Apfel (Malus domestica)

Botanischer Name
Malus domesticaRosengewächse (Rosaceae)
Verwendet wird
Die Frucht - mit Schaledort sitzt der Großteil der Polyphenole
Geschmack
Süß bis säuerlichje nach Sorte von Boskoop bis Gala
Herkunft
Tian-Shan-GebirgeKasachstan, Wildform Malus sieversii
Besonders
Pektin und QuercetinBallaststoff und Flavonoid zugleich
Sorten
Über 7.500 weltweitin Deutschland rund 1.500 bekannte

HerkunftAus den Wäldern Kasachstans

Rote Äpfel auf einem Holztisch

Almaty, die frühere Hauptstadt Kasachstans, heißt übersetzt ungefähr „Vater der Äpfel“ - und das zu Recht.

Alle Kulturäpfel stammen im Wesentlichen vom Asiatischen Wildapfel Malus sieversii ab, der bis heute in den Wäldern des Tian-Shan-Gebirges wächst. Über die Seidenstraße gelangten Äpfel nach Westen, kreuzten sich unterwegs mit anderen Wildäpfeln - auch mit dem europäischen Holzapfel - und wurden von Griechen und Römern veredelt. Die Römer kannten bereits Dutzende Sorten und brachten die Kunst des Pfropfens nach Mitteleuropa.

Heute ist der Apfel das wichtigste Obst Deutschlands: Rund zwanzig Kilo isst jeder Mensch hierzulande im Jahr, das Alte Land bei Hamburg und der Bodensee sind die großen Anbaugebiete. Weil Apfelkerne nicht sortenecht keimen, wird jede Sorte seit Jahrhunderten durch Veredelung weitergegeben - jeder Boskoop-Baum ist genetisch ein Stück des ersten Boskoop-Baums aus den Niederlanden um 1850. Streuobstwiesen halten viele dieser alten Sorten am Leben, die im Supermarkt längst verschwunden sind.

NutzenWas der Apfel für dich tut

Der Apfel ist kein Superfood, sondern ein Alltagsfood - und genau das ist seine Stärke. Er liefert lösliche Ballaststoffe (vor allem Pektin), Polyphenole wie Quercetin, Catechine und Procyanidine, dazu Kalium und etwas Vitamin C. In einer kontrollierten Studie aus dem Jahr 2020 senkten zwei Äpfel am Tag über acht Wochen das LDL-Cholesterin gesunder Erwachsener messbar gegenüber einem zuckergleichen Apfelgetränk. Große Beobachtungsstudien verbinden regelmäßigen Apfelverzehr mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Das Pektin macht den Apfel zu einem echten Hausmittel: Geriebener, leicht gebräunter Apfel bindet Wasser im Darm und wird seit Generationen bei Durchfall gegeben - besonders bei Kindern. Gleichzeitig füttert Pektin die Darmbakterien, die daraus kurzkettige Fettsäuren bilden. Der Apfel wirkt also je nach Form stopfend (gerieben, geschält) oder verdauungsfördernd (roh, mit Schale, viel Wasser dazu).

Und der Spruch „An apple a day keeps the doctor away“? Eine Studie im Fachblatt JAMA Internal Medicine hat das 2015 tatsächlich geprüft: Apfelesser gingen nicht seltener zum Arzt, brauchten aber etwas weniger verschreibungspflichtige Medikamente. Ehrlich gesagt: Der Apfel ersetzt keinen Arzt - aber er ist das einfachste Obst, das man jeden Tag essen kann.

7.500+Apfelsorten weltweit
ca. 50 %der Polyphenole sitzen in und direkt unter der Schale
2 Äpfelam Tag senkten in einer Studie das LDL-Cholesterin
20 kgÄpfel isst jeder Mensch in Deutschland pro Jahr

InhaltsstoffeDas steckt im Apfel

Ein mittelgroßer Apfel (etwa 180 g) liefert rund 4 g Ballaststoffe, davon ein guter Teil Pektin, außerdem Fruchtzucker, Glukose und Saccharose, Kalium und - je nach Sorte und Lagerdauer - 5 bis 20 mg Vitamin C. Die Schale enthält den Großteil der Polyphenole: Quercetin-Glykoside, Epicatechin, Procyanidine und Phloridzin, ein Stoff, der fast nur im Apfel vorkommt.

