Bulgur (Triticum durum)
HerkunftDas Vorratskorn des Orients

Der Name kommt über das Türkische aus dem Persischen und bedeutet so viel wie „zerstoßenes Korn“.
Bulgur wird im Vorderen Orient seit Jahrtausenden hergestellt. Nach der Ernte kochten die Familien den Weizen in großen Kesseln, breiteten ihn auf Flachdächern zum Trocknen aus und brachen ihn dann in Steinmühlen. So vorbereitet, verdarb das Korn nicht, war vor Schädlingen geschützt und im Winter in wenigen Minuten gar. In anatolischen Dörfern wird Bulgur bis heute im Spätsommer gemeinsam hergestellt.
In der Türkei, in Syrien, im Libanon und in Armenien ist Bulgur Alltagskost: als Pilaw, als Füllung, in Köfte und Kibbeh und vor allem in Salaten wie Taboulé und Kısır. Nach Deutschland kam er mit den Menschen aus der Türkei und dem Nahen Osten. Heute stammt der Hartweizen für unseren Bulgur überwiegend aus der Türkei, Kanada und Südeuropa, etwas auch aus deutschem Anbau.
NutzenWas Bulgur für dich tut
100 g trockener Bulgur liefern nach USDA-Daten rund 340 kcal, 12 g Eiweiß und etwa 12 g Ballaststoffe, dazu rund 160 mg Magnesium, 2,5 mg Eisen, Zink, B-Vitamine und besonders viel Mangan. Gekocht sind es pro 100 g nur gut 80 kcal und 4,5 g Ballaststoffe - mehr als zehnmal so viel wie in gekochtem weißem Reis.
Bulgur hat einen niedrigen glykämischen Index: Messungen liegen um 46 bis 48, weißer Reis meist deutlich über 60. Schon eine Studie von 1986 zeigte, dass Bulgur den Blutzucker weniger stark ansteigen lässt als Brot aus demselben Weizen. Der Grund ist das Vorgaren: Die Stärke verkleistert und zieht sich beim Trocknen wieder zusammen, sodass sie langsamer verdaut wird. Große Beobachtungsstudien verbinden einen hohen Vollkornverzehr mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes; Bulgur ist ein einfacher Weg dorthin.
Bulgur ist aber Weizen. Er enthält Gluten und ist bei Zöliakie und Weizenallergie nicht geeignet. Beim Kochen verliert er kaum etwas, weil er das Wasser vollständig aufnimmt.
InhaltsstoffeDas steckt im Bulgur
Bulgur enthält Stärke, Weizeneiweiß (einschließlich Gluten), Ballaststoffe - vor allem unlösliche Cellulose und Arabinoxylane aus der Kleie –, Phenolsäuren wie Ferulasäure, Lignane, Carotinoide wie Lutein sowie Magnesium, Mangan, Eisen, Zink, Phosphor, Kalium, Selen und die Vitamine B1, B3, B6 und Folat.
Beim Vorkochen wandern wasserlösliche Vitamine und Mineralstoffe aus der Schale teilweise ins Korninnere. Ein Teil der äußersten Kleie wird beim Schälen entfernt, Bulgur zählt aber nach gängiger Einordnung als Vollkornprodukt. Grober Bulgur (pilavlık) eignet sich für warme Gerichte, feiner (köftelik) für Salate und Köfte.
Verstärkte KombinationenWas Bulgur stärker macht
Bulgur nimmt jeden Geschmack an - Kräuter, Zitrone und Hülsenfrüchte machen ihn zur vollwertigen Mahlzeit.
Die Basis für Taboulé.
Hilft dem Körper beim pflanzlichen Eisen.
Ergänzt sich zu einem vollständigen Eiweißprofil.
Bringt Geschmack und fettlösliche Carotinoide.
So würzt man Kısır.
Frisch und knackig im Salat.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Bulgur ist Weizen und enthält Gluten.
Couscous ist gerollter Grieß, kein ganzes Korn.
Wasser genau abmessen, dann bleibt alles drin.
Gekochtes Getreide rasch kühlen.
Weizen enthält Fruktane.
Oft viel Salz und Aroma dabei.
In der KücheWo er hingehört
- TabouléLibanesisch: viel Petersilie, wenig Bulgur.
- KısırTürkischer Bulgursalat mit Paprikamark.
- Bulgur-PilawMit Tomate und Zwiebel.
- KöfteVegetarisch als Mercimek köftesi mit Linsen.
- KibbehBulgur-Teigtaschen aus der Levante.
- Gefüllte PaprikaBulgur statt Reis.
- SuppenEin Löffel bindet und sättigt.
- FrühstücksbreiMit Milch, Zimt und Obst.
- BowlMit Ofengemüse und Joghurt.
- BratlingeMit Gemüse und Ei geformt.
Als HausmittelBulgur als sanfter Sattmacher
Warmer Bulgur-Kräuterbrei
- 50 g groben Bulgur in einem Topf ohne Fett kurz anrösten.
- 200 ml Gemüsebrühe angießen, aufkochen und zugedeckt 15 Minuten bei kleiner Hitze quellen lassen.
- Eine Handvoll gehackte Petersilie, einen Spritzer Zitrone und einen Teelöffel Olivenöl unterrühren.
- Warm essen und dazu ein Glas Wasser trinken.
Als ballaststoffreiche Beilage, die lange satt hält und den Blutzucker ruhiger verlaufen lässt als Weißbrot oder weißer Reis. Die Ballaststoffe unterstützen eine regelmäßige Verdauung.
50 bis 70 g trockener Bulgur pro Mahlzeit. Wer bisher wenig Vollkorn isst, steigert langsam und trinkt ausreichend.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Bulgur ist im klassischen Ayurveda nicht eigens beschrieben. Weizen gilt dort als süß, schwer und kühlend, nährend für Vata und Pitta; der vorgegarte Bulgur wird als leichter eingeordnet als Brot und bei Kapha mit wärmenden Gewürzen wie Kreuzkümmel empfohlen.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM gilt Weizen als süß und kühl und soll Herz und Geist beruhigen. Bulgur selbst wird nicht klassisch beschrieben; in der westlichen TCM-Ernährungslehre gilt das gegarte Korn als leicht verdaulich und die Mitte stärkend.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Zöliakie: Bulgur enthält Gluten und ist nicht geeignet.
- Weizenallergie: auch vorgegarter Weizen kann Reaktionen auslösen.
- Reizdarm: Fruktane aus Weizen können blähen - kleine Portionen testen.
- Aufbewahrung: gekochten Bulgur schnell abkühlen und im Kühlschrank höchstens zwei bis drei Tage lagern.
- Vorräte: trocken und luftdicht lagern, bei Mottenbefall oder muffigem Geruch entsorgen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Jenkins DJ et al. Low glycemic response to traditionally processed wheat and rye products: bulgur and pumpernickel bread. American Journal of Clinical Nutrition 1986; 43.
- Atkinson FS, Brand-Miller JC, Foster-Powell K, Buyken AE, Goletzke J. International tables of glycemic index and glycemic load values 2021: a systematic review. American Journal of Clinical Nutrition 2021; 114(5): 1625–1632.
- Aune D et al. Whole grain consumption and risk of cardiovascular disease, cancer, and all cause and cause specific mortality: systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. BMJ 2016; 353: i2716.
- USDA FoodData Central: Bulgur, dry und Bulgur, cooked.
- Deutsche Zöliakie-Gesellschaft: Glutenhaltige Getreide.


