre und mehr
Im Alter verteidigt der Körper nicht mehr zuverlässig das Fett, sondern gibt zuerst Muskel ab. Genau das gilt es zu verhindern, und deshalb sieht der Weg ab 60 anders aus.
Was du wirklich misst
Die Waage misst alles auf einmal: Wasser, Darminhalt, Muskeln und Fett. Nach einem salzigen Abend stehen zwei Kilo mehr da, die kein Gramm Fett sind. Nach zwei Tagen ohne Brot stehen zwei Kilo weniger da, die ebenfalls kein Fett sind, sondern Wasser aus den entleerten Glykogenspeichern. Wer sich davon abhängig macht, fährt Achterbahn, ohne dass sich am Körper irgendetwas getan hätte.
Ehrlicher ist der Bauchumfang. Gemessen wird morgens, im Stehen, ohne einzuziehen, auf halber Strecke zwischen der untersten Rippe und dem Beckenkamm. Diese Zahl bewegt sich langsamer, dafür sagt sie etwas über das Fett, das im Bauchraum sitzt, und genau dieses Fett ist das, worauf es gesundheitlich ankommt.
Nimm die Waage höchstens einmal in der Woche und schau auf den Verlauf über vier Wochen. Ein zweites Maß verrät oft mehr als beide zusammen: ob die Hose wieder passt. Und ein drittes, das viel zu selten genannt wird: wie viele Treppenstufen du schaffst, bevor du außer Atem kommst.
Die vier Zahlen, die zählen
- Bauchumfang, einmal im Monat, morgens.
- Gewicht, einmal in der Woche, immer am selben Wochentag.
- Kraft, etwa die Zahl der Wiederholungen bei einer Übung, die du regelmäßig machst.
- Der Sitz der Hose, den brauchst du nicht aufzuschreiben.
Für dich: Kind und Jugend
Bei Kindern zählt keine Zahl aus dem Erwachsenenrechner, sondern die Perzentilenkurve aus dem gelben Heft. Diese Kurve führt die Kinderarztpraxis, und dort gehört sie auch besprochen.
Für dich: 20 bis 40 Jahre
Miss zusätzlich deine Kraft, etwa die Zahl der Wiederholungen bei einer festen Übung. Sie zeigt Fortschritt genau dann, wenn die Waage wochenlang stillsteht.
Für dich: 40 bis 60 Jahre
Der Bauchumfang ist ab jetzt die wichtigste Zahl, weil sich das Fett in diesen Jahren nach innen verlagert, oft ohne dass das Gewicht überhaupt steigt.
Für dich: 60 Jahre und mehr
Miss dazu, wie lange du frei auf einem Bein stehen kannst und wie oft du in dreißig Sekunden ohne Hände von einem Stuhl aufstehst. Diese Zahlen sagen im Alter mehr als jedes Kilo.
Die Energiebilanz, ehrlich erzählt
Abnehmen braucht ein Energiedefizit, daran führt kein Weg vorbei. Was dabei gern verschwiegen wird: Der Hunger, der aus dem Defizit entsteht, ist Biologie und lässt sich nicht wegwollen. Deshalb ist die Frage nicht, wie groß das Defizit sein kann, sondern wie groß es sein darf, ohne dass du es in der dritten Woche abbrichst.
Interessant ist, was die Forschung zum Grundumsatz gefunden hat. Eine große Auswertung von Herman Pontzer und Kollegen, veröffentlicht in Science, hat den Energieverbrauch über das ganze Leben vermessen. Das Ergebnis widerspricht der verbreiteten Erzählung: Auf die fettfreie Masse bezogen bleibt der Verbrauch zwischen etwa 20 und 60 Jahren erstaunlich stabil. Erst danach sinkt er spürbar, ungefähr sieben Prozent je Jahrzehnt.
Die Zunahme in der Lebensmitte kommt also seltener vom Stoffwechsel als von weniger Bewegung, weniger Schlaf, mehr Sitzen und mehr Gelegenheiten. Das klingt zunächst unangenehm und ist trotzdem die bessere Nachricht. Ein Stoffwechsel, der langsamer geworden ist, lässt sich schwer anfassen. Ein Alltag, der sich verändert hat, sehr wohl.
Für dich: Kind und Jugend
Im Wachstum ist der Verbrauch je Kilogramm am höchsten. Genau deshalb wirkt Gewicht halten bei Kindern so gut: Die Länge erledigt den Rest.
Für dich: 20 bis 40 Jahre
Dein Stoffwechsel ist nicht dein Problem. Die Gelegenheiten sind es: Lieferdienst, Feierabend, kurze Nächte und ein Schreibtisch, an dem du acht Stunden sitzt.
Für dich: 40 bis 60 Jahre
Der oft beschuldigte langsame Stoffwechsel ist in diesen Jahren meist Muskelverlust mit einem anderen Namen. Das ist eine gute Nachricht, denn Muskel lässt sich zurückholen.
Für dich: 60 Jahre und mehr
Ab etwa 60 sinkt der Verbrauch tatsächlich, ungefähr sieben Prozent je Jahrzehnt. Das ist der Moment für mehr Eiweiß und mehr Bewegung, nicht für weniger Essen.
Eiweiß, Schlaf, Stress: die drei Hebel, die überall wirken
Drei Dinge wirken in jedem Alter und in jeder Lebenslage. Eiweiß sättigt von allen Nährstoffen am stärksten und schützt die Muskeln, wenn das Gewicht sinkt. Eine gute Portion zu jeder Mahlzeit ist die eine Regel, die fast alles andere überflüssig macht. Als grobe Richtschnur für Erwachsene: eine Handfläche Fleisch, Fisch, Quark, Hülsenfrüchte, Eier oder Tofu je Mahlzeit.
Schlaf ist der unterschätzteste Hebel überhaupt. Unter sechs Stunden verschieben sich Ghrelin und Leptin am nächsten Tag Richtung Hunger. Du isst mehr, ohne es zu bemerken, und du greifst zuverlässig zu dem, was schnell Energie liefert. Wer nur eine einzige Sache ändern möchte, fängt hier an, weil der Schlaf die anderen beiden mitzieht.
