Sternanis (Illicium verum)

Familie
SternanisgewächseSchisandraceae - kein Verwandter des Anis
Verwendet wird
Die sternförmige Fruchtganz oder gemahlen, acht Kammern mit je einem Samen
Geschmack
Süß, lakritzartig, kräftiger als Anisderselbe Duftstoff: Anethol
Herkunft
Südchina, Vietnambis heute fast ausschließlich dort
Bekannt aus
Fünf-Gewürze-Pulver, Phound als Rohstoff für Tamiflu
Nicht verwechseln
mit japanischem SternanisIllicium anisatum ist giftig - nur Handelsware

HerkunftDer Stern, der nach Anis schmeckt

Sternanis Gewürz Nahaufnahme

Sternanis ist mit Anis nicht verwandt - er ist ein Baum aus Südchina, der denselben Duftstoff bildet. Und er ist der Rohstoff, aus dem ein Grippemedikament gewonnen wurde.

Der Sternanisbaum ist ein immergrüner Magnolienverwandter aus den Bergen Südchinas und Nordvietnams. Seine Früchte - achtstrahlige Sterne, jede Kammer mit einem glänzenden Samen - werden unreif gepflückt und getrocknet. In China ist Sternanis seit Jahrtausenden Gewürz und Medizin, in Europa kam er erst um 1600 an, als englische Seefahrer ihn aus den Philippinen mitbrachten.

Die Weltproduktion liegt fast ganz in China und Vietnam. Bekannt wurde Sternanis außerhalb der Küche, als die Pharmaindustrie aus seiner Shikimisäure das Grippemittel Oseltamivir (Tamiflu) herstellte - während der Vogelgrippe wurde er knapp. Wichtig: Der japanische Sternanis (Illicium anisatum) sieht fast gleich aus und ist giftig - deshalb niemals wilde oder ungeprüfte Ware verwenden.

NutzenWas Sternanis für dich tut

Sternanis ist der kräftigere Bruder des Anis - mit demselben Wirkstoff und derselben Richtung: Anethol löst Krämpfe im Darm, treibt Blähungen aus und lockert Schleim in den Bronchien. In der chinesischen Medizin ist er das Mittel gegen Kälte im Bauch, gegen Erbrechen und Bauchschmerzen; die europäische Arzneimittelbehörde führt ihn traditionell bei Verdauungsbeschwerden und Erkältungshusten.

Sein antibakterielles und antivirales Potenzial - im Labor deutlich, am Menschen wenig untersucht - ist der Hintergrund des Tamiflu-Rohstoffs: Die Shikimisäure ist das Ausgangsmolekül, nicht der Wirkstoff selbst. Sternanistee ist also kein Grippemittel, aber ein wärmender, krampflösender Tee für die kalte Jahreszeit.

Ehrlich gesagt gilt bei Sternanis dasselbe wie beim Anis: ein verlässliches Bauch- und Hustengewürz mit guter Verträglichkeit - solange es die echte Ware ist.

8Kammern pro Stern - das Erkennungszeichen
85–90 %Anethol im ätherischen Öl - wie beim Anis
1Stern reicht für einen Topf Pho für sechs
0Toleranz für Verwechslung: japanischer Sternanis ist giftig

InhaltsstoffeDas steckt im Stern

trans-Anethol macht 85 bis 90 Prozent des ätherischen Öls aus - die lakritzsüße Note, die Sternanis mit Anis und Fenchel teilt. Dazu Limonen, Linalool und Estragol in kleinen Mengen. Der Ölgehalt der Frucht liegt bei fünf bis acht Prozent - höher als bei Anis, deshalb reicht ein Stern.

Außerdem Shikimisäure (bis 7 Prozent), Flavonoide und Gerbstoffe. Das Aroma sitzt in der Fruchtwand, nicht im Samen - deshalb den ganzen Stern verwenden, nicht die Kerne.

Verstärkte KombinationenWas Sternanis stärker macht

Sternanis ist ein Schmorgewürz: Er entfaltet sich langsam in Flüssigkeit und liebt Fleisch, Wärme und dunkle Aromen.

Fünf Gewürze

mit Zimt, Nelke, Fenchel & Sichuanpfeffer

Das chinesische Fünf-Gewürze-Pulver - Sternanis ist der Grundton. Für Ente, Schweinebauch, Rotschmoren.

Pho

mit Zimt, Ingwer & gerösteter Zwiebel

Die vietnamesische Nudelsuppe zieht ihre Tiefe aus Sternanis, Zimt, Nelke, Kardamom und angeröstetem Ingwer - stundenlang.

Schmoren

mit Sojasauce & Zucker

Rotgeschmortes Schweinefleisch (Hong Shao Rou): Sternanis, Soja, Reiswein, Kandis - die Süße trägt den Anis.

Winter

mit Orange & Zimt

Glühwein, Punsch, Bratapfel: ein Stern statt Anis - kräftiger, dekorativer.

Obst

mit Birne, Pflaume, Feige

Pochierte Birnen in Rotwein mit Sternanis - die französische Antwort.

