Sanddorn (Hippophae rhamnoides)

Botanischer Name
Hippophae rhamnoidesÖlweidengewächs (Elaeagnaceae)
Verwendete Teile
FrüchteFruchtfleischöl und Kernöl getrennt
Vitamin C
200 - 900 mg/100 gje nach Sorte und Standort
Besonderheit
PalmitoleinsäureOmega-7, im Fruchtfleischöl
Einstufung
Lebensmittelkeine Arzneimonographie
Ernte
SchwierigDornen und platzende Beeren

HerkunftEin Pionier zwischen Düne und Gebirge

Sanddorn Zweig mit orangen Beeren

Sanddorn wächst dort, wo sonst nichts wächst - und macht den Boden erst für andere Pflanzen bewohnbar.

Hippophae rhamnoides ist ein dorniger, sparriger Strauch mit schmalen, silbrig schimmernden Blättern und leuchtend orangen Beeren. Er wächst auf Dünen, Kiesbänken, Schotterflächen und in Gebirgstälern bis über 3000 Meter - überall dort, wo der Boden roh, nährstoffarm und unbewachsen ist. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht von den europäischen Küsten über Zentralasien bis nach China und in den Himalaya.

Der Grund für diese Anspruchslosigkeit ist eine Partnerschaft. An den Wurzeln des Sanddorns leben Bakterien der Gattung Frankia, die Luftstickstoff binden und der Pflanze verfügbar machen - dasselbe Prinzip wie bei Hülsenfrüchtlern, aber mit einem anderen Bakterium. Sanddorn kann deshalb auf Böden wachsen, die für andere Pflanzen zu arm sind, und reichert diese Böden dabei mit Stickstoff an. In der Renaturierung und im Küstenschutz wird er genau dafür eingesetzt: Er befestigt Dünen und bereitet den Boden für die Pflanzen, die nach ihm kommen.

Der botanische Name ist ein kleines Rätsel mit einer schönen Auflösung: Hippophae heißt wörtlich „Pferdeglanz“. Die Überlieferung will, dass in der Antike Pferde mit Sanddornblättern gefüttert wurden und davon ein glänzendes Fell bekamen; die Legende verbindet das mit den Pferden Alexanders des Großen. In der DDR erlebte der Sanddorn eine eigene Blüte: Weil Zitrusfrüchte knapp und teuer waren, wurde er ab den 1970er Jahren systematisch gezüchtet und angebaut, und Sanddornsaft, -sirup und -bonbons gehörten zum Alltag. Ein großer Teil der heutigen Kultursorten stammt aus dieser Züchtungsarbeit.

NutzenNährstoffe, die belegt sind - und Versprechen, die es nicht sind

Für Sanddorn gibt es keine Monographie der EMA und keine Bewertung der Kommission E. Er ist rechtlich und sachlich ein Lebensmittel. Das ist keine Abwertung - sondern die Voraussetzung dafür, ihn richtig einzuordnen: Seine Stärke ist der Nährwert, und der ist beachtlich genug, dass man nichts dazuerfinden muss.

Der Vitamin-C-Gehalt liegt je nach Sorte, Standort und Reifegrad zwischen 200 und 900 Milligramm pro 100 Gramm. Selbst am unteren Ende ist das ein Vielfaches einer Zitrone; am oberen Ende gehört Sanddorn zu den vitamin-C-reichsten Früchten der Welt. Bemerkenswert ist zusätzlich, dass das Vitamin C im Sanddorn relativ hitzestabil ist - die Frucht enthält kaum Ascorbinase, das Enzym, das Vitamin C in vielen anderen Früchten beim Verarbeiten abbaut. Sanddornsaft behält deshalb mehr, als man erwarten würde.

Die zweite Besonderheit sind die Öle, und hier lohnt eine Unterscheidung, die auf vielen Etiketten fehlt. Aus der Frucht lassen sich zwei völlig verschiedene Öle gewinnen: Das Fruchtfleischöl ist tiefrot-orange, reich an Carotinoiden und enthält 30 bis 40 Prozent Palmitoleinsäure - eine Omega-7-Fettsäure, die in Pflanzen extrem selten ist und sonst vor allem in Makadamia vorkommt. Das Kernöl ist hellgelb, enthält kaum Palmitoleinsäure, dafür Linol- und Alpha-Linolensäure in einem günstigen Verhältnis. Wer ein Sanddornöl kauft, sollte wissen, welches von beiden drin ist.

