Katzenkralle (Uncaria tomentosa)

Botanischer Name
Uncaria tomentosaRötegewächs (Rubiaceae)
Spanischer Name
Uña de gato„Katzenkralle“ - nach den Dornen
Verwendeter Teil
Rinde und Wurzelrinde
Leitstoffe
Oxindolalkaloidepentazyklisch und tetrazyklisch
Einstufung
Keine Monographieweder EMA noch Kommission E
Wuchs
Liane bis 30 mim Amazonas-Regenwald

HerkunftEine Liane, die in dreißig Jahren um die Welt ging

Rankende Kletterpflanze Nahaufnahme

Bis in die 1970er Jahre war die Katzenkralle außerhalb Perus praktisch unbekannt - heute steht sie in jedem europäischen Reformhaus.

Uncaria tomentosa ist eine holzige Liane, die im Amazonasbecken Perus, Ecuadors, Kolumbiens und Brasiliens wächst und sich an Bäumen bis in dreißig Meter Höhe emporzieht. Ihren Namen verdankt sie den paarweise an den Blattachseln sitzenden, hakenförmig zurückgekrümmten Dornen, mit denen sie sich festhält - sie sehen tatsächlich aus wie Katzenkrallen. Verwendet werden die Rinde des Stammes und die Wurzelrinde.

In der traditionellen Medizin der Asháninka und anderer indigener Gruppen Perus ist sie als Saventaro beziehungsweise Uña de gato seit Langem in Gebrauch - als Abkochung bei Entzündungen, Magenbeschwerden, Wunden und als allgemeines Stärkungsmittel. Die Aufmerksamkeit des Westens kam erst in den 1970er Jahren, maßgeblich durch den österreichischen Journalisten Klaus Keplinger, der die Pflanze nach Europa brachte und mehrere Patente auf Alkaloidfraktionen anmeldete.

Was folgte, war ein Boom mit Nebenwirkungen. Die Nachfrage aus Nordamerika und Europa stieg innerhalb weniger Jahre so stark, dass in Peru großflächig Wildbestände geplündert wurden - Lianen wurden gefällt statt nachhaltig beerntet, und Peru erließ Ausfuhr- und Sammelbeschränkungen. Ein zweites Problem entstand auf dem Markt: Die verwandte Art Uncaria guianensis wird ebenfalls als „Katzenkralle“ verkauft, hat aber ein anderes Alkaloidprofil, und Analysen von Handelsware fanden wiederholt Verfälschungen und stark schwankende Gehalte.

NutzenWas untersucht wurde - und wie belastbar es ist

Fangen wir mit dem an, was fehlt: Für die Katzenkralle gibt es keine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur und keine Bewertung der Kommission E. In der EU wird sie überwiegend als Nahrungsergänzungsmittel gehandelt. Das heißt nicht, dass sie unwirksam wäre - es heißt, dass keine Behörde ihre Wirksamkeit und Sicherheit geprüft und für ein Anwendungsgebiet bestätigt hat. Dieser Unterschied ist bei einer Pflanze, die mit sehr großen Versprechen beworben wird, wichtig.

Am ehesten untersucht ist der Bereich der Gelenkbeschwerden. Es gibt eine kleine placebokontrollierte Studie bei rheumatoider Arthritis, in der ein Katzenkrallen-Extrakt zusätzlich zur Basistherapie die Zahl schmerzhafter Gelenke leicht senkte, und eine Studie bei Kniearthrose mit Uncaria guianensis, die eine Schmerzreduktion zeigte. Beide haben wenige Dutzend Teilnehmer, kurze Laufzeiten und methodische Schwächen. Das sind Hinweise, keine Belege, und sie reichen für keine Empfehlung.

Der Rest ist Labor. Oxindolalkaloide und Chinovasäureglykoside zeigen in Zellversuchen entzündungshemmende Effekte, unter anderem über eine Hemmung des Transkriptionsfaktors NF-κB, und es gibt Arbeiten zu DNA-Reparatur und zu Immunzellen. Diese Forschung ist real und teils interessant. Sie sagt nichts darüber, was eine Kapsel im Menschen bewirkt, und sie wird in der Vermarktung regelmäßig so dargestellt, als täte sie es.

