Quitte (Cydonia oblonga)

Botanischer Name
Cydonia oblongaRosengewächse (Rosaceae), Kernobst
Verwendet wird
Die Frucht, die KerneFrucht nur gegart, Kerne nur ganz eingeweicht
Geschmack
Roh hart und herbgegart duftend, süß-säuerlich
Herkunft
Kaukasus und Vorderasienseit der Antike in Südeuropa
Bekannt für
Viel Pektingeliert fast von allein
Saison
Oktober bis Novembergelagert bis in den Winter

HerkunftDer goldene Apfel der Antike

Gelbe Quitten auf einem Holzbrett, einige halbiert

Viele Forscher halten die „goldenen Äpfel“ der griechischen Sagen für Quitten - sie galten als Frucht der Liebe und der Hochzeit.

Die Quitte stammt aus dem östlichen Kaukasus und dem Gebiet des heutigen Iran. Von dort kam sie nach Griechenland, wo sie um 650 v. Chr. als mala cydonia beschrieben wurde - nach der Stadt Kydonia auf Kreta. Die Römer brachten sie nach Mitteleuropa, Das Wort „Marmelade“ stammt vom portugiesischen marmelo - Quitte.

Man unterscheidet grob zwei Formen: die rundliche Apfelquitte mit festem, sehr aromatischem Fleisch und die längliche Birnenquitte, die weicher und milder ist. Die Früchte tragen einen feinen, grauen Flaum, der vor dem Verarbeiten abgerieben wird. In Deutschland wächst die Quitte in wärmeren Lagen gut, geerntet wird im Oktober und November vor dem ersten Frost. Nicht verwechseln mit der Zierquitte (Chaenomeles), einem Zierstrauch mit kleinen, sehr sauren Früchten.

NutzenWas die Quitte für dich tut

100 g rohe Quitte liefern laut USDA rund 57 kcal, knapp 2 g Ballaststoffe, etwa 15 mg Vitamin C und rund 200 mg Kalium. Das Besondere ist ihr hoher Gehalt an Pektin - etwa 2 g pro 100 g, mehr als in den meisten anderen Obstsorten. Pektin ist ein löslicher Ballaststoff, der im Darm Wasser bindet und den Stuhl reguliert.

Roh ist die Quitte kaum genießbar: Gerbstoffe und Steinzellen machen sie hart, sauer und pelzig im Mund. Das Bundeszentrum für Ernährung betont, dass sich das typische Aroma erst beim Erhitzen entfaltet.

In der Volksheilkunde galt gekochte Quitte als mild, stopfend und magenfreundlich - bei leichtem Durchfall und verstimmtem Bauch. Laborstudien zeigen antioxidative Effekte, klinische Studien am Menschen gibt es kaum. Die Quitte ist ein wertvolles Herbstobst, keine Arznei.

ca. 2 gPektin pro 100 g Frucht
ca. 15 mgVitamin C pro 100 g (roh)
ca. 57 kcalpro 100 g
2–3 Monatehält sie kühl gelagert

InhaltsstoffeDas steckt in der Quitte

Die Frucht enthält Zucker (Fructose, Glucose), Fruchtsäuren wie Äpfel- und Zitronensäure, Pektin und andere Ballaststoffe, Gerbstoffe, Polyphenole (Chlorogensäure, Flavonole wie Quercetin- und Kaempferolglykoside), Vitamin C, einige B-Vitamine, Kalium sowie viele Aromastoffe, die den typischen Quittenduft ausmachen.

Die Kerne sind von einer Schleimschicht aus Polysacchariden umgeben, die in Wasser stark quillt. Im Inneren enthalten sie - wie Apfel- und Aprikosenkerne - Amygdalin, ein cyanogenes Glykosid. Werden die Kerne zerbissen oder zerkleinert, kann daraus Blausäure freigesetzt werden. Ganze, nur eingeweichte Kerne geben dagegen vor allem ihren Schleim ab.

Verstärkte KombinationenWas die Quitte stärker macht

Die Quitte braucht Hitze, etwas Süße und Gewürze - dann wird aus der harten Frucht ein Duftwunder.

Wärme

mit Zimt & Nelke

Die klassischen Quittengewürze.

Säure

mit Zitronensaft

Hält die Farbe und hebt das Aroma.

Kernobst

mit Apfel oder Birne

Für Kompott und Mus.

Herzhaft

zu Wild & Käse

Quittenbrot zu Manchego ist ein Klassiker.

Frühstück

mit Haferbrei

Gedünstete Quitte statt Marmelade.

Vanille

mit Vanilleschote

Rundet das herbe Aroma ab.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Roh

nicht roh essen

Hart, gerbstoffreich und schwer verdaulich.

Kerne

nicht zerbeißen oder mahlen

Amygdalin kann Blausäure bilden.