Der dritte Hebel ist Dauerstress. Über Cortisol sorgt er dafür, dass Fett bevorzugt im Bauchraum eingelagert wird, und er macht aus Appetit ein Verlangen. Dagegen hilft nicht das Wort Entspannung, sondern etwas Konkretes: zehn Minuten draußen nach dem Essen, ein fester Feierabend, ein Abend in der Woche ohne Termin.
Gut zu wissen
Wenn du dauerhaft schlecht schläfst, laut schnarchst und morgens wie gerädert aufwachst, lass einmal an eine Schlafapnoe denken. Sie ist bei Übergewicht häufig, sie hält das Gewicht oben, und sie ist gut behandelbar. Das ist einer der wenigen Fälle, in denen der Weg zum Arzt schneller wirkt als jede Umstellung am Teller.
Für dich: Kind und Jugend
Bei Kindern ist der Schlaf der unterschätzte Hebel. Zu wenig davon zeigt sich am nächsten Tag als Hunger und als Laune, und beides wird selten mit dem Schlaf in Verbindung gebracht.
Für dich: 20 bis 40 Jahre
Zu jeder Mahlzeit eine Handvoll Eiweiß ist in diesen Jahren die eine Regel, die fast alles andere ersetzt. Sie funktioniert auch in Wochen, in denen sonst nichts funktioniert.
Für dich: 40 bis 60 Jahre
Hier greifen alle drei Hebel gleichzeitig an: kurze Nächte, Dauerlast von zwei Seiten und zu wenig Eiweiß am Morgen. Fang mit dem Morgen an, er ist der einfachste.
Für dich: 60 Jahre und mehr
Im Alter zählt vor allem die Verteilung. Eine gute Portion Eiweiß zu jeder Mahlzeit wirkt deutlich besser als dieselbe Menge komplett am Abend.
Nicht abnehmen, sondern hineinwachsen
Bei Kindern und Jugendlichen ist Abnehmen selten das Ziel. Solange dein Kind noch wächst, reicht es in den allermeisten Fällen, das Gewicht zu halten, während die Körperlänge zunimmt. Aus einem Kind mit zu vielen Kilos wird so über ein bis zwei Jahre ein Kind mit passendem Gewicht, ganz ohne Verzicht, ohne Zählen und ohne dass es sich je als Diät angefühlt hätte.
Das ist keine Verharmlosung, sondern der Weg, den die Fachgesellschaften empfehlen. Er hat zwei große Vorteile. Erstens geht dabei nichts von dem verloren, was ein wachsender Körper dringend braucht: Eiweiß für die Muskeln, Kalzium für die Knochen, Eisen für das Blut. Zweitens entsteht kein Druck, und Druck ist bei Kindern der zuverlässigste Weg in heimliches Essen.
Wie lange dieser Weg dauert, hängt vom Wachstum ab. Bei einem Kind, das noch viel Länge vor sich hat, kann ein Jahr reichen. Bei Jugendlichen, die fast ausgewachsen sind, geht es eher um sehr langsame Veränderung. In beiden Fällen ist das Tempo egal, solange die Richtung stimmt.
Woran ihr merkt, dass es läuft
- Das Gewicht steht über Monate ungefähr still.
- Die Körperlänge nimmt zu, die Perzentilenkurve nähert sich an.
- Die Kondition wird besser, das Kind kommt seltener außer Atem.
- Niemand redet zuhause noch über Kilos.
Die Familie isst mit
Kein Kind kann sich anders ernähren als die Küche, in der es lebt. Deshalb ändert sich nichts am Kind, sondern etwas am Einkauf, an den Mahlzeiten und daran, was auf dem Tisch steht. Das ist die vielleicht wichtigste Aussage dieses ganzen Kapitels.
Getrennte Teller, ein Sonderessen oder eine Diät nur für ein Kind sind der sicherste Weg in Scham und in heimliches Essen. Ein Kind, das als Einziges etwas anderes bekommt, lernt vor allem eines: Mit mir stimmt etwas nicht. Die aktuelle Leitlinie der Adipositas Gesellschaft macht die Schulung der Eltern deshalb zu einem eigenen Baustein und nicht zu einem Anhängsel.
Was in der Praxis wirkt, ist unspektakulär. Gemeinsame Mahlzeiten am Tisch, ohne Bildschirm. Getränke mit Zucker verschwinden für alle. Gemüse steht als Erstes auf dem Tisch, wenn der Hunger am größten ist. Und es gibt keine Belohnung mit Essen und keine Strafe mit Essen, weil beides den Wert von Süßem nur erhöht.
Gut zu wissen
Der Satz iss deinen Teller leer wirkt gut gemeint und trainiert dem Kind ab, auf sein eigenes Sättigungsgefühl zu hören. Kinder können das von Geburt an ziemlich gut. Es geht meist nicht verloren, es wird ihnen abgewöhnt.
Bewegung, die bleibt
Sport, der als Strafe für Gewicht gedacht ist, hält nie lange. Was hält, ist Bewegung, die aus einem anderen Grund gut ist: Freunde, Musik, draußen sein, endlich etwas können. Wenn ein Kind zweimal in der Woche gern irgendwo hingeht, ist mehr gewonnen als mit jedem Trainingsplan.
Der Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad, das Trampolin im Garten, Schwimmen, Klettern, Tanzen, Kampfsport, Reiten. Wichtig ist vor allem, dass Übergewicht dort nicht sichtbar zum Nachteil wird. Schwimmen und Radfahren sind für viele Kinder angenehmer als Laufsport, weil das Gewicht nicht bei jedem Schritt getragen werden muss.
Zählt nicht die verbrannten Kalorien, sondern die Tage, an denen euer Kind außer Atem war. Und rechnet Bewegung nicht gegen Essen auf, das ist die Denkweise, aus der Essstörungen entstehen.