Besonders klar müssen wir bei zwei Anwendungsbereichen werden, in denen die Katzenkralle häufig beworben wird. Erstens Krebs: Es gibt keine klinische Evidenz, die eine Anwendung bei Krebserkrankungen stützt, und wegen möglicher Wechselwirkungen mit Chemotherapeutika über das Enzym CYP3A4 kann die Einnahme während einer Behandlung schaden. Zweitens Autoimmunerkrankungen: Eine Pflanze, die als „immunstimulierend“ beworben wird, ist bei einer Erkrankung, bei der das Immunsystem bereits überaktiv ist, keine gute Idee - und bei Menschen nach Organtransplantation oder unter Immunsuppressiva ist sie ausdrücklich kontraindiziert.

bis 30 mLänge der Liane im Regenwald
0,3 - 2 %Oxindolalkaloide in der Rinde - stark schwankend
20 - 350 mgExtrakt-Tagesdosis in Studien - sehr uneinheitlich
0Monographien von EMA oder Kommission E

InhaltsstoffeZwei Alkaloidgruppen und eine offene Streitfrage

Die charakteristischen Inhaltsstoffe der Katzenkralle sind Oxindolalkaloide, und sie kommen in zwei strukturell verschiedenen Gruppen vor: den pentazyklischen Oxindolalkaloiden, kurz POA, mit Vertretern wie Pteropodin und Isopteropodin, und den tetrazyklischen, kurz TOA, wie Rhynchophyllin und Isorhynchophyllin. Welche Gruppe überwiegt, schwankt je nach Individuum, Standort und Pflanzenteil erheblich - es gibt zwei Chemotypen derselben Art, die sich äußerlich nicht unterscheiden lassen.

Daraus entstand eine Streitfrage, die den Markt bis heute prägt. Die Arbeitsgruppe um Keplinger vertrat die These, dass die immunologisch wirksamen Bestandteile die POA sind und dass die TOA ihre Wirkung antagonisieren - dass also schon ein kleiner TOA-Anteil ein Präparat unwirksam mache. Auf dieser These beruhen Patente und TOA-freie Spezialpräparate. Unabhängige Bestätigungen dieser Antagonismus-These sind dünn, und andere Arbeitsgruppen halten sie für nicht belegt. Für dich als Käufer heißt das: Der Aufpreis für „TOA-frei“ beruht auf einer umstrittenen Hypothese.

Neben den Alkaloiden enthält die Rinde Chinovasäureglykoside - für sie gibt es die meisten entzündungsbezogenen Laborbefunde –, Gerbstoffe vom Proanthocyanidin-Typ, Triterpene und Sterole. Die Gerbstoffe erklären den herben Geschmack der traditionellen Abkochung.

Das praktische Hauptproblem bleibt die Qualität. Marktanalysen haben wiederholt Präparate gefunden, deren Alkaloidgehalt weit von der Deklaration abwich, sowie Verwechslungen mit Uncaria guianensis und mit anderen Lianenarten, die in Südamerika ebenfalls „uña de gato“ genannt werden. Wer ein Präparat kauft, sollte auf die botanische Artangabe, einen deklarierten Alkaloidgehalt und einen Hersteller mit nachvollziehbarer Qualitätsprüfung achten. Ohne diese Angaben ist nicht beurteilbar, was in der Kapsel ist.

Verstärkte KombinationenWann die Katzenkralle überhaupt in Frage kommt

Bei einer Pflanze ohne Monographie und mit relevanten Wechselwirkungen steht die Frage „wann nicht“ vor der Frage „womit“.

Gelenke

Katzenkralle + ärztliche Begleitung

Wenn überhaupt, dann bei Gelenkbeschwerden und nur als Ergänzung zu einer bestehenden Behandlung, mit Wissen der behandelnden Ärztin. Das ist die einzige Situation, in der die vorhandenen Studien überhaupt etwas hergeben.

Qualität

Katzenkralle + botanische Artangabe

Auf dem Etikett muss Uncaria tomentosa stehen, nicht nur „Katzenkralle“. Uncaria guianensis ist eine andere Art mit anderem Profil.

Qualität

Katzenkralle + deklarierter Alkaloidgehalt

Ohne Gehaltsangabe ist ein Präparat nicht dosierbar und nicht vergleichbar. Marktanalysen haben große Abweichungen von der Deklaration gefunden.

Herkunft

Katzenkralle + nachhaltige Beschaffung

Wildbestände wurden durch den Boom stark dezimiert. Ein Hersteller, der Herkunft und Erntemethode angibt, ist die bessere Wahl.

Zeit

Katzenkralle + begrenzte Anwendungsdauer

Es gibt keine Langzeitdaten. Wer es probieren will, tut das über einige Wochen und zieht dann Bilanz - nicht über Jahre.

