HerkunftDas Silberkraut der Gänseweide

Die Blattunterseite ist dicht silbrig behaart - wenn der Wind über eine Fläche Gänsefingerkraut geht, sieht sie aus, als würde sie die Farbe wechseln.
Das Gänsefingerkraut wächst an Wegrändern, Ufern, Gräben, auf Viehweiden und feuchten Wiesen über die gesamte Nordhalbkugel. Es kriecht mit langen, erdbeerartigen Ausläufern über den Boden und bildet dichte Teppiche, aus denen die einzelnen gelben Blüten auf kurzen Stielen stehen. Sein auffälligstes Merkmal sind die gefiederten Blätter: oberseits grün, unterseits dicht silbrig-seidig behaart - daher auch der Name Silberkraut.
Der Artname anserina kommt von anser, die Gans: Die Pflanze wächst besonders gut auf beweideten, gedüngten Flächen, wo Gänse gehalten wurden, und sie verträgt Tritt und Verbiss gut. Weitere Volksnamen erzählen die Anwendung: Krampfkraut und Krampfwurz nach der traditionellen Verwendung bei Wadenkrämpfen und Unterleibsbeschwerden, Grensing als alter Name in vielen Regionen.
Botanisch gehört es zur Gattung der Fingerkräuter und ist damit ein naher Verwandter der Blutwurz - was chemisch bedeutsam ist: Beide sind gerbstoffreiche Rosengewächse mit derselben Wirkrichtung, nur in verschiedener Stärke. Die Blutwurz ist die Kraftdroge bei akutem Durchfall, das Gänsefingerkraut die mildere Variante mit einem zusätzlichen krampflösenden Zug. In Notzeiten wurden die stärkehaltigen Wurzeln übrigens auch gegessen; in Schottland und Skandinavien gab es dafür eigene Bezeichnungen.
NutzenWas das Gänsefingerkraut für dich tut
Die europäische Arzneimittelagentur und die Kommission E führen Gänsefingerkraut für drei Anwendungen: bei leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, bei leichten krampfartigen Regelbeschwerden und bei leichtem Durchfall; äußerlich kommt die Anwendung bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut dazu. Das ist eine ungewöhnliche Kombination, denn sie verbindet zwei Prinzipien, die sonst getrennt auftreten.
Der Gerbstoffanteil von sechs bis zehn Prozent erklärt die Durchfall- und die Schleimhautwirkung: Die Gerbstoffe verbinden sich mit den Eiweißen der obersten Schleimhautschicht und bilden einen dünnen, festeren Schutzfilm. Das beruhigt die gereizte Darmwand und dämpft das Brennen an wunden Stellen im Mund. Es ist dasselbe Prinzip wie bei der Blutwurz, nur milder dosiert - was das Gänsefingerkraut für empfindliche Menschen und für längere Anwendung geeigneter macht.
Die krampflösende Komponente ist der interessantere Teil und gleichzeitig der schlechter verstandene. Traditionell ist das Kraut genau dafür bekannt - die Volksnamen „Krampfkraut“ und „Krampfwurz“ sagen es - und es wurde bei Wadenkrämpfen, Magenkrämpfen und Regelschmerzen eingesetzt. Tierexperimentelle Arbeiten zeigen eine entspannende Wirkung auf glatte Muskulatur; welcher Inhaltsstoff dafür verantwortlich ist, ist nicht abschließend geklärt. Die Flavonoide sind die plausibelsten Kandidaten.
Ehrlich eingeordnet: Es handelt sich um eine traditionelle Anwendung ohne klinische Studien am Menschen. Was für das Gänsefingerkraut spricht, ist die Kombination aus mildem Wirkprofil, sehr gutem Verträglichkeitsprofil und zwei anerkannten Einsatzgebieten in einer Pflanze. Bei starken Regelschmerzen bleibt die am besten belegte Maßnahme trotzdem die lokale Wärme - und bei Wadenkrämpfen lohnt es, zuerst an Flüssigkeit, Magnesium und Elektrolyte zu denken.
