Pfefferminze (Mentha x piperita)

Familie
LippenblütlerMentha × piperita - eine Kreuzung aus Wasser- und Grüner Minze
Verwendet wird
Blatt und Ölzwei Drogen mit sehr verschiedenen Anwendungen
Geschmack
Kühlend und scharfMenthol aktiviert die Kälterezeptoren - es kühlt nur gefühlt
Herkunft
England, 17. Jahrhundertdort als Zufallskreuzung entdeckt und vermehrt
Anerkannt für
Reizdarm und KopfschmerzEMA: well-established use für das Öl in beiden Anwendungen
Wichtig
Nicht bei SäuglingenMenthol kann bei Kleinkindern einen Atemstillstand auslösen

HerkunftDer Zufall aus einem englischen Garten

Pfefferminze Blätter Nahaufnahme

Die Pfefferminze ist keine Wildpflanze, sondern ein Bastard: Um 1700 fand man sie in England als zufällige Kreuzung zweier Minzen - und sie ist steril, also nur über Ausläufer vermehrbar.

Die Pfefferminze entstand als natürliche Kreuzung aus Wasserminze (Mentha aquatica) und Grüner Minze (Mentha spicata) und wurde um 1700 in England, vermutlich in Hertfordshire, entdeckt. Weil sie als Hybride steril ist und keine keimfähigen Samen bildet, geht jede Pfefferminzpflanze der Welt auf vegetative Vermehrung zurück - über Ausläufer, Stecklinge und Wurzelteilung. Der Ort Mitcham bei London wurde zum Zentrum des Anbaus, und „Mitcham-Minze“ gilt bis heute als Qualitätsbezeichnung.

Ihr Aufstieg zur wichtigsten Arzneiminze hängt an einem Stoff: Menthol. Anders als die Grüne Minze, die Carvon bildet, produziert die Pfefferminze große Mengen Menthol - und Menthol tut etwas Bemerkenswertes: Es aktiviert einen Rezeptor in der Haut und auf den Schleimhäuten, der eigentlich auf Kälte reagiert. Man spürt Kälte, wo keine ist. Das gilt im Mund genauso wie auf der Stirn, und es ist der Grund für praktisch alle Anwendungen dieser Pflanze.

Für den Anbau ist sie anspruchslos und wuchernd zugleich: Sie breitet sich über unterirdische Ausläufer schnell aus und verdrängt Nachbarn - im Garten gehört sie deshalb in den Topf oder hinter eine Wurzelsperre. Und weil Minzen sich untereinander leicht kreuzen, sollte man verschiedene Sorten nicht direkt nebeneinander setzen, wenn man ihren Charakter erhalten will. Eine allgemeine Übersicht über die Gattung mit ihren vielen Arten steht auf der Seite zur Minze.

NutzenWas die Pfefferminze für dich tut

Die Pfefferminze ist eine der wenigen Heilpflanzen, bei denen man ohne Einschränkung von guter Evidenz sprechen kann - allerdings für das Öl, nicht für den Tee. Die europäische Arzneimittelagentur führt magensaftresistent verkapseltes Pfefferminzöl in der Kategorie well-established use beim Reizdarmsyndrom. Mehrere Meta-Analysen randomisierter Studien zeigen, dass es Bauchschmerzen und Gesamtbeschwerden deutlich besser lindert als Placebo; in manchen Leitlinien wird es als eine der wirksamsten verfügbaren Optionen geführt. Der Mechanismus ist verstanden: Menthol blockiert Calciumkanäle in der glatten Darmmuskulatur und wirkt dadurch krampflösend.

Die magensaftresistente Verkapselung ist dabei kein Detail, sondern der Kern. Freies Pfefferminzöl würde im Magen freigesetzt, dort den Schließmuskel zur Speiseröhre entspannen und Sodbrennen auslösen - ohne den Darm zu erreichen. Die Kapsel löst sich erst im Dünndarm auf, und dort soll das Öl hin. Wer bei Reizdarm Pfefferminztee trinkt, bekommt eine milde, angenehme Wirkung; wer die untersuchte Wirkung will, braucht die Kapsel.

Die zweite gut belegte Anwendung ist äußerlich: Eine zehnprozentige Lösung von Pfefferminzöl in Alkohol, großflächig auf Stirn und Schläfen aufgetragen, lindert Spannungskopfschmerz. In einer viel zitierten deutschen Studie war die Wirkung mit der von einem Gramm Paracetamol vergleichbar. Auch das ist über den Kälterezeptor erklärbar: Die gefühlte Kühle überlagert die Schmerzwahrnehmung und entspannt die verkrampfte Muskulatur. Die EMA führt diese Anwendung ebenfalls als well-established use.

Das Blatt - also der Tee - hat eine traditionelle Anwendung bei dyspeptischen Beschwerden, Blähungen und leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich. Das ist solide und nützlich, aber schwächer als die Ölanwendungen; im Aufguss geht nur ein kleiner Teil des ätherischen Öls über. Für den Alltag heißt das: Pfefferminztee ist ein guter Bauchtee, das Öl ist ein Arzneimittel - und beides hat seinen Platz.