Alternative

Katzenkralle + Vergleich mit Teufelskralle

Bei Gelenkbeschwerden ist die afrikanische Teufelskralle die deutlich besser untersuchte Pflanze, mit EMA-Monographie und mehreren kontrollierten Studien. Wer eine wählen muss, wählt sie.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Immunsystem

Katzenkralle + Immunsuppressiva oder Transplantation

Eine als immunstimulierend beworbene Pflanze neben einer Therapie, die das Immunsystem gezielt dämpft, ist ein Widerspruch mit möglicherweise ernsten Folgen. Nach Organtransplantation kontraindiziert.

Autoimmun

Katzenkralle + Autoimmunerkrankung

Bei multipler Sklerose, Lupus, rheumatoider Arthritis unter Immunsuppression und ähnlichen Erkrankungen ist die Anwendung nicht ohne ärztliche Begleitung vertretbar.

Krebs

Katzenkralle + Chemotherapie

Über CYP3A4 kann die Katzenkralle Spiegel von Zytostatika beeinflussen. Während einer onkologischen Behandlung gehört sie nicht eingenommen - und es gibt keine Evidenz, die das rechtfertigen würde.

Medikamente

Katzenkralle + Arzneimittel mit enger therapeutischer Breite

CYP3A4-Hemmung betrifft eine große Zahl von Medikamenten, von Blutdrucksenkern bis zu Gerinnungshemmern. Bei Dauermedikation vorher ärztlich klären.

Schwangerschaft

Katzenkralle + Schwangerschaft und Stillzeit

Traditionell wurde die Katzenkralle in Peru unter anderem als empfängnisverhütendes und abtreibendes Mittel verwendet. In der Schwangerschaft ist sie strikt zu meiden.

Erwartung

Katzenkralle + Heilversprechen

Sie wird als Mittel gegen Krebs, HIV, Borreliose und Autoimmunerkrankungen beworben. Für keine dieser Anwendungen gibt es klinische Evidenz.

AnwendungAnwendungsformen und Qualitätsfragen

  • RindenabkochungDie traditionelle peruanische Form: geschnittene Rinde 20 bis 30 Minuten gekocht, herb und gerbstoffreich.
  • TrockenextraktKapseln - die im Handel übliche Form; Dosierungen schwanken zwischen den Herstellern erheblich.
  • TOA-freier ExtraktSpezialpräparate auf Basis einer umstrittenen Hypothese - der Aufpreis ist nicht belegt gerechtfertigt.
  • TinkturAlkoholische Auszüge, ebenfalls ohne einheitliche Standardisierung.
  • Artangabe prüfenUncaria tomentosa und Uncaria guianensis sind verschiedene Arten.
  • Gehaltsangabe prüfenOhne deklarierten Alkaloidgehalt ist ein Präparat nicht beurteilbar.
  • Herkunft prüfenWildsammlung aus geplünderten Beständen ist ein reales Problem; Herkunftsangaben sind ein gutes Zeichen.
  • Zeitlich begrenzenKeine Langzeitdaten - einige Wochen, dann Bilanz ziehen.
  • MedikationslisteVor der ersten Kapsel die eigene Medikation durchgehen; CYP3A4 betrifft viele Arzneimittel.
  • ArztgesprächBei Autoimmunerkrankung, Transplantation oder onkologischer Behandlung ist das keine Option zur Selbstentscheidung.
Faustregel: Der wichtigste Blick geht nicht auf die Wirkversprechen, sondern auf die eigene Medikamentenliste. Die Katzenkralle hemmt CYP3A4, ein Enzym, über das ein erheblicher Teil aller Arzneimittel abgebaut wird - das ist bei dieser Pflanze das konkreteste Risiko.

Als HausmittelKein Hausmittel - eine Entscheidungshilfe

So geht’s

Was vor einer Anwendung zu klären ist

  1. Erste Frage: Nimmst du Medikamente? Die Katzenkralle hemmt CYP3A4. Betroffen sind unter anderem Blutdrucksenker, Statine, Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva und viele weitere. Ohne Durchsicht der Medikationsliste keine Einnahme.
  2. Zweite Frage: Hast du eine Autoimmunerkrankung oder eine Organtransplantation hinter dir? Dann ist die Anwendung ohne ärztliche Begleitung nicht vertretbar - bei Transplantation gar nicht.
  3. Dritte Frage: Bist du schwanger, stillst du oder planst du eine Schwangerschaft? Dann nicht. Die Pflanze wurde traditionell auch als abtreibendes Mittel verwendet.
  4. Vierte Frage: Was steht auf dem Etikett? Die botanische Art (Uncaria tomentosa), ein Alkaloidgehalt und eine Herkunftsangabe sind das Minimum. Fehlt eines davon, lass das Produkt stehen.
  5. Wenn alle vier Fragen geklärt sind: mit der auf der Packung angegebenen Dosis beginnen, nicht mehr, und über vier bis sechs Wochen beobachten.
  6. Danach Bilanz ziehen. Passiert nichts Spürbares, ist es nicht die richtige Pflanze - dann beenden, statt die Dosis zu erhöhen. Bei Magenbeschwerden, Kopfschmerz oder Hautreaktionen sofort absetzen.
Wofür

