HerkunftEin Tee von den Gipfeln des Balkans

Wo im Sommer Schafe über kahle Kalkhänge ziehen, wächst ein silbriges Kraut, das auf dem Balkan in fast jeder Küche steht.
Der Griechische Bergtee ist ein ausdauernder Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler. Er wächst auf steinigen, sonnigen Kalkböden im Hochgebirge der Balkanhalbinsel, etwa im Pirin, in den Rhodopen oder am Olymp. Seine Blätter und Stängel sind dicht mit weißen Härchen bedeckt, was ihm einen silbrigen Schimmer gibt. Im Sommer erscheinen gelbe Blüten in kurzen, dichten Ähren.
Der Artname scardica geht auf das Šar-Gebirge zurück, das in der Antike Scardus hieß. In Griechenland kennt man den Tee als „Tsai tou vounou“, Tee vom Berg, in Bulgarien als Mursalski-Tee nach einem Gipfel in den Rhodopen. Hirten haben ihn seit Generationen gesammelt und als wärmendes Getränk getrunken.
Weil die Wildbestände durch Übersammeln zurückgingen, steht die Art in einigen Ländern unter Schutz. Heute stammt der Großteil der Ware aus kontrolliertem Anbau. Neben Sideritis scardica werden in Griechenland auch verwandte Arten wie Sideritis raeseri, Sideritis clandestina und Sideritis syriaca als Bergtee verwendet. Die EU-Monographie umfasst alle vier.
NutzenVom Hirtentee zur EU-Monographie
In der Volksheilkunde des Balkans wird der Bergtee traditionell bei Erkältungen, Husten und Halsbeschwerden getrunken, außerdem bei Magenverstimmung und Völlegefühl. Viele Familien trinken ihn auch einfach als täglichen Kräutertee, oft mit Honig und Zitrone. Diese lange und breite Verwendung war die Grundlage für die Bewertung durch die europäischen Behörden.
Das HMPC hat 2016 eine Monographie zu Sideritis herba verabschiedet. Danach kann der Tee als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Husten bei Erkältung und zur Linderung leichter Magen-Darm-Beschwerden verwendet werden. Die Anerkennung beruht ausschließlich auf langjähriger Anwendung, nicht auf klinischen Wirksamkeitsstudien. 2018 wurde Sideritis scardica zudem in die EU-Liste der pflanzlichen Stoffe für traditionelle Arzneimittel aufgenommen.
In Labor- und Tierversuchen zeigten Extrakte entzündungshemmende, antioxidative und schwach antimikrobielle Eigenschaften. Diese Befunde passen zur traditionellen Anwendung, sind aber noch kein Beweis für eine Wirkung am Menschen.
Neu ist das Interesse an den Nerven. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 155 gesunden Erwachsenen zwischen 50 und 70 Jahren zeigte sich nach 28 Tagen mit 950 mg Extrakt täglich eine etwas bessere Aufmerksamkeitsleistung und weniger Anspannung als unter Placebo. Die Studie wurde von einem Extrakthersteller mitgetragen und muss noch bestätigt werden.
InhaltsstoffeWas im silbrigen Kraut steckt
Den Hauptanteil der Wirkstoffe stellen Flavonoide, vor allem Glykoside des Isoscutellareins und Hypolaetins sowie von Apigenin und Luteolin. Diese seltenen 8-Hydroxyflavone gelten als typisch für die Gattung Sideritis.
Dazu kommen Phenylethanoidglykoside wie Verbascosid (Acteosid), die auch im Spitzwegerich und in der Königskerze vorkommen, sowie Phenolcarbonsäuren wie Chlorogensäure. Sie tragen zur antioxidativen Kraft des Tees bei.
Der Anteil an ätherischem Öl ist gering, prägt aber den feinen Duft. Außerdem enthält das Kraut Diterpene und Iridoide. Der genaue Gehalt schwankt je nach Art, Standort und Erntezeit.
Verstärkte KombinationenGute Teepartner und klare Grenzen
Der milde Bergtee lässt sich wunderbar mit anderen Kräutern mischen, ohne sie zu übertönen.
Thymian ist für Erkältungshusten gut belegt und gibt dem milden Bergtee eine kräftige Note.
Spitzwegerich legt sich mit seinen Schleimstoffen schützend auf gereizte Schleimhäute.
Ein Löffel Honig im lauwarmen Tee ist ein klassisches Hausmittel bei kratzendem Hals.
Kamille ergänzt den Bergtee bei leichten Magen-Darm-Beschwerden mit ihrer entspannenden Wirkung.
Melisse passt geschmacklich gut und wird traditionell bei nervösen Magenbeschwerden verwendet.
Ein paar Spritzer Zitrone sind auf dem Balkan die übliche Begleitung und heben das Aroma.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Wer auf Salbei, Minze oder Thymian allergisch reagiert, kann auch auf Bergtee reagieren.
Die Monographie empfiehlt ihn für diese Altersgruppe nicht, weil Daten fehlen.