Flaum

nicht mit Flaum kochen

Macht Gelee trüb und bitter - vorher abreiben.

Zucker

nicht nur als Gelee in Mengen

Viel Zucker - lieber auch gedünstet essen.

Aufbewahren

nicht neben anderem Obst

Der starke Duft zieht in Äpfel ein.

Verwechslung

nicht mit Zierquitte verwechseln

Andere Pflanze, andere Früchte.

In der KücheWo sie hingehört

  • QuittengeleeKlar, goldrot, fast ohne Geliermittel.
  • QuittenbrotFest eingekochtes Mus, in Stücken.
  • QuittenkompottMit Zimt und Zitrone.
  • QuittenmusWie Apfelmus, aber aromatischer.
  • Gebackene QuitteHalbiert mit Honig im Ofen.
  • Quitten-Apfel-KuchenHerbstlicher Blechkuchen.
  • QuittenchutneyMit Zwiebel und Ingwer zu Käse.
  • Tajine mit QuitteOrientalisch mit Hülsenfrüchten.
  • QuittensaftHeiß entsaftet, pur oder verdünnt.
  • QuittenlikörAus Saft angesetzt.
Faustregel: Den Flaum mit einem Küchentuch gründlich abreiben, die Quitte waschen und mit einem großen, scharfen Messer vierteln - sie ist sehr hart. Für Gelee Schale und Kerngehäuse mitkochen, denn dort sitzt besonders viel Pektin - die Kerne dabei ganz lassen.

Als HausmittelQuittenschleim aus ganzen Kernen

So geht’s

Quittenschleim

  1. Die Kerne aus einigen Quitten herauslösen und nur ganze, unbeschädigte Kerne verwenden.
  2. 1 Teelöffel ganze Kerne mit etwa 100 ml kaltem Wasser übergießen - nicht zerdrücken, nicht mahlen.
  3. Etwa 30 Minuten bis einige Stunden quellen lassen und ab und zu umschwenken, bis sich ein zäher Schleim bildet.
  4. Die Flüssigkeit durch ein feines Sieb abgießen, die Kerne wegwerfen und nur den Schleim verwenden.
Wofür

Quittenschleim ist ein altes Hausmittel, vor allem für die Haut: bei rauen, rissigen Händen und spröden Lippen dünn auftragen. Traditionell wurde er auch bei Reizhusten und rauem Hals gegurgelt oder in kleinen Schlucken eingenommen. Wissenschaftlich belegt ist diese Anwendung nicht; die Wirkung beruht wie bei Eibisch und Leinsamen auf einer schützenden Schleimschicht.

Menge

Am besten frisch ansetzen und im Kühlschrank höchstens einen Tag aufbewahren. Äußerlich nach Bedarf. Innerlich nur den abgeseihten Schleim und nur teelöffelweise; Kinder, Schwangere und Stillende verzichten besser darauf. Die Kerne selbst nie essen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Im klassischen Ayurveda spielt die Quitte kaum eine Rolle, in der persisch-arabischen Unani-Medizin dagegen schon: Die Kerne (Bihidana) werden dort als Schleimmittel bei Husten und rauer Haut eingesetzt.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM ist mit „Mu Gua“ meist nicht die Quitte, sondern die verwandte Scheinquitte (Chaenomeles speciosa) gemeint. Sie gilt als sauer und warm, soll Muskeln und Sehnen entspannen und Feuchtigkeit ausleiten.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Kerne: nie zerbeißen, mahlen oder mitpürieren - sie enthalten Amygdalin, aus dem Blausäure entstehen kann.
  • Roh: rohe Quitte ist schwer verdaulich; immer garen.
  • Hausmittel: für Quittenschleim nur ganze Kerne kalt einweichen und den Schleim abseihen.
  • Zucker: Gelee, Quittenbrot und Likör enthalten viel Zucker - bei Diabetes in kleinen Mengen.
  • Allergie: Kreuzreaktionen bei Apfel- und Birkenpollenallergie sind möglich, gegart meist besser verträglich.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Ashraf MU, Muhammad G, Hussain MA, Bukhari SNA. Cydonia oblonga M., a medicinal plant rich in phytonutrients for pharmaceuticals. Frontiers in Pharmacology 2016; 7: 163.
  2. Kostecka-Gugała A. Quinces (Cydonia oblonga, Chaenomeles sp., and Pseudocydonia sinensis) as medicinal fruits of the Rosaceae family: current state of knowledge on properties and use. Antioxidants 2024; 13(1): 71.
  3. EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM). Acute health risks related to the presence of cyanogenic glycosides in raw apricot kernels and products derived from raw apricot kernels. EFSA Journal 2016; 14(4): 4424.
  4. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Quitten: Goldgelbe Schätze aus dem Herbstgarten. 2025.
  5. USDA FoodData Central: Quinces, raw.