Alte Sorten wie Boskoop, Berlepsch oder Goldparmäne haben meist deutlich mehr Polyphenole als moderne Züchtungen - die wurden auf Süße und darauf gezüchtet, dass das Fruchtfleisch nicht braun wird, und das Braunwerden ist nichts anderes als die Oxidation der Polyphenole. Die Kerne enthalten Amygdalin, aus dem im Körper Blausäure entstehen kann; ein paar mitgegessene Kerne sind harmlos, eine Handvoll zerkauter Kerne nicht.

Verstärkte KombinationenWas den Apfel stärker macht

Der Apfel ist ein Brückenobst: Er passt zu Süßem, Herzhaftem und Deftigem - und seine Säure trägt Fett.

Gesundheit

mit Schale & Kerngehäuse-Rand

Mit Schale gegessen verdoppelt sich die Polyphenolmenge ungefähr. Bio-Äpfel oder gut gewaschen - dann die Schale dranlassen.

Verdauung

mit Haferflocken & Nüssen

Pektin und Hafer-Beta-Glucan ergänzen sich; die Nüsse bringen Fett und machen lange satt - das klassische Birchermüesli.

Geschmack

mit Zimt

Zimt und Apfel sind das bekannteste Aromapaar Europas - Apfelkuchen, Bratapfel, Apfelmus.

Technik

mit Zitrone

Ein paar Tropfen Zitronensaft stoppen das Braunwerden geschnittener Äpfel - die Säure bremst das Enzym.

Herzhaft

mit Zwiebel & Majoran

Äpfel mit Zwiebeln zu Leber, Blutwurst oder Schweinebraten - die Säure schneidet durch das Fett.

Käse

mit Hartkäse & Walnuss

Apfelspalten mit Bergkäse und Walnüssen: süß, salzig, bitter in einem Bissen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Verträglichkeit

nicht roh bei Birkenpollenallergie

Das Apfelallergen Mal d 1 ähnelt dem Birkenpollen-Allergen. Gegart ist es zerstört - Apfelmus und Bratapfel gehen oft problemlos.

Verdauung

nicht in Mengen bei Fruktoseintoleranz

Äpfel enthalten mehr Fruchtzucker als Traubenzucker und dazu Sorbit - bei Fruktosemalabsorption ein häufiger Auslöser.

Technik

nicht neben Bananen & Gemüse lagern

Äpfel geben Ethylen ab - Bananen, Kiwis und Gurken daneben reifen und welken schneller.

Zähne

nicht als Dauer-Snack knabbern

Die Fruchtsäure greift den Zahnschmelz an, wenn den ganzen Tag gegessen wird. Lieber als Portion, danach Wasser.

Gesundheit

nicht die Kerne zerkauen

Amygdalin in den Kernen kann Blausäure freisetzen - mitgeschluckte ganze Kerne sind harmlos, gemahlene in Mengen nicht.

Saft

nicht Saft statt Apfel

Klarer Apfelsaft hat den Zucker, aber kaum noch Ballaststoffe und Polyphenole. Naturtrüber ist besser, der ganze Apfel am besten.

