Pimpinelle (Sanguisorba minor)

Familie
RosengewächseSanguisorba minor - kein Doldenblütler, trotz des Namens
Verwendet wird
Junge Blätterfrisch und roh; die runden Blattfiedern sehen aus wie kleine Sägeblätter
Geschmack
Gurke mit Nussfrisch, leicht herb, mit einer nussigen Spur im Nachgeschmack
Herkunft
Europa und Vorderasienauf Magerwiesen, Böschungen und Wegrändern verbreitet
Küchenrolle
Grüne Soßeeines der sieben Kräuter der Frankfurter Grünen Soße
Nicht verwechseln
Mit der BibernellePimpinella saxifraga ist eine völlig andere Pflanze

HerkunftDas Sägeblatt der Magerwiese

Wiesenkraut Pflanze Nahaufnahme

Zwei Pflanzen, ein Küchenname: Was in der Grünen Soße Pimpinelle heißt, ist botanisch der Kleine Wiesenknopf - und mit der echten Bibernelle nicht einmal verwandt.

Der Kleine Wiesenknopf wächst auf mageren, sonnigen Wiesen, an Böschungen, Wegrändern und Bahndämmen quer durch Europa und Vorderasien. Man erkennt ihn an den gefiederten Blättern mit den runden, tief gezähnten Fiederblättchen - jedes einzelne sieht aus wie ein kleines Sägeblatt - und an den kugeligen, rötlich-grünen Blütenköpfchen, die auf langen Stielen über dem Blattbüschel stehen. Botanisch gehört er zu den Rosengewächsen, in die Verwandtschaft von Erdbeere, Frauenmantel und Odermennig.

Der Gattungsname Sanguisorba heißt wörtlich „Blutschlürfer“ und verweist auf die alte Verwendung als blutstillendes Kraut: Gerbstoffreiche Blätter auf eine Schnittwunde gelegt, das war jahrhundertelang Standard in der Feldapotheke. Der römische Name Pimpinella wanderte irgendwann von einer Pflanze auf die andere - und seither heißt der Kleine Wiesenknopf in der Küche Pimpinelle, während die echte Bibernelle (Pimpinella saxifraga, ein Doldenblütler mit ganz anderem, würzig-scharfem Wurzelgeschmack) daneben steht und ignoriert wird. Für die Küche ist das folgenlos, beim Kräuterkauf und beim Sammeln aber nicht.

Seinen festen Platz hat er in der Frankfurter Grünen Soße, zusammen mit Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Kresse, Sauerampfer und Borretsch - sieben Kräuter, deren Zusammensetzung in Frankfurt fast schon Gesetzesrang hat. Auch in der Kasseler Grünen Soße und in englischen Salatmischungen taucht er auf; in England heißt er salad burnet und war im 16. Jahrhundert ein Standardkraut in Weinbowlen. Ein praktischer Vorteil macht ihn im Garten besonders wertvoll: Er ist ausdauernd und wintergrün. In milden Lagen kann man ihn das ganze Jahr über frisch ernten, wenn sonst nichts mehr im Beet steht.

NutzenWas die Pimpinelle für dich tut

Die Pimpinelle ist vor allem ein Vitamin- und Gerbstoffkraut mit einem sehr angenehmen Geschmack - und das ist als Einordnung schon ziemlich ehrlich. Frische Blätter liefern eine ordentliche Portion Vitamin C, dazu Flavonoide und einen erheblichen Anteil Gerbstoffe. Die Gerbstoffe sind der Grund für die überlieferten Anwendungen: adstringierend, also zusammenziehend auf Schleimhäute und Wundflächen, und dadurch traditionell bei Durchfall, bei Halskratzen und äußerlich auf kleinen Wunden eingesetzt.

