Thymian (Thymus vulgaris)

Botanischer Name
Thymus vulgarisLippenblütler (Lamiaceae)
Verwendeter Teil
KrautBlätter und Blüten, ohne die harten Stängel
Leitstoffe
Thymol und Carvacrolstark antibakterielle Phenole
Einstufung
Well-established use (EMA)bei produktivem Husten, als Extrakt
Arzneipflanze
2006und eine der meistverkauften Hustendrogen
Ernte
Kurz vor der Blütedann ist der Thymolgehalt am höchsten

HerkunftVom Räucherwerk zur Hustenpflanze

Frische Thymianzweige Nahaufnahme

Der griechische Name thymos hängt mit dem Räuchern zusammen - Thymian war zuerst ein Opferkraut.

Thymus vulgaris ist ein niedriger, stark verzweigter Halbstrauch aus dem westlichen Mittelmeerraum, der zwanzig bis vierzig Zentimeter hoch wird und winzige, ledrige Blätter mit eingerolltem Rand trägt. Er wächst auf trockenen, kalkhaltigen, mageren Böden in der Garrigue Südfrankreichs, in Spanien und Italien. Je karger der Standort und je mehr Sonne, desto höher der Gehalt an ätherischem Öl - ein Grundsatz, der für fast alle mediterranen Lippenblütler gilt und der erklärt, warum südfranzösischer Thymian intensiver ist als norddeutscher.

Der Name geht auf griechisch thymos zurück und hängt sprachlich mit dem Räuchern und Opfern zusammen; Thymian wurde in Tempeln verbrannt. Die Römer brachten ihn über die Alpen, und in den mittelalterlichen Klostergärten war er selbstverständlich - die Capitulare de villis Karls des Großen nennt ihn, Hildegard von Bingen beschreibt ihn. Über Jahrhunderte war er ein Allzweckkraut, das gegen Husten ebenso eingesetzt wurde wie gegen Würmer und zur Konservierung.

Die Konservierung war dabei keine Nebensache. Thymol, sein Hauptinhaltsstoff, ist stark antibakteriell, und Thymian gehörte deshalb zu den Kräutern, die Fleisch länger haltbar machten. Im 19. Jahrhundert wurde Thymol isoliert und in der Chirurgie als Antiseptikum verwendet - Lister experimentierte damit, bevor sich die Karbolsäure durchsetzte. Bis heute ist Thymol in Mundspülungen und Desinfektionsmitteln zu finden, und in der Imkerei wird es gegen die Varroamilbe eingesetzt. Der Weg vom Opferkraut über das Konservierungsmittel zur Hustenpflanze ist dabei durchgehend derselbe Stoff.

NutzenDie Hustenpflanze mit der besten Datenlage

Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Thymian in zwei Kategorien, und das ist bemerkenswert: Für bestimmte Zubereitungen - vor allem Flüssigextrakte in ausreichender Dosierung - gilt well-established use als Expektorans bei Husten im Rahmen einer Erkältung. Das ist die höhere Belegstufe, die wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise voraussetzt, und nur wenige Hustenpflanzen erreichen sie. Für Tee und einfache Zubereitungen gilt traditional use. Die Kommission E hatte schon 1990 positiv bewertet.

Der Grund für diese Einstufung sind mehrere kontrollierte Studien, meist mit Kombinationspräparaten aus Thymian und Efeu oder Thymian und Schlüsselblume. In diesen Studien - teils mit mehreren hundert Teilnehmern - verkürzte sich die Dauer der Hustenanfälle deutlicher als unter Placebo. Die Studien stammen überwiegend von Herstellern, was man wissen sollte, aber sie sind methodisch ordentlich gemacht und in der Summe überzeugender als das, was die meisten anderen Hustenpflanzen vorweisen können.

Pharmakologisch kann Thymian zwei Dinge gleichzeitig. Erstens wirken Thymol und Carvacrol krampflösend auf die glatte Bronchialmuskulatur - das ist der Teil, der den krampfartigen Hustenanfall dämpft. Zweitens wirkt Thymol antibakteriell und leicht sekretolytisch, also schleimverflüssigend. Diese Kombination macht ihn zur richtigen Pflanze beim festsitzenden, produktiven Husten mit zähem Schleim - anders als Spitzwegerich und Eibisch, die den Reiz dämpfen und für den trockenen Reizhusten da sind.

