Eukalyptus (Eucalyptus globulus)

Familie
MyrtengewächseEucalyptus globulus - der Blaue Eukalyptus, verwandt mit Myrte und Nelke
Verwendet wird
Blatt und Öldas Öl ist die untersuchte Form, das Blatt die traditionelle
Geschmack
Scharf und kampferartigkühlend, medizinisch - kein Genusstee
Herkunft
Australien und Tasmanienheute weltweit angebaut, oft als Schnellwuchsplantage
Anerkannt für
AtemwegeEMA und Kommission E - bei Katarrhen der Luftwege
Wichtig
Nicht bei KleinkindernCineol kann bei ihnen einen Stimmritzenkrampf auslösen

HerkunftDer Baum, der ganze Landschaften prägt

Eukalyptusblätter Nahaufnahme

Eukalyptusbäume gehören zu den schnellstwachsenden der Welt - manche Arten schaffen mehrere Meter im Jahr - und ihr Öl ist so flüchtig, dass australische Wälder an heißen Tagen in einem bläulichen Dunst liegen.

Die Gattung Eucalyptus umfasst über siebenhundert Arten und ist fast vollständig auf Australien und angrenzende Inseln beschränkt. Dort prägt sie ganze Landschaften: Eukalyptuswälder bedecken weite Teile des Kontinents, und die Bäume sind so eng an Feuer angepasst, dass viele Arten ihre Samen erst nach einem Brand freisetzen. Der bläuliche Dunst über australischen Bergketten - die Blue Mountains haben ihren Namen davon - entsteht durch verdunstendes ätherisches Öl.

Arzneilich genutzt wird vor allem der Blaue Eukalyptus (Eucalyptus globulus), der wegen seines hohen Cineolgehalts angebaut wird. Seine Blätter sind bemerkenswert: Junge Triebe tragen runde, gegenständige, blaubereifte Blätter, ältere Zweige dagegen lange, sichelförmige, hängende - zwei so verschiedene Formen, dass man sie für zwei Pflanzen halten könnte. Gesammelt werden die älteren, sichelförmigen Blätter.

Seine weltweite Verbreitung hat zwei Seiten. Als Schnellwuchsbaum wird er in Südeuropa, Südamerika, Afrika und Asien in großem Stil für Zellstoff und Holz angebaut - und steht dort in der Kritik: Eukalyptusplantagen verbrauchen sehr viel Wasser, senken den Grundwasserspiegel, bieten wenig Lebensraum und erhöhen durch ihr ölhaltiges Laub die Waldbrandgefahr. In Portugal und Spanien ist das seit Jahren ein ernstes Thema. Wer Eukalyptusöl kauft, sollte wissen, dass hinter dem Rohstoff meist solche Plantagen stehen.

NutzenWas der Eukalyptus für dich tut

Der Eukalyptus ist eine der Pflanzen, bei denen der isolierte Wirkstoff besser untersucht ist als die Droge. Die europäische Arzneimittelagentur und die Kommission E führen Eukalyptusöl und Eukalyptusblätter bei Katarrhen der Luftwege, äußerlich zusätzlich bei rheumatischen Beschwerden. Darüber hinaus gibt es für Cineol - den Hauptbestandteil, auch Eucalyptol genannt - in magensaftresistenter Kapselform mehrere randomisierte Studien bei akuter und chronischer Bronchitis, bei Nasennebenhöhlenentzündung und begleitend bei Asthma, die eine Besserung der Beschwerden zeigen.

Der Mechanismus ist gut beschrieben: Cineol wird nach der Aufnahme teilweise über die Lunge wieder ausgeatmet und wirkt dort direkt. Es erhöht den Flimmerschlag der Atemwegsschleimhaut, verflüssigt zähes Sekret und wirkt entzündungshemmend - gemessen unter anderem an einer verringerten Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe. Das erklärt, warum es sowohl bei verstopfter Nase als auch bei festsitzendem Bronchialschleim hilft.

Die Inhalation ist die bekannteste Anwendung: heißes Wasser, ein paar Tropfen Öl, Handtuch über den Kopf. Was dabei sicher wirkt, ist die Kombination aus warmem Wasserdampf und dem Öl - wobei der Dampf allein schon einen erheblichen Teil ausmacht. Für die äußerliche Anwendung als Einreibung auf Brust und Rücken gilt Ähnliches: Die Wärme, das Einreiben und der Duft wirken zusammen.

Und jetzt die Grenzen, die bei dieser Pflanze ungewöhnlich hart sind. Cineol und Menthol gehören nicht in die Nähe von Säuglingen und Kleinkindern - nicht ins Gesicht, nicht auf die Brust, nicht als Inhalation. Sie können einen Krampf der Stimmritze und damit einen Atemstillstand auslösen; entsprechende Fälle sind dokumentiert, und alle Fachgesellschaften warnen davor. Für Kinder gibt es speziell abgestimmte Präparate mit Altersangabe. Zweitens: Bei Asthma und stark überempfindlichen Atemwegen kann Inhalieren einen Bronchospasmus auslösen - hier zuerst mit der behandelnden Praxis sprechen. Und drittens beschleunigt Cineol in der Leber den Abbau anderer Arzneistoffe, was deren Wirkung abschwächen kann.

