Kaktusfeige (Opuntia ficus-indica)

Botanischer Name
Opuntia ficus-indicaKakteengewächse (Cactaceae)
Verwendet wird
Frucht und junge Triebedie Frucht roh, die Triebe als Gemüse
Geschmack
Süß, mild, melonigmit erdigem Nachklang
Herkunft
Mexikoheute rund ums Mittelmeer verwildert
Bekannt für
Glochiden und Betalainefeine Widerhaken, kräftige Farbe
Saison
August bis NovemberImport aus Sizilien und Spanien

HerkunftDer Kaktus im Wappen Mexikos

Reife Kaktusfeigen an der Pflanze

Auf Mexikos Flagge sitzt ein Adler auf einem Feigenkaktus - dort heißt die Pflanze nopal.

Opuntia ficus-indica stammt aus Mexiko und wird dort seit Jahrtausenden genutzt: als Obst, als Gemüse und als Wirtspflanze für die Cochenille-Schildlaus, aus der man den roten Farbstoff Karmin gewinnt. Die reife Frucht heißt dort tuna, der flache Trieb nopal; beide liegen bis heute auf jedem größeren Markt.

Mit den spanischen Schiffen kam der Kaktus im 16. Jahrhundert ans Mittelmeer. Er brauchte wenig Wasser, wuchs auf kargem Vulkanboden und breitete sich rasch aus. Heute prägt er die Landschaft in Sizilien, Spanien, Nordafrika und Israel; Sizilien ist Europas wichtigstes Anbaugebiet. In trockenen Regionen dient er zugleich als Viehfutter und als lebender Zaun; in Australien und Südafrika wurde er zum Problemunkraut.

NutzenWas die Kaktusfeige für dich tut

100 g Fruchtfleisch liefern nur rund 41 kcal, dazu etwa 3,6 g Ballaststoffe, 14 mg Vitamin C, 220 mg Kalium, 56 mg Calcium und mit rund 85 mg Magnesium ungewöhnlich viel für eine Frucht - ein Apfel bringt es auf etwa 6 mg.

Die kräftige Farbe kommt von Betalainen - denselben Farbstoffen, die auch Rote Bete rot machen. Im Reagenzglas sind sie gute Radikalfänger; was sie im Menschen tun, ist offen. Sichtbar ist vor allem ein harmloser Nebeneffekt: Bei manchen Menschen färben sich Urin und Stuhl ein bis zwei Tage lang rötlich.

Zur Wirkung gibt es nur kleine Studien. Eine Übersichtsarbeit von 2015 fasste die kontrollierten Versuche zusammen: Das Körpergewicht änderte sich nicht, Körperfettanteil, Blutdruck und Gesamtcholesterin sanken leicht - die Effekte waren klein und ihre praktische Bedeutung fraglich. Bekannt wurde eine Untersuchung von 2004, in der ein Extrakt vor dem Alkoholkonsum einzelne Katersymptome milderte, die Katerstärke insgesamt aber kaum. Die viel zitierten Blutzucker-Versuche stammen meist von gegarten Trieben, nicht von der Frucht. Kurz: ein feines Obst, kein Medikament.

ca. 85 mgMagnesium pro 100 g - viel für eine Frucht
ca. 3,6 gBallaststoffe pro 100 g
ca. 41 kcalpro 100 g Fruchtfleisch
Aug–NovHauptsaison aus Sizilien und Spanien

InhaltsstoffeDas steckt in der Kaktusfeige

Die Frucht besteht zu rund 85 % aus Wasser und enthält Fruchtzucker und Glucose, lösliche und unlösliche Ballaststoffe einschließlich quellender Schleimstoffe, Betalaine wie das rote Betanin und das gelbe Indicaxanthin, Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide, Flavonoide wie Isorhamnetin sowie Magnesium, Kalium, Calcium und Phosphor.

In den harten Kernen steckt ein hochwertiges Öl mit viel Linolsäure und Vitamin E - teuer, weil für einen Liter rund eine Tonne Früchte nötig ist. Die jungen Triebe, die Nopales, sind dagegen fast fettfrei und bestehen überwiegend aus Wasser, Schleimstoffen und Ballaststoffen.

Verstärkte KombinationenWas die Kaktusfeige stärker macht

Das Fruchtfleisch ist mild und leicht erdig - es lebt von Säure, Salz und Schärfe.

Säure

mit Limette

Hebt das milde Fruchtfleisch.

Frühstück

mit Joghurt & Honig

Farbe und Frische im Glas.

Salat

mit Feta & Minze

Süß trifft salzig.

Schärfe

mit Chili

So isst man sie in Mexiko.

Sieb

als passiertes Püree

Ohne Kerne viel angenehmer.

