Cordyceps (Cordyceps militaris)

Wissenschaftlich
Cordyceps militarisKernkeulenverwandte (Cordycipitaceae)
Deutscher Name
Puppen-Kernkeuleauf Schmetterlingspuppen parasitierend
Nicht verwechseln
Ophiocordyceps sinensisder tibetische Raupenpilz - andere Art
Leitstoff
Cordycepinein Nukleosid-Analogon
Einstufung
Keine Monographieals Nahrungsergänzungsmittel gehandelt
Kultivierbar
Jaanders als der wilde Raupenpilz

HerkunftDer Pilz, der aus der Raupe wächst

Cordyceps

Im tibetischen Hochland wird ein Kilo Raupenpilz mit mehreren zehntausend Euro gehandelt - gesammelt wird er von Hand, Stück für Stück.

Cordyceps-Arten sind Schlauchpilze, die Insekten befallen. Die Sporen dringen in den Wirt ein, das Pilzmyzel durchwächst ihn von innen und bildet schließlich einen keulenförmigen Fruchtkörper, der aus dem toten Insekt herauswächst. Cordyceps militaris, die Puppen-Kernkeule, befällt Schmetterlingspuppen und kommt auch in Europa vor - ein leuchtend oranger, fingerförmiger Fruchtkörper, der im Herbst aus dem Boden ragt.

Berühmter ist eine andere Art: Ophiocordyceps sinensis, der tibetische Raupenpilz, auf Tibetisch Yartsa Gunbu - „Sommergras, Winterwurm“. Er befällt die Raupen bestimmter Nachtfalter im Hochland von Tibet, Bhutan und Nepal auf über dreitausend Metern Höhe. Er lässt sich bis heute nicht wirtschaftlich kultivieren und wird ausschließlich wild gesammelt: Menschen kriechen wochenlang über Hochlandwiesen und suchen die wenigen Zentimeter langen Fruchtkörper.

Daraus ist ein enormer Wirtschaftszweig geworden. Der Raupenpilz gehört zu den teuersten Naturprodukten der Welt, mit Preisen von mehreren zehntausend Euro pro Kilogramm für Spitzenqualität. Für viele tibetische Familien ist die Sammelsaison die Haupteinnahmequelle; gleichzeitig führt der Sammeldruck zu Übernutzung, zu Konflikten um Sammelgebiete und zu einem Rückgang der Bestände. Die Art ist inzwischen als gefährdet eingestuft. Was in Europa als „Cordyceps“ verkauft wird, ist deshalb fast immer die kultivierte Cordyceps militaris oder ein Myzelprodukt - was für die Nachhaltigkeit die bessere, für die Übertragbarkeit von Studien aber eine wichtige Einschränkung ist.

NutzenEin Mythos, ein Molekül und wenig Belastbares

Für Cordyceps gibt es keine EMA-Monographie und keine Bewertung der Kommission E. Bekannt wurde er im Westen 1993, als chinesische Mittelstreckenläuferinnen mehrere Weltrekorde brachen und ihr Trainer den Erfolg unter anderem auf Cordyceps und Schildkrötenblut zurückführte. Die Rekorde stehen bis heute unter Dopingverdacht, und mehrere Athletinnen desselben Teams wurden später positiv getestet. Als Werbegeschichte hat die Episode trotzdem funktioniert - und sie ist der Ursprung der Vermarktung als Ausdauermittel.

Die Studien dazu sind uneinheitlich. Einige kleine randomisierte Untersuchungen fanden Verbesserungen von Parametern wie der maximalen Sauerstoffaufnahme oder der Zeit bis zur Erschöpfung, andere fanden keinen Unterschied zu Placebo. Die Teilnehmerzahlen liegen meist unter fünfzig, die Präparate unterscheiden sich stark, und mehrere Studien wurden mit Herstellerbeteiligung durchgeführt. Systematische Übersichten stufen die Evidenz als unzureichend ein.

