Mispel (Mespilus germanica)

Botanischer Name
Mespilus germanicaRosengewächse (Rosaceae), verwandt mit Weißdorn und Birne
Verwendet wird
Die Fruchterst nach Frost oder Lagerung weich, „teigig“
Geschmack
Süßlich-erdig, leicht säuerlichwie Apfelmus mit einem Hauch Dattel
Herkunft
Kaukasus, Nordiran, Kleinasienseit rund 3.000 Jahren in Kultur
Bekannt für
Gerbstoffe und Pektinherb im Rohzustand, ideal fürs Gelee
Saison
Ernte Oktober bis Novemberessbar meist November bis Dezember

HerkunftDas Obst der Klostergärten

Reife Mispeln in einem Korb

Der Name germanica täuscht: Die Mispel stammt nicht aus Germanien, sondern aus dem Kaukasus und dem Norden Irans.

Die Echte Mispel wächst wild vom Balkan über Kleinasien und die Krim bis in den Kaukasus und den Norden Irans. Griechen und Römer kultivierten sie. Im Mittelalter stand sie in fast jedem Kloster- und Bauerngarten, weil sie im Winter reift, wenn kaum anderes Obst da ist. Die Klosterfrau und Naturkundlerin Hildegard von Bingen schrieb, ihre Frucht sei „gut für gesunde und kranke Menschen“.

Ab dem 17. Jahrhundert verdrängten Äpfel, Birnen und Südfrüchte die Mispel. Chaucer und Shakespeare nutzten sie als Bild für das Überreife. Eine Mispelblüte schmückt sogar die Wappen niederrheinischer Städte wie Geldern und Viersen.

NutzenWas die Mispel für dich tut

Die reife, weiche Mispel ist vor allem eine Ballaststoff-Frucht: Ihr Fleisch ist reich an Pektin und unlöslichen Fasern, die den Stuhl formen, lange sättigen und von der Darmflora vergoren werden. Dazu kommen Kalium, etwas Calcium, Magnesium und Eisen, organische Säuren wie Äpfelsäure und reichlich Polyphenole - Gerbstoffe, Phenolsäuren und Flavonoide.

Das Besondere ist das Teigigwerden, im Englischen „bletting“: Nach Frost oder mehreren Wochen kühler Lagerung bauen Enzyme die harten Zellwände und einen Teil der Gerbstoffe ab, Stärke und Säure werden zu Zucker. Die Frucht verliert ihren zusammenziehenden Geschmack und wird mild. In der Volksmedizin galt sie wegen ihrer Gerbstoffe als Mittel gegen Durchfall.

Laborstudien zeigen für Mispel-Extrakte antioxidative, antibakterielle und blutzuckersenkende Effekte. Studien am Menschen gibt es aber so gut wie keine. Und anders als oft zu lesen ist die Mispel keine Vitamin-C-Quelle: In reifen Früchten wurden nur rund 8 mg pro 100 g gemessen, weniger als in einem Apfel. Sie ist ein wertvolles Winterobst - nicht mehr.

ca. 3.000Jahre Kulturgeschichte seit Assyrern und Griechen
2–3 Wochenkühle Lagerung, bis die Frucht teigig ist
ca. 8 mgVitamin C pro 100 g reife Frucht - eher wenig
Okt.–Nov.Erntezeit, möglichst vor starkem Frost

InhaltsstoffeDas steckt in der Mispel

Die Mispel enthält Fruchtzucker, Glucose und Saccharose, organische Säuren (vor allem Äpfelsäure, dazu Zitronen- und Chinasäure), Pektin und weitere Ballaststoffe, Gerbstoffe (Tannine), Phenolsäuren wie Chlorogensäure, Flavonoide wie Catechin, Epicatechin und Quercetin-Glykoside, Carotinoide sowie Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium und Eisen.

Harte Früchte sind reich an Gerbstoffen und Säure, teigige süßer und milder. In den großen, harten Kernen stecken, wie bei vielen Rosengewächsen, cyanogene Glykoside - sie werden nicht mitgegessen.

Verstärkte KombinationenWas die Mispel stärker macht

Die Mispel bringt Pektin und Herbe mit - sie braucht Partner mit Duft und Säure.

Gelee

mit Äpfeln & Quitten

Das Pektin der Mispel lässt alles gut gelieren.

Säure

mit Zitrone

Hebt das erdige Aroma.

Gewürz

mit Zimt, Nelke & Vanille

Klassisch für Mispelmus im Winter.

Frühstück

mit Joghurt & Haferflocken

Das weiche Fruchtmark als Topping.

Käse

zu würzigem Hartkäse

Mispel-Paste wie Quittenbrot.