Was Worte anrichten
Sätze über den Körper bleiben Jahrzehnte. Bemerkungen zum Gewicht, auch gut gemeinte und auch von Menschen, die es wirklich gut meinen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit für heimliches Essen, für Diäten in der Jugend und für eine spätere Essstörung. Das ist einer der besser belegten Befunde in diesem ganzen Feld.
Sprich stattdessen über Kraft, Ausdauer, Schlaf und Laune. Über das, was der Körper kann, nicht über das, was er wiegt. Wenn dein Kind selbst anfängt, über sein Gewicht zu sprechen, dann hör zu, ohne sofort zu beruhigen und ohne sofort einen Plan zu machen. Die Frage was brauchst du gerade von mir bringt mehr als jeder Ratschlag.
Und achte darauf, wie du über deinen eigenen Körper redest. Kinder hören das mit und übernehmen es. Ein Elternteil, das täglich sagt, es müsse dringend abnehmen, erzieht ohne ein Wort über das Kind.
Gut zu wissen
Auch Lob für Gewichtsverlust ist heikel. Es macht das Gewicht zum Maßstab für Zuneigung. Besser ist Lob für das, was dahintersteht: dass ihr zusammen kocht, dass es zum Training gegangen ist, dass es dranbleibt.
Wann ärztliche Begleitung dazugehört
Liegt das Gewicht deutlich über der Perzentilenkurve, gehören ein paar Dinge einmal abgeklärt: Blutdruck, Blutzucker, Leberwerte, Blutfette, Schilddrüse und manchmal der Schlaf. Nicht, weil gleich etwas sein muss, sondern weil man es dann weiß und nicht raten muss.
Es gibt strukturierte Schulungsprogramme, die genau für Familien gemacht sind, mit Ernährung, Bewegung und Verhalten in einem. Die Leitlinie beschreibt sie als die Basis der Behandlung. In der Praxis gibt es dabei eine bekannte Lücke: Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten bisher nicht regelhaft. Fragt trotzdem nach, es gibt regionale Angebote und Einzelfallentscheidungen.
Seit kurzem wird auch über Medikamente gesprochen. Die aktualisierte Leitlinie sieht Inkretinmimetika ab dem jeweils zugelassenen Mindestalter als Ergänzung zur Lebensstilbehandlung vor, bei sehr ausgeprägter Adipositas auch als Empfehlung, aber ausdrücklich in spezialisierten Zentren, mit engmaschiger Kontrolle und vorher festgelegten Abbruchkriterien. Das ist nichts, was nebenbei begonnen wird.
Der erste Schritt
Der Weg beginnt immer in der Kinderarztpraxis, nicht im Internet und nicht in der Apotheke. Nehmt das gelbe Heft mit und fragt konkret nach einem Schulungsprogramm in eurer Nähe.
Warnzeichen ernst nehmen
Wenn Essen heimlich wird, wenn Mahlzeiten regelmäßig ausfallen, wenn nach dem Essen auffällig oft die Toilette gesucht wird, wenn Sport zwanghaft wird, wenn ganze Lebensmittelgruppen plötzlich verboten sind oder wenn das Gewicht schnell fällt, dann ist das kein Erfolg. Dann ist es ein Signal.
Essstörungen bei Jugendlichen mit Übergewicht sind häufig und werden regelmäßig übersehen, weil das Umfeld den Gewichtsverlust zunächst begrüßt. Genau das macht sie gefährlich: Die Krankheit bekommt monatelang Applaus, bevor jemand hinschaut.
In diesem Fall gilt eine klare Reihenfolge: erst Hilfe holen, alles andere danach. Erste Anlaufstellen sind die Kinderarztpraxis und die Beratungsstellen für Essstörungen. Der Bundesfachverband Essstörungen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vermitteln wohnortnahe Beratung, meist kostenlos und auf Wunsch anonym.
Gut zu wissen
Wenn dieses Kapitel etwas in dir auslöst, weil du gerade selbst daran denkst: Das ist ein schwieriges Thema und du musst damit nicht allein bleiben. Sag es einem Menschen, dem du vertraust, und geh damit in die Praxis deines Vertrauens. Es gibt Hilfe, und sie wirkt umso besser, je früher sie beginnt.
Der Körper, den du dir jetzt baust
Diese Jahre sind der günstigste Moment deines Lebens für Muskeln. Was du bis etwa 40 aufbaust, ist das Guthaben, von dem du in den Jahrzehnten danach zehrst. Danach wird jedes Kilo Muskel teurer erkauft, es geht immer noch, aber es dauert länger.
Das hat eine unangenehme Kehrseite. Wer in dieser Zeit nur über das Essen abnimmt und nichts hebt, verliert mit dem Fett auch Muskeln, je nach Tempo oft rund ein Viertel des verlorenen Gewichts. Auf der Waage sieht das nach Erfolg aus. Im Körper ist es ein Tausch, der sich später rächt, weil weniger Muskel auch weniger Verbrauch bedeutet und damit die nächste Runde schwerer macht.
Zwei Krafteinheiten pro Woche ändern diese Rechnung grundlegend. Es braucht kein Studio und keinen Plan über zwölf Wochen. Kniebeuge, Rudern, Drücken, etwas für den Rumpf, dazu genug Eiweiß. Zwanzig bis dreißig Minuten, zweimal die Woche, reichen für den größten Teil der Wirkung.
Was daraus für dich folgt
- Kraft zuerst planen, Essen danach anpassen.
- Etwa 1,6 Gramm Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht, wenn du gleichzeitig abnimmst und trainierst.
- Nicht schneller als etwa ein halbes Prozent deines Gewichts pro Woche.
Schnell abnehmen und was danach kommt
Sehr schnelle Erfolge sind möglich. Sie kosten aber überdurchschnittlich viel Muskel und bringen einen stärkeren Rückschlag mit, weil der Körper umso härter gegensteuert, je größer das Defizit war. Das Auf und Ab, das dabei entsteht, verschiebt die Zusammensetzung deines Körpers mit jeder Runde etwas ungünstiger, selbst wenn die Waage am Ende wieder dasselbe zeigt wie am Anfang.