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Eine Erkältung dauert mit und ohne Thymian ungefähr gleich lang. Was ein guter Thymianextrakt leisten kann, ist, dass das Abhusten leichter geht, die Anfälle kürzer werden und die Nächte ruhiger sind. Das ist ein reales und spürbares Ziel. Was Thymian nicht ist: ein Antibiotikum, ein Asthmamittel oder eine Behandlung für Husten, der länger als drei Wochen dauert.

1 - 2,5 %ätherisches Öl im getrockneten Kraut
mind. 1,2 %Vorgabe des Europäischen Arzneibuchs
30 - 55 %Thymol im ätherischen Öl des Thymol-Chemotyps
10 gTagesdosis Kraut nach Kommission E

InhaltsstoffeSieben Chemotypen und ein sehr starkes Phenol

Thymian ist ein Lehrbuchfall für Chemotypen. Dieselbe Art bildet je nach Standort, Höhenlage und Genetik ganz verschiedene ätherische Öle: Es sind sieben Chemotypen beschrieben, benannt nach ihrem Hauptbestandteil - Thymol, Carvacrol, Linalool, Geraniol, Thujanol, α-Terpineol und 1,8-Cineol. Für die arzneiliche Verwendung zählt der Thymol-Typ, und das Europäische Arzneibuch verlangt entsprechend einen Mindestgehalt an Thymol und Carvacrol zusammen. Die milderen Typen wie Linalool-Thymian sind in der Aromatherapie geschätzt, weil sie hautverträglicher sind.

Thymol ist ein Phenol, und Phenole sind die stärkste antibakterielle Gruppe unter den Bestandteilen ätherischer Öle. Das ist der Grund für die konservierende Wirkung, für den Einsatz in Mundspülungen und gleichzeitig für die Hautreizung: Unverdünntes Thymianöl brennt auf der Haut und kann Schleimhäute ernsthaft schädigen. Für die äußerliche Anwendung gehört es deshalb immer verdünnt, und für Kinder ist besondere Vorsicht angezeigt.

Neben dem ätherischen Öl enthält das Kraut Rosmarinsäure und andere Phenolsäuren, Flavonoide wie Thymonin und Luteolin-Glykoside sowie Gerbstoffe und Schleimstoffe. Die wasserlöslichen Anteile sind es, die einen Thymiantee auch dann noch wertvoll machen, wenn ein Teil des ätherischen Öls entwichen ist. Trotzdem gilt die eherne Regel jeder ätherisch-öl-haltigen Droge: Der Tee wird zugedeckt gezogen, sonst verschwindet der wichtigste Teil mit dem Dampf.

Zur Ernte und Lagerung: Der Thymolgehalt ist kurz vor und während der Blüte am höchsten, an einem sonnigen Vormittag nach dem Abtrocknen des Taus. Geerntet werden die oberen, nicht verholzten Triebe; danach treibt die Pflanze wieder aus. Getrocknet wird zügig im Schatten, dann werden die Blättchen von den harten Stängeln abgestreift. In dunklen Gläsern hält die Droge etwa ein Jahr; wenn sie beim Zerreiben nicht mehr kräftig duftet, ist sie für die arzneiliche Anwendung nicht mehr brauchbar.

Verstärkte KombinationenThymian im Hustentee und im Topf

Thymian ist die treibende Kraft in jeder Hustenmischung und eines der wenigen Kräuter, die stundenlanges Schmoren nicht nur überstehen, sondern brauchen.

Husten

Thymian + Efeu

Die Kombination mit der besten Studienlage bei produktivem Husten. Efeu bringt Saponine und wirkt sekretolytisch, Thymian krampflösend und antibakteriell - als Fertigsaft oder Fertigextrakt.

Husten

Thymian + Schlüsselblume

Die zweite gut untersuchte Kombination: Die Schlüsselblume löst über den Magenreflex, der Thymian entkrampft. Als Tee zu gleichen Teilen.

