HerkunftEine Präriepflanze mit Anisduft

Reibst du ein Blatt der Duftnessel zwischen den Fingern, riecht es nach Anis, obwohl sie damit gar nicht verwandt ist.
Die Duftnessel ist eine ausdauernde Staude aus der Familie der Lippenblütler. Sie stammt aus dem Norden der USA und aus Kanada, wo sie in Prärien, an Waldrändern und auf trockenen Lichtungen wächst. Im Sommer trägt sie dichte, lavendelblaue Blütenähren, die von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen geradezu belagert werden.
Der Name foeniculum, kleiner Fenchel, beschreibt ihren Duft. Mit Fenchel oder Anis, die zu den Doldenblütlern gehören, ist sie aber nicht verwandt. Mit der Brennnessel übrigens auch nicht: „Nessel“ bezieht sich nur auf die Ähnlichkeit der Blätter. In Europa wird sie als Gartenstaude, Bienenweide und Teekraut gezogen.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Koreanischen Minze (Agastache rugosa). Sie stammt aus Ostasien, sieht sehr ähnlich aus und duftet ebenfalls nach Anis. In der ostasiatischen Heilkunde wird sie als Huo Xiang verwendet, während die nordamerikanische Duftnessel dort keine Rolle spielt. Im Handel werden beide Arten und ihre Kreuzungen oft einfach als „Agastache“ verkauft.
NutzenTeepflanze der Prärie und was man heute weiß
Bei verschiedenen Völkern Nordamerikas wurden die Blätter traditionell als Tee getrunken, als wohlschmeckendes Alltagsgetränk und bei Husten, Erkältung und Fieber. Siedler übernahmen die Pflanze als Tee- und Süßkraut. In der heutigen Kräuterkunde wird sie, ähnlich wie andere anisduftende Pflanzen, bei Blähungen und Völlegefühl verwendet.
Die wissenschaftliche Forschung hat sich vor allem mit dem ätherischen Öl beschäftigt. In Laborversuchen zeigte es antimikrobielle und antioxidative Eigenschaften, auch die Flavonoide und die Rosmarinsäure der Pflanze wurden im Reagenzglas untersucht. Klinische Studien am Menschen gibt es bisher nicht.
Dass anisduftende Kräuter bei Verdauungsbeschwerden traditionell geschätzt werden, ist gut nachvollziehbar: Ätherische Öle können krampflösend wirken und die Verdauung anregen. Für die Duftnessel selbst ist das aber nicht eigens belegt, sondern ein Analogieschluss.
Zur ehrlichen Einordnung gehört das Thema Estragol. Dieser Stoff macht oft den größten Teil des Öls aus. Hoch dosiert und isoliert hat sich Estragol in Tierversuchen als erbgutschädigend und krebserregend erwiesen. Das HMPC rät deshalb, die Aufnahme über Arzneimittel so gering wie möglich zu halten. Eine Tasse Tee ab und zu ist etwas anderes als eine tägliche Dauerkur, aber Maß halten ist sinnvoll.
InhaltsstoffeAnisduft und Phenole
Der Duft kommt aus dem ätherischen Öl, das vor allem in den Drüsenhaaren von Blättern und Blüten sitzt. Hauptbestandteil ist meist Methylchavicol, auch Estragol genannt, das auch Estragon, Basilikum und Fenchel ihr Aroma gibt. Daneben finden sich je nach Herkunft weitere Terpene in kleineren Mengen.
Der Estragolgehalt schwankt stark. Es gibt Herkünfte, deren Öl zu weit über 80 Prozent aus Estragol besteht, und solche mit sehr wenig Öl und wenig Estragol. Sorte, Anbau und Erntezeitpunkt spielen eine große Rolle.
Daneben enthält die Pflanze Rosmarinsäure und andere Phenolcarbonsäuren sowie Flavonoide wie Acacetin und Tilianin, wie sie auch bei anderen Lippenblütlern vorkommen. Diese Stoffe gehen gut in einen Tee über.
Verstärkte KombinationenGute Partner und wo Maß gefragt ist
Die Duftnessel bringt Süße und Anisduft in eine Mischung und passt gut zu milden Verdauungskräutern.
Kamille ist bei leichten Magen-Darm-Beschwerden gut belegt und harmoniert mit dem süßlichen Aroma.
Pfefferminze ist bei Blähungen und Völlegefühl vom HMPC geführt und gibt Frische.
Zitronenmelisse wird traditionell bei nervösen Magenbeschwerden verwendet und passt geschmacklich gut.
Ein wenig Süßholz verstärkt die natürliche Süße, ohne Zucker.
Ein paar frische Blätter mit Zitrone im kalten Wasser ergeben eine leichte Limonade.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Auch Fenchel enthält Estragol, und große Mengen beider Tees summieren sich.