Deshalb gehört von Anfang an die Phase mit in den Plan, in der du das Gewicht nur hältst. Sie ist kein Stillstand und keine Pause, sie ist die eigentliche Arbeit. Abnehmen kann fast jeder für acht Wochen. Halten ist die Fähigkeit, um die es geht.
Ein Rhythmus, der sich bewährt hat: acht bis zwölf Wochen mit moderatem Defizit, dann vier Wochen halten, in denen du normal isst und weiter trainierst. Danach entscheidest du neu. Meistens ist die zweite Runde leichter als die erste, weil dein Alltag inzwischen mitspielt.
Feierabend, Alkohol, Schichtdienst
Alkohol liefert Energie, die dein Körper zuerst verbrennt. Alles andere wartet solange, auch das Fett. Dazu kommt, dass er den Tiefschlaf verkürzt, obwohl man schneller einschläft, und am nächsten Tag den Appetit verschiebt. Ein Abend mit vier Bier kostet dich deshalb nicht nur die Kalorien des Abends, sondern auch einen guten Teil des nächsten Tages.
Das ist kein Aufruf zum Verzicht. Es ist eher der Hinweis, dass Alkohol ehrlicher eingeplant als heimlich abgezogen wird. Wer zweimal in der Woche trinkt, plant es ein. Wer fünfmal trinkt, hat einen Hebel, den er noch gar nicht angefasst hat.
Wenn du in Schichten arbeitest, ist nicht die Kalorienzahl dein größtes Thema, sondern der Zeitpunkt. Nachts verarbeitet dein Körper dieselbe Mahlzeit anders als am Tag, der Blutzucker steigt höher und bleibt länger oben. Ein fester Anker hilft dann mehr als jede App: immer dieselbe erste Mahlzeit nach dem Aufstehen, egal wann dieses Aufstehen stattfindet.
Zyklus, Pille, Testosteron
Bei Frauen schwankt das Gewicht im Zyklus um ein bis zwei Kilo, und zwar Wasser. Das ist normal und kein Rückschritt. In der zweiten Zyklushälfte steigen Appetit und Grundumsatz leicht an, ein Defizit fühlt sich dann härter an als zwei Wochen vorher. Wer das weiß, plant die anstrengenden Wochen nicht ausgerechnet dorthin.
Bleibt die Blutung aus, ist das ein Zeichen und kein Nebeneffekt. Ein dauerhaftes, hartes Defizit kann den Zyklus kippen, besonders in Kombination mit viel Sport. Dann ist weniger Defizit die Behandlung und nicht mehr Disziplin.
Bei Männern bleibt der Testosteronspiegel bei maßvollem Abnehmen mit Krafttraining stabil und steigt bei deutlichem Fettverlust oft sogar an. Sehr harte Defizite in Kombination mit viel Training drücken ihn dagegen. In beiden Fällen führt der ruhigere Weg zum besseren Ergebnis, das ist einer der wenigen Punkte, an denen sich Männer und Frauen gar nicht unterscheiden.
Gut zu wissen
Hormonelle Verhütung kann in den ersten Monaten Wasser einlagern und den Appetit verändern. Das ist meist vorübergehend. Wenn es bleibt und dich stört, ist das ein guter Grund für ein Gespräch über eine andere Zusammensetzung, nicht für ein selbständiges Absetzen.
Nach einer Schwangerschaft
Der Körper braucht nach einer Geburt Zeit, und zwar mehr, als es das Umfeld gern hätte. Die Gebärmutter bildet sich über Wochen zurück, das Gewebe braucht Monate, der Schlaf ist zerstückelt. Stillen erhöht den Energiebedarf zusätzlich spürbar.
Ein starkes Defizit geht in dieser Phase auf Kosten von Kraft, Nerven und Milchbildung. Sinnvoll ist stattdessen ein Blick auf die Versorgung: genug Eiweiß, Eisen, Jod nach ärztlicher Absprache, ausreichend trinken, und Schlaf überall dort, wo er zu bekommen ist, auch tagsüber.
Bewegung darf früh beginnen, aber in der richtigen Reihenfolge. Erst Beckenboden und Rumpf, dann alles andere. Rückbildung ist keine Formsache, sie entscheidet darüber, ob Joggen und Springen später beschwerdefrei möglich sind. Alles Weitere hat Zeit bis nach dem ersten Jahr, und das ist keine verlorene Zeit.
Gewohnheiten schlagen Vorsätze
In diesen Jahren ändert sich viel und selten planbar: Umzug, Jobwechsel, Kinder, Trennungen, Prüfungen. Pläne, die eine perfekte Woche brauchen, halten das nicht aus. Sie funktionieren genau so lange, bis das Leben dazwischenkommt, und dann fallen sie komplett aus.
Was hält, sind kleine Regeln, die auch an schlechten Tagen noch funktionieren. Eine Handvoll Eiweiß zu jeder Mahlzeit. Keine Getränke mit Zucker. Ein Spaziergang nach dem Essen. Drei Regeln, die du an neun von zehn Tagen schaffst, schlagen zehn Regeln, die du an drei von zehn Tagen schaffst, und zwar deutlich.
Und hänge neue Gewohnheiten an bestehende. Nach dem Zähneputzen, nach dem Kaffee, nach dem Feierabend. Eine Gewohnheit braucht keinen Willen, sie braucht einen festen Platz.
Ab jetzt gelten andere Regeln
Was mit 25 funktioniert hat, wirkt jetzt oft nicht mehr, und das liegt selten am Willen. Ab etwa 40 verlierst du ohne gezieltes Training jedes Jahr knapp ein Prozent deiner Muskelmasse. Über zehn Jahre summiert sich das zu einer Größenordnung, die man merkt. Und mit der Muskelmasse geht ein Teil des Verbrauchs.