Und dann gibt es die Behauptung, die man bei Sanddorn am häufigsten liest: Er enthalte als einzige Pflanze Vitamin B12. Das ist in dieser Form nicht haltbar. Es gibt Untersuchungen, die B12-ähnliche Substanzen im Fruchtfleisch gefunden haben, vermutlich bakteriellen Ursprungs von der Fruchtoberfläche. Ob diese Verbindungen für den Menschen verwertbares Cobalamin sind, ist nicht belegt - und die Mengen wären selbst dann gering. Für Menschen, die sich vegan ernähren, ist Sanddorn keine B12-Quelle, und sich darauf zu verlassen wäre riskant. Ein B12-Mangel entwickelt sich über Jahre und kann bleibende Nervenschäden hinterlassen.

200 - 900 mgVitamin C pro 100 g - sortenabhängig
30 - 40 %Palmitoleinsäure im Fruchtfleischöl
bis 3000 mHöhe, in der er noch wächst
ca. 8 Jahrebis ein Strauch voll im Ertrag steht

InhaltsstoffeZwei Öle in einer Beere

Die orange Farbe des Sanddorns kommt von Carotinoiden - vor allem Zeaxanthin, β-Carotin und Lycopin –, die im Fruchtfleisch und in dessen Öl konzentriert sind. Der Carotinoidgehalt ist einer der höchsten unter den heimischen Früchten, und weil Carotinoide fettlöslich sind, sitzen sie genau dort, wo auch das Fruchtfleischöl ist. Das erklärt die intensive Farbe dieses Öls und auch, warum es auf Textilien Flecken hinterlässt, die nicht mehr herausgehen.

Die Palmitoleinsäure ist der eigentliche Sonderfall. Diese einfach ungesättigte Omega-7-Fettsäure kommt in der menschlichen Haut in den Talgdrüsen vor und ist in Pflanzenölen praktisch nicht vertreten - die beiden nennenswerten Ausnahmen sind Sanddorn-Fruchtfleischöl und Makadamiaöl. Für die äußere Anwendung auf trockener Haut ist das der Grund, warum Sanddornöl seinen Ruf hat. Kontrollierte Studien dazu gibt es kaum; was es gibt, sind kleine Untersuchungen und viel Erfahrung.

Das Kernöl aus den kleinen, harten Samen hat ein völlig anderes Profil: Linolsäure und Alpha-Linolensäure in einem Verhältnis von etwa 1:1, was ernährungsphysiologisch günstig ist, aber nichts Besonderes darstellt - Leinöl und Hanföl liefern Ähnliches. Wer für teures Geld ein „Sanddornöl“ kauft, sollte auf dem Etikett nachsehen, ob Fruchtfleisch- oder Kernöl drinsteht; Mischungen sind ebenfalls üblich.

Zur Ernte: Die Beeren sitzen fest am dornigen Zweig und platzen beim Pflücken. Die praktikable Methode ist, ganze Fruchtzweige zu schneiden, sie einzufrieren und die gefrorenen Beeren dann abzuklopfen - sie springen dann sauber ab. Im kommerziellen Anbau wird genau so gearbeitet, was allerdings den Strauch stark schneidet und der Grund ist, warum Sanddornprodukte verhältnismäßig teuer sind. Und noch ein Hinweis für den Garten: Sanddorn ist zweihäusig. Für Früchte braucht man mindestens einen männlichen Strauch auf etwa fünf weibliche.

Verstärkte KombinationenSanddorn in Küche und Garten

Sanddorn ist so sauer, dass er fast immer einen Partner braucht. Und im Garten hat er ein paar Eigenheiten, die man vorher wissen sollte.

Getränk

Sanddorn + Honig oder Apfelsaft

Pur ist der Saft für die meisten Menschen zu sauer und zu herb. Mit Honig oder mildem Apfelsaft verdünnt wird er trinkbar und behält trotzdem seinen Charakter.

Süßspeise

Sanddorn + Sahne, Quark oder Joghurt

Fett und Milchsäure fangen die Schärfe der Fruchtsäure ab. Sanddorn-Quark und Sanddorn-Parfait sind die Klassiker aus dieser Logik.

