Zitrone (Citrus limon)
HerkunftDie Frucht, die den Skorbut besiegte

1747 gab der Schiffsarzt James Lind skorbutkranken Matrosen Zitronen und Orangen - nach sechs Tagen waren sie wieder diensttauglich.
Die Zitrone ist keine Wildpflanze, sondern eine alte Kreuzung: Genetische Analysen zeigen Bitterorange und Zitronatzitrone als Eltern. Sie stammt aus der Region zwischen Nordostindien und Myanmar, kam über Persien in den arabischen Raum und mit den Arabern nach Sizilien und Spanien. Im Mittelalter war sie in Mitteleuropa ein Luxus, den sich Adel und Apotheker leisteten.
Berühmt wurde sie auf See. Der schottische Arzt James Lind führte 1747 einen der ersten kontrollierten Versuche der Medizingeschichte durch: Von zwölf skorbutkranken Matrosen erholten sich jene zwei, die Zitrusfrüchte bekamen. Die Royal Navy führte Jahrzehnte später Zitronensaft als Pflichtration ein - britische Seeleute heißen bis heute „Limeys“. Heute kommen Zitronen vor allem aus Spanien, Italien, der Türkei, Argentinien und Südafrika.
NutzenWas die Zitrone für dich tut
Die Zitrone ist eine gute Vitamin-C-Quelle - mit rund 50 mg pro 100 g Fruchtfleisch aber nicht die beste: Paprika, Brokkoli, schwarze Johannisbeeren und Sanddorn haben mehr. Vitamin C ist unverzichtbar für das Immunsystem, die Kollagenbildung und die Eisenaufnahme. Und genau dort ist die Zitrone stark: Ein Spritzer Zitronensaft über Linsen, Spinat oder Haferflocken verbessert die Aufnahme von pflanzlichem Eisen deutlich.
Zur Erkältung ist die Studienlage ehrlich ernüchternd. Eine große Cochrane-Übersicht fand: Regelmäßig eingenommenes Vitamin C verkürzt Erkältungen bei Erwachsenen um etwa acht Prozent, verhindert sie aber bei den meisten Menschen nicht - und erst bei Erkältungsbeginn genommen hilft es kaum. Die heiße Zitrone tut trotzdem gut: Wärme, Flüssigkeit und der Geschmack sind Wohltaten, keine Placebos.
Weniger bekannt ist die Zitronensäure: Sie wird im Körper zu Citrat, und Citrat im Urin hemmt die Bildung von Kalziumoxalat-Nierensteinen. Urologen empfehlen Menschen mit Steinneigung deshalb manchmal Zitronenwasser - als Ergänzung, nicht als Ersatz für die Behandlung.
InhaltsstoffeDas steckt in der Zitrone
Der Saft besteht neben Wasser vor allem aus Zitronensäure (etwa 5 bis 6 Prozent), Vitamin C, etwas Kalium und Flavonoiden wie Hesperidin und Eriocitrin. Die meisten Flavonoide sitzen allerdings nicht im Saft, sondern in der weißen Innenhaut und in der Schale.
Die gelbe Schale enthält das ätherische Öl mit Limonen als Hauptbestandteil, dazu Citral - daher der Duft. In Schale und Öl finden sich auch Furocumarine, die die Haut lichtempfindlich machen können. Konventionelle Zitronen werden nach der Ernte oft mit Wachs und Konservierungsstoffen wie Imazalil behandelt - deshalb steht „Schale nicht zum Verzehr geeignet“ auf dem Etikett. Für Abrieb immer „unbehandelt“ kaufen.
Verstärkte KombinationenWas die Zitrone stärker macht
Die Zitrone hebt fast alles - sie ist das Salz der Säure. Entscheidend ist, wann sie ins Gericht kommt.
Vitamin C verbessert die Aufnahme von pflanzlichem Eisen deutlich - Zitrone über Linsensalat, Hummus, Spinat.
Die Grundformel jeder mediterranen Sauce: Säure, Fett, Salz - über Fisch, Gemüse, Salat.
Vitamin C und Aroma sind hitzeempfindlich - Zitronensaft und Abrieb erst kurz vor dem Servieren.
Heiße Zitrone mit Ingwerscheiben und Honig - nicht kochend aufgießen, damit Honig und Vitamin C geschont werden.
Zitronenkuchen, Lemon Curd, Tarte au citron - die Säure verhindert, dass Süßes pappig schmeckt.
