HerkunftDas Gewürz, für das Kriege geführt wurden

Ein paar getrocknete Knospen von fünf winzigen Inseln haben Handelsrouten, Flotten und Kolonialreiche in Bewegung gesetzt.
Gewürznelken sind die ungeöffneten Blütenknospen eines immergrünen Baums, der ursprünglich nur auf den Molukken wuchs - den „Gewürzinseln“ im heutigen Indonesien. Schon vor 2.000 Jahren kamen sie über Händler nach China, wo Beamte vor einer Audienz beim Kaiser Nelken kauten, um frischen Atem zu haben. Im Mittelalter waren sie in Europa so kostbar, dass man mit ihnen Schulden bezahlte.
Im 17. Jahrhundert sicherten sich die Niederländer das Monopol und rodeten alle Bäume außerhalb ihrer Kontrolle. Ein Franzose namens Poivre schmuggelte Setzlinge nach Mauritius - von dort kamen sie nach Sansibar und Madagaskar, die heute die Welt versorgen. Die Knospen werden von Hand gepflückt, kurz bevor sie sich öffnen, und in der Sonne getrocknet, bis sie hart und braun sind.
NutzenWas Nelken für dich tun
Nelken sind das Betäubungsmittel der Kräuterküche. Ihr Öl besteht zu über 80 Prozent aus Eugenol, das die Nerven im Mund örtlich dämpft - deshalb ist eine Nelke auf dem schmerzenden Zahn das älteste Hausmittel gegen Zahnweh, und deshalb riecht es beim Zahnarzt bis heute nach Nelke.
Dazu wirkt Eugenol stark gegen Bakterien und Pilze; in Mundwässern und Zahnpasten steckt es genau aus diesem Grund. Im Essen hilft die Nelke der Verdauung auf die Sprünge: Sie regt Speichel und Magensaft an und mildert Blähungen, weshalb sie in Glühwein, Rotkohl und Sauerbraten nicht nur des Geschmacks wegen steht.
Und dann ist da noch der Wert, den kaum jemand kennt: Gemessen an der Menge gehören Nelken zu den antioxidativ stärksten Lebensmitteln überhaupt - weit vor Beeren. Das ist ein Laborwert, kein Heilversprechen. Aber ein guter Grund, sie öfter zu nehmen als nur zu Weihnachten.
InhaltsstoffeDas steckt in der Knospe
Eugenol macht 70 bis 90 Prozent des ätherischen Öls aus - es ist zugleich Duft, Schärfe und Wirkung. Daneben stehen Eugenylacetat (weicher, blumiger) und β-Caryophyllen, ein Stoff, der auch im schwarzen Pfeffer vorkommt und entzündungshemmend wirkt.
Dazu kommen Gerbstoffe, Flavonoide und viel Mangan. Wichtig zu wissen: Gemahlene Nelken verlieren das Öl binnen Wochen. Ganze Knospen halten Jahre - und eine gute Nelke sinkt im Wasser oder steht senkrecht, eine ausgelaugte schwimmt flach.
Verstärkte KombinationenWas Nelken stärker macht
Nelken sind ein Solist mit Bühnenpräsenz - sie brauchen Partner, die sie einbetten, sonst übertönen sie alles.
Glühwein, Lebkuchen, Bratapfel: Zimt bringt Wärme, Sternanis Süße, die Nelke Tiefe. In dieser Runde fällt niemand auf - zusammen sind sie der Geruch des Winters.
Sauerbraten, Wildschmorbraten, Rotkohl. Die Nelke zieht das Fett des Fleisches ins Aroma; Lorbeer und Wacholder halten sie in Schach.
Beide enthalten β-Caryophyllen - der Pfeffer verstärkt die Wirkung des Nelkenöls und macht Fleischgerichte runder.
Chai-Basis: drei wärmende Gewürze, die Magen und Darm anregen. Mit Milch und Schwarztee das Getränk gegen kalte Tage.
Eugenol löst sich in Fett und Säure. Eine Zwiebel mit Nelken gespickt in den Schmortopf - das ist die klassische Technik, um die Nelke dosiert abzugeben.
Die Bitterkeit der Nelke braucht Süße und Säure. Orangenschale, Apfelkompott, Quittenmarmelade - dort ist sie zu Hause.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Basilikum, Petersilie, Dill - die Nelke deckt alles zu. Wo Frische gewollt ist, hat sie nichts verloren.
Zu schwer, zu dunkel. Fisch, helle Saucen, Risotto: Nelke wirkt dort wie Medizin im Essen.
Eine Messerspitze Pulver ersetzt drei Knospen. Wer mehr nimmt, bekommt Bitterkeit und ein taubes Gefühl auf der Zunge.
Eine Nelke, auf die man beißt, betäubt den Mund für Minuten. Ganze Nelken vor dem Servieren entfernen oder im Teeei mitkochen.