Traditionell in Peru als entzündungshemmendes und stärkendes Mittel. In Europa ohne anerkanntes Anwendungsgebiet; die vorhandenen kleinen Studien betreffen Gelenkbeschwerden. Kein Mittel bei Krebs, HIV, Borreliose oder Autoimmunerkrankungen.

Menge

In Studien wurden sehr unterschiedliche Mengen eingesetzt, von 20 mg eines konzentrierten Extrakts bis zu mehreren hundert Milligramm. Es gibt keine behördlich geprüfte Dosierungsempfehlung - die Packungsangabe des Herstellers ist die einzige Orientierung.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Katzenkralle ist eine südamerikanische Pflanze und im Ayurveda nicht vertreten. Für den Bereich Gelenke und Entzündung stehen dort Guggulu (Commiphora mukul), Shallaki (Weihrauch, Boswellia serrata) und Kurkuma im Vordergrund - der Weihrauch ist dabei die Pflanze mit der vergleichsweise besten Datenlage in diesem Bereich. Wo die Katzenkralle in moderner ayurvedisch inspirierter Literatur auftaucht, geschieht das mit westlichen Begründungen.

Traditionelle Chinesische Medizin

Interessanterweise ist die Gattung Uncaria in der chinesischen Medizin sehr wohl vertreten - allerdings mit anderen Arten. Gou Teng ist die dornige Ranke von Uncaria rhynchophylla und verwandter Arten und gehört zu den Drogen, die „Leber-Wind beruhigen“; eingesetzt wird sie bei Schwindel, Kopfschmerz, Krämpfen und Bluthochdruck. Das Leitalkaloid dort ist Rhynchophyllin - dieselbe Substanz, die in der Katzenkralle zu den tetrazyklischen Alkaloiden zählt, deren Rolle in Europa so umstritten ist. Zwei Kontinente, eine Gattung, völlig verschiedene Anwendungen.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Nicht nach Organtransplantation: Eine als immunstimulierend beworbene Pflanze neben einer immunsuppressiven Therapie ist kontraindiziert.
  • Nicht bei Autoimmunerkrankungen ohne ärztliche Begleitung: Bei MS, Lupus und ähnlichen Erkrankungen ist die Anwendung nicht zur Selbstentscheidung geeignet.
  • CYP3A4-Wechselwirkungen: Die Katzenkralle kann den Abbau vieler Arzneimittel hemmen und damit deren Spiegel erhöhen. Bei Dauermedikation vorher ärztlich klären.
  • Nicht während einer Krebstherapie: Wechselwirkungen mit Zytostatika sind möglich, und es gibt keine Evidenz, die eine Anwendung rechtfertigen würde.
  • Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit: Traditionell auch als abtreibendes Mittel verwendet; in dieser Zeit strikt zu meiden.
  • Qualität ist ein reales Problem: Verwechslungen mit Uncaria guianensis und stark schwankende Alkaloidgehalte sind dokumentiert. Ohne Artangabe und Gehaltsdeklaration ist ein Produkt nicht beurteilbar.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen

Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.

QuellenWorauf sich das stützt

  1. Mur E. et al.: Randomized double blind trial of an extract from the pentacyclic alkaloid-chemotype of Uncaria tomentosa in rheumatoid arthritis. Journal of Rheumatology 2002.
  2. Piscoya J. et al.: Efficacy and safety of freeze-dried cat’s claw in osteoarthritis of the knee. Inflammation Research 2001.
  3. Memorial Sloan Kettering Cancer Center, About Herbs: Cat’s Claw - Monographie mit Wechselwirkungsübersicht.
  4. Heitzman M.E. et al.: Ethnobotany, phytochemistry and pharmacology of Uncaria. Phytochemistry 2005.
  5. Instituto Nacional de Recursos Naturales (Peru): Regelungen zur Ernte und Ausfuhr von Uncaria tomentosa.