HerkunftDie Chili, die das Feuer verloren hat

Paprika und Chili sind dieselbe Pflanze. Ungarische Gärtner haben ihr über Jahrhunderte die Schärfe weggezüchtet - und das Ergebnis zum Nationalgewürz gemacht.
Wie Chili stammt Paprika aus Mittel- und Südamerika und kam mit Kolumbus nach Europa. Von Spanien wanderte die Pflanze über den Balkan nach Ungarn, wo sie im 18. Jahrhundert zunächst als Arme-Leute-Pfeffer galt. Dann begannen Züchter in Szeged und Kalocsa, immer mildere Sorten zu selektieren - bis der scharfe Chili zum süßen Gemüsepaprika und zum edelsüßen Pulver geworden war. 1937 bekam der Ungar Albert Szent-Györgyi den Nobelpreis, weil er aus Paprika erstmals Vitamin C isoliert hatte.
Heute ist Paprika weltweit eines der wichtigsten Gemüse: grün (unreif), gelb, orange und rot (reif), als Spitzpaprika, Blockpaprika, Snackpaprika. Als Gewürz wird die getrocknete, gemahlene Frucht gehandelt - edelsüß, delikatess, halbscharf, rosenscharf - und in Spanien geräuchert als Pimentón de la Vera, der dem Chorizo seine Farbe gibt.
NutzenWas Paprika für dich tut
Paprika ist die Vitamin-C-Bombe des Gemüseregals. Eine rote Schote liefert doppelt so viel Vitamin C wie eine Orange - und dazu Beta-Carotin, Vitamin E, Vitamin B6 und Folsäure. Weil Paprika roh gegessen werden kann, bleibt das Vitamin erhalten; wer ein Stück roten Paprika am Tag isst, hat seinen Bedarf gedeckt.
Die roten Farbstoffe - Capsanthin, Capsorubin und andere Carotinoide - sind starke Antioxidantien und werden mit Augen- und Hautgesundheit in Verbindung gebracht. Auch das milde Paprikapulver enthält sie konzentriert, dazu einen Rest Capsaicin, der die Verdauung anregt, ohne zu brennen. Ehrlich gesagt sind das Beobachtungsdaten und Laborwerte, keine Heilwirkung - aber die Grundlage guter Ernährung.
Und Paprika ist das Gewürz, das Farbe ohne Schärfe bringt: Wer scharf nicht verträgt, bekommt mit edelsüßem Paprika den Geschmack von Gulasch, Chorizo und Harissa - ohne das Feuer.
InhaltsstoffeDas steckt in der Frucht
Rote Paprika trägt Capsanthin und Capsorubin - rote Carotinoide, die es nur hier gibt –, dazu Beta-Carotin, Lutein und Zeaxanthin. Das Vitamin C steigt mit der Reife: Grün hat halb so viel wie Rot. Die Schärfe fehlt, weil die Züchtung das Gen für die Capsaicin-Bildung abgeschaltet hat.
Dazu Vitamin E, B6, Folsäure, Kalium und Ballaststoffe - bei nur 20 Kilokalorien pro 100 Gramm. Paprikapulver konzentriert die Farbstoffe und enthält je nach Sorte 0 bis 0,5 Prozent Capsaicin (rosenscharf), dazu Zucker, der beim Erhitzen karamellisiert - und verbrennt.
Verstärkte KombinationenWas Paprika stärker macht
Frische Paprika liebt Fett und Feuer, das Pulver liebt Zwiebeln und Flüssigkeit - und hasst heißes Öl.
Die ungarische Regel: Zwiebeln in Fett glasig, Topf vom Herd, Paprika einrühren, sofort mit Flüssigkeit ablöschen. Nur so bleibt er rot und süß.
Die Carotinoide sind fettlöslich. Gegrillte, eingelegte Paprika in Öl - das ist die Form, in der der Körper die Farbstoffe aufnimmt.
Geräuchertes Paprikapulver und Knoblauch: die Grundlage von Chorizo, Patatas bravas und Pulpo a la gallega.
Gegrillte Paprika mit Tomate und etwas Essig - Peperonata, Ajvar, Letscho: die Süße der Paprika braucht Säure.
Gefüllte Paprika, Shakshuka, Paprika mit Schafskäse: Fett und Eiweiß machen aus Gemüse eine Mahlzeit.