Well-established usefür das Öl bei Reizdarm und bei Spannungskopfschmerz
Magensaftresistentdie Kapsel muss den Magen passieren - sonst gibt es nur Sodbrennen
10 %Pfefferminzöl in Alkohol auf Stirn und Schläfen bei Kopfschmerz
Nicht bei SäuglingenMenthol kann einen Atemstillstand auslösen

InhaltsstoffeDas steckt im Blatt

Das ätherische Öl macht ein bis drei Prozent des getrockneten Blattes aus. Sein Hauptbestandteil ist Menthol mit 35 bis 55 Prozent, dazu Menthon, Menthylacetat, Menthofuran und Cineol. Das Europäische Arzneibuch setzt Grenzen für Menthofuran und Pulegon, weil beide in höheren Mengen lebertoxisch sein können - bei guter Ware ist ihr Anteil niedrig. Menthol selbst ist der Stoff, der den TRPM8-Rezeptor aktiviert, also genau denjenigen Kälterezeptor, der sonst auf niedrige Temperaturen anspricht.

Neben dem Öl enthält das Blatt Rosmarinsäure und weitere Phenolcarbonsäuren, Flavonoide und Gerbstoffe. Die Gerbstoffe erklären, warum langer Pfefferminztee bitter und pelzig wird, und sie sind der Grund für den Hinweis zur Eisenaufnahme: Wie schwarzer Tee bindet Pfefferminztee pflanzliches Eisen und sollte bei Eisenmangel nicht direkt zu den Mahlzeiten getrunken werden.

Für die Zubereitung des Tees gilt: zugedeckt und nicht zu lange. Fünf bis sieben Minuten reichen; danach kommen die Gerbstoffe und die Frische geht verloren. Der Deckel ist wichtiger als bei fast jedem anderen Tee, weil das Menthol sehr flüchtig ist - ein offen gezogener Pfefferminztee verliert einen erheblichen Teil dessen, wofür man ihn trinkt. Und ein praktischer Hinweis: Frische Blätter geben weniger ab als getrocknete, weil der Ölgehalt beim schonenden Trocknen bezogen auf das Gewicht steigt.

Verstärkte KombinationenWas die Pfefferminze stärker macht

Drei Anwendungen, drei Formen - und die Form entscheidet über die Wirkung mehr als alles andere.

Reizdarm

mit magensaftresistenten Kapseln

Nur so kommt das Öl im Darm an - das ist die untersuchte Anwendung.

Kopfschmerz

mit 10 % Öl auf Stirn und Schläfen

Großflächig einreiben, Augen aussparen - Wirkung nach etwa 15 Minuten.

Bauchtee

mit Kamille & Fenchel

Der klassische Magen-Darm-Tee aus drei anerkannten Pflanzen.

Technik

mit Deckel, fünf Minuten

Menthol ist sehr flüchtig - ohne Deckel bleibt wenig übrig.

Reizdarm-Basis

mit Flohsamenschalen

Lösliche Ballaststoffe sind bei Reizdarm ebenfalls gut belegt - gute Ergänzung.

Übelkeit

mit Ingwer

Ingwer hat bei Übelkeit eine eigene, gute Datenlage.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Säuglinge

nicht bei Säuglingen und Kleinkindern

Mentholhaltige Zubereitungen können einen Atemstillstand auslösen - nicht ins Gesicht, nicht auf die Brust.

Reflux

nicht bei Sodbrennen

Menthol entspannt den Schließmuskel zur Speiseröhre und verstärkt Reflux.

Öl

nicht unverdünnt einnehmen

Freies Pfefferminzöl im Magen macht Sodbrennen statt Darmwirkung.

Galle

nicht bei Gallensteinen oder Gallenwegsverschluss

Hier sind mentholhaltige Zubereitungen ungeeignet.

Augen

nicht in Augennähe

Bei der Kopfschmerzanwendung die Augenpartie großzügig aussparen.

Eisen

nicht zur eisenreichen Mahlzeit

Die Gerbstoffe hemmen die Eisenaufnahme - zwischen den Mahlzeiten trinken.

Zu welchem GerichtWo sie hingehört

  • PfefferminzteeZwei Teelöffel auf 250 ml, zugedeckt fünf bis sieben Minuten.
  • BauchteeMit Kamille und Fenchel bei Blähungen und Krämpfen.
  • Reizdarm-KapselnMagensaftresistentes Pfefferminzöl aus der Apotheke - die untersuchte Form.
  • KopfschmerzölZehnprozentige Lösung großflächig auf Stirn und Schläfen.
  • Nach dem EssenEine Tasse nach schwerem Essen - die klassische Verdauungsanwendung.
  • InhalationBei verstopfter Nase - aber nicht bei Kleinkindern und nicht bei Asthma.
  • SchokominzeIn Desserts, Eis und heißer Schokolade.
  • MinzsauceZu Lamm - hier funktioniert auch die mildere Grüne Minze.
  • ErfrischungsgetränkBlätter in kaltem Wasser mit Zitrone - ohne Bitterkeit.
  • Als GattungEin Überblick über Grüne Minze, Marokkanische und Co. steht auf der Minzen-Seite.
Faustregel: Merk dir die drei Formen: Tee für den Alltag und leichte Bauchbeschwerden, magensaftresistente Kapseln für den Reizdarm, zehnprozentiges Öl auf die Schläfen bei Spannungskopfschmerz. Tee immer zugedeckt und nur fünf Minuten - Menthol ist flüchtig. Und bei Sodbrennen ist die Pfefferminze die falsche Minze; dann lieber die Grüne.