Tee

Sanddorn + Hagebutte

Zwei heimische Vitamin-C-Früchte in einem Wintertee, geschmacklich gut aufeinander abgestimmt - herb und fruchtig.

Haut

Sanddornöl + trockene Haut

Für die äußere Anwendung: wenige Tropfen Fruchtfleischöl in eine neutrale Creme. Achtung, es färbt - zu viel davon ergibt eine orange Gesichtsfarbe.

Garten

Sanddorn + männlicher Bestäuber

Sanddorn ist zweihäusig. Ohne männlichen Strauch in der Nähe gibt es keine einzige Beere - der häufigste Grund für enttäuschte Gartenbesitzer.

Boden

Sanddorn + Rohboden und Hanglage

Als Stickstoffsammler und Wurzelbefestiger ist er die erste Wahl für magere Böschungen, Kiesflächen und Dünen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

B12

Sanddorn + vegane B12-Versorgung

Sanddorn ist keine verlässliche Vitamin-B12-Quelle. Wer sich vegan ernährt, braucht ein Supplement - ein B12-Mangel entwickelt sich schleichend und kann bleibende Nervenschäden hinterlassen.

Öl

Sanddornöl + unklare Deklaration

Fruchtfleischöl und Kernöl sind völlig verschiedene Produkte. Ein Etikett, das nur „Sanddornöl“ sagt, verrät nicht, wofür man bezahlt.

Garten

Sanddorn + kleiner Garten

Er bildet ausgedehnte Wurzelausläufer und kann in wenigen Jahren eine Fläche übernehmen. In einem kleinen Garten braucht er eine Wurzelsperre.

Haut

Sanddornöl + helle Kleidung

Das Fruchtfleischöl färbt intensiv und dauerhaft. Auf Textilien und hellen Handtüchern hinterlässt es Flecken, die nicht mehr weggehen.

Magen

Sanddornsaft + empfindlicher Magen

Der Säuregehalt ist hoch. Bei Reflux, Gastritis oder empfindlichem Magen ist purer Saft nicht angebracht - verdünnt und zum Essen ist er besser verträglich.

Erwartung

Sanddorn + Heilversprechen

Es gibt keine Arzneimonographie. Sanddorn ist ein hervorragendes Lebensmittel; Anbieter, die ihn als Mittel gegen konkrete Krankheiten bewerben, überschreiten die Faktenlage.

Zu welchem GerichtWas mit den orangen Beeren geht

  • SaftDie Standardform - meist als Muttersaft, stark verdünnt getrunken oder mit Honig gesüßt.
  • Sanddorn-QuarkMit Zucker und Sahne verrührt; das Fett fängt die Säure ab.
  • KonfitüreMit Apfel gemischt, der Pektin und Süße einbringt, den der Sanddorn allein nicht hat.
  • WinterpunschHeiß mit Honig, Zimt und Ingwer - das klassische Wintergetränk.
  • ParfaitAls Fruchtmark ins Halbgefrorene; die Säure hält das Ergebnis leicht.
  • LikörIn Alkohol angesetzt und gesüßt; die Farbe ist spektakulär.
  • FruchtsenfMit Senf und Honig zu Käse und Wild - die norddeutsche Antwort auf Mostarda.
  • WinterteeGetrocknete Beeren mit Hagebutte gemischt.
  • Öl in der CremeWenige Tropfen Fruchtfleischöl in eine neutrale Hautcreme - nicht mehr, sonst färbt es.
  • GefrierernteZweige schneiden, einfrieren, Beeren abklopfen - die einzige praktikable Erntemethode.
Faustregel: Sanddornbeeren pflücken funktioniert nicht - sie platzen und sitzen zwischen Dornen. Ganze Fruchtzweige schneiden, über Nacht einfrieren und dann über einer Schüssel abklopfen: die Beeren springen einzeln und heil ab.

