Tamarinde (Tamarindus indica)

Botanischer Name
Tamarindus indicaHülsenfrüchtler (Fabaceae)
Verwendet wird
Das Mus aus der Hülseals Paste, Block oder Konzentrat
Geschmack
Sauer-süß, dattelartigdie Säure kommt von Weinsäure
Herkunft
Ostafrikaseit Jahrtausenden in Indien zu Hause
Bekannt für
Die Säure im Pad Thaiund in der Worcestershiresauce
Saison
Ganzjähriggetrocknet, fast nur als Import

HerkunftDie Dattel aus Indien

Braune Tamarindenschoten auf Holz

Der Name kommt aus dem Arabischen: tamr hindi heißt „indische Dattel“.

Der Tamarindenbaum stammt vermutlich aus den Trockenwäldern Ostafrikas, wurde aber so früh nach Indien gebracht, dass ihn schon alte Sanskrit-Texte kennen. Von dort reiste er weiter nach Südostasien; spanische und portugiesische Schiffe brachten ihn nach Mexiko und in die Karibik, wo aus dem Mus bis heute Erfrischungsgetränke und Süßigkeiten gemacht werden.

Der Baum wird mehrere hundert Jahre alt, übersteht lange Trockenheit und spendet dichten Schatten - in vielen Dörfern Indiens und Westafrikas ist er deshalb der Versammlungsbaum. Aus den Hülsen wird das Mus gelöst und zu Paste, Konzentrat oder den bekannten dunklen Blöcken gepresst. In den Blöcken stecken meistens noch Kerne und zähe Fasern; Paste und Konzentrat im Glas sind bereits passiert und sofort einsatzbereit.

NutzenWas Tamarinde für dich tut

100 g Fruchtmus liefern rund 240 kcal und etwa 62 g Kohlenhydrate, davon den größten Teil als Zucker. Dazu kommen gut 5 g Ballaststoffe, knapp 3 g Eiweiß, rund 630 mg Kalium, 92 mg Magnesium, 74 mg Calcium, 2,8 mg Eisen und viel Vitamin B1. In der Küche zählt das allerdings nur bedingt: Ein Esslöffel Paste würzt eine ganze Pfanne und bringt entsprechend wenig davon auf den Teller.

Die Säure stammt vor allem von Weinsäure. Das ist ungewöhnlich - die meisten Früchte setzen auf Zitronen- oder Apfelsäure. Weinsäure schmeckt weicher und runder, macht das Mus lange haltbar und hilft in Marinaden, Fleisch und Gemüse zart zu machen. Wer Zitronensaft durch Tamarinde ersetzt, merkt den Unterschied: weniger spitz, mehr Tiefe.

In der Volksmedizin Indiens und Westafrikas gilt das Mus seit Langem als mildes Abführmittel, und Übersichtsarbeiten führen eine lange Liste weiterer traditioneller Anwendungen auf - von Fieber bis Wunden. Belastbare Studien am Menschen fehlen dafür fast durchweg, und eine europäische Monografie des HMPC-Ausschusses der EMA gibt es für Tamarinde nicht. Als Würze ist sie ein Gewinn, als Arznei unbelegt.

ca. 630 mgKalium pro 100 g Fruchtmus
ca. 5 gBallaststoffe pro 100 g
ca. 62 gKohlenhydrate pro 100 g - fast alles Zucker
1–2 ELPaste reichen für ein ganzes Gericht

InhaltsstoffeDas steckt in der Tamarinde

Das Fruchtmus enthält Zucker, vor allem Glucose und Fructose, Fruchtsäuren mit Weinsäure als Hauptanteil, Pektin und weitere Ballaststoffe, Eiweiß, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen, die Vitamine B1, B2 und B3 sowie Polyphenole wie Procyanidine, Catechin und Epicatechin.

Die Kerne sind steinhart und werden in Indien zu Mehl und zu Tamarindenkernpolysaccharid verarbeitet, einem Verdickungsmittel. Auch die jungen Blätter und die Blüten sind essbar und kommen in Südindien in Suppen und Salate.

Verstärkte KombinationenWas Tamarinde stärker macht

Tamarinde ist die Säure, die Schärfe und Süße zusammenhält - allein steht sie selten gut da.

Schärfe

mit Chili

Der Klassiker in Currys und Chutneys.

Süße

mit Palmzucker oder Dattel

Rundet die Säure ab.

Gewürz

mit Kreuzkümmel & Koriander

Die Basis von Sambar und Rasam.

Wurzel

mit Ingwer

Frische Schärfe zur weichen Säure.

Marinade

für Fisch und Geflügel

Die Fruchtsäure macht zart.

Farbe

mit Kurkuma

Goldene Currys mit Tiefe.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Zucker

nicht als Bonbon und Sirup

Tamarindensüßigkeiten sind fast reiner Zucker.