Gleichzeitig sind das die Jahre mit dem meisten Sitzen, den meisten Terminen und den kürzesten Nächten. Beruf, Kinder und oft schon die eigenen Eltern liegen im selben Zeitfenster. Das ist keine Ausrede, sondern die Beschreibung der Lage, in der ein Plan funktionieren muss.
Der Hebel liegt deshalb nicht im strengeren Essen, sondern im Erhalten dessen, was noch da ist. Wer in dieser Lebensphase mit einer harten Diät startet und nichts hebt, beschleunigt genau den Prozess, der das Problem verursacht hat.
Wechseljahre: der Bauch, der neu ist
Mit sinkendem Östrogen wandert Fett von Hüfte und Oberschenkeln Richtung Bauch, und zwar häufig, ohne dass sich das Gewicht überhaupt stark ändert. Viele Frauen beschreiben genau das: Die Waage sagt dasselbe, die Hose sagt etwas anderes. Beide haben recht.
Dazu kommen unruhiger Schlaf und Hitzewellen in der Nacht. Beide verschieben am nächsten Tag den Appetit, und beide werden selten mit dem Gewicht in Verbindung gebracht. Wer in dieser Phase am Schlaf ansetzt, arbeitet oft wirksamer als jemand, der am Teller ansetzt.
Wichtig zu wissen: Der Umbau ist real, er macht dich aber nicht machtlos. Krafttraining, Eiweiß und Schlaf wirken in dieser Phase stärker als jede Kalorienregel. Der Muskel ist dabei doppelt wertvoll, weil er auch die Knochen belastet und damit schützt, und Knochendichte ist in diesen Jahren ein eigenes Thema.
Gut zu wissen
Eine Hormontherapie ist eine ärztliche Entscheidung mit Vor- und Nachteilen und kein Abnehmmittel. Sie kann Beschwerden deutlich lindern und dadurch indirekt helfen, weil besserer Schlaf fast immer besseres Essen bedeutet. Besprich sie ergebnisoffen, ohne sie von vornherein auszuschließen und ohne sie als Lösung fürs Gewicht zu betrachten.
Männer ab 40: Bauch, Leber, Blutdruck
Bei Männern sammelt sich Fett bevorzugt im Bauchraum und in der Leber, also dort, wo es am ungünstigsten sitzt. Dieses Fett ist stoffwechselaktiv, es beeinflusst Blutdruck, Blutzucker und Blutfette weit mehr als dasselbe Gewicht an Hüfte oder Oberschenkel.
Die gute Seite daran: genau dieses Fett reagiert schnell. Bei vielen Männern bewegen sich Leberwerte und Blutdruck schon in den ersten Wochen, lange bevor die Waage etwas Beeindruckendes zeigt. Deshalb ist der Bauchumfang hier der richtige Messwert und nicht das Gewicht.
Lass Blutdruck, Nüchternblutzucker, Leberwerte und Blutfette einmal bestimmen, bevor du anfängst, und ein halbes Jahr später erneut. Diese Zahlen zeigen den Fortschritt ehrlicher als jede Zahl von zuhause, und sie sind das beste Gegenmittel gegen den Moment, in dem die Motivation nachlässt.
Der Bauchumfang als Richtschnur
Als grobe Orientierung gilt für Männer ein Bauchumfang unter 94 Zentimetern als unauffällig, ab 102 Zentimetern als deutlich erhöht. Für Frauen liegen die Werte bei 80 und 88 Zentimetern. Es sind Richtwerte und keine Diagnose, aber sie geben der Messung einen Sinn.
Schlaf, Cortisol und die zweite Schicht
In der Lebensmitte kommen Beruf, Kinder und oft schon die Pflege der eigenen Eltern zusammen. Der Schlaf ist regelmäßig das Erste, was gestrichen wird, weil er der Einzige ist, der sich nicht beschwert. Und genau er hält Appetit und Blutzucker im Rahmen.
Was nach kurzen Nächten passiert, ist gut untersucht: Der Griff geht zuverlässiger zu schnellen Kohlenhydraten, die Sättigung setzt später ein, und die Bereitschaft, sich zu bewegen, sinkt. Dazu kommt Cortisol aus der Dauerlast, das Fett bevorzugt in den Bauchraum lenkt.
Wenn du an dieser Stelle nur eine Sache änderst, dann eine feste Schlafenszeit an fünf von sieben Tagen. Nicht früher aufstehen, sondern früher aufhören. Das wirkt auf das Gewicht messbarer als jedes Weglassen am Abend und ist die einzige Maßnahme dieser Seite, die sich gleichzeitig gut anfühlt.
Schilddrüse, Medikamente, Blutwerte
Steigt das Gewicht ohne erkennbaren Grund, wird die Haut trockener, frierst du schneller und lässt die Kraft nach, dann lohnt der Blick auf die Schilddrüse. Eine Unterfunktion ist in dieser Lebensphase häufig, besonders bei Frauen, und sie ist mit einem Blutwert zu klären.
Auch einige Medikamente wirken aufs Gewicht. Dazu gehören bestimmte Mittel gegen Depression, manche Betablocker, Cortison über längere Zeit, einige Mittel gegen Epilepsie und ein Teil der älteren Diabetesmedikamente. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein Grund zum Gespräch.
Setze nie selbst etwas ab und reduziere nichts eigenmächtig. Sprich es an. In vielen Fällen gibt es innerhalb derselben Wirkgruppe eine Alternative, die beim Gewicht neutraler ist, und der Wechsel ist unspektakulär. Wer schweigt, kämpft dagegen jahrelang gegen etwas an, das gar nicht am Teller liegt.
Krafttraining ist keine Kür mehr
Ab der Lebensmitte ist Krafttraining kein Zusatz für Sportliche, sondern der Kern des Plans. Es ist der einzige Hebel, der dafür sorgt, dass das verlorene Gewicht überwiegend aus Fett besteht und nicht zur Hälfte aus Muskel.
