Topinambur (Helianthus tuberosus)

Botanischer Name
Helianthus tuberosusKorbblütler (Asteraceae), eine Sonnenblume
Verwendet wird
Die Knollenroh, gekocht, gebraten, als Chips
Geschmack
Nussig, leicht süßerinnert an Artischocke
Herkunft
Nordamerikaseit dem 17. Jahrhundert in Europa
Bekannt für
Inulinstatt Stärke als Speicherstoff
Saison
Oktober bis Märzfrisch aus dem Boden, kaum lagerfähig

HerkunftDie Erdbirne aus Amerika

Topinamburknollen und Scheiben auf einem Schneidebrett

Der Name geht auf die brasilianischen Tupinambá zurück, die im 17. Jahrhundert in Paris vorgeführt wurden - mit der Knolle hatten sie nichts zu tun.

Topinambur stammt aus Nordamerika, wo indigene Völker die Knollen lange vor der Ankunft der Europäer nutzten. Anfang des 17. Jahrhunderts kam die Pflanze nach Frankreich und breitete sich rasch in Europa aus. Bevor die Kartoffel ihren Siegeszug antrat, war Topinambur vielerorts ein wichtiges Wintergemüse, danach wurde er zum Viehfutter und zur Schnapsknolle.

Im Volksmund heißt er Erdbirne, Erdartischocke, Rosskartoffel oder Jerusalem-Artischocke. In Baden wird aus ihm bis heute der „Rossler“ gebrannt. Die Pflanze ist winterhart, wächst über zwei Meter hoch, blüht im Herbst gelb und ist im Garten kaum wieder loszuwerden: Jedes vergessene Knöllchen treibt im nächsten Jahr neu aus.

NutzenWas Topinambur für dich tut

Frische Topinamburknollen bestehen zu rund 80 Prozent aus Wasser. Der Großteil der Trockenmasse ist Inulin, ein Fruktan aus Fruchtzuckerbausteinen, das der Dünndarm nicht verdauen kann. Österreichische Nährwerttabellen nennen rund 12 g Ballaststoffe, 2,4 g Eiweiß, knapp 500 mg Kalium und rund 3,5 mg Eisen pro 100 g. Die USDA rechnet Inulin zu den Kohlenhydraten und kommt deshalb auf mehr Kalorien.

Im Dickdarm dient Inulin als Präbiotikum: In einer Studie mit Backwaren, die Topinambur- oder Chicorée-Inulin enthielten, stieg bei gesunden Erwachsenen nach drei Wochen die Zahl der Bifidobakterien deutlich. Für natives Chicorée-Inulin hat die EFSA bestätigt, dass 12 g am Tag die Stuhlfrequenz erhöhen und so zur normalen Darmfunktion beitragen. Das lässt sich nicht eins zu eins auf die Knolle übertragen, zeigt aber die Richtung.

Weil Inulin kaum Glukose liefert, lässt Topinambur den Blutzucker deutlich weniger ansteigen als Kartoffeln - daher der alte Name „Diabetikerkartoffel“. Harte Belege für eine bessere Blutzuckereinstellung beim Menschen fehlen aber. Und: Die Darmbakterien vergären Inulin zu Gasen, Blähungen sind bei größeren Portionen fast sicher.

ca. 12 gBallaststoffe (v. a. Inulin) pro 100 g
ca. 480 mgKalium pro 100 g
ca. 3,5 mgEisen pro 100 g
Okt.–MärzErntezeit direkt aus dem Boden

InhaltsstoffeDas steckt im Topinambur

Topinambur enthält Inulin und kürzere Fruktooligosaccharide, Eiweiß, Kalium, Eisen, Magnesium, Phosphor, Vitamin B1 und B3, etwas Vitamin C sowie Phenolsäuren wie Chlorogensäure. Stärke enthält er praktisch nicht.

Der Inulingehalt ist im Herbst am höchsten. Im Lauf des Winters wird ein Teil in kürzere Zuckerketten umgebaut - späte Knollen schmecken deshalb süßer, sind aber oft auch etwas blähender.

Verstärkte KombinationenWas Topinambur stärker macht

Topinambur braucht Würze, die seine Nussigkeit trägt - und Gewürze, die die Verdauung entlasten.

Gewürz

mit Kümmel & Fenchel

Klassisch gegen Blähungen.

Fett

mit Butter oder Olivenöl

Bringt das Aroma heraus.