Das interessanteste Molekül ist Cordycepin, chemisch ein Adenosin-Analogon, dem in der Zellforschung eine Reihe von Effekten zugeschrieben werden - es wurde sogar als Ausgangspunkt für Krebswirkstoffe untersucht. Kurios ist, dass Cordycepin vor allem in der kultivierten Cordyceps militaris vorkommt und im teuren wilden Raupenpilz kaum nachweisbar ist. Das teurere Produkt enthält also weniger von dem Stoff, der die Forschung interessiert.

Praktisch wichtiger als die Wirksamkeitsfrage sind bei Cordyceps zwei Sicherheitspunkte. Erstens: Analysen von Raupenpilz-Handelsware haben wiederholt erhöhte Arsen- und Schwermetallgehalte gefunden - der Pilz reichert Arsen aus dem Boden an, und zusätzlich wird er zur Gewichtserhöhung teils mit Fremdmaterial beschwert. Zweitens: Als immunmodulierendes Mittel ist er bei Autoimmunerkrankungen und unter Immunsuppression problematisch, und es gibt Hinweise auf eine Beeinflussung der Gerinnung.

über 3000 mHöhe der Sammelgebiete des Raupenpilzes
mehrere 10.000 €Kilopreis für Spitzenqualität
1993die Weltrekorde, die den Hype auslösten
GefährdetIUCN-Einstufung von Ophiocordyceps sinensis

InhaltsstoffeZwei Arten, zwei Produkte, ein Name

Die wichtigste Information für den Einkauf steht auf dem Etikett - oder eben nicht. Cordyceps militaris lässt sich auf Reis- oder Insektensubstrat kultivieren, ist bezahlbar und enthält messbare Mengen Cordycepin. Ophiocordyceps sinensis ist der wilde Raupenpilz, sehr teuer, nicht kultivierbar und cordycepinarm. Was als „Cordyceps“ ohne Artangabe verkauft wird, ist praktisch immer die erste Art oder ein Myzelprodukt.

Zusätzlich gibt es ein drittes Produkt: Paecilomyces hepiali beziehungsweise ein als CS-4 bezeichneter Myzelstamm, der ursprünglich aus dem Raupenpilz isoliert wurde und in Fermentern gezogen wird. Ein erheblicher Teil der chinesischen Studien wurde mit CS-4 durchgeführt. Ob dieses Myzel dem Fruchtkörper entspricht, ist umstritten - die taxonomische Zuordnung wurde mehrfach revidiert.

Neben Cordycepin enthalten Cordyceps-Arten Adenosin, Beta-Glucane, Mannitol (traditionell als Cordycepinsäure bezeichnet) und Sterole. Standardisiert wird meist auf Adenosin oder Cordycepin; ein Präparat ohne Gehaltsangabe ist nicht beurteilbar.

Zur Arsenfrage noch ein Wort, weil sie konkret ist: Untersuchungen von Raupenpilz-Proben aus dem Handel fanden Arsengehalte deutlich über den Grenzwerten für Lebensmittel. Die chinesische Arzneimittelbehörde hat deshalb 2016 Warnungen zu Cordyceps-Produkten herausgegeben. Bei kultivierter Cordyceps militaris aus kontrollierter Produktion besteht dieses Problem nicht - ein weiteres Argument für das günstigere Produkt.

Verstärkte KombinationenWenn Cordyceps, dann welcher

Bei diesem Pilz entscheidet die Artangabe über fast alles - Preis, Inhaltsstoffe, Nachhaltigkeit und Sicherheit.

Art

Cordyceps + militaris statt sinensis

Kultivierbar, bezahlbar, cordycepinreich und ohne Arsenproblem. Für nahezu jeden Zweck die bessere Wahl.

Qualität

Cordyceps + Gehaltsangabe

Standardisierung auf Cordycepin oder Adenosin. Ohne Zahl ist ein Präparat nicht vergleichbar.

Küche

Cordyceps militaris + Brühe

Die orangen Fruchtkörper werden in China in Hühnersuppen mitgekocht - sie sind essbar und haben einen milden, leicht pilzigen Geschmack.

