Sellerie (Apium graveolens)
HerkunftVon der Salzwiese in den Suppentopf

Die alten Griechen bekränzten Sieger bei den Nemeischen Spielen mit Sellerie - und legten ihn Toten ins Grab.
Wilder Sellerie wächst an Küsten und auf Salzwiesen rund ums Mittelmeer und an der Nordsee. Ägypter, Griechen und Römer nutzten ihn als Heil-, Würz- und Kultpflanze; bei Homer weiden die Pferde des Achill auf Selleriewiesen. Als Gemüse wurde er erst in der Renaissance in Italien gezüchtet - bis dahin war der wilde Sellerie zu bitter.
Heute gibt es drei Formen derselben Art: den Knollensellerie mit dicker Wurzelknolle, typisch für Mitteleuropa und das Suppengrün, den Stangen- oder Staudensellerie mit fleischigen Blattstielen, und den Schnittsellerie, der wie Petersilie als Kraut verwendet wird. Die Früchte werden als Selleriesamen und Selleriesalz genutzt.
NutzenWas der Sellerie für dich tut
Sellerie ist ein leichtes, würziges Gemüse: Stangensellerie hat nur etwa 14 kcal pro 100 g, Knollensellerie rund 42 kcal. Er liefert Ballaststoffe, Kalium, Vitamin K, Folat und Vitamin C sowie Flavonoide wie Apigenin und Luteolin. Sein typisches Aroma stammt von Phthaliden, vor allem 3-n-Butylphthalid.
Für 3-n-Butylphthalid gibt es Hinweise aus Tierversuchen auf eine blutdrucksenkende Wirkung, und Sellerie ist wie Rote Bete ein nitratreiches Gemüse. Belastbare Studien am Menschen fehlen jedoch. Die Kommission E hat Sellerie wegen fehlender Wirksamkeitsbelege nicht als Arzneimittel empfohlen.
Zum Selleriesaft-Trend: Die Behauptung, 500 ml Selleriesaft auf nüchternen Magen entgifteten die Leber und heilten chronische Krankheiten, stammt aus einem populären Buch, nicht aus Studien. Saft ist nicht schädlich für Gesunde, aber der ganze Sellerie mit seinen Ballaststoffen ist die bessere Wahl.
InhaltsstoffeDas steckt im Sellerie
Sellerie enthält Wasser, Ballaststoffe, Kalium, Natrium (etwas mehr als andere Gemüse - daher der leicht salzige Geschmack), Vitamin K, Folat und Vitamin C. Dazu kommen die Flavonoide Apigenin und Luteolin, die Phthalide für den Duft und Nitrat.
Sellerie enthält außerdem Furocumarine wie Psoralen, vor allem wenn er von Pilzen befallen ist. Sie machen die Haut lichtempfindlich - bei Gemüsebauern, die viel mit Sellerie arbeiten, sind Hautentzündungen durch Sonne und Sellerie bekannt. Beim Essen normaler Mengen spielt das keine Rolle.
Verstärkte KombinationenWas den Sellerie stärker macht
Sellerie ist Würze und Gemüse zugleich - er gibt Tiefe, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Suppengrün: Das Fundament jeder guten Brühe.
Die italienische Basis - fein gewürfelt in Olivenöl angeschwitzt.
Waldorfsalat: Knollen- oder Stangensellerie mit Apfel, Walnüssen und Joghurt.
Die ganze Knolle mit Schale 2 Stunden im Ofen gebacken - nussig und saftig wie ein Braten.
Stangensellerie als knackiger Löffel für Dips.
Getrocknetes Sellerielaub mit etwas Salz - würzt mit weniger Natrium.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Sellerieallergene sind teils hitzestabil und können schwere Reaktionen bis zum Schock auslösen.
Das Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom betrifft viele Pollenallergiker - dann auch bei Karotte, Fenchel und Gewürzen aufpassen.
Furocumarine können beim Verarbeiten großer Mengen in der Sonne Hautreaktionen auslösen.