Rachen

Thymian + Spitzwegerich

Wenn der Husten schon einige Tage anhält und der Hals wund ist: Der Spitzwegerich legt Schleimstoffe darüber, während der Thymian arbeitet.

Hals

Thymian + Salbei zum Gurgeln

Beide antibakteriell und adstringierend - als Gurgelaufguss bei Halsentzündung eine der besten Kombinationen.

Küche

Thymian + Schmorgerichte

Er hält stundenlanges Garen aus wie kein zweites Kraut. Ganze Zweige in den Bräter, wie Lorbeer behandeln.

Küche

Thymian + Rosmarin und Oregano

Die mediterrane Dreierbasis für Ofengemüse, Kräuteröl und Marinaden.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Reizhusten

Thymian + trockener Reizhusten

Bei Husten ohne Auswurf ist ein Expektorans die falsche Richtung. Dann sind Eibisch, Malve oder Spitzwegerich angezeigt.

Öl

Thymianöl + unverdünnt auf die Haut

Thymol ist ein Phenol und stark hautreizend. Ätherisches Thymianöl gehört immer verdünnt - ein Prozent in einem Trägeröl reicht.

Kinder

Thymianöl + Gesicht von Säuglingen und Kleinkindern

Ätherische Öle gehören nicht in die Nähe von Nase und Mund kleiner Kinder. Der Tee und Fertigsäfte in altersgerechter Dosierung sind davon nicht betroffen.

Hitze

Thymiantee + ohne Deckel

Ohne Deckel verschwindet das ätherische Öl mit dem Dampf. Das ist der häufigste Zubereitungsfehler und kostet den größten Teil der Wirkung.

Gastritis

Thymian in arzneilicher Menge + entzündete Magenschleimhaut

Die Phenole können den gereizten Magen zusätzlich belasten. Als Küchengewürz unproblematisch.

Dauer

Thymian + Husten über drei Wochen

Husten, der länger als drei Wochen dauert, mit Blut im Auswurf, hohem Fieber, Atemnot oder Gewichtsverlust einhergeht, gehört ärztlich abgeklärt.

Zu welchem GerichtDas Kraut, das langes Kochen aushält

  • SchmorgerichteGanze Zweige in den Bräter zu Rind, Lamm oder Huhn - über Stunden gibt er gleichmäßig ab.
  • Bouquet garniMit Lorbeer und Petersilie zusammengebunden - die französische Grundwürzung für Fond und Suppe.
  • OfengemüseMit Rosmarin und Olivenöl zu Kartoffeln, Zucchini und Paprika.
  • Herbes de ProvenceDie Hauptkomponente der südfranzösischen Mischung neben Bohnenkraut und Oregano.
  • KräuterölZweige in Olivenöl; zusammen mit Rosmarin besonders haltbar.
  • PilzgerichteThymian und Pilze sind eine der besten Verbindungen überhaupt - mit Butter und Knoblauch.
  • Bohnen und LinsenIn Eintöpfen mit Hülsenfrüchten traditionell verankert.
  • Hustentee1 bis 2 g Kraut pro Tasse, unbedingt zugedeckt ziehen lassen.
  • HustensirupStarker Aufguss mit Honig eingedickt - siehe das Hausmittel unten.
  • GurgelnMit Salbei gemischt als Aufguss bei Halsentzündung.
Faustregel: Thymian ist das Gegenteil von Basilikum: Er will Hitze und Zeit. Frische Zweige gehören an den Anfang eines Schmorgerichts, nicht ans Ende - und getrockneter Thymian ist für lange Garzeiten praktisch gleichwertig mit frischem.