Säure

mit Zitrone

Hält rohe Scheiben hell.

Kräuter

mit Thymian

Zu Ofen-Topinambur.

Nuss

mit Haselnüssen

Unterstreicht den Geschmack.

Knolle

mit Kartoffel

Im Püree halb und halb - besser verträglich.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Menge

nicht gleich große Portionen

Langsam steigern, der Darm gewöhnt sich.

Reizdarm

nicht bei FODMAP-Diät

Fruktane lösen Beschwerden aus.

Lagerung

nicht offen im Vorrat

Schrumpelt in wenigen Tagen.

Garzeit

nicht verkochen

Wird schnell matschig.

Schale

nicht unnötig schälen

Gründlich bürsten reicht.

Farbe

nicht geschnitten liegen lassen

Wird an der Luft braun.

In der KücheWo er hingehört

  • Topinambur-SuppeCremig mit Haselnussöl.
  • Ofen-TopinamburMit Thymian und Knoblauch.
  • Topinambur-ChipsHauchdünn gebacken.
  • RohkostsalatFein gehobelt mit Apfel.
  • PüreeMit Kartoffeln gemischt.
  • GratinMit Sahne und Muskat.
  • Bratkartoffel-ArtIn Scheiben gebraten.
  • Wintergemüse-PfanneMit Pastinake und Möhre.
  • Topinambur-RöstiGeraspelt mit Ei.
  • CarpaccioRoh mit Zitrone und Kräutern.
Faustregel: Topinambur nur gründlich unter Wasser abbürsten, die dünne Schale kann dranbleiben. Wer ihn schälen will, kocht ihn kurz vor und zieht die Haut dann ab. Kümmel oder Fenchelsamen im Kochwasser machen ihn bekömmlicher.

Als HausmittelTopinambur behutsam einschleichen

So geht’s

Der sanfte Einstieg

  1. In der ersten Woche jeden zweiten Tag nur 2 bis 3 Scheiben roh oder eine kleine Knolle gekocht essen.
  2. Mit Kümmel, Fenchel oder Koriander würzen und gut kauen.
  3. Ab der zweiten Woche die Menge langsam steigern, wenn der Bauch ruhig bleibt.
  4. Reichlich trinken, denn Inulin bindet Wasser im Darm.
Wofür

Für alle, die mehr Ballaststoffe essen und ihre Darmflora mit Präbiotika füttern möchten, ohne gleich mit Blähungen zu kämpfen. Der Darm passt sich an, die Gasbildung lässt meist nach einigen Wochen nach.

Menge

Als Beilage 100 bis 150 g pro Mahlzeit. Bei Reizdarm, FODMAP-Unverträglichkeit oder nach Darmoperationen vorher ärztlich besprechen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Topinambur ist im klassischen Ayurveda nicht beschrieben. Nach heutiger Einordnung gilt er als süß, schwer und blähend - für Vata nur gegart und gut gewürzt, ausgleichend für Pitta, bei Kapha in Maßen.

Traditionelle Chinesische Medizin

Auch in der TCM ist Topinambur kein klassisches Mittel. In der modernen chinesischen Ernährungslehre wird er als süß und kühl eingeordnet und soll Hitze klären und den Darm befeuchten.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Blähungen: Inulin wird im Darm vergoren - Menge langsam steigern.
  • Reizdarm: Topinambur ist reich an Fruktanen und bei FODMAP-Diät ungeeignet.
  • Fruktoseintoleranz: beim Abbau entsteht Fruchtzucker; vorsichtig testen.
  • Allergie: selten, Kreuzreaktion mit anderen Korbblütlern möglich.
  • Diabetes: kein Ersatz für Therapie - Blutzucker weiter regelmäßig messen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Kleessen B et al. Jerusalem artichoke and chicory inulin in bakery products affect faecal microbiota of healthy volunteers. British Journal of Nutrition 2007; 98(3): 540–549.
  2. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to „native chicory inulin“ and maintenance of normal defecation by increasing stool frequency pursuant to Article 13.5 of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal 2015; 13(1): 3951.
  3. Kays SJ, Nottingham SF. Biology and Chemistry of Jerusalem Artichoke: Helianthus tuberosus L. CRC Press, Boca Raton 2008.
  4. USDA FoodData Central: Jerusalem-artichokes, raw.
  5. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at): Topinambur.