In der Volksmedizin galt der Wiesenknopf entsprechend als blutstillend und wundheilend - der Name sagt es ja bereits. Eine anerkannte arzneiliche Anwendung für den Kleinen Wiesenknopf gibt es heute nicht; er ist in den Monographien schlicht nicht vertreten. Wichtig ist die Abgrenzung zum Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis): Dessen Wurzel ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Di Yu eine feste Größe und wird dort bei Blutungen und bei Verbrennungen eingesetzt. Das ist eine andere Art mit deutlich höherem Gerbstoffgehalt - und kein Argument dafür, dem Küchenkraut dieselben Kräfte zuzuschreiben.

Realistisch gesehen ist der Nutzen der Pimpinelle also der eines guten Wildgemüses: frisch, vitaminreich, ballaststoffreich, das ganze Jahr verfügbar und in der Lage, ein Gericht deutlich besser zu machen. Wer im Februar frische Blätter aus dem eigenen Beet in den Quark schneidet, hat davon mehr als von jedem Laborbefund.

1 von 7Kräutern der Frankfurter Grünen Soße
Rosengewächsverwandt mit Erdbeere und Frauenmantel, nicht mit der Bibernelle
Wintergrünin milden Lagen das ganze Jahr über frisch erntbar
Nur rohHitze nimmt Gurkenaroma und Farbe in wenigen Minuten

InhaltsstoffeDas steckt in der Pimpinelle

Der auffälligste Bestandteil sind die Gerbstoffe - vor allem Ellagitannine und Gallotannine, dieselbe Stoffgruppe, die auch schwarzen Tee zusammenziehend macht. Sie sind für den leicht herben Nachgeschmack verantwortlich und für die überlieferte blutstillende und durchfallhemmende Wirkung. Im jungen Blatt sind sie angenehm dosiert, in alten Blättern und in den Blütenstielen werden sie deutlich strenger - ein weiterer Grund, nur die frischen Triebe zu ernten.

Dazu kommen Vitamin C in beachtlicher Menge, Flavonoide wie Rutin und Quercetin, Saponine, Kalium, Magnesium und Kieselsäure. Ein ätherisches Öl gibt es nur in Spuren - der Gurkengeschmack entsteht nicht wie bei vielen Küchenkräutern durch ätherische Öle, sondern durch flüchtige Aldehyde und die Kombination aus Frische, Gerbstoff und einem Hauch Bitterkeit.

Genau deshalb reagiert die Pflanze so empfindlich auf Hitze und aufs Trocknen: Es gibt hier kein stabiles Aromaöl, das Kochen oder Lagerung überstehen würde. Getrocknete Pimpinelle schmeckt nach nichts; eingefrorene funktioniert leidlich in Soßen, ist aber matschig. Frisch geschnitten ist die einzige Form, die wirklich lohnt.

Verstärkte KombinationenWas die Pimpinelle stärker macht

Ein Kraut für die kalte Küche. Was ihm hilft, ist Frische, Fett und Säure - was ihm schadet, ist im Wesentlichen jede Form von Hitze.

Klassiker

mit den sechs anderen Soßenkräutern

Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Kresse, Sauerampfer, Borretsch: In dieser Runde liefert die Pimpinelle Nuss und Herbe als Gegengewicht zur Säure.

Milchsäure

mit Quark, Schmand & Joghurt

Der leicht herbe Gurkengeschmack braucht Fett, um sich zu entfalten - Kräuterquark ist die beste Bühne dafür.

Ei

mit hartem Ei & Senf

In Grüner Soße, Sauce verte und Eiersalat: Ei bindet die Gerbstoffe und macht das Kraut runder.

Säure

mit Zitrone & Essig

Ein Spritzer Säure hebt die Frische und hält die grüne Farbe - wichtig bei allem, was länger stehen soll.

Gurke

mit Gurke & Dill

Doppelte Gurkennote plus Dill: der klassische Sommersalat, ohne dass man mehr als drei Zutaten braucht.

