Fenchel (Foeniculum vulgare)

Familie
DoldenblütlerFoeniculum vulgare - verwandt mit Anis, Kümmel und Dill
Verwendet wird
Die Fruchtumgangssprachlich „Samen“ - dazu die Knolle als Gemüse
Geschmack
Süßlich nach AnisBitterfenchel herber, Süßfenchel deutlich milder
Herkunft
Mittelmeerraumseit der Antike Küchen- und Arzneipflanze, heute weltweit
Anerkannt für
Blähungen und HustenEMA und Kommission E - innerlich als Tee und Sirup
Wichtig
Nicht für Kleinkinderdie EMA rät bei unter Vierjährigen und in der Schwangerschaft ab

HerkunftDie Frucht, die den Bauch beruhigt

Frische Fenchelknollen

Die griechischen Läufer von Marathon sollen Fenchel gekaut haben, damit der Magen still hält - und in Indien steht bis heute nach jedem Essen eine Schale Fenchelsamen auf dem Tresen.

Der Fenchel stammt aus dem Mittelmeerraum und ist eine der ältesten dokumentierten Kulturpflanzen Europas. Die Griechen nannten ihn marathon - die Ebene, auf der die berühmte Schlacht stattfand, war nach dem Fenchel benannt, der dort wuchs. Die Römer bauten ihn systematisch an, Karl der Große ließ ihn in der Landgüterverordnung als Pflichtpflanze in jedem Reichsgarten anlegen, und in den Klostergärten des Mittelalters gehörte er zum festen Bestand. Was ihn so beständig gemacht hat, ist seine Doppelrolle: Er ist gleichzeitig Gewürz, Gemüse und Arzneipflanze.

Man unterscheidet drei Formen, und die Unterscheidung ist praktisch wichtig. Der Bitterfenchel (var. vulgare) hat mehr Fenchon, schmeckt herber und kampferartiger und ist die klassische Arzneiform - er steckt in den meisten Fencheltees aus der Apotheke. Der Süßfenchel oder Gewürzfenchel (var. dulce) enthält mehr Anethol und weniger Fenchon, schmeckt deutlich süßer und ist die Küchenform. Der Gemüsefenchel (var. azoricum) bildet die fleischige Knolle, die eigentlich eine verdickte Blattscheide ist - ein italienisches Wintergemüse, das in Deutschland erst seit wenigen Jahrzehnten selbstverständlich ist.

Kulturell ist Fenchel ein Kraut des Danach. In Indien steht Mukhwas - geröstete, oft gezuckerte Fenchelsamen - nach dem Essen bereit, als Verdauungshilfe und Atemerfrischer zugleich. In Italien beschließt man das Essen mit Finocchiona oder einem Schluck Sambuca. In Deutschland war Fencheltee jahrzehntelang das Erste, was ein Säugling zu trinken bekam - und genau diese Selbstverständlichkeit hat sich in den letzten Jahren geändert, dazu unten mehr.

NutzenWas Fenchel für dich tut

Fenchel gehört zu den gut abgesicherten Bauchkräutern. Die europäische Arzneimittelagentur und die Kommission E führen Bitterfenchelfrüchte bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden, bei Blähungen und Völlegefühl - und als schleimlösendes Mittel bei Husten mit zähem Sekret. Das Wirkprinzip ist gut nachvollziehbar: Das Anethol im ätherischen Öl entspannt die glatte Muskulatur im Darm, fördert die Bewegung nach vorne statt des Krampfens auf der Stelle, und in den Atemwegen erhöht es den Flimmerschlag und verflüssigt zähes Sekret.

Und jetzt der Teil, der viele überrascht - und der hier stehen muss, weil er neu und relevant ist. Fenchelfrüchte enthalten neben Anethol auch Estragol, denselben Stoff, der beim Estragon zur Zurückhaltung führt. Estragol hat sich in Tierversuchen mit hohen, lang gegebenen Dosen als leberschädigend und erbgutverändernd erwiesen. Die europäische Arzneimittelagentur hat daraus Konsequenzen gezogen und rät inzwischen davon ab, Fencheltee als Arzneimittel bei Kindern unter vier Jahren, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit anzuwenden; für Erwachsene wird die Anwendungsdauer auf etwa zwei Wochen am Stück begrenzt.

Das ist keine Warnung vor dem Fenchel, sondern eine Warnung vor der Selbstverständlichkeit. Ein Erwachsener, der bei Blähungen ein paar Tage Fencheltee trinkt, bewegt sich in genau dem Rahmen, für den die Anerkennung gilt. Ein Säugling, der monatelang jeden Tag Fencheltee statt Wasser bekommt, ist der Fall, den die Behörde im Blick hatte - und da gilt heute: Muttermilch oder Säuglingsnahrung, bei Bedarf Wasser. Fenchel-Anis-Kümmel-Tee für den Babybauch ist damit nicht verboten, aber er ist keine harmlose Dauerlösung mehr, und das sagen wir hier lieber deutlich als gar nicht.