Zeit

Cordyceps + begrenzte Anwendung

Es gibt keine Langzeitdaten. Einige Wochen bis wenige Monate, dann Bilanz ziehen.

Grundlagen

Cordyceps + Training und Schlaf

Wer an seiner Ausdauer arbeiten will: Trainingsreiz, Schlaf und Eisenstatus wirken um Größenordnungen stärker als jedes Präparat.

Medikation

Cordyceps + Medikationsliste prüfen

Vor der ersten Einnahme durchgehen - Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva und Diabetesmedikamente sind die kritischen Punkte.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Herkunft

Raupenpilz + Wildsammlung

Ophiocordyceps sinensis ist als gefährdet eingestuft, der Sammeldruck im Himalaya ist enorm. Der wilde Raupenpilz ist ökologisch die schlechteste Wahl.

Belastung

Raupenpilz + Arsen

Untersuchungen fanden Arsengehalte über den Lebensmittelgrenzwerten; Behörden haben gewarnt. Kultivierte C. militaris hat dieses Problem nicht.

Immunsystem

Cordyceps + Immunsuppressiva oder Autoimmunerkrankung

Als immunmodulierendes Mittel bei gedämpftem oder überaktivem Immunsystem nicht ohne ärztliche Begleitung.

Gerinnung

Cordyceps + Antikoagulanzien

Hinweise auf eine Beeinflussung der Thrombozytenfunktion liegen vor. Vor Operationen und bei Gerinnungshemmung klären.

Blutzucker

Cordyceps + Diabetesmedikamente

Eine zusätzliche Senkung ist möglich - in der Praxis ansprechen.

Doping

Cordyceps + Leistungsversprechen

Die Ursprungsgeschichte steht unter Dopingverdacht, und die Studien sind uneinheitlich. Als Leistungsmittel ist Cordyceps nicht belegt.

AnwendungAnwendungsformen und Kaufkriterien

  • FruchtkörperDie orangen Keulen von C. militaris sind essbar und werden in China in Suppen mitgekocht.
  • HühnersuppeDie traditionelle chinesische Zubereitung - mit Jujube, Ingwer und Goji.
  • AbsudGetrocknete Fruchtkörper zwanzig bis dreißig Minuten auskochen.
  • ExtraktKapseln mit deklariertem Cordycepin- oder Adenosingehalt.
  • MyzelproduktCS-4 aus Fermenterkultur - die Grundlage vieler chinesischer Studien.
  • ArtangabeCordyceps militaris oder Ophiocordyceps sinensis - das muss auf dem Etikett stehen.
  • HerkunftKultivierte Ware ist ökologisch und qualitativ die bessere Wahl.
  • GehaltsangabeOhne Standardisierung ist ein Präparat nicht beurteilbar.
  • Zeitlich begrenzenEs gibt keine Langzeitdaten.
  • Medikation prüfenGerinnung, Immunsuppression und Blutzucker sind die kritischen Punkte.
Faustregel: Wenn auf einer Packung nur „Cordyceps“ steht, ohne Artnamen, lass sie stehen. Die beiden gehandelten Arten unterscheiden sich in Preis, Inhaltsstoffen, Arsenbelastung und Nachhaltigkeit so stark, dass ein Produkt ohne diese Angabe nicht beurteilbar ist.

