Schlehe (Prunus spinosa)
HerkunftDer Schwarzdorn der Hecken

Den Namen Schwarzdorn trägt der Strauch wegen seiner dunklen Rinde und der langen, spitzen Dornen.
Schlehen wachsen in ganz Europa wild an Wegrändern, Waldsäumen und in Feldhecken. Kerne in Pfahlbausiedlungen zeigen, dass schon die Menschen der Jungsteinzeit die Früchte sammelten. Der Strauch blüht im März und April schneeweiß, noch bevor die Blätter kommen - oft als erster in der Landschaft. Für Insekten ist er eine frühe Nahrungsquelle, für Vögel ein sicherer Brutplatz im Dornengewirr.
Früher waren Schlehen ein Wintervorrat der armen Leute: gedörrt, zu Mus eingekocht oder unreif in Salzlake eingelegt. In England entstand der Sloe Gin, bei uns Schlehenlikör und Schlehenbrand. Die Schlehe ist ein Vorfahr der Kulturpflaume - sie gilt zusammen mit der Kirschpflaume als Elternteil der Zwetschge.
NutzenWas Schlehen für dich tun
Schlehen sind klein, aber dicht gepackt mit Gerbstoffen und Polyphenolen: Anthocyane in der dunklen Schale, Flavonoide, Phenolsäuren und Proanthocyanidine. Dazu kommen Fruchtsäuren, etwas Vitamin C, Kalium und Ballaststoffe. Genaue Nährwertangaben gibt es kaum, weil Schlehen nicht in den großen Lebensmitteldatenbanken geführt werden und je nach Standort stark schwanken.
Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend. Deshalb bewertete die Kommission E Schlehdornfrüchte positiv - als Mundspülung oder zum Gurgeln bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Laborstudien zeigen antioxidative und entzündungshemmende Effekte von Schlehenextrakten; klinische Studien am Menschen gibt es bisher praktisch nicht.
Die Blüten sind ein altes Hausmittel: Als Tee galten sie als mild abführend, harntreibend und „blutreinigend“ und wurden bei Erkältungen getrunken. Die Kommission E sah die Wirksamkeit dafür nicht belegt, aber auch keine Risiken. Schlehen sind also vor allem eine aromatische, herbe Wildfrucht mit viel Tradition - keine Heilpflanze mit gesicherter Wirkung.
InhaltsstoffeDas steckt in Schlehen
Die Früchte enthalten Gerbstoffe (Proanthocyanidine), Anthocyane, Flavonoide wie Quercetin- und Kaempferol-Glykoside, Phenolsäuren wie Chlorogen- und Neochlorogensäure, Fruchtsäuren, Zucker, Pektin, Vitamin C und Kalium. Die Blüten enthalten vor allem Flavonoide sowie Triterpene und Sterole.
In den Kernen steckt - wie bei Aprikose, Kirsche und Bittermandel - das cyanogene Glykosid Amygdalin, aus dem beim Zerkauen oder Zermahlen Blausäure frei wird. Das Fruchtfleisch selbst ist unbedenklich.
Verstärkte KombinationenWas Schlehen stärker macht
Schlehen brauchen Kälte, Zeit und süße Partner, um ihr Aroma zu zeigen.
Zellwände brechen, Herbe lässt nach.
Mildert die Säure im Mus.
Für Wildfrucht-Gelee.
Für Schlehensaft im Winter.
Dunkler Wintersaft.
Als herbe Knabberei.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Amygdalin setzt Blausäure frei.
Früchte nur ganz kochen und passieren.
Sehr herb, belastet den Magen.
Abgase und Hundeurin.
Alkohol bleibt Alkohol.
Ähnliche blaue Beeren sind giftig.
In der KücheWo sie hingehören
- SchlehensaftHeiß gepresst, mit Honig.
- SchlehenmusMit Apfel eingekocht.
- SchlehengeleeMit Hagebutte.
- SchlehenlikörFrüchte ganz in Korn angesetzt.
- Sloe GinDer englische Klassiker.
- WildsoßeZu Reh oder Pilzbraten.
- Schlehen-ChutneyMit Zwiebel und Ingwer.
- SchlehensirupFür Sprudel und Tee.
- Eingelegte SchlehenUnreif in Salzlake, wie Oliven.
- Schlehenblüten-TeeIm Frühling gesammelt.
Als HausmittelSchlehenblüten-Tee nach Volksmedizin
Schlehenblüten-Tee
- Im März oder April frisch aufgeblühte Schlehenblüten abseits von Straßen sammeln und im Schatten trocknen.
- 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Blüten mit 250 ml heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen.
- Abgedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
- Warm und in kleinen Schlucken trinken, nach Belieben mit etwas Honig.
In der Volksmedizin als milder Frühjahrstee zur Anregung der Verdauung, bei leichter Verstopfung und bei Erkältungen. Die Wirksamkeit ist nicht belegt; die Kommission E sah für diese Anwendungen keine ausreichenden Nachweise, aber auch keine Risiken.
1 bis 2 Tassen am Tag, höchstens einige Wochen. Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden ärztlich abklären lassen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Schlehe ist eine europäische Wildpflanze und im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt die herbe Frucht als zusammenziehend und kühlend - ausgleichend für Pitta und Kapha, für Vata eher gekocht und gesüßt.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM spielt die Schlehe keine Rolle. Nach ihrem Geschmack würde sie zu den sauren und herben, also „zusammenziehenden“ Mitteln zählen, die man traditionell bei Durchfall und übermäßigem Schwitzen einsetzt.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Kerne: nicht zerbeißen, zermahlen oder mitpürieren - Amygdalin setzt Blausäure frei.
- Likör: nur mit ganzen, unverletzten Früchten ansetzen und nach einigen Wochen abseihen.
- Magen: rohe, unreife Schlehen können wegen der Gerbstoffe Magenbeschwerden auslösen.
- Verwechslung: nur sicher erkannte Sträucher mit Dornen und Steinfrüchten beernten.
- Schwangerschaft: Schlehenblüten-Tee wegen fehlender Daten meiden, Likör sowieso.
- Kinder: Kinder beim Sammeln anleiten, damit sie keine Kerne zerkauen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Bei MF et al. An Overview of the Phytochemical Composition of Different Organs of Prunus spinosa L., Their Health Benefits and Application in Food Industry. Horticulturae 2024; 10(1): 29.
- Magiera A, Czerwińska ME, Owczarek A, Marchelak A, Granica S, Olszewska MA. Polyphenol-Enriched Extracts of Prunus spinosa Fruits: Anti-Inflammatory and Antioxidant Effects in Human Immune Cells Ex Vivo in Relation to Phytochemical Profile. Molecules 2022; 27(5): 1691.
- Kommission E (BGA/BfArM): Monographien Pruni spinosae fructus (Schlehdornfrüchte) und Pruni spinosae flos (Schlehdornblüten).
- EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM). Acute health risks related to the presence of cyanogenic glycosides in raw apricot kernels and products derived from raw apricot kernels. EFSA Journal 2016; 14(4): 4424.
- Verbraucherzentrale: Blausäure aus Leinsamen, Mandeln und Co: Ein Problem bei Nahrungsergänzungsmitteln?