Unter 4 Jahrenrät die EMA von Fencheltee als Arzneimittel ab
2 Wochenempfohlene Höchstdauer der Anwendung am Stück bei Erwachsenen
Mörsernganze Früchte geben im Aufguss fast nichts ab
3 FormenBitterfenchel, Süßfenchel, Gemüsefenchel - jede mit eigener Rolle

InhaltsstoffeDas steckt in der Frucht

Der Wirkstoffträger ist das ätherische Öl, das je nach Form zwei bis sechs Prozent der getrockneten Frucht ausmacht. Seine Leitsubstanz ist trans-Anethol mit 50 bis 80 Prozent - derselbe Stoff, der auch Anis und Sternanis ihren Charakter gibt und für die entkrampfende Wirkung im Darm verantwortlich ist. Dazu kommt Fenchon, ein kampferartiger Bitterstoff: Er ist im Bitterfenchel deutlich stärker vertreten und macht den herben, leicht medizinischen Ton aus. Und schließlich Estragol, meist zwischen zwei und fünf Prozent des Öls, im Süßfenchel tendenziell höher - der Stoff, der die Anwendungsbeschränkungen begründet.

Daneben enthalten die Früchte fettes Öl, Eiweiß, Zucker, Flavonoide und Cumarine. Der Gemüsefenchel bringt als Knolle wieder ein ganz anderes Profil mit: viel Wasser, Ballaststoffe, Kalium, Vitamin C und Folsäure, dazu nur Spuren des ätherischen Öls - deshalb schmeckt er so viel milder als die Frucht.

Für die Zubereitung folgt daraus eine Regel, die den größten Unterschied macht: Die Frucht muss aufgebrochen werden. Die ätherischen Öle sitzen in feinen Ölkanälen in der Fruchtwand; eine ganze Fenchelfrucht gibt im heißen Wasser nur einen Bruchteil davon ab. Kurz im Mörser anquetschen - nicht zu Pulver zerreiben, nur aufbrechen - und dann zugedeckt ziehen lassen. Das ist der Unterschied zwischen einem Fencheltee, der wirkt, und gelbem Wasser.

Verstärkte KombinationenWas Fenchel stärker macht

Fenchel ist ein Teamspieler. Fast alle klassischen Bauchmischungen bestehen aus ihm und zwei Verwandten.

Technik

erst anquetschen, dann aufgießen

Im Mörser kurz aufbrechen, zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen. Beides zusammen vervielfacht den Ölgehalt im Aufguss.

Bauch

mit Anis & Kümmel

Die klassische Dreierkombination: Fenchel entkrampft, Anis wirkt ähnlich und schmeckt süßer, Kümmel treibt die Luft aus.

Krampf

mit Kamille & Pfefferminze

Für den nervösen, krampfigen Bauch - dieselbe Richtung von drei Seiten.

Husten

mit Thymian & Honig

Fenchel verflüssigt das Sekret, Thymian löst den Krampf in den Bronchien, Honig beruhigt den Reiz.

Küche

mit Schwein & Fett

Porchetta, Finocchiona, Fenchelwurst: Das Anisaroma schneidet durch Fett wie kaum ein anderes Gewürz.

Gemüse

mit Orange & Olivenöl

Roher Gemüsefenchel dünn gehobelt mit Orangenfilets, gutem Öl und Salz - der sizilianische Wintersalat.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Personengruppen

nicht bei Kindern unter vier Jahren

Die EMA rät wegen des Estragols von Fencheltee als Arzneimittel in dieser Altersgruppe ab - auch wenn es jahrzehntelang üblich war.

Schwangerschaft

nicht in Schwangerschaft und Stillzeit

Dieselbe Empfehlung gilt hier; als Gewürz im Essen bleibt Fenchel unproblematisch.

Dauer

nicht als Dauertee über Monate

Für Erwachsene sind etwa zwei Wochen am Stück empfohlen, dann eine Pause.

Technik

nicht ganze Früchte aufgießen

Ohne Mörsern bleibt das meiste ätherische Öl in der Frucht - der Tee sieht aus wie Tee und kann fast nichts.

Öl

nicht das reine ätherische Öl einnehmen

Fenchelöl ist hochkonzentriert; für die Selbstanwendung gehört es nicht auf den Löffel.

Allergie

nicht bei Doldenblütler-Allergie

Wer auf Sellerie, Karotte, Anis oder Beifuß reagiert, kann auch auf Fenchel reagieren.

