Kartoffel (Solanum tuberosum)
HerkunftDie Knolle, die Europa ernährte

1756 befahl Friedrich der Große mit seinem „Kartoffelbefehl“, die Knolle in Preußen anzubauen - die Bauern trauten ihr nicht.
Die Kartoffel wurde vor etwa 8.000 Jahren in den Anden Perus und Boliviens domestiziert; die Andenvölker kennen bis heute Tausende Sorten und gefriertrockneten sie zu Chuño. Spanier brachten sie im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie lange als Zierpflanze und Viehfutter galt - die grünen Beeren sind giftig, und die Knolle wurde misstrauisch beäugt.
Im 18. Jahrhundert setzten Herrscher wie Friedrich der Große den Anbau durch, weil die Kartoffel auf gleicher Fläche mehr Menschen ernährte als Getreide. Sie beendete die großen Hungersnöte - und verursachte eine neue: Die irische Hungersnot ab 1845 entstand, weil fast das ganze Land von einer einzigen, anfälligen Sorte abhing, die von der Kraut- und Knollenfäule vernichtet wurde.
NutzenWas die Kartoffel für dich tut
Eine mittelgroße Kartoffel (150 g) liefert rund 600 mg Kalium, 15 bis 20 mg Vitamin C, Vitamin B6, Magnesium und etwa 3 g Eiweiß von hoher biologischer Wertigkeit - mit Ei kombiniert eines der hochwertigsten Eiweißgemische überhaupt. In Pellkartoffeln bleiben die Nährstoffe am besten erhalten.
Gekocht und abgekühlt kristallisiert ein Teil der Stärke zu resistenter Stärke, die der Dünndarm nicht verdaut und die im Dickdarm die Darmbakterien füttert. Kartoffelsalat vom Vortag lässt den Blutzucker deshalb langsamer steigen als frisches Püree.
Der schlechte Ruf der Kartoffel kommt von Pommes und Chips: Frittiert und gesalzen liefert sie viel Fett, Salz und das Röstprodukt Acrylamid. Gekocht, gedämpft oder im Ofen gebacken ist sie ein gutes, sättigendes Grundnahrungsmittel mit wenig Kalorien.
InhaltsstoffeDas steckt in der Kartoffel
Kartoffeln bestehen zu etwa 78 Prozent aus Wasser, zu 15 bis 18 Prozent aus Stärke, dazu Eiweiß, Kalium, Vitamin C, Vitamin B6, Magnesium, Ballaststoffe (vor allem in der Schale) und Polyphenole wie Chlorogensäure, besonders in blauen und roten Sorten.
Grüne Stellen, Keime und die Schale junger Knollen enthalten Glykoalkaloide wie Solanin, die Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall verursachen können. Sie sind hitzestabil - deshalb grüne Stellen und Keime großzügig wegschneiden und Kartoffeln dunkel lagern.
Verstärkte KombinationenWas die Kartoffel stärker macht
Die Kartoffel ist die Leinwand der deutschen Küche - entscheidend ist, wie man sie gart.
Kartoffeln mit Ei oder Quark ergeben ein besonders hochwertiges Eiweiß.
Kartoffelsalat, Bratkartoffeln vom Vortag: mehr resistente Stärke.
Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl - schlicht und wertvoll.
In der Schale gekocht bleiben Vitamin C und Kalium erhalten.
Ofenkartoffeln mit Olivenöl und Rosmarin.
Kartoffeln mit Blattgemüse - das Vitamin C hilft beim Eisen.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Solanin - grüne Stellen und Keime großzügig entfernen, stark grüne Knollen wegwerfen.
Acrylamid entsteht bei starker Bräunung - „vergolden statt verkohlen“.
Unter 6 °C wird Stärke zu Zucker - dann mehr Acrylamid beim Braten und süßlicher Geschmack.
Licht fördert die Bildung von Solanin.
Heißes Püree lässt den Blutzucker schnell steigen - lieber Pell- oder abgekühlte Kartoffeln.
Sehr kaliumreich - Wässern und Doppelkochen senkt den Gehalt.
In der KücheWo sie hingehört
- Pellkartoffeln mit QuarkUnd Leinöl.
- KartoffelsalatSchwäbisch mit Brühe oder mit Mayonnaise.
- OfenkartoffelnMit Rosmarin und Olivenöl.
- KartoffelsuppeMit Lauch, Karotte und Majoran.
- BratkartoffelnAus Pellkartoffeln vom Vortag.
- KartoffelpüreeMit Butter und Muskat.
- ReibekuchenMit Apfelmus.
- GnocchiAus mehligen Kartoffeln.
- RöstiAus rohen oder gekochten Kartoffeln.
- Himmel un ÄädKartoffelpüree mit Apfelmus.
Als HausmittelDer Kartoffelwickel
Warmer Kartoffelwickel
- 3 bis 4 mittelgroße Kartoffeln mit Schale weich kochen.
- Auf ein Küchentuch legen, das Tuch zu einem Päckchen falten und die Kartoffeln darin zerdrücken.
- Temperatur am Unterarm prüfen - angenehm warm, nicht heiß - und auf Hals oder Brust legen.
- Mit einem Schal oder Handtuch fixieren und 20 bis 30 Minuten liegen lassen, bis er abkühlt.
Halsschmerzen, Husten, festsitzender Schleim und Verspannungen im Nacken. Die Kartoffel speichert Wärme lange und gibt sie feucht und gleichmäßig ab - ein bewährtes Wärmemittel der Hausmedizin.
Ein- bis zweimal täglich. Immer vorher die Temperatur prüfen, besonders bei Kindern - Verbrennungsgefahr. Nicht bei Fieber oder akuten Entzündungen mit Rötung und Schwellung.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Kartoffel (Alu) gilt im Ayurveda als süß, schwer, trocken und kühlend - sie erhöht Vata und Kapha. Deshalb wird sie mit Ghee, Kreuzkümmel, Kurkuma und Ingwer zubereitet, wie im Aloo Gobi.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM ist die Kartoffel (Ma Ling Shu) süß und neutral. Sie soll Milz und Magen stärken, das Qi auffüllen und den Darm befeuchten; roher Kartoffelsaft wird traditionell bei Magenbeschwerden getrunken.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Solanin: grüne Stellen und Keime großzügig entfernen, grüne Knollen wegwerfen.
- Acrylamid: nicht zu dunkel frittieren oder rösten.
- Kalium: bei Niereninsuffizienz Mengen absprechen, Kartoffeln wässern.
- Blutzucker: heißes Püree lässt den Zucker schnell steigen.
- Wickel: Temperatur prüfen - Verbrennungsgefahr.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Birt DF et al. Resistant starch: promise for improving human health. Advances in Nutrition 2013; 4(6): 587–601.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Glykoalkaloide in Kartoffeln - Stellungnahme, 2018.
- EFSA CONTAM Panel. Scientific opinion on acrylamide in food. EFSA Journal 2015; 13(6): 4104.
- Spooner DM et al. A single domestication for potato based on multilocus amplified fragment length polymorphism genotyping. PNAS 2005; 102(41): 14694–14699.
- USDA FoodData Central: Potatoes, flesh and skin, raw.