Gremolata: Zitronenabrieb, Petersilie, Knoblauch - über Ossobuco, Fisch, Gemüse.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Zitronensaft greift Zahnschmelz an. Verdünnt trinken, mit Strohhalm, danach Wasser - und 30 Minuten nicht putzen.
Das morgendliche Zitronenwasser ist bei Reflux eher Auslöser als Hilfe.
Säure lässt Milch und Sahne gerinnen - gewollt beim Paneer, ungewollt in der Sauce.
Die weiße Innenhaut ist bitter; nur das Gelbe abreiben.
Furocumarine in Schale und Saft machen die Haut lichtempfindlich - bei Limetten besonders ausgeprägt.
Gewachste Zitronen mit Konservierungsstoffen nicht für Abrieb oder Limonade mit Schale verwenden.
In der KücheWo sie hingehört
- Zitronen-Olivenöl-DressingSaft, Abrieb, Olivenöl, Salz, Pfeffer - zu fast jedem Salat.
- GremolataZitronenabrieb, Petersilie, Knoblauch über geschmortes Fleisch und Fisch.
- SalzzitronenMarokkanisch: Zitronen mit Salz im Glas fermentiert, nach vier Wochen weich und würzig.
- ZitronenhähnchenMit halbierten Zitronen, Thymian und Knoblauch im Ofen.
- HummusKichererbsen, Tahin, reichlich Zitrone - Eisen und Vitamin C in einer Schüssel.
- Lemon CurdZitrone, Zucker, Butter, Eier - für Tarte und Frühstück.
- Risotto al limoneZum Schluss Abrieb, Saft und Parmesan.
- LimonadeSaft, Wasser, wenig Zucker, Minze.
- Gebeizter FischCeviche: roher Fisch gart in Zitronen- oder Limettensaft.
- Zitronen-Joghurt-SauceJoghurt, Abrieb, Salz, Dill - zu Lachs und Gemüse.
Als HausmittelDie heiße Zitrone, richtig gemacht
Heiße Zitrone mit Ingwer
- Den Saft einer halben Zitrone in eine Tasse pressen, 3 bis 4 dünne Scheiben frischen Ingwer dazu.
- Mit Wasser aufgießen, das etwa 60 °C warm ist - also nicht kochend, sondern etwas abgekühlt.
- Einen Teelöffel Honig einrühren.
- Langsam in kleinen Schlucken trinken.
Bei Halskratzen und beginnender Erkältung: Wärme, Flüssigkeit, etwas Vitamin C, Ingwer für die Wärme im Körper, Honig für den Rachen. Eine Wohltat, kein Wundermittel.
Zwei bis drei Tassen am Tag. Bei empfindlichem Magen oder Sodbrennen weniger Zitrone. Kein Honig für Kinder unter einem Jahr. Wer mit Zitronenwasser Nierensteinen vorbeugen will, bespricht das mit dem Urologen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Zitrone (Nimbuka) gilt im Ayurveda als sauer, leicht und erwärmend für die Verdauung: Sie weckt Agni, das Verdauungsfeuer, beruhigt Vata und in Maßen auch Kapha, kann aber Pitta erhöhen. Warmes Wasser mit Zitrone am Morgen ist eine klassische ayurvedische Gewohnheit.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM ist die Zitrone (Ning Meng) sauer und kühl. Sie soll Körperflüssigkeiten bilden, Durst löschen, Sommerhitze vertreiben und den Magen harmonisieren - traditionell auch gegen Übelkeit in der Schwangerschaft.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Zahnschmelz: Säure - verdünnt trinken, danach Wasser, nicht sofort putzen.
- Sodbrennen: kann Reflux und Magenschleimhaut reizen.
- Haut und Sonne: Saft oder Schale auf der Haut plus Sonne können Verbrennungen und Flecken auslösen (Phototoxizität).
- Schale: nur unbehandelte Früchte für Abrieb verwenden.
- Allergie: selten, meist gegen Bestandteile des Schalenöls (Limonen).
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Hemilä H, Chalker E. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013; (1): CD000980.
- Carr AC, Maggini S. Vitamin C and immune function. Nutrients 2017; 9(11): 1211.
- Penniston KL et al. Quantitative assessment of citric acid in lemon juice, lime juice, and commercially-available fruit juice products. Journal of Endourology 2008; 22(3): 567–570.
- Lind J. A Treatise of the Scurvy. Edinburgh 1753.
- USDA FoodData Central: Lemons, raw, without peel.