InhaltsstoffeDas steckt im Kraut
Die mengenmäßig wichtigste Gruppe sind die Gerbstoffe mit sechs bis zehn Prozent - überwiegend Ellagitannine vom Agrimoniin-Typ, dazu kondensierte Gerbstoffe. Sie sind für die adstringierende Wirkung auf Darm- und Mundschleimhaut verantwortlich. Im Vergleich: Die verwandte Blutwurz kommt auf bis zu 22 Prozent, was den Unterschied zwischen Kraftdroge und milder Variante ausmacht.
Für die krampflösende Komponente werden vor allem die Flavonoide verantwortlich gemacht - Quercetin- und Kämpferolglykoside, Myricetin - sowie Cholin und organische Säuren. Ein einzelner Wirkstoff ließ sich nicht isolieren; wie bei vielen milden Heilpflanzen scheint das Zusammenspiel zu zählen. Dazu kommen Phenolcarbonsäuren, Bitterstoffe in geringer Menge und in der Wurzel Stärke.
Für die Zubereitung gilt: Die Gerbstoffe brauchen Hitze und Zeit, ein zehnminütiger zugedeckter Aufguss reicht. Eine Besonderheit ist die traditionelle Zubereitung in Milch, die in vielen alten Rezepten auftaucht - die Vorstellung dahinter ist, dass das Milcheiweiß einen Teil der Gerbstoffe bindet und die Zubereitung dadurch magenfreundlicher wird, ohne die krampflösende Komponente zu beeinträchtigen. Chemisch ist das plausibel: Gerbstoffe binden Proteine, und genau deshalb schmeckt schwarzer Tee mit Milch weniger herb.
Verstärkte KombinationenWas das Gänsefingerkraut stärker macht
Eine milde Pflanze, die von der richtigen Zubereitung und von guten Partnern lebt.
Bei Regel- und Bauchkrämpfen ist lokale Wärme die am besten belegte Maßnahme.
Die alte Zubereitungsform - das Milcheiweiß bindet einen Teil der Gerbstoffe und macht den Tee magenfreundlicher.
Wenn die milde Variante nicht reicht, sind das die stärkeren Gerbstoffdrogen.
Drei krampflösende Pflanzen, die sich gut ergänzen.
Bei wundem Zahnfleisch und Aphthen - stärker angesetzt und abgekühlt.
Bei nächtlichen Krämpfen zuerst an Elektrolyte denken.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Gerbstoffe verzögern die Aufnahme - ein bis zwei Stunden Abstand.
Gerbstoffe hemmen die Eisenaufnahme aus pflanzlicher Nahrung.
Konzentrierte Gerbstofflösungen können Übelkeit auslösen - dann die Milchzubereitung.
Durchfall über drei Tage gehört abgeklärt.
Traditionell als uteruswirksam eingestuft - hier zurückhaltend bleiben.
Es wächst gern auf gedüngten, beweideten Flächen.
AnwendungWie es verwendet wird
- Gänsefingerkraut-TeeZwei Teelöffel auf 250 ml, zugedeckt zehn Minuten.
- In Milch gekochtDie traditionelle Zubereitung - magenfreundlicher bei empfindlichem Magen.
- FrauenteeMit Schafgarbe in den Tagen um die Regel.
- Bei leichtem DurchfallDie mildere Alternative zur Blutwurz.
- MundspülungStärker angesetzt und abgekühlt bei wundem Zahnfleisch.
- BauchteeMit Kamille und Melisse bei krampfendem Magen.
- SitzbadTraditionell bei Unterleibsbeschwerden, oft mit Schafgarbe kombiniert.
- Wurzel als NotnahrungHistorisch: die stärkehaltigen Wurzeln wurden in Hungerzeiten gegessen.
- BestimmungsmerkmalSilbrige Blattunterseite und kriechende Ausläufer.
- BodendeckerIm Garten eine robuste, trittfeste Fläche für magere Standorte.
Als HausmittelDer Tee in Milch
Gänsefingerkraut bei Bauch- und Regelkrämpfen
- Zwei gehäufte Teelöffel getrocknetes Gänsefingerkraut in einen kleinen Topf mit 250 ml Milch geben - Kuh-, Hafer- oder Mandelmilch funktionieren alle.
