Aronia (Aronia melanocarpa)

Botanischer Name
Aronia melanocarpaRosengewächse (Rosaceae)
Deutscher Name
Schwarze Apfelbeerebotanisch ein kleiner Apfel
Geschmack
Herb, zusammenziehendroh pelzig im Mund - deshalb meist verarbeitet
Herkunft
Östliches Nordamerikaüber Russland und die DDR nach Europa
Bekannt für
Sehr viele Anthocyaneeine der polyphenolreichsten Früchte
Anbau
Auch in Deutschlandvor allem in Sachsen und Brandenburg

HerkunftEine Indianerbeere über Russland

Aroniabeeren (Schwarze Apfelbeere) in einer Holzschale

Der russische Züchter Iwan Mitschurin holte die Aronia Anfang des 20. Jahrhunderts aus Amerika - als winterharte Obstpflanze für Sibirien.

Die Aronia stammt aus den Sümpfen und Wäldern des östlichen Nordamerikas, wo indigene Völker die Beeren getrocknet in Pemmikan verarbeiteten, einem haltbaren Gemisch aus Trockenfleisch, Fett und Beeren. In Europa blieb sie lange ein Zierstrauch mit roter Herbstfärbung. Erst der Pflanzenzüchter Iwan Mitschurin erkannte ihren Wert als Obst: Sie ist extrem frosthart und trägt verlässlich.

Aus der Sowjetunion kam sie in die Länder des Ostblocks; in der DDR wurde sie ab 1976 im sächsischen Schirgiswalde großflächig angebaut, auch für Lebensmittelfarbe. Nach der Wende fast vergessen, erlebt sie seit den 2010er-Jahren eine Renaissance als heimisches „Superfood“. Der Strauch ist anspruchslos, gedeiht in jedem Garten und ist ein gutes Vogelschutzgehölz.

NutzenWas die Aronia für dich tut

Die Aronia hat einen der höchsten Polyphenolgehalte aller Früchte - vor allem Anthocyane und Procyanidine, dazu Chlorogensäure. In Laborversuchen zur antioxidativen Kapazität liegt sie weit vor Blaubeeren und Holunder. Das allein sagt noch nicht viel über die Wirkung im Körper, macht sie aber zu einem der am besten untersuchten heimischen Beerenobst.

In kontrollierten Studien an Menschen senkten Aroniasaft oder -extrakt bei leicht erhöhtem Blutdruck den Blutdruck um wenige mmHg und verbesserten Blutfettwerte und Entzündungsmarker leicht. Die Studien sind überwiegend klein und kurz, und nicht alle fanden einen Effekt.

Die ehrliche Einordnung: Aronia ist eine sehr gute Beere für eine polyphenolreiche Ernährung und eine heimische Alternative zu teuren Exoten. Sie ersetzt keine Blutdruckbehandlung. Wer sie mag, trinkt ein kleines Glas Saft am Tag oder isst eine Handvoll getrocknete Beeren.

bis 1.500 mgAnthocyane pro 100 g frischer Beeren - ein Vielfaches der Kulturheidelbeere
1976begann der Großanbau in Sachsen
– 30 °Chält der Strauch aus
50 - 100 mlAroniasaft am Tag - die typische Studienmenge

InhaltsstoffeDas steckt in der Aronia

Die schwarzviolette Farbe stammt von Anthocyanen, vor allem Cyanidin-Glykosiden. Den herben, pelzigen Geschmack verursachen Procyanidine (Gerbstoffe), die mit den Eiweißen im Speichel reagieren. Dazu kommen Chlorogensäure, Quercetin, Vitamin C, Vitamin K, Folat, Ballaststoffe und Sorbit.

Wie alle Kernobstgewächse enthalten die kleinen Kerne Amygdalin, aus dem Blausäure entstehen kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht beim Verzehr üblicher Mengen roher Beeren kein Risiko; beim Erhitzen und bei Saft wird die Menge weiter reduziert. Außerdem enthält die Aronia Oxalat.

Verstärkte KombinationenWas die Aronia stärker macht

Die Aronia braucht Partner, die ihre Herbheit abfangen: Süße, Fett oder Säure.

Geschmack

mit Apfel

Aronia-Apfel-Saft oder -Marmelade: Der Apfel bringt Süße und Pektin, die Aronia Farbe und Tiefe.

Frühstück

getrocknet im Müsli

Getrocknet ist sie weniger pelzig - eine Handvoll im Müsli oder Porridge.

Milch

mit Joghurt & Quark

Das Milcheiweiß bindet einen Teil der Gerbstoffe, der Geschmack wird runder.

Technik

nach dem Frost ernten

Frost oder ein paar Tage im Tiefkühler machen die Beeren milder und süßer.

Säfte

mit Holunder & Johannisbeere

Dunkle Beerensäfte gemischt - heimische Polyphenolmischung.

Herzhaft

zu Wild & Rotkohl

Wie Preiselbeeren als herb-fruchtige Beilage.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Geschmack

nicht pur roh in Mengen

Roh zieht sie den Mund zusammen - eine Handvoll im Obstsalat, nicht eine Schüssel.