Eugenol hemmt die Blutgerinnung. Als Gewürz kein Thema - konzentriertes Öl und Kapseln vor Operationen und bei Gerinnungshemmern meiden.
Nelkenöl ist für Kleinkinder giftig - schon wenige Milliliter können die Leber schädigen. Nie zum Zahnen einsetzen.
Zu welchem GerichtWo sie hingehören
- Rotkohl2–3 ganze Nelken, eine halbe Zwiebel, ein Lorbeerblatt - mit Apfel und Essig zwei Stunden schmoren.
- Sauerbraten & WildIn die Beize mit Lorbeer, Wacholder und Pfefferkörnern. Die Nelke macht die Sauce dunkel und tief.
- Glühwein & Punsch4 Nelken auf eine Flasche Rotwein, mit Zimtstange und Orangenscheiben, nie kochen lassen.
- BratapfelEin Apfel, gefüllt mit Marzipan und Rosinen, mit einer Nelke gespickt - 25 Minuten im Ofen.
- ChaiMit Kardamom, Ingwer, Zimt und schwarzem Tee in Milch ziehen lassen. Zwei Nelken auf eine Kanne.
- Lebkuchen & SpekulatiusGemahlen im Gewürzmix - hier darf sie deutlich schmecken, das ist der Lebkuchen.
- CurrymischungenGaram Masala ohne Nelke gibt es nicht. Ganze Nelken kurz mitrösten, dann mahlen.
- SchinkenEin glasierter Schinken, mit Nelken gespickt wie ein Igel - der Klassiker der englischen Küche.
- QuittenmarmeladeZwei Nelken mitkochen und vor dem Abfüllen herausnehmen - der Duft bleibt.
- Reis & PilawMit Zimtrinde und Kardamomkapseln im Reis: ganze Gewürze, die man beim Essen beiseitelegt.
Als HausmittelDie Nelke gegen Zahnschmerzen
Nelke auf den Zahn
- Eine ganze Nelke kurz zwischen den Backenzähnen anknacken, damit sie Öl abgibt.
- Sie mit der Zunge an die schmerzende Stelle legen und dort 10 bis 15 Minuten ruhen lassen.
- Nicht kauen, nicht schlucken - danach ausspucken und den Mund mit lauwarmem Wasser spülen.
- Höchstens zwei- bis dreimal am Tag, und nur, um die Zeit bis zum Zahnarzt zu überbrücken.
Pochender Zahnschmerz, gereiztes Zahnfleisch, ein empfindlicher Zahn nach dem Essen. Eugenol betäubt die Nerven an Ort und Stelle - der Zahnarzt nutzt denselben Stoff in provisorischen Füllungen.
Eine Nelke pro Anwendung. Nelkenöl aus der Flasche nur verdünnt (ein Tropfen auf einen Teelöffel Speiseöl) und nie bei Kindern. Eine Nelke lindert - sie heilt keinen kaputten Zahn.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Als Lavanga ein wärmendes, aber überraschend Pitta-verträgliches Gewürz: Es soll das Verdauungsfeuer anregen, den Atem klären und Husten lösen. Im Ayurveda gehört die Nelke zu den Gewürzen, die man in kleinen Mengen täglich nimmt, etwa im Chai.
Traditionelle Chinesische Medizin
Ding Xiang („Nagelduft“) wärmt nach der Lehre der TCM die Mitte und die Nieren, vertreibt Kälte aus dem Magen und stoppt Schluckauf und Erbrechen aus Kälte. Ein festes Mittel der Materia Medica, in kleiner Dosis als Abkochung.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Nelkenöl: hochkonzentriert und für Kinder giftig. Nie pur, nie innerlich, nie bei Kleinkindern - auch nicht aufs Zahnfleisch beim Zahnen.
- Blutgerinnung: Eugenol hemmt die Thrombozyten. Bei Blutverdünnern und vor Operationen keine Nelkenpräparate.
- Schleimhäute: pures Öl reizt und verätzt. Auf dem Zahnfleisch nur eine ganze Nelke, kein Öl.
- Leber: hohe Eugenol-Dosen belasten die Leber - als Gewürz unkritisch, als Kapsel oder Öl nicht.
- Schwangerschaft: Küchenmengen sind in Ordnung, konzentrierte Präparate nicht.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC: Assessment report on Syzygium aromaticum (L.) Merill et L. M. Perry, flos and aetheroleum, 2011.
- Cortés-Rojas DF, de Souza CRF, Oliveira WP. Clove (Syzygium aromaticum): a precious spice. Asian Pacific Journal of Tropical Biomedicine 2014; 4(2): 90–96.
- Carlsen MH et al. The total antioxidant content of more than 3100 foods, beverages, spices, herbs and supplements. Nutrition Journal 2010; 9: 3.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Hinweise zu ätherischen Ölen und Kindern - Eugenol.
- USDA FoodData Central: Spices, cloves, ground.