Zwei Einheiten pro Woche mit wenigen großen Übungen reichen, um den jährlichen Verlust zu stoppen und in vielen Fällen umzukehren. Beine, Rücken, Brust, Rumpf. Wer noch nie trainiert hat, fängt mit dem eigenen Körpergewicht an und braucht dafür keine Ausrüstung. Wichtig ist nicht die Härte, sondern dass es stattfindet.
Es geht dabei nicht ums Aussehen. Es geht um Blutzucker, weil Muskel der größte Zuckerspeicher des Körpers ist. Es geht um Blutdruck. Es geht um die Knochen, die nur wachsen, wenn sie belastet werden. Und es geht um die Jahrzehnte danach, in denen sich entscheidet, ob du selbständig bleibst.
Ein Einstieg, der überall funktioniert
- Aufstehen vom Stuhl, zehn bis fünfzehn Wiederholungen.
- Liegestütz an der Wand oder auf den Knien.
- Rudern mit einem Band oder zwei Wasserflaschen.
- Unterarmstütz, zwanzig bis vierzig Sekunden.
- Zwei Durchgänge, zweimal die Woche. Zwanzig Minuten.
Die erste Frage: soll ich überhaupt abnehmen?
Diese Frage steht bewusst am Anfang, weil sie im höheren Alter zu selten gestellt wird. Ein leicht erhöhtes Gewicht ist ab etwa 65 kein eindeutiger Nachteil mehr. In mehreren großen Auswertungen war ein Körpergewicht im leicht übergewichtigen Bereich mit einer eher besseren Prognose verbunden als ein Gewicht am unteren Rand des Normalbereichs.
Ungünstig ist etwas anderes: die Kombination aus viel Bauchfett und wenig Muskeln. Diese Kombination erhöht das Risiko für Stürze, für Diabetes und für Verlust der Selbständigkeit, und sie ist auf der Waage unsichtbar, weil beides sich gegenseitig ausgleicht.
Deshalb heißt das Ziel in dieser Lebensphase selten weniger Kilo, sondern mehr Kraft und weniger Bauch. Wenn es doch ums Abnehmen geht, etwa vor einem geplanten Gelenkersatz oder bei schwerer Belastung der Knie, dann langsam, mit viel Eiweiß und immer zusammen mit Training.
Gut zu wissen
Diese Frage gehört einmal in Ruhe ärztlich besprochen, bevor du etwas änderst. Nimm zu diesem Termin deine Medikamentenliste mit. Beides zusammen, Gewichtsfrage und Medikamente, ergibt in einem Gespräch mehr Sinn als in zweien.
Wenn Fett und Schwäche zusammenkommen
Sarkopene Adipositas ist ein sperriges Wort für einen einfachen Zustand: viel Fett und zu wenig Muskel gleichzeitig. Sie fällt lange nicht auf, weil das Gewicht ganz normal wirkt und die Kleidergröße sich kaum ändert. Sichtbar wird sie zuerst im Alltag, beim Aufstehen vom Stuhl, beim Treppensteigen, beim Tragen der Einkäufe.
Es gibt einen einfachen Test für zuhause. Setz dich auf einen normalen Stuhl und zähle, wie oft du in dreißig Sekunden aufstehst und dich wieder setzt, ohne die Hände zu benutzen. Notier dir die Zahl und wiederhole den Test alle drei Monate. Diese Zahl ist wichtiger als jede Zahl auf der Waage, und im Gegensatz zum Gewicht kannst du sie in wenigen Wochen verbessern.
Der zweite Test ist noch einfacher: Wie lange stehst du ohne Festhalten auf einem Bein. Beide Zahlen sagen etwas über dein Sturzrisiko, und Stürze sind das, worum es im Alter eigentlich geht.
Eiweiß im Alter
Im Alter reagiert der Muskel träger auf Eiweiß. Dieselbe Portion löst weniger Aufbau aus als bei einem jungen Menschen, es braucht also mehr davon für denselben Reiz. Das ist der Grund, warum die Empfehlungen für ältere Menschen höher liegen als die allgemeinen.
Fachgesellschaften nennen für ältere Menschen etwa ein bis eins Komma zwei Gramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag, bei Krankheit oder in der Erholung nach einer Operation auch mehr. Zum Vergleich: Für jüngere Erwachsene gilt ein Richtwert von 0,8 Gramm. Bei 70 Kilogramm sind das also ungefähr 70 bis 85 Gramm täglich.
Mindestens ebenso wichtig wie die Menge ist die Verteilung. Eine gute Portion zu jeder Mahlzeit wirkt deutlich besser als dieselbe Menge komplett am Abend. Gute Quellen sind Quark, Joghurt, Käse, Eier, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte und Nüsse, dazu bei kleinem Appetit auch Milch statt Wasser im Kaffee.
Gut zu wissen
Bei eingeschränkter Nierenfunktion gehört die Eiweißmenge ärztlich abgestimmt, dort kann weniger richtig sein. Das ist der einzige Punkt in diesem Kapitel, bei dem du nicht nach Gefühl vorgehen solltest.
Medikamente und Gewicht
Mit den Jahren wächst die Liste der Tabletten, und einige davon wirken aufs Gewicht, in beide Richtungen. Manche steigern den Appetit, andere nehmen ihn. Wieder andere verändern den Geschmack, machen den Mund trocken oder verursachen Übelkeit, und dann isst man einseitiger, ohne es zu bemerken.
Nimm einmal im Jahr die gesamte Liste mit in die Praxis, einschließlich der Dinge, die du ohne Rezept nimmst, und lass sie durchsehen. Diese eine Stunde bringt beim Gewicht oft mehr als jede Ernährungsumstellung, und sie bringt regelmäßig auch etwas anderes zutage: Präparate, die vor Jahren angesetzt wurden und heute niemand mehr braucht.
Der wichtigste Satz dazu: Setze nichts selbst ab. Manche Mittel dürfen nicht abrupt beendet werden, und beim Gewicht ist Geduld ohnehin die bessere Strategie.