Kälte

als Sorbet

Gekühlt schmeckt sie am besten.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Hände

nicht ohne Handschuhe anfassen

Glochiden stecken sofort in der Haut.

Kerne

nicht zerkauen

Steinhart - schlecht für die Zähne.

Menge

nicht mehrere Früchte am Stück

Die Kerne können sich im Darm sammeln.

Schale

nicht mitessen

Zäh und voller Widerhaken.

Reife

nicht steinhart kaufen

Sie reift nicht mehr nach.

Kinder

nicht allein schälen lassen

Die Härchen sind mühsam zu entfernen.

In der KücheWo sie hingehört

  • Kaktusfeigen-SorbetPassiert und gefroren.
  • ObstsalatMit Melone und Limette.
  • SmoothieMit Banane und Orangensaft.
  • MarmeladePassiert, mit Zitrone.
  • Sirup für LimonadeEingekocht und gefiltert.
  • Salat mit FetaMit Minze und Olivenöl.
  • Nopales-SalatAus jungen Trieben, mexikanisch.
  • Tacos mit NopalesGegrillt, mit Zwiebel und Chili.
  • Agua de tunaMexikanisches Fruchtwasser.
  • JoghurtbecherMit Püree und Nüssen.
Faustregel: Immer mit Haushaltshandschuhen arbeiten. Die Frucht abbürsten und unter fließendem Wasser abspülen, dann beide Enden abschneiden, die Schale längs einritzen und aufklappen - das Fruchtfleisch löst sich in einem Stück.

Als HausmittelPassiertes Püree für eine milde Verdauung

So geht’s

Kaktusfeigen-Püree

  1. Zwei reife Kaktusfeigen mit Handschuhen abbürsten und gründlich unter fließendem Wasser abspülen.
  2. Beide Enden abschneiden, die Schale längs einritzen, aufklappen und das Fruchtfleisch herauslösen.
  3. Das Fruchtfleisch durch ein feines Sieb streichen, sodass die harten Kerne zurückbleiben.
  4. Mit etwas Limettensaft verrühren, pur oder in Joghurt essen und ein großes Glas Wasser dazu trinken.
Wofür

Als mildes Obst für träge Tage: Schleimstoffe und Ballaststoffe binden Wasser und halten den Stuhl weich, ähnlich wie bei Feige oder Pflaume. Belegt ist das nicht, es ist Erfahrungswissen.

Menge

Ein bis zwei passierte Früchte am Tag, immer mit reichlich Flüssigkeit.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Kaktusfeige ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben - die Pflanze erreichte Indien erst mit den Portugiesen. Nach heutiger Einordnung gilt die reife Frucht als süß, kühlend und befeuchtend und damit als ausgleichend für Pitta; bei Kapha wird sie sparsam eingesetzt.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der klassischen TCM kommt sie nicht vor. In der westlichen TCM-Ernährungslehre wird sie als süß und kühl eingeordnet und zu den Säfte-bildenden Früchten gezählt, ähnlich wie Melone.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Glochiden: nie mit bloßen Händen anfassen - die feinen Widerhaken stecken in der Haut und lassen sich kaum herausziehen.
  • Kerne: nicht zerkauen und nicht in großen Mengen essen; in Einzelfällen sind Darmverschlüsse durch angesammelte Kaktusfeigenkerne beschrieben.
  • Darm: bei Divertikeln, Darmverengung oder hartnäckiger Verstopfung nur passiertes Fruchtfleisch essen.
  • Färbung: rötlicher Urin oder Stuhl ist harmlos; hält die Verfärbung länger als zwei Tage an, bitte abklären lassen.
  • Wildsammlung: Früchte von Straßenrändern und aus Parks meiden - Staub, Abgase und Spritzmittel.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. USDA FoodData Central: Prickly pears, raw.
  2. Verbraucherzentrale Bayern: Wie isst man Kaktusfeigen?
  3. Onakpoya IJ, O’Sullivan J, Heneghan CJ. The effect of cactus pear (Opuntia ficus-indica) on body weight and cardiovascular risk factors: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Nutrition 2015; 31(5): 640–646.
  4. Wiese J, McPherson S, Odden MC, Shlipak MG. Effect of Opuntia ficus indica on symptoms of the alcohol hangover. Archives of Internal Medicine 2004; 164(12): 1334–1340.
  5. Steinberg JM, Eitan A. Prickly pear fruit bezoar presenting as rectal perforation in an elderly patient. International Journal of Colorectal Disease 2003; 18(4): 365–367.
  6. Inglese P et al. (Hrsg.): Crop Ecology, Cultivation and Uses of Cactus Pear. FAO und ICARDA, Rom 2017.