Hält Husten länger als eine Woche an oder hast du Fieber und Atemnot, gehört das abgeklärt.
AnwendungSo bereitest du den Bergtee zu
- Aufguss2 bis 4 g Kraut (etwa 1 bis 2 gehäufte Teelöffel oder ein paar Stängel) mit 150 bis 200 ml kochendem Wasser übergießen.
- ZiehzeitZugedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen lassen, damit das ätherische Öl nicht verfliegt.
- Häufigkeit2 bis 3 Tassen am Tag, höchstens 12 g Kraut täglich, so die Monographie.
- Klassisch gekochtAuf dem Balkan werden die Stängel oft 3 bis 5 Minuten leicht gekocht, das gibt einen kräftigeren Tee.
- Bei HustenWarm und in kleinen Schlucken trinken, gern mit einem Löffel Honig.
- Bei MagenbeschwerdenEine Tasse nach dem Essen, ungesüßt.
- KaltAbgekühlt mit Zitrone ergibt der Tee ein erfrischendes Sommergetränk.
- DauerBei Husten nach einer Woche, bei Magenbeschwerden nach zwei Wochen ohne Besserung ärztlich abklären lassen.
Als HausmittelDas Hausmittel der Balkanküche
Bergtee mit Honig, Zitrone und Zimt
- 3 bis 4 Stängel Bergtee in einen kleinen Topf mit 400 ml Wasser geben.
- Eine kleine Zimtstange dazugeben und alles aufkochen.
- Bei kleiner Hitze 5 Minuten köcheln, dann vom Herd nehmen und 5 Minuten ziehen lassen.
- Abseihen, etwas abkühlen lassen und mit einem Teelöffel Honig und einem Spritzer Zitrone abschmecken.
Traditionell an kalten Tagen und bei Erkältungshusten getrunken. Der Honig beruhigt den Hals, Zimt und Zitrone machen den Tee rund.
2 bis 3 Becher am Tag, solange die Erkältung dauert, höchstens etwa eine Woche ohne ärztlichen Rat.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Im Ayurveda kommt der Griechische Bergtee nicht vor, er ist eine Pflanze des Balkans. Nach seinen Eigenschaften, mild aromatisch und leicht wärmend als heißer Tee, würde man ihn zur Beruhigung von Kapha bei verschleimten Atemwegen und von Vata bei Kälte einordnen. Das ist eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.
Traditionelle Chinesische Medizin
Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin spielt Sideritis keine Rolle. Als aromatisches, leicht warmes Kraut ließe er sich am ehesten den Mitteln zuordnen, die bei Wind-Kälte-Erkältungen die Oberfläche öffnen und das Lungen-Qi absenken, und zugleich die Mitte harmonisieren. Das ist eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung. Die eigentliche Tradition des Bergtees ist die griechische und bulgarische Volksheilkunde, die bis in die Antike zurückreichen soll.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Allergie: Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Lippenblütler (etwa Salbei, Minze, Thymian) solltest du auf Bergtee verzichten.
- Kinder und Jugendliche: Für Menschen unter 18 Jahren empfiehlt die EU-Monographie den Tee mangels Daten nicht.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist nicht belegt. Trinke ihn in dieser Zeit nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
- Husten: Wenn der Husten länger als eine Woche dauert, du Fieber, Atemnot oder blutigen Auswurf hast, lass dich ärztlich untersuchen.
- Magen-Darm: Halten Beschwerden länger als zwei Wochen an oder werden sie schlimmer, gehört das abgeklärt.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Sideritis scardica Griseb.; Sideritis clandestina (Bory & Chaub.) Hayek; Sideritis raeseri Boiss. & Heldr.; Sideritis syriaca L., herba. EMA/HMPC/39453/2015, 2016.
- Durchführungsbeschluss (EU) 2018/134 der Kommission vom 24. Januar 2018 zur Änderung der Entscheidung 2008/911/EG (Aufnahme von Sideritis scardica Griseb., herba in die Liste pflanzlicher Stoffe für traditionelle Arzneimittel).
- Todorova M, Trendafilova A. Sideritis scardica Griseb., an endemic species of Balkan peninsula: traditional uses, cultivation, chemical composition, biological activity. J Ethnopharmacol 2014; 152(2): 256 bis 265.
- Wightman EL, Jackson PA, Khan J et al. The acute and chronic cognitive and cerebral blood flow effects of a Sideritis scardica (Greek mountain tea) extract: a double blind, randomized, placebo controlled, parallel groups study in healthy humans. Nutrients 2018; 10(8): 955.
- Zheleva-Dimitrova D, Voynikov Y, Gevrenova R, Balabanova V. A comprehensive phytochemical analysis of Sideritis scardica infusion using Orbitrap UHPLC-HRMS. Molecules 2023; 29(1): 204.
- Bildnachweis: Griechischer Bergtee. Foto: Rumen Evtimov, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons


