Kirsche (Prunus avium)
HerkunftMitgebracht von einem Feldherrn

74 vor Christus brachte der römische Feldherr Lucullus Kirschbäume aus der Stadt Kerasos am Schwarzen Meer mit nach Rom.
Die Süßkirsche stammt wild aus dem Gebiet zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer und wächst als Vogelkirsche auch in mitteleuropäischen Wäldern - Kerne in steinzeitlichen Siedlungen zeigen, dass man sie hier schon lange sammelte. Die gezielte Kultur brachten die Römer. Der Name der Stadt Kerasos, heute Giresun in der Türkei, steckt im lateinischen cerasus und im deutschen „Kirsche“.
Die Sauerkirsche Prunus cerasus ist vermutlich eine natürliche Kreuzung aus Süßkirsche und Steppenkirsche. Sie ist anspruchsloser, frostfester und aromatischer, aber zu sauer zum Naschen - die Schattenmorelle ist die bekannteste Sorte. Die Türkei ist der größte Kirschproduzent der Welt; in Deutschland sind das Alte Land, Franken und die Region um Frankfurt bekannte Anbaugebiete.
NutzenWas die Kirsche für dich tut
Kirschen liefern Anthocyane, Vitamin C, Kalium und Ballaststoffe. Sauerkirschen enthalten deutlich mehr Anthocyane als Süßkirschen und dazu etwas Melatonin, das Hormon, das den Schlaf-wach-Rhythmus steuert.
In einer kleinen kontrollierten Studie erhöhte Sauerkirsch-Saftkonzentrat den Melatoninspiegel und verlängerte die Schlafdauer leicht. Bei Marathonläufern beschleunigte Sauerkirschsaft in den Tagen um den Lauf die Erholung der Muskelkraft. Und in einer Beobachtungsstudie hatten Menschen mit Gicht, die Kirschen aßen, weniger Gichtanfälle - vermutlich weil Kirschen die Harnsäure leicht senken.
Die Einordnung: Das sind kleine Studien, oft mit Konzentraten in Mengen, die weit über eine Handvoll Kirschen hinausgehen. Die Ergebnisse sind interessant, aber kein Ersatz für Schlafhygiene oder eine Gichtbehandlung. Als Obst sind Kirschen ohnehin eine Freude.
InhaltsstoffeDas steckt in der Kirsche
Kirschen enthalten Zucker (Süßkirschen etwa 13 g pro 100 g, Sauerkirschen weniger), Fruchtsäuren, Kalium, Vitamin C, Ballaststoffe und Sorbit. Die rote Farbe stammt von Anthocyanen, vor allem Cyanidin-3-rutinosid; dazu Chlorogensäure, Quercetin und in Sauerkirschen Melatonin in kleinen Mengen.
Die Kerne enthalten Amygdalin, aus dem beim Zerbeißen Blausäure entsteht. Ein verschluckter ganzer Kern ist harmlos, weil er unverdaut wieder ausgeschieden wird. Gefährlich wird es nur, wenn man viele Kerne zerbeißt oder Kirschkerne gemahlen verzehrt.
Verstärkte KombinationenWas die Kirsche stärker macht
Kirschen passen zu Schokolade, Mandeln und herzhaften Braten - und Sauerkirschen gehören in fast jedes Gebäck.
Schwarzwälder Kirschtorte ist kein Zufall: Kirsche und Kakao gehören zusammen.
Mandel betont den Kirschgeschmack, weil beide das gleiche Aroma Benzaldehyd teilen.
Sauerkirschsauce zu Ente oder Reh - die Säure schneidet durch das Fett.
Ein kleines Glas ungesüßter Sauerkirschsaft - so wurde es in den Schlafstudien gemacht.
Entsteinte Kirschen im Müsli oder als Kompott.
Tiefgekühlte Sauerkirschen sind ideal für Kuchen, Kompott und Smoothies.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Zerbissene Kerne setzen Blausäure frei - Kinder sollten Kirschen nur entsteint oder unter Aufsicht essen.
Kirschen enthalten Sorbit und Fruktose - viele Kirschen auf einmal blähen.
Die Warnung stammt aus Zeiten verunreinigter Brunnen. Mit heutigem Trinkwasser ist das kein Problem.
Viele Sauerkirschnektare enthalten viel Zucker - für die Studienwirkung ungesüßten Saft oder Muttersaft verdünnen.
Kirschen mit Stiel halten länger - kühl und ungewaschen.
Kerne, Stiele und Blätter enthalten Amygdalin - Kirschen für Hunde nur entsteint.
In der KücheWo sie hingehört
- KirschmichelBrotauflauf mit Kirschen - das pfälzische Resteessen.
- ClafoutisKirschen in Eierteig gebacken, französischer Klassiker.
- Schwarzwälder KirschtorteSchokoladenbiskuit, Sauerkirschen, Sahne, Kirschwasser.
- KirschkompottSauerkirschen mit Zimt und Vanille, mit Stärke gebunden.
- Ente mit KirschsauceSauerkirschen mit Portwein und Rotwein eingekocht.
- Kirschkuchen vom BlechRührteig mit Streuseln und Sauerkirschen.
- Kalte KirschsuppeSauerkirschen mit Zimt, kalt mit Grießnocken.
- Kirsch-SalatSüßkirschen, Rucola, Feta, Pistazien.
- KirschsorbetEntsteinte Kirschen pürieren und einfrieren.
- Rote GrützeMit Johannisbeeren und Himbeeren.
Als HausmittelDas Kirschkernkissen
Kirschkernkissen selbst machen
- Kirschkerne sammeln, gründlich waschen und mit etwas Essigwasser 10 Minuten auskochen.
- Bei 100 °C im Ofen eine Stunde trocknen, bis sie vollständig trocken sind.
- Etwa 500 g Kerne in einen Leinen- oder Baumwollbeutel füllen und zunähen.
- Zum Wärmen 1 bis 2 Minuten bei mittlerer Leistung in die Mikrowelle oder 15 Minuten bei 120 °C in den Ofen; zum Kühlen in den Tiefkühler.
Warm bei Bauchschmerzen, Blähungen, Menstruationsbeschwerden und Nackenverspannungen - die Kerne speichern Wärme lange und geben sie gleichmäßig ab. Kalt bei Prellungen und Kopfschmerzen. Ein Klassiker für Kinder.
So oft wie nötig. Vor dem Auflegen die Temperatur am Unterarm prüfen, bei Säuglingen nur lauwarm und nie unbeaufsichtigt. Kissen nicht überhitzen - die Kerne können verkohlen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Kirsche wird in modernen ayurvedischen Texten als süß-sauer und leicht wärmend beschrieben. Sie gilt als gut für Vata, beruhigend für den Geist und als leichtes Abendobst; bei Pitta sollen eher süße Sorten gewählt werden.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM ist die Kirsche (Ying Tao) süß und warm. Sie soll Qi und Blut nähren, die Milz stärken und Wind-Feuchtigkeit vertreiben - traditionell bei Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Wegen ihrer Wärme wird sie bei Hitzezuständen nur maßvoll empfohlen.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Kerne: nicht zerbeißen; Kleinkinder nur entsteinte Kirschen.
- Reizdarm: Sorbit und Fruktose können in größeren Mengen Blähungen auslösen.
- Gicht: Kirschen sind eine Ergänzung, keine Behandlung - Medikamente nicht eigenmächtig absetzen.
- Allergie: Kreuzreaktion mit Birkenpollen und anderem Steinobst möglich.
- Hunde: nur entsteint und ohne Stiele.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Howatson G et al. Effect of tart cherry juice (Prunus cerasus) on melatonin levels and enhanced sleep quality. European Journal of Nutrition 2012; 51(8): 909–916.
- Howatson G et al. Influence of tart cherry juice on indices of recovery following marathon running. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 2010; 20(6): 843–852.
- Zhang Y et al. Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis & Rheumatism 2012; 64(12): 4004–4011.
- Kelley DS, Adkins Y, Laugero KD. A review of the health benefits of cherries. Nutrients 2018; 10(3): 368.
- USDA FoodData Central: Cherries, sweet, raw und Cherries, sour, red, raw.