Kinder

keine importierten Tamarindenbonbons

Vereinzelt mit Blei belastet.

Topf

nicht in Aluminium oder Gusseisen

Die Säure löst Metall und schmeckt metallisch.

Menge

nicht löffelweise pur

Wirkt in Mengen abführend.

Zähne

nicht ständig sauer nachspülen

Säure greift den Zahnschmelz an.

Block

nicht ungesiebt verwenden

Kerne und Fasern gehören heraus.

In der KücheWo sie hingehört

  • Pad ThaiDie Säure in der Sauce.
  • SambarSüdindischer Linseneintopf.
  • Tamarinden-ChutneySüß-sauer zu Samosas.
  • RasamDünne, scharfe Pfeffersuppe.
  • WorcestershiresauceTamarinde ist eine Grundzutat.
  • Massaman-CurryMit Kartoffeln und Erdnüssen.
  • Agua de tamarindoMexikanisches Erfrischungsgetränk.
  • FischcurryMit Kokosmilch und Tamarinde.
  • Barbecue-SauceStatt Essig für die Säure.
  • Linsen-DalEin Löffel Paste ganz zum Schluss.
Faustregel: Aus dem Block: ein daumengroßes Stück mit 150 ml heißem Wasser übergießen, zehn Minuten einweichen, mit den Fingern zerdrücken und durch ein Sieb streichen. Kerne und Fasern wegwerfen, das Konzentrat portionsweise einfrieren. Fertige Paste im Glas ist bequemer, aber oft schwächer - erst abschmecken, dann nachlegen.

Als HausmittelTamarindenwasser für heiße Tage

So geht’s

Agua de tamarindo

  1. Ein daumengroßes Stück Tamarindenblock, etwa 30 g, mit 250 ml heißem Wasser übergießen.
  2. Zehn bis fünfzehn Minuten ziehen lassen und dann mit einer Gabel gründlich zerdrücken.
  3. Durch ein feines Sieb streichen und Kerne und Fasern entfernen.
  4. Mit 750 ml kaltem Wasser aufgießen, nach Geschmack wenig Zucker oder Honig zugeben und gekühlt trinken.
Wofür

In Mexiko und Indien ein Alltagsgetränk gegen die Hitze: sauer, leicht süß und erfrischender als reines Wasser. Traditionell wird ihm zusätzlich eine milde Wirkung auf den trägen Darm zugeschrieben - belegt ist das nicht, und als Abführmittel taugt es nicht.

Menge

Ein bis zwei Gläser am Tag. Wer auf Zucker achtet, lässt ihn ganz weg und verdünnt stärker. Nach dem Trinken den Mund mit Wasser ausspülen und erst eine halbe Stunde später die Zähne putzen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Im Ayurveda ist Tamarinde (amlika) gut bekannt: sauer im Geschmack, erhitzend und schwer. Sie soll das Verdauungsfeuer anregen und Vata beruhigen, gilt bei Pitta aber als reizend und wird dort nur sparsam verwendet.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM wird Tamarinde als süß-sauer und kühl eingeordnet. Sie soll Hitze ausleiten, den Durst stillen und Nahrungsstau lösen - eine typische Rolle für saure Früchte in heißen Klimazonen.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Zucker: Tamarindensüßigkeiten, Sirupe und Fertiggetränke enthalten oft sehr viel Zucker - bei Diabetes und für Kinder sparsam.
  • Blei: bei importierten Tamarindenbonbons und -pulvern sind wiederholt erhöhte Bleigehalte aufgefallen, besonders im Zusammenhang mit Verpackungen; Kindern besser keine geben.
  • Abführend: größere Mengen des puren Muses weichen den Stuhl deutlich auf.
  • Zahnschmelz: die Weinsäure greift den Schmelz an; nach sauren Getränken nicht sofort die Zähne putzen.
  • Medikamente: Tamarinde kann die Aufnahme einzelner Wirkstoffe beeinflussen; bei Dauermedikation größere Mengen ärztlich besprechen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. USDA FoodData Central: Tamarinds, raw.
  2. Kuru P. Tamarindus indica and its health related effects. Asian Pacific Journal of Tropical Biomedicine 2014; 4(9): 676–681.
  3. Bhadoriya SS, Ganeshpurkar A, Narwaria J, Rai G, Jain AP. Tamarindus indica: Extent of explored potential. Pharmacognosy Reviews 2011; 5(9): 73–81.
  4. Centers for Disease Control and Prevention: Childhood lead poisoning associated with tamarind candy and folk remedies - California, 1999–2000. MMWR 2002; 51(31): 684.
  5. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): European Union monographs and list entries - für Tamarindus indica ist dort keine Monografie verzeichnet.