Als HausmittelDer Wintersirup

So geht’s

Sanddornsirup aus gefrorenen Beeren

  1. Fruchtzweige im September oder Oktober schneiden, wenn die Beeren tieforange und prall sind. Über Nacht einfrieren.
  2. Die gefrorenen Zweige über einer großen Schüssel abklopfen - die Beeren springen sauber ab. Blätter und Zweigstücke aussortieren.
  3. Beeren mit wenig Wasser bei mäßiger Hitze erwärmen, bis sie aufplatzen. Nicht sprudelnd kochen; das Vitamin C ist im Sanddorn zwar stabiler als anderswo, aber nicht unzerstörbar.
  4. Durch ein Sieb oder ein Tuch passieren. Der Rückstand aus Kernen und Schalen kann weg.
  5. Den Saft mit Zucker oder Honig abschmecken - das Verhältnis liegt meist bei 1:1, so sauer ist die Frucht. Honig erst nach dem Abkühlen auf unter 40 Grad einrühren.
  6. In saubere Flaschen füllen, beschriften und kühl lagern. Angebrochen in den Kühlschrank und innerhalb weniger Wochen verbrauchen.
Wofür

Als Vitamin-C-reiches Wintergetränk, heiß mit Wasser aufgegossen oder kalt verdünnt. Das ist ein Lebensmittel und kein Arzneimittel - es beugt keiner Erkältung nach und heilt keine.

Menge

Nach Geschmack; ein Esslöffel Sirup auf ein Glas Wasser ist üblich. Bei Reflux, Gastritis oder empfindlichem Magen gut verdünnen und nicht auf nüchternen Magen trinken.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Sanddorn ist im klassischen Ayurveda nicht vertreten, spielt aber in der tibetischen Medizin, die viele ayurvedische Konzepte übernommen hat, eine bedeutende Rolle. Dort heißt er Tarbu oder star bu und gehört zu den meistverwendeten Pflanzen überhaupt - zugeordnet vor allem den Atemwegen und der Verdauung. Im Himalaya und in Tibet ist er eine der wenigen vitaminreichen Früchte, die in großer Höhe verfügbar sind, was seine Bedeutung dort erklärt.

Traditionelle Chinesische Medizin

In China ist Sanddorn unter dem Namen Sha Ji geführt und hat in der offiziellen Arzneibuchliste einen Platz. Er gilt als sauer, adstringierend und warm, mit Bezug zu Milz, Magen, Lunge und Herz, und wird zur Anregung der Verdauung, zur Umwandlung von Schleim und zum Bewegen des Blutes eingesetzt. China ist zugleich der mit Abstand größte Sanddornproduzent der Welt - dort wird er auf Millionen Hektar auch zur Bekämpfung der Bodenerosion angepflanzt.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Keine B12-Quelle: Die Behauptung, Sanddorn enthalte verwertbares Vitamin B12, ist nicht belegt. Wer sich vegan ernährt, braucht ein Supplement - ein B12-Mangel kann bleibende Nervenschäden verursachen.
  • Hoher Säuregehalt: Purer Saft ist für empfindliche Mägen zu sauer. Bei Reflux oder Gastritis verdünnen und zum Essen trinken.
  • Keine Arzneimonographie: Sanddorn ist ein Lebensmittel. Anbieter, die ihn als Mittel gegen bestimmte Krankheiten bewerben, überschreiten die Faktenlage.
  • Öl färbt dauerhaft: Fruchtfleischöl hinterlässt auf Haut und Textilien intensive orange Flecken. Sparsam dosieren.
  • Zweihäusig und ausläuferfreudig: Ohne männlichen Strauch keine Früchte - und mit Ausläufern übernimmt er einen kleinen Garten. Wurzelsperre einplanen.
  • Säure und Zahnschmelz: Wie alle stark sauren Säfte greift Sanddornsaft den Zahnschmelz an. Nach dem Trinken mit Wasser nachspülen und mit dem Zähneputzen eine halbe Stunde warten.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Bal L.M. et al.: Sea buckthorn berries: a potential source of valuable nutrients. Food Research International 2011.
  2. Souci-Fachmann-Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel - Nährwerttabellen, Eintrag Sanddorn.
  3. Watanabe F. et al.: Vitamin B12-containing plant food sources for vegetarians - zur Frage der Verwertbarkeit pflanzlicher B12-Analoga. Nutrients 2014.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Position zur veganen Ernährung und zur Notwendigkeit der B12-Supplementierung.
  5. Chinesische Arzneibuchkommission: Pharmacopoeia of the People’s Republic of China, Eintrag Sha Ji.