Wildobst

mit Schlehe oder Hagebutte

Für ein herbes Wintergelee.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Unreif

nicht hart und frisch essen

Sehr herb, schwer verdaulich.

Kerne

nicht mitessen oder mahlen

Enthalten cyanogene Glykoside.

Verstopfung

nicht in großen Mengen bei trägem Darm

Gerbstoffe wirken stopfend.

Schimmel

nicht verdorbene Früchte

Teigig ist braun und fest - nicht matschig, schimmelig oder gärend.

Verwechslung

nicht mit Wollmispel gleichsetzen

Die Loquat ist eine ganz andere Frucht.

Mythos

nicht als Vitamin-C-Quelle

Da ist die Kornelkirsche weit stärker.

In der KücheWo sie hingehört

  • MispelgeleeMit Äpfeln und etwas Zitrone.
  • MispelmusDurch ein Sieb gestrichen, mit Zimt.
  • Pur gelöffeltTeigige Frucht aufbrechen, Mark aussaugen.
  • Mispel-ChutneyMit Zwiebel, Ingwer und Essig.
  • MispelbrotFruchtpaste wie Quittenbrot.
  • Wildobst-KonfitüreMit Birne oder Quitte.
  • Zum KäseGelee zu Bergkäse oder Ziegenkäse.
  • FrüchtebrotMispelmark statt Trockenobst.
  • MispellikörTraditionell mit Korn angesetzt.
  • WildsauceEin Löffel Gelee zu Reh oder Pilzen.
Faustregel: Mispeln Ende Oktober hart pflücken und in einer Lage, Kelch nach unten, kühl und luftig lagern. Nach zwei bis drei Wochen ist die Schale braun und das Fleisch weich wie Apfelmus - dann halbieren, das Mark mit einem Löffel herausholen und die harten Kerne entfernen.

Als HausmittelMispelmus für einen ruhigen Bauch

So geht’s

Mispelmus

  1. 500 g teigige Mispeln waschen, Stiel und Kelchreste abschneiden.
  2. Mit 100 ml Wasser in einem Topf etwa 10 Minuten weich köcheln.
  3. Durch ein Sieb oder die Flotte Lotte streichen, sodass Schale und Kerne zurückbleiben.
  4. Nach Geschmack mit einer Prise Zimt und etwas Apfelsaft abschmecken, abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren.
Wofür

Als mildes, pektinreiches Mus bei leichtem Durchfall oder empfindlichem Magen, ähnlich wie geriebener Apfel. Bei starkem, anhaltendem oder blutigem Durchfall ersetzt das keinen Arztbesuch.

Menge

2 bis 4 Esslöffel, bis zu dreimal täglich, dazu ausreichend trinken. Gekühlt etwa 3 bis 4 Tage haltbar.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Mispel ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt die herbe Frucht als zusammenziehend (kashaya) und kühlend, die teigige als süß und schwer - ausgleichend für Pitta, bei Vata eher gekocht und gewürzt.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM spielt die Europäische Mispel keine Rolle. Die dort verwendete „Pipa“ ist die Wollmispel, deren Blätter bei Husten eingesetzt werden. Als zusammenziehende Frucht würde die Mispel zu den Mitteln zählen, die den Darm festigen.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Kerne: nicht essen, zerbeißen oder mahlen - sie enthalten wie bei vielen Rosengewächsen cyanogene Glykoside.
  • Verstopfung: die Gerbstoffe wirken stopfend - bei trägem Darm nur in kleinen Mengen und mit viel Flüssigkeit.
  • Qualität: nur braune, weiche, aber intakte Früchte verwenden; schimmelige oder alkoholisch riechende aussortieren.
  • Verwechslung: die Japanische Wollmispel (Loquat) ist eine eigene Art; auch ihre Kerne sind nicht zum Verzehr geeignet - Kernpulver kann viel Blausäure freisetzen.
  • Allergie: bei Allergie gegen Kernobst wie Apfel oder Birne sind Kreuzreaktionen möglich.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Popović-Djordjević JB et al. Chemical composition, nutritional and health related properties of the medlar (Mespilus germanica L.): from medieval glory to underutilized fruit. Phytochemistry Reviews 2023; 22(6).
  2. Nistor DI, Marc RA, Mureșan CC. Phytochemistry, nutritional composition, health benefits and future prospects of Mespilus germanica L. (Medlar): A review. Food Chemistry: X 2024; 22: 101334.
  3. Glew RH et al. Changes in sugars, organic acids and amino acids in medlar (Mespilus germanica L.) during fruit development and maturation. Food Chemistry 2003; 83(3): 363–369.
  4. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Comeback für die Mispel.
  5. Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries (MAFF), Japan: Cyanogenic glycosides in loquat seeds.