- Langsam erhitzen, einmal kurz aufwallen lassen und dann bei kleinster Hitze fünf Minuten ziehen lassen; zugedeckt, damit nichts verdampft.
- Abseihen und langsam warm trinken. Zwei Tassen über den Tag, in den Tagen vor und während der Regel oder bei krampfendem Bauch.
- Dazu Wärme auf den Unterbauch - Wärmflasche oder Wärmepflaster. Das ist bei Regelschmerzen die Maßnahme mit der besten Studienlage.
Bei krampfartigen Beschwerden im Bauch und rund um die Regel - die Anwendung, für die EMA und Kommission E das Kraut führen. Die Zubereitung in Milch ist die alte, überlieferte Form: Das Milcheiweiß bindet einen Teil der Gerbstoffe, wodurch der Tee milder und magenfreundlicher wird, während die krampflösende Komponente erhalten bleibt. Ehrlich dazu: Für das Gänsefingerkraut selbst gibt es keine klinischen Studien, für die Wärme dagegen sehr gute.
Zwei Tassen täglich in den betreffenden Tagen. Ein bis zwei Stunden Abstand zu Medikamenten und nicht direkt zu eisenreichen Mahlzeiten - die Gerbstoffe binden beides. In der Schwangerschaft auf Kurmengen verzichten. Bei Durchfall über drei Tage, mit Blut oder Fieber, sowie bei sehr starken, zunehmenden oder neu aufgetretenen Regelschmerzen gehört das ärztlich beziehungsweise gynäkologisch abgeklärt - hinter starken Regelschmerzen kann eine Endometriose stecken.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Das Gänsefingerkraut ist im Ayurveda nicht vertreten. Nach seinen Eigenschaften eingeordnet wäre es herb (Kashaya), kühl und trocknend - Pitta und Kapha senkend, Vata erhöhend. Für Durchfall, im ayurvedischen Denken ein Übermaß an Bewegung und Feuchtigkeit, wäre das die passende Richtung; für krampfartige Vata-Beschwerden dagegen die weniger passende, was ein schönes Beispiel dafür ist, dass sich europäische und ayurvedische Logik nicht immer decken.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der chinesischen Materia Medica ist eine verwandte Art geführt: Wei Ling Cai, das Kraut von Potentilla chinensis, gilt als bitter und leicht kalt, Leber, Magen und Dickdarm zugeordnet. Verwendet wird es zum Klären von Hitze, zum Ausleiten von Toxinen und - hier trifft es sich mit der europäischen Anwendung - bei Durchfällen und Dysenterie. Zwei Kontinente, zwei Fingerkräuter, dieselbe Gerbstofflogik.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Medikamente: Gerbstoffe verzögern die Aufnahme anderer Wirkstoffe - ein bis zwei Stunden Abstand halten.
- Eisen: die Aufnahme von pflanzlichem Eisen wird gehemmt - nicht zu eisenreichen Mahlzeiten trinken.
- Magen: konzentrierte Aufgüsse können auf nüchternen Magen Übelkeit auslösen - dann die Milchzubereitung wählen.
- Schwangerschaft: traditionell als uteruswirksam eingestuft - auf Kurmengen verzichten.
- Durchfall: über drei Tage, mit Blut oder Fieber gehört er ärztlich abgeklärt.
- Regelschmerzen: sehr starke, zunehmende oder neu aufgetretene Schmerzen gynäkologisch abklären lassen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Potentilla anserina L., herba - traditional use bei leichten krampfartigen Beschwerden und leichtem Durchfall.
- Kommission E: Monographie Anserinae herba (Gänsefingerkraut), Bundesanzeiger 1985.
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Anserinae herba.
- Akin MD et al. Continuous low-level topical heat in the treatment of dysmenorrhea. Obstetrics & Gynecology 2001; 97(3): 343–349.
- Tomczyk M, Latté KP. Potentilla - a review of its phytochemical and pharmacological profile. Journal of Ethnopharmacology 2009; 122(2): 184–204.