In der KücheWo er hingehört

  • Bircher-MüesliGeriebener Apfel mit Schale, über Nacht eingeweichte Haferflocken, Joghurt, Nüsse - das Original aus der Schweiz.
  • ApfelmusUngeschält gekocht und durch die flotte Lotte gedreht - mehr Farbe, mehr Aroma, weniger Zucker nötig.
  • BratapfelBoskoop mit Nüssen, Rosinen und Zimt gefüllt, 30 Minuten im Ofen.
  • Himmel un ÄädRheinisch: Kartoffelpüree mit Apfelmus und gebratener Blutwurst.
  • Apfel-RotkohlRotkohl mit säuerlichen Äpfeln, Nelken und Lorbeer geschmort.
  • WaldorfsalatApfel, Sellerie, Walnüsse, leichtes Joghurtdressing.
  • ApfelkuchenVersunkener Apfelkuchen oder gedeckter mit Zimt - mit säuerlichen Sorten.
  • ApfelchipsDünne Scheiben mit Schale bei 90 °C im Ofen trocknen.
  • Apfel-Zwiebel-GemüseZu Leber, Schweinebraten oder Linsen.
  • Apfelessig-DressingApfelessig, Senf, Honig, Öl - der Alltagsklassiker.
Faustregel: Für Kuchen und Mus säuerliche Sorten (Boskoop, Elstar), für Rohkost knackige (Braeburn, Topaz). Kühl lagern hält Äpfel wochenlang frisch - aber getrennt von anderem Obst.

Als HausmittelGeriebener Apfel bei Durchfall

So geht’s

Geriebener Apfel

  1. Einen reifen, eher süßen Apfel waschen und schälen (die Schale ist hier zu faserig).
  2. Auf einer feinen Reibe reiben.
  3. 5 bis 10 Minuten an der Luft stehen lassen, bis der Brei leicht bräunlich wird.
  4. In kleinen Portionen über den Tag verteilt essen, dazu viel trinken.
Wofür

Leichter Durchfall bei Kindern und Erwachsenen. Das Pektin bindet Wasser im Darm und macht den Stuhl fester; die Bräunung zeigt, dass die Polyphenole oxidiert sind, die zusammen mit dem Pektin leicht stopfend wirken.

Menge

Ein bis drei Äpfel am Tag, als Schonkost zusammen mit Zwieback oder Reis. Durchfall mit Fieber, Blut im Stuhl oder länger als drei Tage (bei Säuglingen und älteren Menschen früher) gehört zum Arzt - dann zählt vor allem der Flüssigkeits- und Salzausgleich.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Apfel (Seba) gilt im Ayurveda als kühlend, süß und zusammenziehend - gut für Pitta, roh aber eher Vata-erhöhend, weil er trocken und leicht ist. Deshalb empfiehlt die Tradition den gedünsteten Apfel mit Zimt, Kardamom und Nelken am Morgen, um die Verdauung sanft in Gang zu bringen.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM ist der Apfel (Ping Guo) kühl, süß und leicht sauer. Er soll Körperflüssigkeiten bilden, Hitze kühlen, die Lunge befeuchten und die Mitte stärken - roh bei Trockenheit und Durst, gekocht bei schwacher Verdauung und Durchfall.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Allergie: rohe Äpfel lösen bei Birkenpollenallergie oft Kribbeln im Mund aus - gegart meist verträglich, alte Sorten oft besser.
  • Fruktose: bei Fruktosemalabsorption vorsichtig dosieren; auch Sorbit ist enthalten.
  • Kerne: nicht in größeren Mengen zerkaut oder gemahlen verzehren (Amygdalin).
  • Zähne: Fruchtsäure - nach dem Essen nicht sofort Zähne putzen, lieber Wasser trinken.
  • Rückstände: konventionelle Äpfel gehören zu den häufiger belasteten Obstsorten - gründlich waschen oder Bio kaufen, wenn die Schale mitgegessen wird.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Hyson DA. A comprehensive review of apples and apple components and their relationship to human health. Advances in Nutrition 2011; 2(5): 408–420.
  2. Boyer J, Liu RH. Apple phytochemicals and their health benefits. Nutrition Journal 2004; 3: 5.
  3. Koutsos A et al. Two apples a day lower serum cholesterol and improve cardiometabolic biomarkers in mildly hypercholesterolemic adults: a randomized, controlled, crossover trial. American Journal of Clinical Nutrition 2020; 111(2): 307–318.
  4. Davis MA et al. Association between apple consumption and physician visits. JAMA Internal Medicine 2015; 175(5): 777–783.
  5. USDA FoodData Central: Apples, raw, with skin.