Als HausmittelDas Öl gegen Kopfschmerz

So geht’s

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerz

  1. Eine fertige zehnprozentige Pfefferminzöl-Lösung aus der Apotheke verwenden - oder selbst ansetzen: einen Teil hochwertiges Pfefferminzöl auf neun Teile hochprozentigen Alkohol.
  2. Beim ersten Anzeichen des Kopfschmerzes großflächig auf Stirn und Schläfen auftragen und leicht einmassieren - die Augenpartie großzügig aussparen.
  3. Nach etwa fünfzehn Minuten wiederholen, wenn nötig ein drittes Mal. Die kühlende Empfindung setzt sofort ein, die schmerzlindernde Wirkung braucht etwas länger.
  4. Dazu das, was Spannungskopfschmerz am zuverlässigsten nimmt: aufstehen, Schultern lockern, trinken, frische Luft - und den Bildschirm für ein paar Minuten verlassen.
Wofür

Bei Spannungskopfschmerz - dem dumpfen, beidseitigen Druck, der sich wie ein Band um den Kopf anfühlt. Die Wirkung ist ungewöhnlich gut untersucht: In einer kontrollierten Studie war zehnprozentiges Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen bei Spannungskopfschmerz ähnlich wirksam wie ein Gramm Paracetamol. Die EMA führt diese Anwendung als well-established use. Bei Migräne ist die Datenlage dünner, viele Betroffene empfinden die Kühle aber als angenehm.

Menge

Bis zu dreimal im Abstand von fünfzehn Minuten, mehrmals täglich möglich. Nicht bei Säuglingen und Kleinkindern - Menthol kann bei ihnen einen Atemstillstand auslösen; für Kinder gelten je nach Präparat Altersgrenzen. Augenpartie aussparen, nicht auf verletzte Haut. Bei Kopfschmerz, der neu auftritt, sich verändert, sehr plötzlich und heftig beginnt, mit Fieber, Nackensteife, Sehstörungen oder Schwäche einhergeht, gehört sofort ärztliche Abklärung dazu - und wer an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel braucht, sollte das besprechen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Pfefferminze ist ein europäischer Bastard und im Ayurveda nicht klassisch vertreten, die Gattung aber als Pudina gut eingeführt. Eingeordnet wird sie als scharf, bitter und - trotz der Schärfe - kühlend, was sie zu einer Besonderheit macht: Pitta senkend, Kapha senkend, Vata in größeren Mengen erhöhend. Verwendet wird sie bei Übelkeit, Blähungen, Kopfschmerz und in hitzigen Zuständen.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM ist die Minze als Bo He eine feste Größe: scharf und kühl, Lunge und Leber zugeordnet. Sie klärt Wind-Hitze bei beginnender Erkältung mit Halsschmerzen, lässt Hautausschläge durchbrechen und bewegt stagniertes Leber-Qi bei Reizbarkeit und Druck im Brustkorb. Ein Detail, das jede Küche kennt: Bo He wird in Rezepturen immer erst ganz am Schluss mitgekocht, weil das Aroma sonst verloren geht - dieselbe Regel wie der Deckel auf der Teetasse.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Säuglinge und Kleinkinder: mentholhaltige Zubereitungen können einen Atemstillstand auslösen - nicht ins Gesicht, nicht auf Brust oder Nase.
  • Sodbrennen und Reflux: Menthol entspannt den Schließmuskel zur Speiseröhre und verstärkt die Beschwerden.
  • Gallenwege: bei Gallensteinen oder Gallenwegsverschluss sind mentholhaltige Zubereitungen ungeeignet.
  • Ätherisches Öl: nicht unverdünnt einnehmen und nicht in Augennähe auftragen.
  • Eisen: die Gerbstoffe hemmen die Eisenaufnahme - bei Eisenmangel zwischen den Mahlzeiten trinken.
  • Kopfschmerz: neu aufgetretener, sehr plötzlicher oder von Fieber und Nackensteife begleiteter Kopfschmerz gehört sofort abgeklärt.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Mentha × piperita L., aetheroleum - well-established use bei Reizdarmsyndrom und bei Spannungskopfschmerz.
  2. Khanna R, MacDonald JK, Levesque BG. Peppermint oil for the treatment of irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Gastroenterology 2014; 48(6): 505–512.
  3. Göbel H et al. Effektivität von Oleum menthae piperitae und von Paracetamol in der Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp. Der Nervenarzt 1996; 67(8): 672–681.
  4. Kommission E: Monographien Menthae piperitae folium und Menthae piperitae aetheroleum, Bundesanzeiger 1986/1990.
  5. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Menthae piperitae aetheroleum - Grenzwerte für Pulegon und Menthofuran.