Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae)

Familie
Echte Hefen (Saccharomycetaceae)Saccharomyces cerevisiae, ein einzelliger Pilz, dieselbe Art wie Back- und Nährhefe
Verwendet wird
inaktive Hefezellengetrocknet als Flocken, Pulver oder Tabletten, durch Hitze nicht mehr gärfähig
Geschmack
würzig, leicht bitterentbitterte Bierhefe schmeckt milder, Nährhefe eher nussig und käsig
Herkunft
Brauereifällt beim Bierbrauen an und wird gewaschen, entbittert und getrocknet
Status
Lebensmittel, früher Arzneidrogedie Kommission E führte medizinische Hefe (Faex medicinalis) mit positiver Bewertung
Wichtig
Gicht und MAO-Hemmersehr purinreich, bei MAO-Hemmern ist ein Blutdruckanstieg möglich

HerkunftHerkunft und Gewinnung

Hellbraune Bierhefeflocken in einer Holzschale mit Holzlöffel

Ein winziger Pilz, ohne den es weder Bier noch Brot gäbe, und der getrocknet zum Nahrungsmittel wird.

Saccharomyces cerevisiae ist ein einzelliger Hefepilz, den der Mensch seit Jahrtausenden zum Brauen und Backen nutzt. Beim Bierbrauen vermehrt sich die Hefe im Sud und setzt sich am Ende ab. Diese überschüssige Hefe wird gesammelt, gewaschen und meist entbittert, weil sie sonst die Bitterstoffe des Hopfens mitbringt. Anschließend wird sie durch Hitze inaktiviert und getrocknet.

Dabei werden oft drei Begriffe durcheinandergeworfen, obwohl alle dieselbe Hefeart meinen. Bierhefe ist das Nebenprodukt der Brauerei. Nährhefe wird gezielt für die Ernährung auf einer Zuckerlösung wie Melasse gezüchtet, danach inaktiviert und schmeckt nussig bis käsig, weshalb sie in der veganen Küche beliebt ist. Backhefe dagegen ist lebendig und gärfähig, sie soll Teig lockern und gehört nicht roh in den Löffel.

Die medizinische Hefe, lateinisch Faex medicinalis, war in Deutschland lange eine anerkannte Arzneidroge. Die Kommission E bewertete sie positiv, etwa bei Appetitlosigkeit und unterstützend bei chronischer Akne und Furunkulose. Davon zu unterscheiden ist der lebende Hefestamm Saccharomyces cerevisiae HANSEN CBS 5926 (oft als S. boulardii bezeichnet), der bei Durchfall eingesetzt wird. Für ihn hat das HMPC 2022 keine EU-Monographie verabschiedet, aus formalen Gründen, weil lebende Hefen nicht unter die Definition pflanzlicher Stoffe fallen.

Heute wird Bierhefe vor allem als Nahrungsergänzung verkauft, als Flocken, Pulver oder Tabletten. Ein großer Teil landet außerdem in Futtermitteln, auch in Ergänzungen für Hunde.

NutzenWas Bierhefe leisten kann

Bierhefe ist ein konzentriertes Nährstoffpaket. Etwa die Hälfte ihrer Trockenmasse ist Eiweiß, dazu kommen B-Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe aus der Zellwand. Traditionell ist sie vor allem als Mittel für schöne Haut, kräftige Haare und feste Nägel bekannt.

Für Haut und Haare gilt: Die Tradition ist lang, die Studienlage dünn. Die Idee dahinter ist plausibel, denn Biotin, Riboflavin und Niacin werden für den Erhalt normaler Haut gebraucht, und die EU hat dafür entsprechende Health Claims zugelassen. Ob Bierhefe bei gut versorgten Menschen sichtbar etwas verändert, ist aber nicht belegt. Die Kommission E nannte als Anwendungsgebiet die unterstützende Behandlung chronischer Akne und Furunkulose, bei einer mittleren Tagesdosis von 6 g.

Interessant ist Bierhefe als Chromquelle. Chrom trägt laut zugelassenem Health Claim zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen und zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei. In einer iranischen Studie mit 84 Menschen mit Typ-2-Diabetes senkten 1.800 mg Bierhefe täglich über 12 Wochen den Langzeitblutzucker HbA1c im Vergleich zu Placebo. Die Studie war klein und kurz, ein Ersatz für Medikamente ist Bierhefe nicht.

