Citronellaöl (Cymbopogon nardus)

Botanischer Name
Cymbopogon nardus / winterianusSüßgräser (Poaceae)
Zwei Typen
Ceylon und JavaJava ist citronellalreicher
Leitstoffe
Citronellal, Geraniol, Citronellol
Anwendung
Mückenabwehrwirksam, aber kurz
Schutzdauer
1 - 2 Stundengegenüber 5 - 8 bei DEET
Wichtig
Nicht für Tropenreisenin Malariagebieten unzureichend

HerkunftEin Gras, zwei Sorten - und drei Verwechslungen

Citronellagras

Citronella, Zitronengras und Melisse riechen ähnlich, sind aber drei verschiedene Dinge mit drei verschiedenen Verwendungen.

Citronellaöl wird aus zwei Grasarten gewonnen: Cymbopogon nardus liefert das Ceylon-Typ-Öl, Cymbopogon winterianus das Java-Typ-Öl. Beide sind hohe, horstbildende Süßgräser aus Süd- und Südostasien, die heute großflächig in Indonesien, China, Vietnam und Südamerika angebaut werden. Der Java-Typ enthält deutlich mehr Citronellal und gilt als das wirksamere und hochwertigere Öl; die meisten Handelsprodukte stammen von dieser Art.

Jetzt zu den Verwechslungen, die in Rezepten und Produktbeschreibungen ständig auftauchen. Zitronengras ist Cymbopogon citratus - dieselbe Gattung, aber eine andere Art, und das ist das Küchenkraut der thailändischen und vietnamesischen Küche. Sein Öl ist citralreich und riecht deutlich zitroniger. Palmarosa ist Cymbopogon martinii, geraniolreich und in der Parfümerie geschätzt. Und Melissenöl aus Melissa officinalis ist etwas völlig anderes - das echte Melissenöl ist so teuer, dass billige Produkte unter diesem Namen fast immer Citronella oder Zitronengras enthalten.

Eine weitere Pflanze wird gern unter falschem Namen verkauft: die sogenannte „Mückenpflanze“ oder „Citrosa“, die in Gärtnereien angeboten wird. Sie ist eine Duftpelargonie, in die Citronellal-Gene eingekreuzt wurden, und riecht entsprechend. Ihre Wirkung als Mückenschutz durch bloßes Dastehen ist in Untersuchungen nicht nachweisbar - Pflanzen geben ihre Duftstoffe erst beim Zerreiben in nennenswerter Menge ab. Ein Topf auf der Terrasse hält keine Mücke ab.

NutzenEs wirkt - die Frage ist, wie lange

Citronellaöl ist eines der am besten untersuchten pflanzlichen Repellentien und in den USA als Insektenabwehrmittel registriert. Der Wirkmechanismus ist plausibel: Die flüchtigen Bestandteile, vor allem Citronellal, stören die Geruchsrezeptoren der Mücken, mit denen sie Kohlendioxid und Körpergerüche orten. Die Mücke findet den Menschen schlechter.

In Vergleichsstudien schneidet Citronella konsistent besser ab als Placebo und deutlich schlechter als DEET. Die typische vollständige Schutzdauer liegt bei ein bis zwei Stunden, während DEET je nach Konzentration fünf bis acht Stunden schützt und Icaridin ähnlich lange. Der Grund ist die hohe Flüchtigkeit: Citronellaöl verdunstet schnell von der Haut. Formulierungen mit Vanillin oder in einer Cremegrundlage verlängern die Wirkdauer messbar, erreichen aber nicht die synthetischen Mittel.

Daraus folgt eine Unterscheidung, die wir für die wichtigste dieser Seite halten. In Mitteleuropa, wo Mückenstiche lästig, aber ungefährlich sind, ist Citronella eine vernünftige Wahl für einen Abend auf dem Balkon - man muss nur alle ein bis zwei Stunden nachlegen. In Gebieten mit Malaria, Dengue, Zika oder Chikungunya ist es das nicht. Dort empfehlen die Fachgesellschaften - die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin ebenso wie die WHO - ausdrücklich DEET oder Icaridin in ausreichender Konzentration. Ein pflanzliches Mittel mit zwei Stunden Schutzdauer ist dort keine Alternative, sondern ein Risiko.

Zu den beliebten Citronella-Kerzen: Untersuchungen im Freien zeigen bestenfalls geringe Effekte. Der Rauch und die Luftbewegung einer Kerze tragen etwas bei, der Duft allein wenig. Wer im Freien sitzt, ist mit einem Ventilator wirksamer bedient - Mücken sind schlechte Flieger und meiden Luftzug. Auch das ist ein Befund aus Untersuchungen und nicht nur eine Beobachtung.

1 - 2 hvollständige Schutzdauer von Citronella
5 - 8 hSchutzdauer von DEET, je nach Konzentration
bis 45 %Citronellal im Java-Typ-Öl
ca. 10 %typische Konzentration in Repellent-Zubereitungen

InhaltsstoffeCitronellal, Geraniol - und warum die Sorte zählt

Die Hauptbestandteile sind Citronellal, Geraniol und Citronellol, dazu Limonen, Citral und Methylisoeugenol in wechselnden Anteilen. Der Java-Typ aus Cymbopogon winterianus enthält deutlich mehr Citronellal - bis zu fünfundvierzig Prozent - und gilt deshalb als das wirksamere Öl. Der Ceylon-Typ ist geraniolreicher und riecht etwas weicher, ist aber als Repellent schwächer. Wer ein Öl zur Mückenabwehr kauft, achtet auf die Artangabe.