Zu welchem GerichtWo er hingehört

  • FenchelteeEin Teelöffel Früchte anquetschen, 250 ml kochendes Wasser, zugedeckt zehn Minuten.
  • BauchteeFenchel, Anis und Kümmel zu gleichen Teilen, alle drei angequetscht.
  • PorchettaSchweinebauch mit Fenchelsamen, Knoblauch und Rosmarin gefüllt und stundenlang geröstet.
  • FinocchionaDie toskanische Salami mit Fenchelsamen - ein ganzer Geschmackscharakter aus einem Gewürz.
  • Fenchel-Orangen-SalatGemüsefenchel hauchdünn gehobelt, Orangenfilets, Olivenöl, schwarze Oliven, Salz.
  • Geschmorter FenchelKnollen halbiert, in Butter angebräunt, mit Brühe und Weißwein weich geschmort.
  • FischsudFenchelsamen, Lorbeer, Pfefferkörner und Zitrone - der Sud für pochierten Fisch.
  • FenchelbrotEin Esslöffel Samen im Sauerteigbrot - besonders gut zu Käse.
  • MukhwasGeröstete Fenchelsamen nach dem Essen, indisch, als Verdauungshilfe und für den Atem.
  • FenchelhonigGequetschte Samen in Honig ziehen lassen - traditionell bei Husten, für Erwachsene und Kinder ab einem Jahr.
Faustregel: Immer mörsern, immer zugedeckt ziehen lassen - ohne diese zwei Handgriffe ist Fencheltee ein Placebo mit Farbe. Früchte ganz kaufen und selbst quetschen, gemahlener Fenchel verliert sein Öl innerhalb weniger Wochen. Und die Regel für Erwachsene: ein paar Tage bis zwei Wochen, dann Pause.

Als HausmittelDer klassische Bauchtee

So geht’s

Fenchel-Anis-Kümmel-Tee

  1. Je einen halben Teelöffel Fenchelfrüchte, Anis und Kümmel im Mörser kurz anquetschen - nur aufbrechen, nicht zu Pulver zerreiben.
  2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und unbedingt zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen.
  3. Abseihen und langsam warm trinken, am besten in kleinen Schlucken zwischen den Mahlzeiten.
  4. Bei Bedarf zwei bis drei Tassen über den Tag, über wenige Tage bis maximal zwei Wochen.
Wofür

Bei Blähungen, Völlegefühl, Druck im Bauch und dem Gefühl, dass nichts weitergeht. Die drei arbeiten in dieselbe Richtung: Fenchel und Anis entkrampfen die glatte Muskulatur, Kümmel treibt die Luft aus. Für Erwachsene ist das eine der am besten belegten Teemischungen überhaupt - hier muss man nichts schönreden.

Menge

Zwei bis drei Tassen täglich, über wenige Tage, höchstens zwei Wochen am Stück. **Nicht für Kinder unter vier Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit** - das ist die aktuelle Empfehlung der europäischen Arzneimittelagentur wegen des Estragolgehalts. Bei anhaltenden Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder plötzlich veränderten Gewohnheiten gehört das ärztlich abgeklärt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Saunf ist im Ayurveda ein Kraut mit hohem Ansehen und eines der wenigen, das als für alle drei Doshas verträglich gilt. Es wird als Deepana (das Verdauungsfeuer anregend) und Pachana (verdauungsfördernd) eingeordnet: süß, leicht bitter, kühlend im Nachgeschmack - deshalb passt es auch für Pitta-Typen, denen viele scharfe Gewürze nicht bekommen. Die Schale Fenchelsamen nach dem Essen ist gelebter Ayurveda, jeden Tag, in Millionen Haushalten.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM heißt Fenchel Xiao Hui Xiang und gilt als scharf und warm, zugeordnet den Funktionskreisen Leber, Niere, Milz und Magen. Er wärmt die Mitte, zerstreut Kälte und reguliert das Qi - klassisch eingesetzt bei kaltem, ziehendem Schmerz im Unterbauch, bei Leistenbeschwerden und bei kältebedingten Verdauungsstörungen. Anders als im Westen steht dort weniger das Blähungsthema im Vordergrund als die Wärme.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Kinder unter vier Jahren: die EMA rät wegen des Estragolgehalts von Fencheltee als Arzneimittel in dieser Altersgruppe ab.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: dieselbe Empfehlung - als Gewürz im Essen bleibt Fenchel dagegen unproblematisch.
  • Anwendungsdauer: für Erwachsene etwa zwei Wochen am Stück, dann eine Pause einlegen.
  • Doldenblütler-Allergie: Kreuzreaktionen mit Sellerie, Karotte, Anis und Beifuß sind beschrieben.
  • Ätherisches Öl: reines Fenchelöl nicht einnehmen und nicht unverdünnt anwenden - es ist hoch konzentriert.
  • Kein Ersatz: anhaltende Bauchschmerzen, Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust gehören abgeklärt, nicht in die Teekanne.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Foeniculum vulgare Mill., fructus - Anwendungsgebiete und Beschränkung bei Kindern unter vier Jahren, in Schwangerschaft und Stillzeit.
  2. EMA/HMPC: Public statement on the use of herbal medicinal products containing estragole, Revision 1.
  3. Kommission E: Monographie Foeniculi fructus (Fenchel), Bundesanzeiger 1990.
  4. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Foeniculi amari fructus.
  5. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographien Foeniculi amari fructus und Foeniculi dulcis fructus - Mindestgehalt an ätherischem Öl und Anethol.