Tomate (Solanum lycopersicum)

Botanischer Name
Solanum lycopersicumNachtschattengewächse (Solanaceae)
Verwendet wird
Die Fruchtgrüne Teile und unreife Früchte nicht
Geschmack
Süß, sauer, umamireich an natürlichem Glutamat
Herkunft
Anden, domestiziert in Mexikoin Europa erst als Zierpflanze
Bekannt für
Lycopingekocht und mit Öl besser verfügbar
Österreich
Paradeiserder Paradiesapfel

HerkunftZweihundert Jahre für giftig gehalten

Rote Tomaten auf einem Holztisch

Als die Tomate im 16. Jahrhundert nach Europa kam, pflanzte man sie als Zierpflanze - essen wollte sie kaum jemand.

Die Wildformen der Tomate wachsen in den Anden zwischen Ecuador und Peru; domestiziert wurde sie in Mexiko, wo die Azteken sie xitomatl nannten. Spanische Eroberer brachten sie im 16. Jahrhundert nach Europa. Weil sie zu den Nachtschattengewächsen gehört wie Tollkirsche und Alraune, galt sie lange als verdächtig; man nannte sie Liebesapfel oder Goldapfel - italienisch pomodoro - und zog sie im Garten.

In Italien und Spanien wurde sie ab dem 17. und 18. Jahrhundert gegessen, in Deutschland setzte sie sich erst im 20. Jahrhundert richtig durch. Heute ist sie das meistgegessene Gemüse der Deutschen, rund 30 Kilo pro Kopf und Jahr, Ketchup und Sugo eingerechnet. Es gibt über zehntausend Sorten - von der Kirschtomate bis zum Ochsenherz.

NutzenWas die Tomate für dich tut

Tomaten liefern Vitamin C, Kalium, Folat, Vitamin K und vor allem Lycopin, das rote Carotinoid, das in unserer Ernährung fast nur aus Tomaten stammt. Lycopin ist ein starkes Antioxidans und wird seit Jahrzehnten erforscht.

Große Beobachtungsstudien verbinden einen hohen Verzehr von gekochten Tomatenprodukten mit einem geringeren Risiko für Prostatakrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen; Metaanalysen fanden leichte Verbesserungen bei Blutdruck und LDL-Cholesterin. In einer kleinen Studie verringerte täglich Tomatenmark mit Olivenöl über zehn Wochen den Sonnenbrand nach UV-Bestrahlung um etwa 40 Prozent - ein Sonnenschutz von innen, der aber keine Sonnencreme ersetzt.

Entscheidend ist die Form: Lycopin sitzt in den Zellwänden und ist fettlöslich. Aus Tomatenmark wird es in Studien etwa vier Mal besser aufgenommen als aus frischen Tomaten. Das ist einer der seltenen Fälle, in denen verarbeitet und gekocht die gesündere Wahl ist.

ca. 4 ×besser verfügbares Lycopin aus Tomatenmark
– 40 %weniger Sonnenbrand nach 10 Wochen Tomatenmark (Studie)
30 kgTomaten isst jeder in Deutschland pro Jahr
10.000+Tomatensorten weltweit

InhaltsstoffeDas steckt in der Tomate

Tomaten bestehen zu 94 Prozent aus Wasser. Sie enthalten Lycopin, Beta-Carotin, Vitamin C, Kalium, Folat, Vitamin K, Flavonoide wie Naringenin in der Schale und reichlich freies Glutamat - deshalb schmecken reife und getrocknete Tomaten so herzhaft.

Grüne Pflanzenteile, Stielansatz und unreife grüne Früchte enthalten das Alkaloid Tomatin (früher mit Solanin gleichgesetzt), das in größeren Mengen Übelkeit und Bauchschmerzen verursachen kann. Reife Tomaten enthalten kaum noch etwas davon. Außerdem setzen Tomaten Histamin frei und enthalten biogene Amine.

Verstärkte KombinationenWas die Tomate stärker macht

Die Tomate braucht Fett und Hitze für ihr Lycopin - und Salz, Basilikum und Zeit für ihren Geschmack.

Lycopin

mit Olivenöl

Lycopin ist fettlöslich - Tomaten immer mit Öl, Sugo mit einem guten Schuss Olivenöl.

Technik

gekocht & konzentriert

Tomatenmark und lang geköchelter Sugo liefern ein Vielfaches an verfügbarem Lycopin.

Geschmack

mit Basilikum & Knoblauch

Die italienische Dreifaltigkeit.

Umami

mit Parmesan & Pilzen

Glutamat trifft Glutamat - Tomatensauce mit Parmesan oder getrockneten Steinpilzen.

Salat

mit Salz & Zeit

Tomaten salzen und zehn Minuten ziehen lassen - der Saft wird zum Dressing.

Hülsenfrüchte

mit Bohnen & Linsen

Tomatensauce macht Hülsenfrüchte saftig - und ihr Vitamin C hilft beim Eisen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Lagerung

nicht in den Kühlschrank

Unter 12 °C verlieren Tomaten ihr Aroma unwiederbringlich - bei Zimmertemperatur lagern.