70–85 %Cineol im Öl von Eucalyptus globulus
Nicht bei KleinkindernCineol kann einen Stimmritzenkrampf auslösen
Über die Lungeein Teil des Cineols wird wieder ausgeatmet und wirkt dort direkt
700+Arten umfasst die Gattung - fast alle nur in Australien

InhaltsstoffeDas steckt im Blatt

Das ätherische Öl macht ein bis drei Prozent des getrockneten Blattes aus und besteht zu 70 bis 85 Prozent aus 1,8-Cineol, das deshalb auch Eucalyptol heißt. Dazu kommen kleinere Mengen α-Pinen, Limonen und p-Cymen. Das Europäische Arzneibuch verlangt für Eukalyptusöl einen Mindestgehalt an Cineol - Öle anderer Eukalyptusarten haben teils ganz andere Profile und sind nicht austauschbar, etwa das zitronige Öl von Eucalyptus citriodora, das als Mückenschutz verwendet wird.

Neben dem Öl enthalten die Blätter Gerbstoffe, Flavonoide und Phloroglucinderivate. Für die Wirkung auf die Atemwege ist praktisch nur das Cineol relevant, und weil es sich in Wasser schlecht löst, ist der Blättertee die schwächste Anwendungsform - ein Aufguss enthält nur einen Bruchteil dessen, was im Blatt steckt. Die wirksamen Formen sind das Öl zur Inhalation und zur Einreibung sowie die magensaftresistente Cineol-Kapsel.

Eine Anmerkung zur Sicherheit, die den Unterschied zwischen Duft und Arznei betrifft: Reines Eukalyptusöl ist hochkonzentriert. Beim Verschlucken größerer Mengen - und „größer“ heißt hier wenige Milliliter - kann es zu Bewusstseinsstörungen, Krämpfen und Atemproblemen kommen; Vergiftungen bei Kindern, die an ein Fläschchen gekommen sind, sind dokumentiert. Ätherische Öle gehören deshalb in kindersichere Aufbewahrung, und das gilt für Eukalyptusöl besonders.

Verstärkte KombinationenWas den Eukalyptus stärker macht

Drei Formen, drei Anwendungen - und eine Altersgrenze, die keine Ausnahme kennt.

Atemwege

als Cineol-Kapsel

Magensaftresistent verkapselt - die Form mit den klinischen Studien.

Nase

als Dampfinhalation

Wenige Tropfen auf heißes Wasser, Handtuch über den Kopf, zehn Minuten.

Brust

als verdünnte Einreibung

In einem Trägeröl oder als Fertigsalbe, auf Brust und Rücken.

Wärme

mit heißem Dampf

Ein erheblicher Teil der Wirkung kommt schon vom Wasserdampf allein.

Bronchien

mit Thymian

Thymian für den Krampf, Eukalyptus für das Sekret - eine sinnvolle Ergänzung.

Nebenhöhlen

mit viel trinken

Dünnflüssiges Sekret fließt besser ab - das ist die unspektakulärste und wirksamste Maßnahme.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Kleinkinder

nicht bei Säuglingen und Kleinkindern

Cineol kann einen Stimmritzenkrampf und damit einen Atemstillstand auslösen.

Asthma

nicht inhalieren bei Asthma

Ätherische Öle können überempfindliche Atemwege verkrampfen.

Innerlich

nicht das reine Öl schlucken

Wenige Milliliter können zu schweren Vergiftungen führen.

Augen

nicht in Augennähe

Bei Einreibungen und Inhalationen die Augen schützen.

Medikamente

nicht ohne Rücksprache bei Dauermedikation

Cineol beschleunigt den Abbau anderer Arzneistoffe in der Leber.

Tee

nicht als Hauptanwendung

Cineol löst sich schlecht in Wasser - der Blättertee ist die schwächste Form.

AnwendungWie er verwendet wird

  • Cineol-KapselnMagensaftresistent, aus der Apotheke - bei Bronchitis und Sinusitis untersucht.
  • DampfinhalationZwei bis drei Tropfen Öl auf einen Liter heißes Wasser, zehn Minuten.
  • BrusteinreibungVerdünnt in Trägeröl oder als Fertigsalbe, morgens und abends.
  • ErkältungsbadFertige Badezusätze mit Eukalyptusöl - nicht bei Kleinkindern.
  • BronchialteeMit Thymian kombiniert - die schwächere, aber angenehme Form.
  • RaumbeduftungIn der Duftlampe - am wenigsten wirksam, aber angenehm.
  • SaunaEin paar Tropfen im Aufguss - bei gesunden Atemwegen.
  • MuskeleinreibungÄußerlich bei rheumatischen Beschwerden - durchblutungsfördernd.
  • KinderpräparateEs gibt speziell abgestimmte Produkte mit Altersangabe - die beachten.
  • Sicher aufbewahrenÄtherische Öle kindersicher lagern - Verschlucken ist gefährlich.
Faustregel: Für die untersuchte Wirkung die Cineol-Kapsel, für die schnelle Erleichterung die Dampfinhalation, für abends die Einreibung. Der Tee ist die schwächste Form. Und die Grenze, die keine Ausnahme kennt: Cineol- und mentholhaltige Zubereitungen gehören nicht in die Nähe von Säuglingen und Kleinkindern.