Als HausmittelDie traditionelle Suppe

So geht’s

Cordyceps militaris in der Hühnerbrühe

  1. Vorher klären: Nimmst du Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva oder Diabetesmedikamente? Hast du eine Autoimmunerkrankung? In allen Fällen gehört die Anwendung vorher ärztlich besprochen.
  2. Kultivierte Cordyceps militaris verwenden - die orangen, fingerförmigen Fruchtkörper. Kein wilder Raupenpilz: gefährdet, teuer und teils arsenbelastet.
  3. Etwa 5 g getrocknete Fruchtkörper kurz abspülen und in einen Topf mit Hühnerbrühe geben.
  4. Ein paar Scheiben Ingwer, drei bis vier getrocknete Jujube-Datteln und nach Belieben Goji-Beeren dazugeben - die traditionelle chinesische Zusammenstellung.
  5. Dreißig bis vierzig Minuten leise köcheln lassen, dann abschmecken. Die Pilze werden weich und können mitgegessen werden; ihr Geschmack ist mild und leicht pilzig.
  6. Als gelegentliches stärkendes Gericht. Über einige Wochen beobachten, dann Bilanz ziehen - es gibt keine Langzeitdaten und keinen Grund für eine dauerhafte Einnahme.
Wofür

Traditionell in der chinesischen Medizin als stärkendes Mittel bei Erschöpfung und Atemwegsschwäche. In Europa ohne anerkanntes Anwendungsgebiet; die Studien zur Ausdauer sind klein und uneinheitlich.

Menge

In Studien wurden meist 1 bis 3 g Extrakt täglich eingesetzt. Es gibt keine behördlich geprüfte Dosierungsempfehlung. Nicht bei Immunsuppression, Autoimmunerkrankung oder Gerinnungshemmung ohne ärztliche Rücksprache.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Cordyceps ist im Ayurveda nicht vertreten - er ist eine hochasiatische und ostasiatische Droge. Die Kategorie, in die er in der westlichen Vermarktung gestellt wird - Kraft und Ausdauer, Vajikarana und Rasayana –, wird dort von Ashwagandha, Shilajit und Kapikacchu besetzt. Im Himalaya-Raum überschneiden sich die Traditionen allerdings: In der tibetischen Medizin, die viele ayurvedische Konzepte übernommen hat, ist Yartsa Gunbu fest etabliert.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der chinesischen Medizin ist Dong Chong Xia Cao - „Winterwurm, Sommergras“ - eine geschätzte, wenn auch historisch nicht sehr alte Droge; die ersten klaren Beschreibungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie gilt als süß und warm, mit Bezug zu Lunge und Niere, und hat die Funktionen, das Nieren-Yang zu stärken, die Lunge zu nähren und Blut zu stillen. Klassisch wird sie bei chronischem Husten, Erschöpfung und in der Rekonvaleszenz eingesetzt - in der Regel mit Fleisch gekocht, nicht als Pulver.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Artangabe beachten: Cordyceps militaris ist kultiviert und unproblematisch, Ophiocordyceps sinensis ist gefährdet, teuer und teils arsenbelastet. Ohne Artangabe ist ein Produkt nicht beurteilbar.
  • Arsenbelastung beim Raupenpilz: Untersuchungen fanden Gehalte über den Lebensmittelgrenzwerten; Behörden haben gewarnt.
  • Nicht bei Immunsuppression oder Autoimmunerkrankung: Ein als immunmodulierend beworbenes Mittel ist hier nicht ohne ärztliche Begleitung vertretbar.
  • Gerinnungshemmer: Hinweise auf eine Beeinflussung der Thrombozytenfunktion - bei Antikoagulanzien und vor Operationen klären.
  • Diabetesmedikation: Eine zusätzliche Blutzuckersenkung ist möglich.
  • Kein belegtes Leistungsmittel: Die Ursprungsgeschichte steht unter Dopingverdacht, die Studien sind klein und uneinheitlich.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Hirsch K.R. et al.: Cordyceps militaris improves tolerance to high-intensity exercise after acute and chronic supplementation. Journal of Dietary Supplements 2017.
  2. Shrestha U.B., Bawa K.S.: Impact of climate change on potential distribution of Chinese caterpillar fungus. PLOS ONE 2014 - zur Gefährdung.
  3. Zhou X. et al.: Cordyceps fungi - natural products, pharmacological functions and developmental products. Journal of Pharmacy and Pharmacology 2009.
  4. China Food and Drug Administration: Warnhinweise zu Arsengehalten in Cordyceps-Produkten, 2016.
  5. IUCN Red List: Ophiocordyceps sinensis - Bewertung als gefährdet.