Lagerung

nicht neben anderem Obst

Tomaten geben Ethylen ab und lassen Gurken und Salat schnell welken.

Magen

nicht bei Reflux in Mengen

Tomatensäure und besonders Tomatensauce können Sodbrennen auslösen.

Histamin

nicht bei Histaminintoleranz unbedacht

Tomaten setzen Histamin frei und gehören zu den häufigen Auslösern.

Grün

nicht grüne Teile essen

Stielansatz herausschneiden, unreife grüne Tomaten nur in kleinen Mengen und gekocht (etwa als Chutney).

Technik

nicht in Aluminium lange garen

Die Säure löst Aluminium aus Töpfen und Folien - Edelstahl, Emaille oder Glas nehmen.

In der KücheWo sie hingehört

  • SugoTomaten, Olivenöl, Knoblauch, eine Stunde leise köcheln.
  • CapreseTomaten, Mozzarella, Basilikum, Olivenöl.
  • GazpachoKalte spanische Suppe mit Gurke, Paprika, Brot, Essig.
  • ShakshukaEier in würziger Tomaten-Paprika-Sauce.
  • BruschettaGeröstetes Brot mit Tomaten, Knoblauch, Basilikum.
  • OfentomatenHalbiert mit Thymian, Olivenöl und Salz langsam geröstet.
  • TomatensuppeAus Dosentomaten mit Zwiebel und etwas Sahne.
  • PanzanellaToskanischer Brotsalat mit Tomaten und roter Zwiebel.
  • Chili sin CarneBohnen, Tomaten, Kreuzkümmel, Chili.
  • Grünes TomatenchutneyUnreife Tomaten zum Saisonende mit Zwiebel und Essig.
Faustregel: Außerhalb der Saison sind gute Dosentomaten und passierte Tomaten besser als wässrige Wintertomaten - sie werden reif geerntet und sofort verarbeitet und liefern mehr Lycopin.

Als HausmittelSonnenschutz von innen

So geht’s

Täglich Tomatenmark mit Olivenöl

  1. Ab dem Frühjahr täglich etwa 40 g Tomatenmark (zwei gehäufte Esslöffel) essen.
  2. Immer zusammen mit etwa einem Esslöffel Olivenöl - etwa in Sugo, Suppe, Brotaufstrich oder Dressing.
  3. Mindestens acht bis zehn Wochen beibehalten, bevor die Sonne stark wird.
  4. Trotzdem normal Sonnencreme verwenden und die Mittagssonne meiden.
Wofür

Zur Unterstützung der hauteigenen Schutzmechanismen gegen UV-Strahlung. In der Studie war die Rötung der Haut nach definierter UV-Bestrahlung nach zehn Wochen um rund 40 Prozent geringer - das entspricht etwa Lichtschutzfaktor 2 bis 3.

Menge

40 g Tomatenmark am Tag. Das ist kein Ersatz für Sonnencreme, Kleidung und Schatten. Bei Reflux, Histaminintoleranz oder Nierenerkrankung (Kalium) nicht dauerhaft in dieser Menge.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Tomate kommt in den klassischen ayurvedischen Texten nicht vor. Heute gilt sie als sauer und erhitzend: Sie kann Pitta und - roh - auch Vata reizen. Gekocht, mit Kreuzkümmel und Ghee, wird sie in der indischen Küche selbstverständlich verwendet.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM ist die Tomate (Xi Hong Shi) süß-sauer und leicht kühl. Sie soll Hitze klären, Körperflüssigkeiten bilden, den Magen stärken und die Leber beruhigen - bei Durst, trockenem Mund und Appetitlosigkeit im Sommer.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Sodbrennen: Tomaten und Tomatensaucen sind häufige Auslöser.
  • Histaminintoleranz: Tomaten setzen Histamin frei.
  • Grüne Teile: Stielansatz entfernen, Blätter und Stängel nicht essen.
  • Nieren: Tomatenmark ist sehr kaliumreich - bei Niereninsuffizienz Mengen absprechen.
  • Allergie: selten, mit Kreuzreaktion zu Gräserpollen und Latex.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Gärtner C, Stahl W, Sies H. Lycopene is more bioavailable from tomato paste than from fresh tomatoes. American Journal of Clinical Nutrition 1997; 66(1): 116–122.
  2. Stahl W et al. Dietary tomato paste protects against ultraviolet light-induced erythema in humans. Journal of Nutrition 2001; 131(5): 1449–1451.
  3. Giovannucci E et al. Intake of carotenoids and retinol in relation to risk of prostate cancer. Journal of the National Cancer Institute 1995; 87(23): 1767–1776.
  4. Cheng HM et al. Tomato and lycopene supplementation and cardiovascular risk factors: a systematic review and meta-analysis. Atherosclerosis 2017; 257: 100–108.
  5. USDA FoodData Central: Tomatoes, red, ripe, raw.