Wenn das Gewicht von allein fällt
Ungewollter Gewichtsverlust ist im Alter kein Erfolg, sondern ein Warnzeichen. Mehr als fünf Prozent des Körpergewichts in sechs Monaten gehören abgeklärt, auch und gerade dann, wenn es sich zunächst gut anfühlt und das Umfeld gratuliert.
Die Ursachen sind oft banal und gut behebbar: Zahnprobleme oder eine schlecht sitzende Prothese, Schluckbeschwerden, verändertes Geschmacksempfinden, Nebenwirkungen von Medikamenten, Einsamkeit nach einem Verlust, eine Depression. Seltener steckt eine ernstere Erkrankung dahinter, und auch die findet man umso besser, je früher man hinschaut.
Hier gilt das Gegenteil des restlichen Kapitels: erst wieder zunehmen, dann alles andere. Und weil ungewollter Verlust vor allem Muskel kostet, geht es dabei nicht um irgendwelche Kalorien, sondern um Eiweiß und um Bewegung, damit das, was ankommt, auch dort landet, wo es gebraucht wird.
Gut zu wissen
Ein einfacher Anhaltspunkt: Wenn Ringe, Uhr oder Gürtel merklich lockerer sitzen, ohne dass du etwas geändert hast, ist das einen Termin wert. Nicht aus Sorge, sondern weil sich die häufigsten Ursachen sehr gut beheben lassen.
Kraft, Gleichgewicht, Sturzschutz
Was im Alter zählt, ist nicht die Zahl auf der Waage, sondern ob du sicher stehst, allein aufstehst und die Treppe ohne Angst nimmst. Ein Sturz mit Bruch verändert ein Leben stärker als zehn Kilo in die eine oder andere Richtung.
Zwei kurze Krafteinheiten pro Woche und täglich ein paar Minuten Gleichgewicht bringen mehr Lebensqualität als jedes Kilo weniger. Gleichgewicht lässt sich nebenbei üben: auf einem Bein stehen, während der Wasserkocher läuft, mit einem Fuß direkt vor den anderen gehen, langsam auf die Zehenspitzen und wieder herunter. Halt dich am Anfang an der Arbeitsplatte fest.
Alles, was du an Muskeln behältst, ist gleichzeitig Zuckerspeicher, Wärmequelle und Sturzschutz. Und es ist nie zu spät damit anzufangen. Auch mit achtzig oder neunzig reagiert der Muskel noch auf Training, das ist inzwischen sehr gut belegt.
Wo du Begleitung bekommst
Reha-Sport und Funktionstraining werden ärztlich verordnet und von den Krankenkassen bezahlt. Es gibt Gruppen speziell für ältere Menschen, oft wohnortnah über Sportvereine. In der Gruppe zu trainieren erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es beim Vorsatz nicht bleibt, ganz erheblich.
Der erste Monat, ganz konkret
Vier Wochen, vier Änderungen, kein Ernährungsplan. Der Sinn dahinter ist nicht Bequemlichkeit, sondern Haltbarkeit. Wer alles auf einmal umstellt, hat nach zehn Tagen nichts mehr, worauf er zurückgreifen kann. Wer eine Sache pro Woche ändert, hat nach vier Wochen vier Gewohnheiten, die von allein weiterlaufen.
Woche eins: Getränke mit Zucker verschwinden, Saft eingeschlossen. Das ist die Änderung mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung, weil flüssige Kalorien nicht sättigen. Woche zwei: zu jeder Mahlzeit eine Handvoll Eiweiß. Woche drei: ein Spaziergang von zehn bis fünfzehn Minuten nach der größten Mahlzeit des Tages. Woche vier: zweimal Krafttraining, mit wenigen großen Übungen, gern im eigenen Wohnzimmer.
Erst nach diesen vier Wochen schaust du auf den Bauchumfang. Vorher nicht. Und wenn eine Woche schiefgeht, wird sie nicht nachgeholt, sondern einfach wiederholt.
Der Plan auf einen Zettel
- Woche 1: keine Getränke mit Zucker.
- Woche 2: Eiweiß zu jeder Mahlzeit.
- Woche 3: nach der größten Mahlzeit zehn Minuten gehen.
- Woche 4: zweimal Kraft, zwanzig Minuten reichen.
Für dich: Kind und Jugend
In der Familie startet ihr gemeinsam und ohne Ankündigung gegenüber dem Kind. Es ändert sich der Einkauf, nicht das Kind. Woche vier heißt hier: gemeinsam raus, nicht Krafttraining.
Für dich: 20 bis 40 Jahre
Leg die zwei Krafteinheiten in den Kalender wie einen Termin, den man nicht absagt. Alles, was nur wenn Zeit ist stattfindet, findet nicht statt.
Für dich: 40 bis 60 Jahre
Starte in dieser Lebensphase mit Woche vier. Kraft zuerst, das Essen kommt hinterher. Das ist die einzige Reihenfolge, die den Muskelverlust ausbremst.
Für dich: 60 Jahre und mehr
Nimm den Eiweiß-Schritt zuerst und plane die Krafteinheiten mit Begleitung oder in der Gruppe. Reha-Sport wird ärztlich verordnet und kostet dich in der Regel nichts.
Küche und Einkauf
Die meisten Entscheidungen über dein Essen fallen im Laden und nicht am Tisch. Was nicht in der Wohnung ist, musst du abends nicht bekämpfen. Das klingt banal und ist der wirksamste Trick überhaupt, weil er nicht von Willenskraft abhängt, sondern von einer einzigen Entscheidung pro Woche.
Kauf nach einer Mahlzeit ein und nicht hungrig, und schreib den Zettel vorher. Stell das, was du mehr essen willst, auf Augenhöhe nach vorn in den Kühlschrank, geschnitten und griffbereit. Was du weniger essen willst, kommt nach hinten oder gar nicht erst mit. Und koch einmal in der Woche die doppelte Menge, denn der Dienstagabend entscheidet mehr über dein Gewicht als der Sonntag.