Die hohe Flüchtigkeit ist zugleich der Wirkgrund und die Schwäche. Ein Repellent funktioniert, indem es verdunstet und eine Duftwolke über der Haut bildet; genau deshalb ist es nach ein bis zwei Stunden aufgebraucht. Einbettung in eine fetthaltige Grundlage oder die Zugabe von Fixateuren wie Vanillin verlangsamt die Verdunstung - ein einfacher Trick, den Studien bestätigt haben und den man bei Selbstmischungen nutzen kann.

Zur Hautverträglichkeit: Citronellaöl kann Kontaktdermatitis auslösen, und Geraniol und Citronellol gehören zu den sechsundzwanzig Duftstoffen, die in der EU wegen ihres Allergiepotenzials in Kosmetika deklarationspflichtig sind. Für die Anwendung heißt das: verdünnen, nicht großflächig unverdünnt auftragen und vor der ersten Anwendung eine kleine Stelle testen. Bei Kindern ist zusätzliche Zurückhaltung angebracht.

Und wie bei allen terpenreichen ätherischen Ölen gilt die Tierregel: Katzen können Terpene und Phenole nur eingeschränkt abbauen, weil ihnen ein Teil der dafür nötigen Enzymausstattung fehlt. Citronellaöl wird trotzdem verbreitet als natürliches Zeckenmittel für Tiere beworben. Für Katzen ist davon abzuraten, und für Hunde sollte die Anwendung mit der Tierärztin abgestimmt werden - Verdünnung und Menge sind hier entscheidend.

Verstärkte KombinationenWie man Citronella sinnvoll nutzt

Für den Garten- und Balkonabend ist es eine brauchbare Option, wenn man seine Grenzen kennt und die richtigen Dinge dazustellt.

Haut

Citronella + fetthaltige Grundlage

In eine Creme oder ein Trägeröl eingearbeitet verdunstet es langsamer als aus einer Alkohollösung. Etwa zehn Prozent sind die übliche Konzentration.

Dauer

Citronella + regelmäßiges Nachlegen

Alle ein bis zwei Stunden erneuern. Wer das einplant, kommt mit Citronella durch einen Abend.

Wind

Citronella + Ventilator

Mücken sind schlechte Flieger und meiden Luftzug. Ein Ventilator auf der Terrasse wirkt besser als jede Kerze.

Kleidung

Citronella + langärmelige Kleidung

Die wirksamste Maßnahme überhaupt ist mechanischer Schutz. Repellent nur auf die freien Stellen.

Mischung

Citronella + Lavendel oder Eukalyptus

Als Duftmischung für Raumzerstäuber angenehmer als Citronella allein - wobei der Schutzeffekt in der Raumluft gering bleibt.

Qualität

Citronella + Java-Typ

Cymbopogon winterianus ist citronellalreicher und als Repellent wirksamer als der Ceylon-Typ.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Tropen

Citronella + Malaria- oder Denguegebiet

Ein bis zwei Stunden Schutzdauer reichen dort nicht. Fachgesellschaften empfehlen DEET oder Icaridin - hier ist ein pflanzliches Mittel ein echtes Risiko.

Kerzen

Citronella + Kerze als Hauptschutz

Untersuchungen im Freien zeigen bestenfalls geringe Effekte. Die Kerze ist Stimmung, nicht Schutz.

Pflanze

Citronella + „Mückenpflanze“ im Topf

Duftpelargonien geben ihre Stoffe erst beim Zerreiben ab. Ein Topf auf der Terrasse hält keine Mücke ab.

Katzen

Citronellaöl + Haustiere

Katzen bauen Terpene kaum ab. Als Zeckenmittel für Katzen nicht geeignet; bei Hunden vorher tierärztlich klären.

Haut

Citronellaöl + unverdünnt

Kontaktdermatitis ist möglich; Geraniol und Citronellol sind deklarationspflichtige Allergene. Verdünnen und vorher testen.

Verwechslung

Citronella + Zitronengras

Cymbopogon citratus ist das Küchenkraut, C. nardus und C. winterianus die Repellentpflanzen. In der Küche sind die letzteren fehl am Platz.