Saft

nicht unverdünnt in großen Gläsern

Aroniasaft ist sehr herb und säurehaltig - mit Wasser oder Apfelsaft mischen, 50 bis 100 ml reichen.

Nieren

nicht in Mengen bei Oxalatsteinen

Aronia enthält Oxalat - bei Neigung zu Nierensteinen maßvoll.

Eisen

nicht zur eisenreichen Mahlzeit

Gerbstoffe hemmen die Aufnahme von pflanzlichem Eisen - bei Eisenmangel zwischen den Mahlzeiten trinken.

Medikamente

nicht unbedacht mit Blutdrucksenkern

Die Wirkung ist gering, kann sich aber addieren - bei niedrigem Blutdruck auf Schwindel achten.

Kerne

nicht zermahlen in Mengen

Wie bei allen Kernobstgewächsen: Kerne nicht gezielt mahlen und konzentriert verzehren.

In der KücheWo sie hingehört

  • Aronia-Apfel-MarmeladeHalb Aronia, halb Apfel, mit Gelierzucker.
  • Aroniasaft-SchorleEin Schuss Saft in Mineralwasser.
  • Porridge mit AroniaGetrocknete Beeren mitkochen, mit Zimt.
  • Aronia-SmoothieMit Banane und Joghurt - die Banane nimmt die Herbheit.
  • Aronia-ChutneyMit Zwiebeln, Essig und Gewürzen zu Wild und Käse.
  • Aronia-MuffinsGetrocknete oder frische Beeren im Teig.
  • Rotkohl mit AroniaEine Handvoll Beeren statt Preiselbeeren.
  • Aronia-SirupMit Zitrone und Zucker für Limonade.
  • Trail-MixGetrocknete Aronia mit Nüssen und Kernen.
  • Aronia-QuarkAroniapulver oder -püree in Quark mit Honig.
Faustregel: Frische Aronia wird von August bis September geerntet. Erst einfrieren, dann verarbeiten - das bricht die Zellen auf, gibt mehr Saft und macht die Beeren milder.

Als HausmittelAroniasaft als Tagesportion

So geht’s

Aronia-Saft aus frischen Beeren

  1. 1 kg frische oder aufgetaute Aroniabeeren waschen und leicht zerdrücken.
  2. Mit 200 ml Wasser aufkochen und 10 Minuten leise köcheln lassen.
  3. Durch ein Tuch abseihen, nach Geschmack mit Apfelsaft mischen.
  4. Heiß in saubere Flaschen füllen; angebrochen im Kühlschrank lagern.
Wofür

Als tägliche Polyphenolportion für Menschen, die ihre Ernährung beerenreicher gestalten wollen. In Studien wurde mit dieser Art von Saft ein leichter Effekt auf Blutdruck und Blutfette gemessen.

Menge

50 bis 100 ml am Tag, verdünnt. Kein Ersatz für ärztlich verordnete Blutdruckmedikamente. Bei Eisenmangel nicht zu den Mahlzeiten trinken.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Aronia ist keine Pflanze der ayurvedischen Tradition. Nach ihrem Geschmack - stark zusammenziehend, leicht süß und sauer - würde man sie heute als Pitta- und Kapha-senkend, aber Vata-erhöhend einordnen; deshalb am besten mit etwas Süßem und Wärmendem.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin kommt die Aronia nicht vor. Moderne TCM-Praktiker ordnen dunkle, herbe Beeren oft den Funktionskreisen Leber und Niere zu und beschreiben sie als blutnährend und festigend - das ist eine Übertragung, keine Tradition.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Eisenaufnahme: Gerbstoffe hemmen die Aufnahme von Eisen aus Pflanzen.
  • Oxalat: bei Nierensteinen maßvoll.
  • Blutdruck: bei niedrigem Blutdruck oder mit Blutdrucksenkern auf Schwindel achten.
  • Magen: herbe Gerbstoffe können einen empfindlichen Magen reizen.
  • Kerne: nicht gezielt mahlen und konzentriert verzehren (Amygdalin).

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Kokotkiewicz A, Jaremicz Z, Luczkiewicz M. Aronia plants: a review of traditional use, biological activities, and perspectives for modern medicine. Journal of Medicinal Food 2010; 13(2): 255–269.
  2. Jurikova T et al. Fruits of black chokeberry Aronia melanocarpa in the prevention of chronic diseases. Molecules 2017; 22(6): 944.
  3. Loo BM et al. Consumption of chokeberry (Aronia mitschurinii) products modestly lowered blood pressure and reduced low-grade inflammation in patients with mildly elevated blood pressure. Nutrition Research 2016; 36(11): 1222–1230.
  4. Wu X et al. Lipophilic and hydrophilic antioxidant capacities of common foods in the United States. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2004; 52(12): 4026–4037.
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung: Blausäure in Aroniabeeren - Fragen und Antworten.