Aprikose (Prunus armeniaca)
HerkunftDie armenische Frucht aus China

Der lateinische Name armeniaca verrät den Weg nach Europa - über Armenien, wo die Römer sie kennenlernten.
Die Aprikose stammt ursprünglich aus Zentralasien und Nordchina, wo sie seit Jahrtausenden kultiviert wird. Über die Seidenstraße kam sie nach Persien und Armenien und mit den Römern in den Mittelmeerraum. In Mitteleuropa wird sie seit dem 17. Jahrhundert angebaut; die Wachau in Österreich ist für ihre Marillen berühmt.
Die Türkei ist heute der weltgrößte Produzent, vor allem von Trockenaprikosen aus der Region Malatya. Weil Aprikosen früh blühen, sind sie frostempfindlich - in Deutschland gedeihen sie nur an geschützten, warmen Standorten.
NutzenWas die Aprikose für dich tut
Frische Aprikosen sind leicht (rund 48 kcal pro 100 g) und reich an Beta-Carotin, aus dem der Körper Vitamin A bildet, dazu Kalium, Vitamin C, Ballaststoffe und Polyphenole. Beta-Carotin ist wichtig für Augen, Haut und Schleimhäute.
Getrocknete Aprikosen enthalten ein Vielfaches an Kalium, Eisen und Ballaststoffen pro Gramm - und entsprechend viel Zucker. Eine Handvoll ist ein nahrhafter Snack, eine Tüte eine Zuckerbombe. Leuchtend orange Trockenaprikosen sind mit Schwefeldioxid (E 220) behandelt, das bei empfindlichen Menschen, besonders mit Asthma, Beschwerden auslösen kann; ungeschwefelte sind dunkelbraun.
Ein ernstes Thema sind die bitteren Aprikosenkerne. Sie werden im Internet als „Vitamin B17“ und Krebsmittel verkauft. Das ist falsch: Amygdalin ist kein Vitamin, eine Wirkung gegen Krebs ist nicht belegt, und schon wenige Kerne können gefährliche Mengen Blausäure freisetzen. Die EFSA hält für Erwachsene etwa drei kleine Kerne am Tag für die Obergrenze, für Kinder nicht einmal einen halben.
InhaltsstoffeDas steckt in der Aprikose
Aprikosen enthalten Wasser, Zucker, Fruchtsäuren, Beta-Carotin, Kalium, Vitamin C, Vitamin E, Ballaststoffe und Polyphenole wie Chlorogensäure und Quercetin. Getrocknet steigen Kalium (über 1.100 mg pro 100 g), Eisen und Ballaststoffe stark an.
Die Kerne enthalten Amygdalin - süße Kerne wenig, bittere sehr viel. Aus süßen Kernen wird Aprikosenkernöl gepresst, ein mildes Kosmetik- und Speiseöl; bei der Pressung und Raffination wird das Amygdalin weitgehend entfernt.
Verstärkte KombinationenWas die Aprikose stärker macht
Aprikosen lieben Mandeln, Vanille und Joghurt - und sie passen erstaunlich gut zu herzhaften Gerichten.
Beta-Carotin ist fettlöslich - Aprikosen mit Joghurt, Quark oder Nüssen.
Die Klassiker in Kuchen und Kompott.
Trockenaprikosen mit Lamm, Zimt und Mandeln.
Frische oder eingeweichte Trockenaprikosen im Müsli.
Gegrillte Aprikosen mit Ziegenkäse und Honig.
Dunkle, ungeschwefelte Trockenaprikosen - etwas weniger schön, aber ohne E 220.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Blausäure - mehrere Vergiftungsfälle sind dokumentiert.
Schwefeldioxid kann bei empfindlichen Menschen Atembeschwerden auslösen.
Viel Zucker und abführend in größeren Mengen.
Trockenaprikosen sind sehr kaliumreich.
Aprikosen reifen nach der Ernte kaum nach - duftende, leicht weiche Früchte wählen.
Kreuzreaktionen sind häufig.
In der KücheWo sie hingehört
- MarillenknödelMit Topfenteig und Butterbröseln.
- AprikosenkuchenMit Mandeln oder als Blechkuchen.
- AprikosenmarmeladeKlassisch für Sachertorte und Frühstück.
- Lamm-TagineMit Trockenaprikosen, Zimt und Mandeln.
- Gegrillte AprikosenMit Ziegenkäse, Thymian und Honig.
- Couscous-SalatMit Aprikosen, Minze und Pistazien.
- AprikosenkompottMit Vanille zu Grießbrei.
- EnergiekugelnTrockenaprikosen, Mandeln, Kokos.
- Aprikosen-ChutneyZu Käse und Curry.
- PorridgeMit gehackten Trockenaprikosen.
Als HausmittelAprikosenkernöl für trockene Haut
Aprikosenkernöl-Pflege
- Kaltgepresstes Aprikosenkernöl (Apotheke, Drogerie) verwenden - es wird aus süßen Kernen gewonnen.
- Nach dem Waschen einige Tropfen auf die noch leicht feuchte Haut geben.
- Sanft einmassieren, bis es eingezogen ist.
- Für die Lippen: ein Tropfen Öl vor dem Schlafen.
Trockene, empfindliche und reife Haut, rissige Lippen. Das Öl ist mild, zieht schnell ein und ist reich an Öl- und Linolsäure - eine gute Alternative zu Mandelöl.
Nach Bedarf. Nicht mit bitteren Aprikosenkernen verwechseln - die gehören nicht auf den Teller und nicht in die Hausapotheke.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Aprikose (Urumana) gilt im Ayurveda als süß-sauer und wärmend, nährend und leicht abführend. Sie beruhigt Vata; bei Pitta sollten süße, vollreife Früchte gewählt werden.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM ist die Aprikose (Xing) süß-sauer und warm. Die Kerne sind ein altes Arzneimittel: süße (Tian Xing Ren) und bittere (Ku Xing Ren), letztere werden nur in kleinen, verarbeiteten Mengen gegen Husten eingesetzt - ein gutes Beispiel dafür, dass die Tradition die Giftigkeit kannte.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Bittere Kerne: giftig - nicht als Heilmittel, außer Reichweite von Kindern.
- Schwefel: geschwefelte Trockenaprikosen bei Asthma und Sulfitempfindlichkeit meiden.
- Kalium: Trockenaprikosen bei Niereninsuffizienz nur nach Absprache.
- Allergie: Kreuzreaktion mit Birke und anderem Steinobst.
- Zucker: Trockenobst in Maßen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen
Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.
QuellenWorauf sich das stützt
- EFSA CONTAM Panel. Acute health risks related to the presence of cyanogenic glycosides in raw apricot kernels and products derived from raw apricot kernels. EFSA Journal 2016; 14(4): 4424.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Bittere Aprikosenkerne - Verbraucherinformation zu Blausäure.
- Vally H, Misso NL. Adverse reactions to the sulphite additives. Gastroenterology and Hepatology from Bed to Bench 2012; 5(1): 16–23.
- Aune D et al. Fruit and vegetable intake and the risk of cardiovascular disease, total cancer and all-cause mortality - a systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. International Journal of Epidemiology 2017; 46(3): 1029–1056.
- USDA FoodData Central: Apricots, raw und Apricots, dried, sulfured, uncooked.