Für den Bauch

mit Fenchel & Ingwer

Als Tee bei kaltem, krampfendem Bauch: zwei Anethol-Pflanzen und Ingwer als Wärme.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Geschmack

nicht mit Kreuzkümmel, Chili, Koriander

Süß gegen erdig-scharf: Sternanis passt nach Ostasien, nicht nach Indien oder Mexiko.

Geschmack

nicht in Tomate und Säure

Anethol und saure Tomate vertragen sich schlecht.

Dosis

nicht mehrere Sterne

Einer pro Topf. Zwei, und alles schmeckt nach Lakritzbonbon.

Technik

nicht gemahlen lagern

Das Öl verfliegt. Ganze Sterne kaufen, bei Bedarf mörsern.

Gesundheit

nicht selbst gesammelt oder unklarer Herkunft

Japanischer Sternanis (giftig, mit Anisatin) ist kaum zu unterscheiden. Vergiftungen bei Babys durch verunreinigten Tee sind dokumentiert - nur geprüfte Handelsware.

Gesundheit

nicht als Tee für Säuglinge

Auch echter Sternanis ist für Babys nicht geeignet - die Behörden warnen ausdrücklich.

Zu welchem GerichtWo er hingehört

  • Pho BoRinderknochen, angerösteter Ingwer und Zwiebel, Sternanis, Zimt, Nelke - sechs Stunden, dann Reisnudeln und dünnes Fleisch.
  • Rotgeschmortes SchweinSchweinebauch mit Soja, Reiswein, Kandis, Sternanis, Ingwer - zwei Stunden.
  • Fünf-Gewürze-EnteEnte mit Fünf-Gewürze-Pulver eingerieben, langsam gebraten.
  • GlühweinEin Stern, eine Zimtstange, Orangenscheiben - nie kochen.
  • Pochierte BirnenIn Rotwein mit Zucker, Sternanis und Zimt - 30 Minuten ziehen.
  • Chinesischer TeeeierEier in Schwarztee, Soja und Sternanis - marmoriert.
  • PflaumenkompottEin Stern zu den Pflaumen, mit Zimt - zu Grießbrei.
  • Ramen-BrüheSternanis in der Schweinebrühe für Tonkotsu.
  • Sternanis-TeeEin Stern zerbrochen, 10 Minuten ziehen - bei Blähungen.
  • SambucaDer italienische Anislikör wird heute meist aus Sternanis gemacht.
Faustregel: ganze Sterne mit acht gleichmäßigen Strahlen und rötlich-brauner Farbe kaufen, aus dem Gewürzhandel. Zerbrochene Sterne oder Pulver nicht - sie können den giftigen Doppelgänger verstecken.

Als HausmittelSternanistee bei kaltem Bauch und Husten

So geht’s

Sternanistee

  1. Einen Stern (aus geprüfter Handelsware) grob zerbrechen.
  2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
  3. Abseihen, mit Honig; bei Erkältung mit einer Scheibe Ingwer.
  4. Ein bis zwei Tassen am Tag - nur für Erwachsene und größere Kinder.
Wofür

Blähungen, Bauchkrämpfe, Völlegefühl, Husten mit Schleim, Frösteln. Der wärmende Anistee für den Winter.

Menge

Ein Stern pro Tasse, bis zwei Tassen täglich. Nie für Säuglinge und Kleinkinder - selbst echter Sternanis kann bei ihnen Krämpfe auslösen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Kein klassisches Ayurveda-Gewürz - Anis (Shatapushpa) übernimmt dort dieselbe Rolle. In der modernen ayurvedischen Praxis wird Sternanis wie Anis als Vata-senkendes, wärmendes Verdauungsgewürz genutzt.

Traditionelle Chinesische Medizin

Ba Jiao Hui Xiang („achteckiger Fenchel“) wärmt in der TCM Nieren und Mitte, vertreibt Kälte und bewegt das Qi - bei Bauchschmerzen aus Kälte, Erbrechen, Leistenbruchschmerz und kaltem Rücken. Ein alltägliches Mittel, meist in der Küche.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Verwechslung: japanischer Sternanis (Illicium anisatum) enthält das Nervengift Anisatin. Nur geprüfte Handelsware, keine zerbrochenen Sterne, kein Pulver unklarer Herkunft.
  • Säuglinge: kein Sternanistee für Babys - Krampfanfälle sind beschrieben, auch bei echtem Sternanis.
  • Ätherisches Öl: nie innerlich; äußerlich nur verdünnt.
  • Schwangerschaft: Küchenmenge unbedenklich, Tee-Kuren und Öl nicht.
  • Allergie: selten; Kreuzreaktionen mit Anis und Fenchel möglich.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC: Community herbal monograph on Illicium verum Hook. f., fructus, 2013 - Verdauungsbeschwerden, Erkältungshusten.
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Sternanis - Verunreinigung mit japanischem Sternanis, Stellungnahme.
  3. Ize-Ludlow D et al. Neurotoxicities in infants seen with the consumption of star anise tea. Pediatrics 2004; 114(5): e653–e656.
  4. Wang GW et al. Illicium verum: a review on its botany, traditional use, chemistry and pharmacology. Journal of Ethnopharmacology 2011; 136(1): 10–20.