Ein Hauch Cayenne zu edelsüßem Paprika - so bekommt man Tiefe ohne Feuer.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Der Zucker im Pulver verbrennt in Sekunden - bitter und braun. Topf vom Herd, dann einrühren, dann ablöschen.
Anders als Kreuzkümmel gewinnt Paprika durch Rösten nichts. Nur kurz, nur mit Flüssigkeit.
Dill, Kerbel, Estragon gehen im Paprikageschmack unter.
Unreife grüne Paprika liegt vielen schwer - rote und gelbe sind bekömmlicher, geschält noch mehr.
Wer auf Tomate und Aubergine reagiert, reagiert oft auch auf Paprika.
Die Farbstoffe bleichen, das Aroma geht. Dunkel, kühl, in einem Jahr verbrauchen.
Zu welchem GerichtWo sie hingehört
- GulaschViel Zwiebel, edelsüßer Paprika, Kümmel, Rindfleisch - drei Stunden schmoren.
- LetschoPaprika, Tomate, Zwiebel, in Öl geschmort - das ungarische Sommergemüse.
- AjvarGegrillte Paprika und Aubergine, geschält, mit Knoblauch und Öl püriert - Balkan-Aufstrich.
- ShakshukaPaprika, Tomate, Kreuzkümmel, Eier darin pochiert - zum Brot.
- Patatas bravasKartoffeln mit Sauce aus Pimentón, Knoblauch, Tomate.
- Gefüllte PaprikaMit Reis, Hackfleisch und Tomatensauce - der Klassiker.
- RohkostStreifen mit Hummus oder Kräuterquark - die Vitamin-C-Portion.
- PeperonataPaprika in Olivenöl mit Zwiebel und Essig geschmort - lauwarm zu Brot.
- Chorizo-WürzungPimentón, Knoblauch, Salz - auch für vegetarische Varianten.
- PaprikahuhnHähnchen in Paprikarahmsauce mit Nockerln - Ungarns Sonntagsessen.
Als HausmittelRohe Paprika als Vitamin-C-Quelle
Paprikastreifen zum Frühstück
- Eine rote Paprika waschen, entkernen, in Streifen schneiden.
- Roh essen - zum Frühstück, als Zwischenmahlzeit, mit etwas Olivenöl oder Hummus.
- Nicht kochen, wenn es ums Vitamin C geht - Hitze zerstört bis zur Hälfte.
- Täglich eine Schote deckt den Tagesbedarf an Vitamin C.
Erkältungszeit, Eisenaufnahme (Vitamin C verbessert sie), allgemeine Versorgung. Einfacher geht Vitamin C nicht - und günstiger als Kapseln.
Eine rote Paprika täglich. Das Öl dazu hilft den Carotinoiden, das Vitamin C braucht nichts als Rohkost.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Paprika kam erst mit den Europäern nach Indien und hat keine klassische ayurvedische Rolle. Als milde Chili gilt sie als leicht wärmend, weniger Pitta-erhöhend als Chili - als Gemüse in Maßen für alle Doshas.
Traditionelle Chinesische Medizin
Keine klassische Materia-Medica-Pflanze. In der Ernährungslehre der TCM wird süße Paprika als leicht wärmend, Milz-stärkend und appetitanregend eingeordnet - ein Gemüse für die Mitte, milder als Chili.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Nachtschattengewächse: bei Unverträglichkeit gegen Tomate, Aubergine oder Kartoffel auch Paprika testen.
- Grüne Paprika: schwer verdaulich für empfindliche Mägen - geschält oder rot bekömmlicher.
- Allergie: Kreuzreaktionen bei Pollenallergikern (Beifuß, Birke) sind beschrieben.
- Pulver: verbrannt wird es bitter und enthält Acrylamid-ähnliche Röststoffe - nie in heißem Fett.
- Schimmel: altes Paprikapulver kann Schimmelgifte tragen - innerhalb eines Jahres verbrauchen, Herkunft beachten.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- USDA FoodData Central: Peppers, sweet, red, raw - Vitamin C 128–140 mg/100 g.
- Szent-Györgyi A: Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1937 - Entdeckung des Vitamin C aus Paprika (nobelprize.org).
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Vitamin C.
- Kommission E: Monographie Capsici fructus, Bundesanzeiger 1990 - zur Capsicum-Gruppe.
- Gernot Katzers Gewürzseiten: Eintrag Paprika - Sorten, Schärfegrade, Küche.