Als HausmittelDie Inhalation

So geht’s

Dampfinhalation bei verstopfter Nase

  1. Einen Liter Wasser aufkochen und in eine große Schüssel gießen. Kurz abkühlen lassen, bis der Dampf nicht mehr brennt - zu heiß ist gefährlich und bringt nichts.
  2. Zwei bis drei Tropfen Eukalyptusöl zugeben. Mehr ist nicht besser: Zu viel reizt die Schleimhaut und kann Husten auslösen.
  3. Mit einem Handtuch über dem Kopf über die Schüssel beugen und zehn Minuten ruhig durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Die Augen dabei geschlossen halten.
  4. Danach die Nase vorsichtig putzen und für eine halbe Stunde im Warmen bleiben - der Wechsel in kalte Luft macht einen Teil der Wirkung zunichte.
Wofür

Bei verstopfter Nase, Druck auf den Nebenhöhlen und festsitzendem Schleim. Ehrlich aufgeteilt: Ein großer Teil der Erleichterung kommt vom warmen, feuchten Dampf, der die Schleimhäute befeuchtet und das Sekret verflüssigt - das funktioniert auch ohne jeden Zusatz. Das Cineol kommt dazu: Es erhöht den Flimmerschlag und wirkt entzündungshemmend, und es sorgt für das subjektive Gefühl, freier zu atmen. Beides zusammen ist mehr als jedes allein.

Menge

Zwei- bis dreimal täglich über wenige Tage. Nicht bei Säuglingen und Kleinkindern - Cineol kann bei ihnen einen Stimmritzenkrampf auslösen; für Kinder gibt es speziell abgestimmte Präparate mit Altersangabe. Nicht bei Asthma oder stark überempfindlichen Atemwegen ohne Rücksprache - heißer Dampf mit ätherischen Ölen kann einen Anfall auslösen. Augen geschlossen halten. Wer eine Kopfschüssel als unangenehm empfindet, nimmt einen Inhalator aus der Apotheke, bei dem der Dampf gezielter geführt wird. Beschwerden über zehn Tage, hohes Fieber oder starke einseitige Gesichtsschmerzen gehören ärztlich abgeklärt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Eukalyptus ist eine australische Pflanze und im klassischen Ayurveda nicht vertreten; in der modernen indischen Praxis wird er aber als Nilgiri - nach den Nilgiri-Bergen, wo er in großem Stil angebaut wird - bei Erkältungen und Atemwegsbeschwerden verwendet. Nach seinen Eigenschaften wäre er scharf, bitter und erwärmend: Kapha stark senkend, Vata in Maßen, Pitta erhöhend - ein Mittel für feuchte, verschleimte Zustände.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der chinesischen Materia Medica ist er als An Ye nur eine späte Ergänzung und gehört nicht zum klassischen Arzneischatz. Nach seinem Charakter wäre er ein scharfes, aromatisches, kühl-warmes Mittel, das Wind-Kälte vertreibt, die Oberfläche öffnet und Schleim umwandelt - in der Nachbarschaft der Kräuter, die dort bei verstopfter Nase und Husten mit Auswurf eingesetzt werden.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Säuglinge und Kleinkinder: cineolhaltige Zubereitungen können einen Stimmritzenkrampf und Atemstillstand auslösen - nicht ins Gesicht, nicht auf die Brust, nicht inhalieren.
  • Asthma: Inhalationen mit ätherischen Ölen können überempfindliche Atemwege verkrampfen - vorher ärztlich abklären.
  • Verschlucken: reines Eukalyptusöl ist hochkonzentriert; wenige Milliliter können schwere Vergiftungen verursachen - kindersicher aufbewahren.
  • Medikamente: Cineol beschleunigt den Abbau anderer Arzneistoffe in der Leber und kann deren Wirkung abschwächen.
  • Gallenwege und Leber: bei Erkrankungen der Gallenwege und der Leber ist die innerliche Anwendung nicht geeignet.
  • Abklärung: Beschwerden über zehn Tage, hohes Fieber oder starke einseitige Gesichtsschmerzen gehören ärztlich untersucht.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen

Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.

QuellenWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Eucalyptus globulus Labill., folium und aetheroleum.
  2. Kommission E: Monographien Eucalypti folium und Eucalypti aetheroleum, Bundesanzeiger 1984/1990.
  3. Kehrl W, Sonnemann U, Dethlefsen U. Therapy for acute nonpurulent rhinosinusitis with cineole. Laryngoscope 2004; 114(4): 738–742.
  4. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Hinweise zur Anwendung cineol- und mentholhaltiger Zubereitungen bei Säuglingen und Kleinkindern.
  5. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Eucalypti aetheroleum - Mindestgehalt an 1,8-Cineol.