Vitamin K - gleichmäßig essen.
Selleriesaft-Kuren ersetzen keine Behandlung und haben keinen belegten Entgiftungseffekt.
Das Laub ist aromatischer als die Stange - für Brühe, Salat und Selleriesalz.
In der KücheWo er hingehört
- GemüsebrüheMit Knolle, Karotte, Lauch, Zwiebel, Petersilie.
- WaldorfsalatSellerie, Apfel, Walnüsse, Joghurt-Mayonnaise.
- SelleriepüreeKnolle mit Kartoffel, Butter und Muskat.
- SellerieschnitzelKnollenscheiben paniert und gebraten.
- Ganze OfenknolleMit Schale gebacken, mit Butter und Thymian.
- SelleriecremesuppeMit Apfel und Nussbutter.
- Stangensellerie mit DipZu Hummus oder Erdnussmus.
- SoffrittoFür Bolognese und Minestrone.
- Sellerie-RohkostFein geraspelt mit Zitrone und Apfel.
- SelleriesalzLaub trocknen, mit Salz mahlen.
Als HausmittelSelbstgemachte Gemüsebrühe
Kräftige Sellerie-Gemüsebrühe
- Eine halbe Sellerieknolle mit Grün, zwei Karotten, eine Stange Lauch und eine Zwiebel mit Schale grob schneiden.
- In etwas Öl kräftig anrösten.
- Mit zwei Litern Wasser aufgießen, Lorbeer, Pfefferkörner und Petersilienstiele dazu, eine Stunde leise köcheln.
- Abseihen, leicht salzen, portionsweise einfrieren.
Bei Erkältung und Magen-Darm-Infekten: Warme Brühe liefert Flüssigkeit, Salz und Kalium, wärmt und ist leicht verdaulich. Als Basis für Suppen ersetzt sie Brühwürfel mit Zusatzstoffen.
Nach Bedarf, mehrmals täglich eine Tasse. Bei Sellerieallergie ohne Sellerie kochen - die Allergene gehen in die Brühe über.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Sellerie (Ajmoda - eigentlich die Selleriesamen) gilt im Ayurveda als scharf, bitter und erwärmend. Die Samen werden bei Blähungen, Gelenkbeschwerden und zur Anregung des Wasserlassens eingesetzt; sie senken Vata und Kapha.
Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM ist Sellerie (Qin Cai) süß-bitter und kühl. Er soll Leberhitze klären, den Wind beruhigen und das Wasserlassen fördern - traditionell bei Kopfschmerzen, Schwindel und hohem Blutdruck, wofür es in der modernen Forschung nur Tierversuche gibt.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Allergie: Sellerie ist ein häufiges und potenziell schweres Allergen - auch gekocht und in Gewürzmischungen.
- Pollenallergie: Kreuzreaktion mit Birke und Beifuß (Sellerie-Karotte-Beifuß-Gewürz-Syndrom).
- Blutverdünner: Vitamin-K-Zufuhr unter Cumarinen gleichmäßig halten.
- Haut: Furocumarine - beim Verarbeiten großer Mengen in der Sonne Handschuhe tragen.
- Schwangerschaft: Selleriesamen und Samenöl in arzneilichen Mengen meiden; das Gemüse ist unbedenklich.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang II: Stoffe oder Erzeugnisse, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen.
- Ballmer-Weber BK et al. Celery allergy confirmed by double-blind, placebo-controlled food challenge: a clinical study in 32 subjects with a history of adverse reactions to celery root. Journal of Allergy and Clinical Immunology 2000; 106(2): 373–378.
- Tsi D, Tan BK. Cardiovascular pharmacology of 3-n-butylphthalide in spontaneously hypertensive rats. Phytotherapy Research 1997; 11(8): 576–582.
- Kommission E: Monographie Apium graveolens (Sellerie), Bundesanzeiger.
- USDA FoodData Central: Celery, raw und Celeriac, raw.