Auch Hunde bekommen Bierhefe, meist als Flocken über das Futter. Traditionell soll sie zu einem glänzenden Fell beitragen, viele Hunde mögen außerdem den würzigen Geschmack. Belastbare Studien dazu gibt es kaum, als eiweiß- und vitaminreiche Ergänzung ist sie aber verbreitet und gut verträglich, solange der Hund keine Hefeallergie und keine Neigung zu Harnsteinen aus Urat hat.

etwa 40 bis 50 %Eiweißanteil in der Trockenmasse
6 gmittlere Tagesdosis medizinischer Hefe laut Kommission E
1.800 mgTagesmenge Bierhefe in einer 12-wöchigen Diabetes-Studie
rund 3.000 mgGesamtpurine pro 100 g Bierhefe in einer japanischen Analyse

InhaltsstoffeWas in der Hefe steckt

Den größten Anteil macht Eiweiß aus, mit allen essenziellen Aminosäuren. Dazu kommen B-Vitamine wie Thiamin (B1), Riboflavin (B2), Niacin (B3), Pyridoxin (B6), Folsäure und Biotin. Die genauen Mengen schwanken je nach Herkunft und Verarbeitung, deshalb lohnt der Blick auf die Packung.

Ganz ehrlich zu Vitamin B12: Hefe bildet es nicht selbst. Wenn eine Bierhefe oder Nährhefe nennenswert B12 liefert, wurde es zugesetzt. Steht das nicht auf der Packung, ist Bierhefe keine B12-Quelle, gerade für Menschen, die vegan leben, ist das wichtig.

In der Zellwand stecken Beta-Glucane (1,3/1,6-Beta-Glucane) und Mannane. Hefe-Beta-Glucane werden zu Immunfunktionen erforscht, einen zugelassenen Health Claim zum Immunsystem gibt es dafür aber nicht. Außerdem enthält Bierhefe Mineralstoffe und Spurenelemente wie Kalium, Phosphor, Zink und Chrom, und sehr viele Nukleinsäuren, aus denen der Körper Purine und schließlich Harnsäure macht.

Verstärkte KombinationenWomit sich Bierhefe gut verträgt

Bierhefe ist würzig und eiweißreich, sie passt deshalb gut in herzhafte und in Frühstücksgerichte.

Frühstück

mit Haferflocken oder Müsli

Zusammen ergeben sie ein sättigendes Frühstück mit Eiweiß, Ballaststoffen und B-Vitaminen.

Eiweiß

mit Quark oder Joghurt

Die Flocken lassen sich einrühren und machen den Quark würziger.

Haare

mit Brennnessel

Beide gehören zu den traditionellen Hausmitteln für Haare und Haut.

Nägel

mit Ackerschachtelhalm

Der kieselsäurereiche Schachtelhalm ist der klassische Partner in Haar- und Nagelmischungen.

Gemüse

mit Ofengemüse oder Suppe

Erst nach dem Garen darüberstreuen, so bleiben die hitzeempfindlichen B-Vitamine besser erhalten.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

MAO-Hemmer

nicht mit MAO-hemmenden Antidepressiva

Die Kommission E nennt einen möglichen Blutdruckanstieg, Hefeprodukte stehen deshalb auf den Tyramin-Listen.

Blutzucker

nicht ohne Rücksprache mit Diabetesmedikamenten

Weil Bierhefe den Blutzucker senken kann, sollten die Werte bei gleichzeitiger Medikation beobachtet werden.

Purine

nicht mit purinarmer Diät bei Gicht

Bierhefe gehört zu den purinreichsten Lebensmitteln überhaupt.

Backhefe

nicht mit roher Backhefe verwechseln

Lebende Hefe gärt im Darm weiter und führt leicht zu Blähungen.

AnwendungSo nutzt du Bierhefe im Alltag

  • Flocken1 bis 2 Esslöffel (etwa 5 bis 10 g) täglich über Müsli, Salat, Suppe oder Brot streuen.
  • Pulver1 Teelöffel in Joghurt, Smoothie oder Saft einrühren.
  • TablettenNach Herstellerangabe zu den Mahlzeiten mit reichlich Wasser einnehmen.
  • Als WürzeBierhefe oder Nährhefe als würzige, käseähnliche Note über Nudeln oder Kartoffeln geben.
  • EinschleichenMit kleinen Mengen beginnen, damit sich der Darm an die Ballaststoffe gewöhnt.
  • KurdauerFür Haut, Haare und Nägel traditionell über mindestens 6 bis 8 Wochen, weil Haare und Nägel langsam wachsen.
  • Für HundeBierhefeflocken nach Herstellerangabe über das Futter geben, die Menge richtet sich nach dem Körpergewicht.
  • LagerungTrocken, kühl und gut verschlossen aufbewahren, sonst zieht sie Feuchtigkeit und verklumpt.
Faustregel: Bierhefe ist ein Lebensmittel, kein Wundermittel, sie wirkt am ehesten dort, wo die Ernährung Lücken hat. Gib ihr ein paar Wochen Zeit und streu sie nach dem Kochen über das Essen. Wenn du B12 brauchst, achte auf ein angereichertes Produkt oder nimm es gezielt.