AnwendungAnwendungen rund um den Mückenschutz

  • HautsprayEtwa 10 % in einer Öl- oder Cremegrundlage; alle ein bis zwei Stunden erneuern.
  • Mit VanillinEin Fixateur, der die Verdunstung verlangsamt und die Schutzdauer messbar verlängert.
  • RaumduftIm Zerstäuber als Duft - der Schutzeffekt in der Raumluft ist gering.
  • KerzenAls Stimmungselement; als alleiniger Schutz nicht ausreichend.
  • KleidungAuf Kleidung statt Haut aufgetragen hält es länger - Textilverträglichkeit vorher prüfen.
  • VentilatorDie wirksamste einfache Maßnahme auf der Terrasse.
  • Java-Typ wählenCymbopogon winterianus ist das wirksamere Öl.
  • HauttestVor der ersten Anwendung eine kleine Stelle testen.
  • Nicht für KatzenUnd bei Hunden nur nach tierärztlicher Rücksprache.
  • TropenDort DEET oder Icaridin - keine pflanzliche Alternative.
Faustregel: Wenn du auf der Terrasse sitzt, stell einen Ventilator dazu. Mücken fliegen schlecht gegen Luftzug, und der Effekt ist in Untersuchungen deutlicher als der jeder Citronella-Kerze. Das Öl auf der Haut ist dann die Ergänzung, nicht die Hauptmaßnahme.

Als HausmittelDas selbstgemachte Repellent

So geht’s

Citronella-Öl für den Sommerabend

  1. Vorweg die Grenze: Diese Mischung ist für den Garten in Mitteleuropa gedacht. Für Reisen in Gebiete mit Malaria, Dengue, Zika oder Chikungunya ist sie nicht geeignet - dort gehören DEET oder Icaridin in die Tasche.
  2. Ein Java-Typ-Öl wählen (Cymbopogon winterianus) - es ist citronellalreicher und als Repellent wirksamer.
  3. Für eine etwa zehnprozentige Mischung: 20 Tropfen Citronellaöl auf 10 ml Jojoba- oder Mandelöl. Eine fetthaltige Grundlage ist besser als Alkohol, weil das Öl langsamer verdunstet.
  4. Optional eine Messerspitze Vanillepulver oder ein Tropfen Vanilleextrakt dazu - Vanillin verlangsamt die Verdunstung und verlängert die Schutzdauer messbar.
  5. Vor der ersten Anwendung einen Tropfen in die Armbeuge geben und 24 Stunden abwarten. Geraniol und Citronellol sind bekannte Kontaktallergene.
  6. Dünn auf die freien Hautstellen auftragen, Augen und Schleimhäute aussparen, und alle ein bis zwei Stunden erneuern. Nicht im Haushalt mit Katzen verwenden.
Wofür

Zum Schutz vor Mückenstichen im heimischen Garten, auf dem Balkon und beim Wandern in Mitteleuropa. Nicht für Reisen in Gebiete mit durch Mücken übertragenen Krankheiten.

Menge

Etwa 10 Prozent in einer Trägergrundlage, alle ein bis zwei Stunden erneuern. Nicht unverdünnt, nicht auf Schleimhäute, bei Kindern zurückhaltend und nicht im Haushalt mit Katzen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Cymbopogon-Gräser sind in Indien zu Hause, und Zitronengras ist im Ayurveda als Bhustrina bekannt - beschrieben als scharf und erwärmend, kapha– und vata-senkend, bei Fieber und Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Die Verwendung als Insektenabwehr ist dort ebenfalls überliefert: Das Verbrennen aromatischer Gräser und Harze zur Vertreibung von Insekten ist eine sehr alte Praxis, die sich in vielen Kulturen findet.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der chinesischen Materia medica erscheint Citronellagras als Xiang Mao und wird als scharf und warm beschrieben, mit den Funktionen, Wind-Kälte zu zerstreuen und Schwellungen zu reduzieren - eingesetzt bei Erkältungen und äußerlich bei Prellungen und Insektenstichen. Die Anwendung als Repellent ist in Südchina traditionell verbreitet, wo die Pflanze angebaut wird.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Nicht für Tropenreisen: Ein bis zwei Stunden Schutzdauer reichen in Malaria-, Dengue-, Zika- oder Chikungunyagebieten nicht. Dort empfehlen Fachgesellschaften DEET oder Icaridin.
  • Nicht im Haushalt mit Katzen: Katzen bauen Terpene kaum ab. Als Zecken- oder Mückenmittel für Katzen nicht geeignet; bei Hunden tierärztlich klären.
  • Kontaktallergie: Geraniol und Citronellol sind deklarationspflichtige Duftstoffallergene. Verdünnen und vor der ersten Anwendung testen.
  • Nachlegen nicht vergessen: Nach ein bis zwei Stunden ist der Schutz weg. Wer das vergisst, ist ungeschützt, ohne es zu merken.
  • Kerzen schützen kaum: Untersuchungen im Freien zeigen bestenfalls geringe Effekte.
  • Nicht mit Zitronengras verwechseln: Cymbopogon citratus ist das Küchenkraut; die Repellentarten gehören nicht ins Essen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Fradin M.S., Day J.F.: Comparative efficacy of insect repellents against mosquito bites. New England Journal of Medicine 2002.
  2. Maia M.F., Moore S.J.: Plant-based insect repellents - a review of their efficacy, development and testing. Malaria Journal 2011.
  3. Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Globale Gesundheit: Empfehlungen zur Malariaprophylaxe - Abschnitt Expositionsprophylaxe.
  4. US Environmental Protection Agency: Oil of Citronella - Registration and Efficacy Documents.
  5. Europäische Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang III - deklarationspflichtige Duftstoffallergene.