Als HausmittelDer Hustensirup

So geht’s

Thymiansirup mit Honig

  1. 50 g getrocknetes Thymiankraut (oder eine große Handvoll frische Zweige) mit 500 ml Wasser ansetzen.
  2. Zum Sieden bringen, sofort vom Herd nehmen und zugedeckt dreißig Minuten ziehen lassen. Zugedeckt ist entscheidend - das ätherische Öl ist der Wirkstoff und verschwindet sonst mit dem Dampf.
  3. Abseihen und das Kraut gut ausdrücken.
  4. Den Auszug offen auf etwa die Hälfte einkochen, dann auf unter 40 Grad abkühlen lassen.
  5. Etwa die gleiche Menge Honig einrühren, bis alles gelöst ist. Honig über 40 Grad verliert seine eigenen Enzyme - und bei Kinderhusten ist Honig eine der wenigen Maßnahmen mit Wirknachweis.
  6. In saubere kleine Flaschen füllen, beschriften, datieren und im Kühlschrank lagern. Drei- bis viermal täglich einen Teelöffel, langsam im Mund zergehen lassen. Für Kinder ab einem Jahr geeignet - darunter kein Honig.
Wofür

Bei festsitzendem, produktivem Husten mit zähem Schleim im Rahmen einer Erkältung. Nicht bei trockenem Reizhusten ohne Auswurf - dafür sind Eibisch, Malve oder Spitzwegerich die richtige Wahl.

Menge

10 g Kraut täglich nach Kommission E, als Tee zwei bis drei Tassen. Kein Honig für Säuglinge unter einem Jahr. Husten über drei Wochen, Blut im Auswurf, hohes Fieber oder Atemnot gehören ärztlich abgeklärt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Thymus vulgaris ist eine mediterrane Pflanze und im klassischen Ayurveda nicht vertreten; in Indien wächst allerdings verwandter Thymian im Himalaya, der regional verwendet wird. Die Zuordnung wäre scharf und erwärmend, kapha-senkend - die Kategorie für Atemwegserkrankungen mit zähem Schleim. Die tragenden ayurvedischen Pflanzen in diesem Bereich sind Vasa (Adhatoda vasica) und Pippali, der lange Pfeffer.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der chinesischen Materia medica erscheint Thymian als She Xiang Cao und ist eine Randdroge; beschrieben wird er als scharf und warm mit Bezug zu Lunge und Magen, mit den Funktionen, Wind-Kälte zu zerstreuen und Husten zu stillen. Die zentralen chinesischen Hustendrogen sind andere - Jie Geng und Xing Ren etwa –, aber die Zuordnung eines scharf-warmen Krauts zur Lunge bei verschleimtem Husten trifft dasselbe Bild, das die europäische Monographie beschreibt.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Nicht bei trockenem Reizhusten: Thymian ist ein Expektorans. Bei Husten ohne Auswurf verstärkt er den Reiz - dann zu schleimstoffhaltigen Pflanzen wechseln.
  • Ätherisches Öl nur verdünnt: Thymol ist stark hautreizend. Für äußerliche Anwendungen etwa ein Prozent in einem Trägeröl.
  • Nicht ins Gesicht kleiner Kinder: Ätherische Öle können bei Säuglingen und Kleinkindern einen Stimmritzenkrampf auslösen. Tee und altersgerechte Fertigpräparate sind davon nicht betroffen.
  • Kein Honig unter einem Jahr: Wegen der Gefahr des Säuglingsbotulismus. Für den Sirup heißt das: erst ab zwölf Monaten.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Als Küchengewürz unproblematisch; für arzneiliche Mengen und ätherisches Öl fehlen Daten.
  • Anhaltender Husten: Über drei Wochen, mit Blut im Auswurf, hohem Fieber, Atemnot oder Gewichtsverlust - kein Fall für Selbstbehandlung.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. European Medicines Agency, HMPC: European Union herbal monograph on Thymus vulgaris L. and Thymus zygis L., herba - well-established and traditional use.
  2. Kommission E, Monographie „Thymi herba“, BAnz Nr. 228 vom 05.12.1984, ergänzt 1990.
  3. Kemmerich B. et al.: Efficacy and tolerability of a fluid extract combination of thyme herb and ivy leaves in patients with acute bronchitis. Arzneimittelforschung 2006.
  4. Gruenwald J. et al.: Evaluation of the non-inferiority of a fixed combination of thyme and primula root extract. Arzneimittelforschung 2005.
  5. Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde, Universität Würzburg: Arzneipflanze des Jahres 2006 - Thymian.