Als HausmittelEinfach in der Küche

So geht’s

Würziger Kräuterquark mit Bierhefe

  1. 250 g Quark mit 3 bis 4 Esslöffeln Milch oder Wasser glatt rühren.
  2. 1 bis 2 Esslöffel Bierhefeflocken einrühren.
  3. Frische Kräuter wie Schnittlauch und Petersilie hacken, dazu eine Prise Salz und Pfeffer.
  4. Zu Pellkartoffeln, Vollkornbrot oder Gemüsesticks servieren.
Wofür

Ein eiweißreicher Aufstrich mit B-Vitaminen aus der Hefe, der satt macht und nebenbei die traditionelle Haut-und-Haar-Pflege von innen in den Alltag bringt.

Menge

Zwei bis drei Mal pro Woche, gern über mehrere Wochen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Bierhefe als eigenes Mittel kommt in der ayurvedischen Überlieferung nicht vor. Vergorene Zubereitungen sind dem Ayurveda aber vertraut: Asavas und Arishtas sind Kräuterzubereitungen, die durch natürliche Gärung entstehen. Ordnet man Bierhefe nach ihren Eigenschaften ein, wäre sie eher nährend und aufbauend. Das ist eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es Bierhefe als Arzneimittel nicht. Es gibt jedoch fermentierte Mittel wie Shen Qu (Massa Medicata Fermentata), einen gegorenen Kuchen aus Mehl und Kräutern, der bei Völlegefühl und schwerer Verdauung verwendet wird. Das ist keine Bierhefe, zeigt aber, dass Gärprodukte dort als verdauungsfördernd gelten. Die Einordnung der Bierhefe bleibt eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Gicht und erhöhte Harnsäure: Bierhefe ist extrem purinreich, in einer japanischen Analyse rund 3.000 mg pro 100 g. Bei Gicht oder Harnsäuresteinen solltest du darauf verzichten.
  • MAO-Hemmer: Die Kommission E nennt bei gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern einen möglichen Blutdruckanstieg. Hefeprodukte gelten wegen Tyramin als kritisch, sprich das unbedingt vorher ärztlich ab.
  • Hefe-Unverträglichkeit: Bei Allergie gegen Hefe oder bekannter Unverträglichkeit Bierhefe meiden. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn reagieren manche Menschen auf Hefe empfindlich.
  • Diabetes: Bierhefe kann den Blutzucker senken. Wer Insulin oder blutzuckersenkende Mittel nimmt, sollte seine Werte im Blick behalten.
  • Nebenwirkungen: Blähungen sind möglich, in Einzelfällen wurden migräneartige Kopfschmerzen beschrieben. Bei Neigung zu Akne kann der Vitamin-B-Anteil die Haut auch verschlechtern.
  • Hunde: Nicht für Hunde mit Hefeallergie und nicht für Rassen mit Neigung zu Uratsteinen wie den Dalmatiner, weil auch hier die Purine zählen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Blumenthal M (Hrsg.): The Complete German Commission E Monographs: Therapeutic Guide to Herbal Medicines. American Botanical Council, Austin 1998 (Monographie Faex medicinalis, Medizinische Hefe).
  2. EMA/HMPC: Public statement on Saccharomyces cerevisiae HANSEN CBS 5926. EMA/HMPC/483588/2020, veröffentlicht 2022.
  3. Hosseinzadeh P, Javanbakht MH, Mostafavi SA et al. Brewer’s yeast improves glycemic indices in type 2 diabetes mellitus. Int J Prev Med 2013; 4(10): 1131 bis 1138.
  4. Kaneko K, Aoyagi Y, Fukuuchi T, Inazawa K, Yamaoka N. Total purine and purine base content of common foodstuffs for facilitating nutritional therapy for gout and hyperuricemia. Biol Pharm Bull 2014; 37(5): 709 bis 721.
  5. Flockhart DA. Dietary restrictions and drug interactions with monoamine oxidase inhibitors: an update. J Clin Psychiatry 2012; 73 Suppl 1: 17 bis 24.
  6. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel (u. a. Chrom, Biotin, Riboflavin, Niacin).