Winter

mit Feldsalat & Walnuss

Weil sie wintergrün ist, kann sie im Januar frisch in den Feldsalat - mit Walnussöl greift die nussige Note perfekt.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Technik

nicht mitkochen

Innerhalb von Minuten sind Farbe und Gurkenaroma weg und es bleibt nur Gerbstoff. Immer erst nach dem Herd zugeben.

Vorrat

nicht trocknen

Ohne stabiles ätherisches Öl bleibt beim Trocknen nichts übrig - getrocknete Pimpinelle ist reine Dekoration.

Ernte

nicht die alten Blätter und Stiele

Ältere Blätter werden zäh und deutlich gerbstoffbitter; nur die jungen, weichen Fiederblätter aus der Mitte schneiden.

Verwechslung

nicht mit Bibernelle gleichsetzen

Pimpinella saxifraga ist ein Doldenblütler mit scharf-würziger Wurzel und in der Grünen Soße fehl am Platz.

Standort

nicht am Straßenrand sammeln

Magerwiesen am Feldweg ja, Hundewiese und Bankett einer Landstraße nein - die Blätter werden roh gegessen.

Gesundheit

nicht als Dauertee bei Eisenmangel

Gerbstoffe binden Eisen aus pflanzlicher Nahrung; wer Eisen aufbaut, trinkt gerbstoffreiche Aufgüsse nicht zu den Mahlzeiten.

Zu welchem GerichtWo sie hingehört

  • Frankfurter Grüne SoßeSieben Kräuter fein gehackt in Schmand, Joghurt, hartem Ei und Öl - zu Pellkartoffeln, Ei und Rindfleisch.
  • KräuterquarkJunge Blätter mit Schnittlauch und Petersilie unter Quark, Salz, Pfeffer, einem Löffel Sahne.
  • GurkensalatGurkenscheiben mit Pimpinelle, Dill und Joghurtdressing - die Gurke doppelt gedacht.
  • WintersalatFeldsalat, Pimpinelle, geröstete Walnüsse, Walnussöl - im Januar aus dem eigenen Beet.
  • KräuterbutterFeingehackt in weiche Butter mit Zitronenabrieb und Salz, zu Fisch und Ofengemüse.
  • Sauce verteFranzösische kalte Kräutersoße mit Mayonnaise-Basis - zu pochiertem Fisch und kaltem Braten.
  • Frischkäse-AufstrichMit Frischkäse, etwas Knoblauch und Zitrone glattgerührt, aufs Sauerteigbrot.
  • KräuteressigEin paar Triebe in Weißweinessig - bringt die Gurkennote in die Vinaigrette.
  • Kalte KräutersuppeErst nach dem Pürieren und Abkühlen zugeben, sonst ist das Aroma weg.
  • Bowle und LimonadeWie im 16. Jahrhundert: ein paar Triebe in die Sommerbowle, dazu Zitrone und Minze.
Faustregel: Nur junge Blätter, immer roh, immer zum Schluss - gehackt entwickelt sie ihr Aroma sofort und verliert es genauso schnell wieder. Im Garten ist sie eine der dankbarsten Pflanzen überhaupt: mager, sonnig, einmal gesetzt, dann jahrelang da und in milden Wintern durchgehend erntbar. Blütenstiele regelmäßig abschneiden, dann bleiben die Blätter zart.

Als HausmittelGurgeln mit Wiesenknopf

So geht’s

Gerbstoff-Gurgellösung bei Halskratzen

  1. Zwei Teelöffel frische, junge Pimpinelleblätter grob hacken - oder ersatzweise einen Teelöffel getrocknete Salbeiblätter, wenn gerade nichts Frisches da ist.
  2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen; die Gerbstoffe brauchen die Zeit und die Hitze.
  3. Abseihen und auf angenehme Trinktemperatur abkühlen lassen - zu heiß reizt die ohnehin gereizte Schleimhaut zusätzlich.
  4. Drei- bis viermal täglich eine halbe Tasse gurgeln, jeweils etwa eine Minute, danach nicht sofort nachtrinken.
Wofür

Bei Halskratzen, leicht gereiztem Rachen und wundem Zahnfleisch. Die Gerbstoffe ziehen die oberste Schleimhautschicht leicht zusammen und legen sich wie ein dünner Schutzfilm darüber - das lindert das Kratzen spürbar. Genau dieses Prinzip steckt auch hinter dem Gurgeln mit Salbei oder schwarzem Tee. Das ist eine gute, alte Hausanwendung, aber kein Mittel gegen eine bakterielle Mandelentzündung.

Menge

Drei- bis viermal täglich, über wenige Tage. Nicht schlucken in größeren Mengen und nicht dauerhaft anwenden - Gerbstoffe können bei empfindlichem Magen reizen und hemmen die Eisenaufnahme. Bei Fieber, einseitigen starken Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder Beschwerden über eine Woche gehört das ärztlich abgeklärt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Kleine Wiesenknopf ist keine ayurvedische Pflanze; er wächst nicht im indischen Raum und kommt in den klassischen Texten nicht vor. Nach seinen Eigenschaften eingeordnet wäre er kühl, leicht und zusammenziehend (Kashaya, der herbe Geschmack): Pitta und Kapha senkend, bei Vata in größeren Mengen eher ungünstig, weil Herbes trocknet. Das ist eine Übertragung nach Prinzip, keine überlieferte Anwendung.

Traditionelle Chinesische Medizin

Hier wird es interessant, aber man muss genau hinsehen: Nicht der Kleine, sondern der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) ist in der chinesischen Materia Medica fest verankert - die Wurzel als Di Yu, bitter, sauer und kühl, dem Dickdarm und der Leber zugeordnet. Sie gilt als blutkühlend und blutstillend und wird traditionell bei blutigen Durchfällen und äußerlich bei Verbrennungen eingesetzt. Der kleine Verwandte aus der Grünen Soße teilt die Stoffgruppe, aber nicht die Konzentration und nicht die Anwendung.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Verwechslung: Pimpinelle (Kleiner Wiesenknopf) und Bibernelle (Pimpinella saxifraga) sind verschiedene Pflanzen - beim Sammeln sicher bestimmen.
  • Gerbstoffe: können bei empfindlichem Magen reizen und hemmen die Eisenaufnahme aus pflanzlicher Nahrung - nicht als Dauertee zu den Mahlzeiten.
  • Sammelstellen: nur auf sauberen Wiesen abseits von Straßen, Hundewiesen und gedüngten Flächen ernten, weil die Blätter roh gegessen werden.
  • Schwangerschaft: als Küchenkraut unbedenklich; auf konzentrierte Aufgüsse und Tinkturen vorsichtshalber verzichten, es fehlen Daten.
  • Allergie: Rosengewächs-Allergien sind selten, aber möglich - bei bekannter Kreuzallergie erst in kleiner Menge testen.
  • Nicht arzneilich anerkannt: für den Kleinen Wiesenknopf gibt es keine geprüfte arzneiliche Anwendung - die Gurgellösung ist Hausmittel, kein Medikament.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Gattung Sanguisorba.
  2. Fleischhauer SG, Guthmann J, Spiegelberger R: Enzyklopädie essbare Wildpflanzen. AT Verlag - Sanguisorba minor, Kleiner Wiesenknopf.
  3. Chinesische Arzneimittellehre: Sanguisorbae radix (Di Yu) - blutkühlend und blutstillend, bezogen auf Sanguisorba officinalis.
  4. Bundesamt für Naturschutz, FloraWeb: Sanguisorba minor - Verbreitung, Standortansprüche und Ökologie des Kleinen Wiesenknopfs.
  5. Frankfurter Grüne Soße: die sieben traditionellen Kräuter - Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Kresse, Sauerampfer, Borretsch, Pimpinelle.