Ein voller Vorrat an Grundlagen macht das Ganze leicht: Haferflocken, Hülsenfrüchte, Eier, Quark oder eine pflanzliche Alternative, Tiefkühlgemüse, Nüsse, gutes Öl, Gewürze. Damit steht in zwölf Minuten eine Mahlzeit, die satt macht.
Für dich: Kind und Jugend
Nehmt die Kinder mit einkaufen und lasst sie ein Gemüse aussuchen, das sie noch nie probiert haben. Wer mitentscheidet, isst mit.
Für dich: 20 bis 40 Jahre
Koch einmal in der Woche die doppelte Menge und frier die Hälfte ein. Der Dienstagabend entscheidet mehr als jeder gute Vorsatz am Sonntag.
Für dich: 40 bis 60 Jahre
Achte auf das Eiweiß am Morgen, das ist in dieser Lebensphase die häufigste Lücke. Ein Frühstück aus Brot und Marmelade trägt bis halb elf.
Für dich: 60 Jahre und mehr
Kleine Portionen, öfter, und immer etwas Eiweiß dabei. Beim Einkauf zählt auch, was sich leicht öffnen und gut kauen lässt. Wer schlecht kaut, isst einseitig.
Pflanzen und Gewürze, die begleiten
Kein Kraut nimmt dir Gewicht ab, das kann keines. Wer etwas anderes verspricht, verkauft dir etwas. Einige Pflanzen machen den Weg aber spürbar leichter, und genau so sind sie gemeint: als Begleitung, nicht als Mittel.
Bitterstoffe wie Löwenzahn, Wermut und Enzian dämpfen die Lust auf Süßes, wenn du sie vor dem Essen nimmst. Ingwer und Ceylon-Zimt passen zu Sättigung und Blutzucker und machen aus fadem Essen etwas, auf das man sich freut. Brennnessel und Birkenblatt begleiten den Wasserhaushalt. Pfefferminze, Fenchel, Anis und Kümmel beruhigen den Bauch, wenn die Umstellung anfangs drückt. Und Gewürze ganz allgemein sind der leiseste Hebel überhaupt, weil gut gewürztes Essen früher zufrieden macht.
Im Botanical Archiv findest du zu jeder dieser Pflanzen das Porträt mit Anwendung, Menge und Vorsicht.
Gut zu wissen
Wer Medikamente nimmt, prüft Wechselwirkungen, bevor er täglich Tee trinkt. Das gilt besonders für Blutverdünner, Blutdruck- und Blutzuckermittel sowie Schilddrüsenhormone. Bei Gallensteinen gehören Bitterstoffe vorher besprochen. Und Entwässerungstees sind keine Dauerlösung, sie nehmen Wasser und nicht Fett.
Für dich: Kind und Jugend
Bei Kindern nur milde Begleiter wie Fenchel, Anis, Kümmel und Pfefferminze. Keine Bitterstoffkuren, keine Entwässerungstees, keine Abnehmpräparate.
Für dich: 20 bis 40 Jahre
Bitterstoffe vor dem Essen sind der einfachste Einstieg, wenn dich abends regelmäßig die Lust auf Süßes erwischt.
Für dich: 40 bis 60 Jahre
Salbei und Frauenmantel begleiten die Wechseljahre, Mariendistel die Leber, Ceylon-Zimt den Blutzucker. Alles mit Maß und nicht alles gleichzeitig.
Für dich: 60 Jahre und mehr
Achte hier besonders auf Wechselwirkungen. Mit steigender Zahl der Medikamente steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein täglicher Tee etwas verschiebt.
Wenn es stockt: Plateau, Rückfall, Wiederanfang
Jeder Weg hat eine Stelle, an der sich wochenlang nichts bewegt. Meistens ist das kein Plateau des Stoffwechsels, sondern etwas Handfestes: Wasser, der Zyklus, eine stressige Phase, eine Erkältung oder unbemerkt mehr auf dem Teller. Portionen wachsen leise, das ist völlig normal und passiert allen.
Ändere in so einer Phase nicht alles auf einmal, sondern eine Sache, und gib ihr vierzehn Tage. Wenn du drei Dinge gleichzeitig änderst, weißt du hinterher nicht, welches gewirkt hat. Am häufigsten liegt es an einem von drei Punkten: zu wenig Schlaf, zu wenig Eiweiß am Morgen, zu wenig Bewegung an den Tagen dazwischen.
Und wenn du ganz aus dem Tritt kommst, gilt der wichtigste Satz dieser Seite: Der Rückfall ist kein Ende, er ist der Teil, den niemand fotografiert. Wer nach zwei schlechten Wochen wieder anfängt, hat nichts verloren außer zwei Wochen. Wer aufhört, weil zwei Wochen schlecht liefen, verliert alles davor.
Für dich: Kind und Jugend
Bei Kindern ist der Stillstand oft genau der Erfolg: Das Gewicht steht, die Länge wächst. Das ist der Moment zum Weitermachen und nicht zum Nachschärfen.
Für dich: 20 bis 40 Jahre
Prüfe zuerst den Schlaf der letzten zwei Wochen, dann erst den Teller. In dieser Lebensphase steckt die Ursache öfter in der Nacht als am Tag.
Für dich: 40 bis 60 Jahre
Miss in dieser Phase den Bauchumfang. Er bewegt sich häufig weiter, während die Waage schon wochenlang stillsteht.
Für dich: 60 Jahre und mehr
Wenn Kraft und Standfestigkeit zunehmen, ist der Stillstand auf der Waage kein Problem, sondern genau das Ziel. Muskel wiegt, und das ist gut so.
Wenn du tiefer einsteigen willst: Übergewicht und Gewichtsmanagement natürlich angehen geht die Sache von der medizinischen Seite an, Fasten beschreibt die tiefere Stufe des Verzichts, und Gut durch den Tag zeigt den Tagesrhythmus, der vieles davon leichter macht.