Auch diese Kräuter liefern Estragol, Abwechslung im Speiseplan ist hier der beste Weg.
Im konzentrierten Öl ist der Estragolanteil sehr hoch, darum gehört es nicht in Getränke oder Speisen.
Die Koreanische Minze und Patchouli werden in der TCM anders eingesetzt und sind kein Ersatz für die Duftnessel.
AnwendungSo verwendest du die Duftnessel
- Aufguss1 Teelöffel getrocknete Blätter und Blüten mit 200 ml heißem Wasser übergießen.
- ZiehzeitZugedeckt 5 bis 7 Minuten ziehen lassen.
- Nach dem EssenEine Tasse nach einer schweren Mahlzeit, traditionell bei Völlegefühl.
- Frisch3 bis 4 frische Blätter pro Tasse reichen, der Geschmack ist intensiv.
- In MischungenAls süßliche Komponente zu Kamille, Melisse oder Pfefferminze, etwa ein Viertel der Mischung.
- KaltFrische Stängel über Nacht in Wasser ziehen lassen, das ergibt ein mildes Erfrischungsgetränk.
- In der KücheBlüten und junge Blätter passen zu Obstsalat, Desserts, Joghurt und Gebäck.
- Maß haltenGern ein bis zwei Tassen am Tag, aber nicht als Dauerkur über viele Monate, besser im Wechsel mit anderen Tees.
Als HausmittelEin sanfter Tee nach dem Essen
Duftnessel-Kamillen-Tee für den vollen Bauch
- Je einen halben Teelöffel getrocknete Duftnessel und Kamillenblüten in eine Tasse geben.
- Mit 200 ml heißem Wasser übergießen und sofort zudecken.
- 6 Minuten ziehen lassen, dabei das Kondenswasser vom Deckel zurück in die Tasse tropfen lassen.
- Abseihen und warm in kleinen Schlucken nach dem Essen trinken.
Traditionell bei Völlegefühl und leichten Blähungen nach einer üppigen Mahlzeit. Die Kamille ergänzt den Anisduft mit ihrer beruhigenden Art.
Bei Bedarf eine Tasse nach dem Essen, höchstens zwei am Tag und nicht länger als zwei Wochen am Stück.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Im Ayurveda kommt die Duftnessel nicht vor, sie ist eine Pflanze Nordamerikas. Nach ihren Eigenschaften, süß, aromatisch und leicht wärmend, ließe sie sich wie Anis und Fenchel als verdauungsförderndes Kraut einordnen, das Vata beruhigt und das Verdauungsfeuer Agni unterstützt. Das ist eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird nicht die Duftnessel verwendet, sondern ihre ostasiatische Verwandte Agastache rugosa unter dem Namen Huo Xiang (oft als Tu Huo Xiang bezeichnet). Im heutigen Chinesischen Arzneibuch steht unter Huo Xiang vor allem Patchouli (Pogostemon cablin, Guang Huo Xiang). Huo Xiang gilt als scharf und leicht warm, es „wandelt Feuchtigkeit um“, stärkt die Mitte, lindert Übelkeit und Erbrechen und befreit die Oberfläche bei Sommererkältungen. Die Duftnessel ähnelt ihr im Duft, ist aber eine andere Art und keine überlieferte TCM-Droge.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Estragol: Trinke Duftnesseltee in Maßen und nicht dauerhaft in großen Mengen, weil Estragol im Tierversuch in hohen Dosen krebserregend war.
- Schwangerschaft und Stillzeit: In dieser Zeit lieber auf regelmäßigen Duftnesseltee verzichten, da Sicherheitsdaten fehlen und Estragol möglichst gering gehalten werden soll.
- Kleine Kinder: Kinder haben ein geringes Körpergewicht, darum für sie keine regelmäßigen estragolhaltigen Tees.
- Ätherisches Öl: Das pure Öl nicht einnehmen und auf der Haut nur stark verdünnt verwenden.
- Allergie: Bei Überempfindlichkeit gegen Lippenblütler wie Minze, Salbei oder Thymian vorsichtig sein.
- Beschwerden: Anhaltende Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder Gelbfärbung der Haut gehören immer ärztlich abgeklärt.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Zielińska S, Matkowski A. Phytochemistry and bioactivity of aromatic and medicinal plants from the genus Agastache (Lamiaceae). Phytochem Rev 2014; 13(2): 391 bis 416.
- Nechita MA, Toiu A, Benedec D et al. Agastache species: a comprehensive review on phytochemical composition and therapeutic properties. Plants (Basel) 2023; 12(16): 2937.
- EMA/HMPC: Public statement on the use of herbal medicinal products containing estragole. EMA/HMPC/137212/2005 Rev. 1, 2023.
- Moerman DE. Native American Ethnobotany. Timber Press, Portland 1998.


